Nach oben buckeln, nach unten treten

Die ARD-aktuell ist Meinungsmacher der Eliten und garantiert deren Interessen gesellschaftlichen Vorrang

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam (publikumskonferenz)

John Pilger, weltweit bekannter australischer Publizist, fordert vom Journalisten, „Anwalt der Menschen, nicht der Macht zu sein“ (‚Real journalists act as agents of people, not power.‘ (1). Die „Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten in Deutschland“, ARD, beschreibt sich hingegen von einer Stufe oberhalb des publizistischen Blickwinkels: „Charakteristikum des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist die Staatsferne“. Seine Kriterien für Programmqualität seien u. a: “Objektivität und Unabhängigkeit, Professionalität und Aktualität.“ (2) Bei dieser Selbstbeschreibung bleiben die Verantwortlichen unbeirrt, obwohl das Gegenteil beweisende wissenschaftliche Literatur längst Bibliotheksregale füllt. Muster: täglich Berichte über die Börse, aber nur einmal im Monat über den “Arbeitsmarkt” – und dann auch noch grob verfälschend.

„Alles, was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“, stellte Niklas Luhmann vor 23 Jahren fest. (3) Ein sehr beschränktes Wissen ist es, das dem Durchschnittsmenschen beispielsweise von ARD-aktuell vermittelt wird. Es reicht jedenfalls nicht als Fundament für eine offene gesellschaftliche Auseinandersetzung, sondern bedient die Interessen der Mächtigen und Betuchten.

Werfen wir einen Blick auf den Internet-Auftritt der ARD. Dort ist prominent eine Rubrik “Börsen” eingerichtet. Anleger, also Spekulanten, sollen „fundierte Information und sachliche Einordnung als Hilfestellung für eigene Entscheidungen” finden können. (4) Dafür sind vier Moderatoren, 16 Redaktionsmitarbeiter im Hörfunkbereich und 13 Mitarbeiter im TV-Bereich tätig. (5) Ihr zentrales Arbeitsfeld ist die Frankfurter Börse. Werktäglich produzieren sie ausführliche Nachrichten im Programm „Börse vor acht“ sowie Wort- und Filmbeiträge in der 17-Uhr-Ausgabe der Tagesschau und in den Tagesthemen.Und wie viele fürs Programm tätige Mitarbeiter tummeln sich – beispielsweise – bei der Arbeitsagentur Nürnberg und liefern Beiträge zur Rubrik “Arbeit und Soziales”? Keine. Null. Eine eigene Rubrik dafür gibt es auch nicht auf der ARD-Seite. Informationen, die für die überwältigende Mehrheit der Zuschauer von Interesse wären, werden eben nicht regelmäßig, sondern nur sporadisch geliefert und zudem ohne kritische Distanz: alles, was Gesundheitssicherung, Arbeitswelt und Rentenfragen betrifft, wird nicht von einer fachlich qualifizierten Stammredaktion der ARD journalistisch betreut.

Macht das ausreichend kenntlich, wie die ARD ihre Akzente setzt?

Nebenbei angemerkt: Dass in sämtlichen Rundfunkratsgremien der ARD-Anstalten auch Repräsentanten der Gewerkschaften sitzen, merkt man nicht im Geringsten. Skrupellose Mitesser, Dekor auf dem Schild des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit Feigenblatt-Funktion, mehr nicht.

ARD-aktuell berichtet über soziale Fragen unzureichend und vor allem nicht systemkritisch. Ein klassisches Beispiel: Der Umgang mit dem Thema Arbeitszeit. Es betrifft die Interessen der “Sozialpartner” so zentral wie kein anderes. Überlegungen zu Umfang und Struktur der Arbeitszeit gehen nämlich an die Substanz, sowohl bei Arbeitnehmern wie bei Arbeitgebern. (6) Füglich berichtet ARD-aktuell, wenn überhaupt, eher arbeitgeberfreundlich, gerne auch mit einem ordentlichen Schlag reaktionärer Propaganda.

Über eine Anfrage der Partei „Die Linke“ im Bundestag informierten Dr. Gniffkes Qualitätsjournalisten unter der Schlagzeile: „Deutsche arbeiten kürzer als EU-Durchschnitt.“ (7) Auszug aus der Meldung:

„Demnach beliefen sich die tatsächlich geleisteten Wochenarbeitsstunden von Arbeitnehmern in Deutschland 2017 auf durchschnittlich 34,9“.

Pure arbeitnehmerfeindliche Stimmungsmache. „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe“. Dieses Zitat stammt nicht, wie oft behauptet, von Churchill, sondern von Reichspropagandaminister Josef Goebbels. (8) Der hier von ARD-aktuell kritiklos wiedergegebene „Durchschnitt“ war zu Propagandazwecken konstruiert worden. Die sachwidrige Methode: Die Berechnungsgrundlage umfasste alle Arbeitsleistung, auch die Stunden der Teilzeitbeschäftigten und Minijobber, und als Teiler diente die Gesamtzahl der Erwerbstätigen, vom minderjährigen Lehrling bis zum Rentner mit Zuverdienst. Außer Betracht blieben zudem die EU-weit unterschiedlichen Vergleichsmaßstäbe: In Deutschland wird die Zahl der Erwerbstätigen aus dem Bevölkerungsanteil der 15-jährigen bis 74-jährigen ermittelt. In Österreich dagegen ist das Alter der Erwerbstätigen auf 64 Jahre begrenzt.

