Und wenn der Euro Deutschland nur noch schadet? (Teil II)

von Joachim Jahnke (jjahnke)

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5. Schaden für deutsche Sparer

Deutsche Sparer zahlen für den Euro eine hohe Zeche, weil die EZB mit einer Mehrheit von Schwachländern im Vorstand die Zinsen schon seit Jahren in den Keller getrieben hat. Dabei ist das Ziel eines angleichenden Wachstumsschubs in den Schwachländern nicht einmal erreicht worden. Bis auf Portugal blieb der jährliche Wirtschaftszuwachs zwischen 2010 und 2018 in allen Ländern im Süden der Eurozone und Frankreich unter 1 % und damit in der Nähe einer Stagnation, während das Wachstum in den meisten nördlichen Ländern höher war (Abb. 20367).

 

Mit gewaltigem Aufwand hat Draghis EZB die Zinsen seit schon acht Jahren immer weiter nach unten gedrückt. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt seit März 2016 bei 0,0 %. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate entspricht das derzeit einer realen Zinsrate von minus 1,4 % (Abb. 19675). Im Durchschnitt der Jahre 2010-2018 waren es minus 0,9 %. Dagegen hatte der Diskontsatz der Bundesbank inflationsbereinigt in den Jahren 1963 bis 1990 bei plus 1,1 % gelegen und damit um 2,5 % höher (Abb. 20363).

 

 

Damit auch die an den Wertpapiermärkten gehandelten Kreditpapiere dieser Entwicklung folgen, erklärte Draghi bereits in seiner berühmten Rede von 2012, daß die EZB alles tun würde, was nötig sei. Vor allem wurde ein gigantisches Programm zum Aufkauf von Wertpapieren, besonders Staatsanleihen, aufgelegt, womit die Kurse hoch- und dementsprechend die Zinsen heruntergetrieben wurden. Insgesamt hat die EZB dafür bisher Euros im Umfang von 2,6 Billionen gedruckt, nicht viel weniger als die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung Deutschlands von 3,4 Billionen Euro. Auf jeden privaten Haushalt in der Eurozone entfallen rund 17.300 Euro. Die Gesamtbilanz der EZB explodierte dementsprechend von 2 Billionen Euro Ende 2014 auf 4,7 Billionen Euro Ende Mai 2019 oder in Anteilen an der Wirtschaftsleistung der Eurozone von 20 % auf fast 40 % (Abb. 20351).

 

 

Die deutschen Sparer lieben noch immer ihr Sparbuch, das nach einer Befragung von 45 % benutzt wird. Weitere 40 % sparen auf ihren Girokonten, auch weil die Sparkonten derzeit nichts bringen. So verlieren die deutschen Sparer nun seit vielen Jahren mit ihren Sparkonten und Sichtlagen viel Geld. In den drei Jahren 2007 bis 2009 hatte der reale Zinssatz der EZB noch bei durchschnittlich plus 1,24 % gelegen (ähnlich wie der langfristig durchschnittliche reale Diskontsatz der Bundesbank zu DM-Zeiten, siehe oben). Zum derzeitigen Realzins von minus 1,4 % ergibt das eine Differenz von 2,64 %. Da die Deutschen derzeit 1,9 Billionen Euro in Sicht- und Spareinlagen halten, macht das jedes Jahr etwa 50 Mrd. Euro an Zinsverlust gegenüber dem Durchschnittszins der EZB von 2007/09 aus oder etwa 1.200 Euro für jeden Haushalt in Deutschland. Wer mühsam für sein Alter 50.000 Euro angespart hat, verliert beim Draghi-Zins gegenüber früher 1.320 Euro pro Jahr, in 10 Jahren immerhin fast 12.000 Euro, fast ein Viertel seiner Ersparnisse, die beim Zins von 2007/09 entstanden wären, bevor die EZB die Notenpresse anwarf und die Zinsen zu senken begann.





Auch die bei vorsichtigen Anlegern beliebten Bundesanleihen wurden erwischt. Der Zins auf 10-Jährige hat einen historischen Tiefstand von nominal minus 0,33 % erreicht oder real minus 1,73 %. Dabei orientiert sich vieles an den Finanzmärkten an dieser Größe; sie gilt als Maßstab für die Kapitalmarktzinsen in Deutschland. Viele Unternehmensanleihen und Staatsanleihen anderer Länder werden in Relation zu dieser Benchmark betrachtet. Auch die Bauzinsen in Deutschland orientieren sich oftmals an dieser Anleiherendite vom Kapitalmarkt. Dagegen hatten die Renditen im Umlauf befindlicher Bundeswertpapiere in den Jahren 1992 bis 2010 nach Inflationsbereinigung noch bei fast 3 % gelegen (Abb. 20362), ein enormer, ja geradezu irrsinniger Abriß um 4,6 Zinspunkte in nur 10 Jahren bis heute und so tief in den negativen Bereich wahrscheinlich einmalig in der gesamten deutschen Nachkriegsgeschichte.

