Abholzung des Regenwaldes in Lateinamerika nimmt zu

Ganze Ökosysteme werden durch Abholzungen vernichtet. Kolumbien weltweit auf Platz vier der Länder mit den meisten Rodungen

von Serena Pongratz (amerika21)

2018 sind in Lateinamerika zwei Millionen Hektar Regenwald abgeholzt worden
2018 sind in Lateinamerika zwei Millionen Hektar Regenwald abgeholzt worden. Quelle: desinformemonos

Brasília et al. Einer Studie des World Resource Instituts (WRI) und der University of Maryland zufolge sind im vergangenen Jahr zwölf Millionen Hektar Regenwald abgeholzt worden, davon zwei Millionen in Lateinamerika. Auf einer interaktiven Karte können diese Daten eingesehen werden. Unter den zehn Länder mit dem größten Verlust an Regenwald befinden sich vier lateinamerikanische Staaten: Peru, Bolivien, Kolumbien und Brasilien, in dem mit 1,4 Millionen Hektar weltweit am meisten Regenwald gerodet wurde. Besonders besorgniserregend sei dabei zum einen die kontinuierliche Zunahme der Rodungen, zum anderen aber das großflächige Abholzen von Primärregenwald, so das WRI.

Von den insgesamt zwölf Millionen Hektar gerodeten Wäldern seien 3,6 Millionen Primärregenwald gewesen und von diesen wiederum befand sich fast die Hälfte in Lateinamerika. Das entspricht einer Fläche von der Größe Belgiens.

Die Auswirkungen der Abholzung sind verheerend: Es werden ganze Ökosysteme mit einer hohen Biodiversität vernichtet, die große Mengen an CO2 speichern. „Wenn diese Wälder einmal zerstört wurden, werden sie höchstwahrscheinlich nie wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückkehren“, heißt es in dem Bericht.

Seit dem Jahr 2000 steigt die Größe der gerodeten Flächen in Peru, Bolivien und Kolumbien stetig an. In Brasilien hingegen gingen die Waldrodungen zunächst zurück, erst seit 2016 steigen sie wieder an. Die Situation könnte sich weiter verschlimmern: So seien in Brasilien allein in diesem Januar 54 Prozent mehr Regenwald zerstört worden als im Januar des vergangenen Jahres, erklärte das Institut für Menschen und Umwelt des Amazonas (Imazon). Der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro hatte bereits während seines Wahlkampfes eine Lockerung von Umweltauflagen versprochen und das Budget für Umwelt und Klimaschutz fast vollständig gekürzt.

Mikaela Weisse, Sprecherin von Global Forest Watch, bezeichnete hingegen die Entwicklung in Kolumbien am besorgniserregendsten: Kolumbien, das achtmal so klein ist wie Brasilien, stehe weltweit auf Platz vier der Länder mit den meisten Regenwaldrodungen. Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der Farc-Guerilla und der kolumbianischen Regierung steige die Abholzung in den ehemals von den Aufständischen kontrollierten Gebieten stetig an. Die Untätigkeit der Regierung, das Friedensabkommen auch umzusetzen, erleichtere die illegale Abholzung, da der organisierte Drogenhandel und andere einflussreiche Akteure sich fernab von staatlicher Kontrolle illegal Flächen aneigneten und abholzten, so Weisse.

In Bolivien wiederum werden die meisten Flächen für die industrielle Landwirtschaft und Weideflächen für die Viehzucht gerodet. Es ließen sich hier Korrelationen zwischen dem Anstieg des Sojapreises und der gerodeten Flächen beobachten. Die starke Fokussierung auf die Landwirtschaft anstelle von Umweltschutz und dem Erhalt des Regenwaldes wird in dem Bericht kritisiert.

In Peru wird ein Großteil des Regenwaldes für kleinbäuerliche Landwirtschaft zerstört. Daneben seien aber auch der illegale Anbau von Koka zur Weiterverarbeitung hin zu Kokain, der illegale Bergbau, insbesondere im Süden des Landes, und große Infrastrukturprojekte durch die Amazonas-Region treibende Faktoren. Auch wenn die Regierung zumindest Pläne für die Verringerung der Rodungen und den Umweltschutz entwickle, würden diese nicht zu konkreten Maßnahmen führen und seien daher wirkungslos, sagt Sandra Ríos, Wissenschaftlerin am peruanischen Instituto de Bien Común. „Auf der einen Seite unterstützen wir den Erhalt unserer Wälder, aber auf der anderen Seite erteilen wir weiterhin Konzession. Währenddessen, weit entfernt von der Reduzierung der Abholzungen, steigen diese weiterhin an.“





Die Menschen verlieren ihre Lebensräume. Und das alles nur wegen „Money Makes the World Go Round“? Wie krank kann die Macht nach wertlosem, bedrucktem Papier nur machen?

Tatanga Mani, in: Weisheit der Indianer- Vom Leben im Einklang mit der Natur

„Vieles ist töricht an eurer Zivilisation.
Wie Verrückte lauft ihr weißen Menschen dem Geld nach,
bis ihr so viel habt,
dass ihr gar nicht lang genug leben könnt, um es auszugeben.

Ihr plündert die Wälder, den Boden,
ihr verschwendet die natürlichen Brennstoffe,
als käme nach euch keine Generation mehr,
die all dies ebenfalls braucht.

Die ganze Zeit redet ihr von einer besseren Welt,
während ihr immer größere Bomben baut,
um jene Welt, die ihr jetzt habt,
zu zerstören.

Der kanadische Stamm der Cree – Indianer:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen, dass man Geld
nicht essen kann“

Quelle

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6 Kommentare

  1. Ja aber…mit jeder Kiste Krombacher rettet man doch 1m² Regenwald!
    Haben wir nicht genug gesoffen? Oder wurden wir etwa nur verarscht?

    Der Mensch lernt einfach nicht dazu und bleibt unverbesserlich. Deutschland war auch einst Urwald, bis die ganzen Tannen & Fichten im Mittelalter für Schiff´s-Masten abgeholzt wurden…und später zum Teil an die große Holländer-Flotte verkauft worden sind. Damals wie heute: Hauptsache schnell Kohle machen. Nun haben wir ödes Brachland. Keine Auerochsen mehr…DOCH OHA! Ein Bär ist über die Alpen gekommen! Abknallen. Die Wölfe gleich mit. Wer sowas sehen will kann in den Zoo gehen.
    Das ist echt traurig. Einfach nur traurig.

    Die paar kleinen verbliebenen Reservate die wir noch haben sind jedoch immer eine Reise wert. Sächsische Schweiz, Schwarzwald, Bayrischer Wald, der Harz…wunderschön.

  2. Ich mag die indianischen Weisheiten, weil diese Menschen es verstanden haben, wie man im Einklang mit der Natur lebt. Und die Ansicht der Cree-Indianer entspricht der blanken Wahrheit.

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