“Russland ist böse!”

Jacob G. Hornberger (antikrieg)

Einer der Vorteile der Invasion Russlands in der Ukraine für das nationale Sicherheitsestablishment der USA besteht darin, dass sie es der US-Mainstream-Presse ermöglicht hat, sich auf die Übel des russischen Regimes zu konzentrieren, anstatt auf die Übel des US-Regimes.

Man denke nur an die Invasionen und langfristigen Besetzungen Afghanistans und des Iraks, die beide, wie wohl jeder zugeben würde, mit offiziellen Lügen durchsetzt waren. Angesichts der Aufmerksamkeit, die die Mainstream-Presse dem Einmarsch Russlands in die Ukraine widmet, sind diese beiden US-Invasionen und -Besetzungen in ein Gedächtnisloch gefallen. Es ist, als ob sie einfach nicht stattgefunden hätten.

Aber sie haben stattgefunden, und dabei wurden Hunderttausende von Menschen getötet. Tatsächlich haben das Pentagon und die CIA in Afghanistan und im Irak viel mehr Tod und Zerstörung angerichtet als Russland in der Ukraine, zumindest bis jetzt. Aber das merkt man nicht, wenn man bedenkt, wieviel Aufmerksamkeit die Mainstream-Medien sofort auf „Russland ist böse!“ lenken und so gut wie gar nicht auf die Invasionen und Besetzungen Afghanistans und des Irak durch die USA.

Der Kongress hat gerade mehrere Wochen damit verbracht, die Proteste vom 6. Januar vor dem Kapitol zu untersuchen, bei denen nur eine Person getötet wurde – und das war, als ein verängstigter Polizist des Kapitols einen unbewaffneten Demonstranten erschoss.

Warum untersucht der Kongress nicht die Invasionen und Besetzungen der USA in Afghanistan und im Irak, bei denen Hunderttausende von Menschen getötet, verstümmelt oder verletzt wurden und bei denen Städte, Gemeinden und Infrastrukturen zerstört wurden? Was wäre falsch daran, Beamte des Pentagons, der CIA und des Außenministeriums vorzuladen, um festzustellen, wie die Lügen im Zusammenhang mit diesen beiden Interventionen zustande kamen und aufrechterhalten wurden? Wie wäre es, ehemalige US-Präsidenten vorzuladen und sie unter Eid zu fragen, was sie über die Lügen wussten, wann sie davon erfuhren und warum sie dem amerikanischen Volk nicht die Wahrheit sagten?

Nun, das wird einfach nicht passieren, weil von allen in den Vereinigten Staaten erwartet wird, dass sie auf „Russland ist böse“ fixiert bleiben, was natürlich die alte Denkweise des Kalten Krieges war, die auch damals die Medien leitete.

Was auch immer man über das russische Regime und seinen Präsidenten Wladimir Putin sagen mag, eines ist kristallklar: keiner von beiden hat uns hier in den Vereinigten Staaten unsere Rechte und Freiheiten genommen. Sicher, es stimmt, dass sie die Rechte und Freiheiten des russischen Volkes beschnitten haben, aber das ist etwas anderes als die Rechte und Freiheiten des amerikanischen Volkes.

Staatlich geförderte Ermordungen. Unbefristete Inhaftierung. Folter. Geheime Massenüberwachung. Militärtribunale. Staatsstreiche. Invasionen und Angriffskriege. Inhaftierung wegen Drogendelikten. Beschlagnahmung von Vermögenswerten (d. h. legalisierter Diebstahl). Razzien ohne Durchsuchungsbefehl mitten in der Nacht. Belästigung und Tötung von schwarzen Amerikanern durch den Drogenkrieg. Durchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl bei der Einwanderung und Kontrollpunkte auf Autobahnen im Inland. Das Betreten von Greyhound-Bussen, um die Papiere der Leute zu kontrollieren. Die strafrechtliche Verfolgung von Julian Assange und Edward Snowden.

Wie oft sehen Sie, dass die Mainstream-Presse irgendetwas von diesem Übel seitens der US-Regierung anprangert? Antwort: So gut wie nie. Ihr Fokus liegt fast ausschließlich auf „Russland ist böse!“.

Und wenn es um ein autoritäres Regime wie in Russland geht, gibt es immer einen Haufen von schrecklichen Dingen, über die man reden oder schreiben kann. Und selbst wenn die Amerikaner es leid sind, über „Russland ist böse!“ zu lesen, kann sich die US-Presse an Kuba, Nordkorea, China oder sogar Vietnam halten. Notfalls könnten sie sich sogar den Übeln der Regime in Saudi-Arabien oder Ägypten zuwenden.

Wie ich in meinem neuen Buch An Encounter with Evil: The Abraham Zapruder Story (Eine Begegnung mit dem Bösen: Die Abraham Zapruder Story) darlege, ist es immer einfach, das Böse in ausländischen Regimen zu erkennen und zu bekämpfen. Dazu braucht man überhaupt keinen Mut. Jeder kann es tun. Solange man nicht in die Gebiete dieser Regime reist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Regime dem Kritiker etwas Böses antun, praktisch gleich null. Ein Leitartikler oder Verfasser von Meinungsbeiträgen kann sich hier in den Vereinigten Staaten bequem in seinem Büro oder zu Hause zurücklehnen und Leitartikel und Meinungsbeiträge schreiben, in denen er ausruft: „Russland ist böse!“

Es ist eine ganz andere Sache, das Böse im eigenen Regime zu identifizieren und zu bekämpfen. Fragen Sie einfach die Russen, die Putin und ihre eigene Regierung kritisieren. Im Gegensatz zu diesen mutigen russischen Kritikern sind allzu viele Redakteure und Verfasser von Meinungsbeiträgen hierzulande zu dem Schluss gekommen, dass Diskretion der bessere Teil der Tapferkeit ist, wenn es darum geht, das Böse in ihrem eigenen Regime hierzulande zu erkennen und zu bekämpfen. Es ist sicherer, zu schweigen und sich weiterhin auf „Russland ist böse!“ zu konzentrieren.

erschienen am 1. August 2022 auf > Future of Freedom Foundation > Artikel

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