 

Bis zum Jahr 2000 hatten die nominalen Renditen der 10-Jahres-Bundesanleihen noch weit über der Inflationsrate gelegen, doch dann hat die EZB den realen Zins immer mehr gegen Null und am Ende durch massiven Aufkauf von Staatsanleihen, vor allem deutschen, in den real negativen Bereich gedrückt (Abb. 20364, 20365 – Sie werden diese Langfristdarstellung nirgendwo sonst finden). So zerstört man ein gesundes Geldsystem!

 

 

Da immer mehr noch gut bezinste Staats- und andere Anleihen aus früheren Jahren auslaufen, erhöht sich der Schaden für deutsche Sparer und auch die Halter von Lebensversicherungen immer weiter. Es ist ein regelrechter Raubzug des ClubMed in der EZB gegen die deutschen Sparer, vor allem die ärmeren unter ihnen ohne die breiten Schultern für die Börse, die für Ihr Alter sparen müssen, schon weil sie in der Eurozone nach Irland mit 38 % gemessen am letzten Arbeitseinkommen den kleinsten Rentenbetrag zu erwarten haben (Abb. 20355) und weil Deutschland den kleinsten Anteil von Haushalten hat, die in der eigenen Wohnung leben und damit eine zusätzliche Alterssicherung haben (Abb. 19820). Länder, wie Italien, könnten ihre Staatsfinanzen auch ohne die extreme Niedrigstzinspolitik der EZB sanieren, wenn sie endlich ein funktionierendes und auch die Reichen angemessen erreichendes Steuersystem einrichten und die Steuerflucht wirksamer verhindern würden.

 

 

Natürlich spart andererseits der deutsche Staat Dank EZB Zinsen auf seine Anleihen, doch diesen Gewinn gibt er nicht an die um normale Zinsen und Teile ihres Kapitals betrogenen Sparer weiter. Auch sparen natürlich Dank EZB Menschen Zinsen, die sich mit Krediten übernommen haben und nun weniger Zinsen zahlen müssen. Doch es macht einen starken Unterschied, ob Jemand durch eine ungewöhnliche Notenbankpolitik Zinszahlungen spart, womit er zu normalen Zeiten eigentlich nicht rechnen kann, oder ob Jemandem sein meist mühsam erspartes Kapital durch real negative Zinsen verkürzt und damit die ohnehin verbreitete Angst vor Altersarmut noch gesteigert wird. Außerdem ist in Deutschland das Sparkapital wesentlich größer als die Schulden, da im Durchschnitt pro Haushalt 18.100 Euro Gesamtschulden ein Geldvermögen allein in Spar- und Sichteinlagen von 44.200 Euro gegenübersteht.

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Es ist nicht zu übersehen, dass Mario Draghi bei der EZB einen Scherbenhaufen hinterlassen wird. Der nächste EZB-Präsident wird nicht in der Lage sein, diesen Scherbenhaufen zu beseitigen. Der Drachen hat bewußt die Deutschen Sparer bluten lassen. Wer will dem noch widersprechen, dass der Euro nur eingeführt wurde, um die Deutschen finanziell massiv zu scvhwächen. Ein Polit-Vollpfosten hat einmal gesagt: „Der Denar des Römischen Reichs hatte vier Jahrhunderte lang Geltung. So viel Zeit gebe ich dem Euro auch – dann kommt es zur Weltwährungsunion.“

An dieser Aussage kann man gut erkennen, dass Politiker nicht nur dumm, sondern auch völlig überflüssig und nicht wählbar sind! 

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Wandere aus, solange es noch geht!

 

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3 Kommentare

  1. Hallo Jürgen,

    die vielen in die Armut getriebenen in diesem Land können es sich nicht leisten sich NICHT mit dem Materiellen zu beschäftigen. Geht es für diese, zum Teil doch darum einigermaßen über die Runden zu kommen. 🙂

    Gruß, Libelle

    • Liebe Libelle,

      wo Du recht hast … 🙂 Aber darum geht es nur in zweiter Linie.

       Wir hier, befassen uns immer wieder mit €-Crash, Bankenkrise, Goldwerte usw., was ich für pure Zeitverschwendung halte. Es gilt sich, einmal, darauf vorzubereiten und gut ist!

       Ist es nicht viel wesentlicher, für uns, uns mehr mit den Hintergründen, warum es so ist, zu befassen?

      Grüße Jürgen

       

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