Ein weiteres Beispiel: die Berichterstattung über Mehrarbeit/Überstunden. Ende November 2018 brachte eine weitere Anfrage der Linkspartei im Bundestag ans Licht, dass im Jahr 2017 von den Arbeitnehmern 2,1 Milliarden Überstunden erbracht worden waren, davon rund eine Milliarde ohne Bezahlung (!). Dokumentiert wurde damit ein asozialer Raubzug, der den Ausbeutern 36 Milliarden Euro in die Geldsäcke scheffelte. Klar, über diesen Skandal musste selbst die ARD-aktuell berichten.

Sie erfüllte diese unumgängliche Pflicht allerdings auf denkbar niedrigstem Level: Ohne sonst übliche Statements aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – und erst an fünfter Stelle! – präsentierte die Tagesschau nach vorausgegangener Hofberichterstattung über Merkel & Co. und über andere Themen eine 26 Sekunden kurze Meldung über den Skandal. (9) In der nachfolgenden Sendung Tagesthemen kam darüber kein Wort mehr.

Äußerst fragwürdig ist Umgang der ARD-aktuell mit einer anderen Problematik, die ebenfalls das Millionenheer der von Erwerbsarbeit Abhängigen negativ betrifft: Vorstöße zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes. Bei uns ist die werktägliche Arbeitszeit (Montag bis Samstag) auf acht Stunden begrenzt, die reguläre gesetzliche Grenze für die Wochenarbeitszeit liegt demnach bei 48 Stunden. Mehrarbeit bis zu zwei Stunden täglich ist problemlos zulässig, muss aber innerhalb von sechs Monaten mit Freizeit ausgeglichen werden. „Flexibilisieren“ heißt das verschleiernde Wort für Forderungen der Arbeitgeber, noch mehr und stärker durchgreifende Verfügungsgewalt über „ihre“ Beschäftigten zu bekommen.

Als in Österreich der 12-Stunden-Arbeitstag erlaubt wurde, war das für ARD-aktuell zwar ein Thema. Nicht so aber, als der bayrische CSU-Wirtschaftsminister Pschierer in einer Münchner Landtagsdebatte die Einführung des 12-Stunden-Arbeitstags in Bayern vorschlug. (10) Da war das für die ARD-aktuell ein zu heißes Eisen. Dabei war der Bayer nicht einmal allein auf weiter Flur. Auch Nicole Hoffmeister-Kraut, CDU-Wirtschaftsministerin in der schwarz-grünen Koalitionsregierung Baden-Württembergs, möchte die tägliche Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden ausgeweitet sehen. (11) Ihre Koalitionäre von den Grünen maulten zwar darüber, erklärten sich aber trotzdem gesprächsbereit. Grüne Regierungslüstlinge …

Weit offensiver wiederum griff die ARD-aktuell den ungarischen Mehrarbeits-Konflikt im Dezember vorigen Jahres auf. Die Tagesschau berichtete mit einem TV-Film und mehreren Internet-Beiträgen, alle in der Tendenz äußerst kritisch gegenüber der ungarischen Regierung. (12, 13). Ist erpresste unbezahlte Mehrarbeit in Ungarn ein schlimmerer Skandal als erpresste unbezahlte Mehrarbeit in Deutschland? Wurde über Mehrarbeit in Ungarn berichtet, weil dort die Menschen protestierend auf die Straße gingen? Wurde über Mehrarbeit in Deutschland nur beiläufig berichtet, weil hier der Protest ausgeblieben ist? (14)





Prüfen Sie bitte die gegenseitige Bedingtheit, die Austauschbarkeit von Ursache und Wirkung: War in Deutschland nicht berichtet worden, weil hier nicht demonstriert worden war? Oder verhielt es sich nicht doch eher umgekehrt? Nein? Sicher nicht?
Bei der Frage der Arbeitslosigkeit und der zugehörigen Politik liegen Welten zwischen den Standpunkten der Bevölkerung und denen der herrschenden Volksvertreter. Die These des CDU-Politikers Jens Spahn, dass die Hartz-IV-Leistungen ausreichend seien für das, was man zum Leben braucht, halten nur 37 Prozent für richtig, 55 Prozent der Befragten glauben, dass Hartz-IV nicht reicht. Die Mehrheit möchte die Regelungen grundlegend geändert sehen. (15)

Wie berichtet die ARD-aktuell über die Politik bezüglich des Reizworts “Hartz-IV”? Wie wird über die menschenverachtenden Sanktionen informiert unter Anbetracht, dass die Freiheit der Berufswahl ein Grundrecht ist, dass Deutschlands Verfassung den Sozialstaat garantiert und Arbeitszwang de facto (verbotene) Zwangsarbeit bedeutet? Antwort: empathielos, ohne jegliches Engagement, vollkommen unkritisch den herrschenden Verhältnissen gegenüber. Hierzulande kommen 5 Arbeitslose auf eine offene Stelle. Aber keiner, der Hartz-IV-Sanktionen mit „Fördern und Fordern“ schönfärbt, bekommt eins aufs Maul. Gewissenlose Dummschwätzer haben Narrenfreiheit.

Offensichtlich befürchtet Chefredakteur Dr. Gniffke den Bannstrahl der Eliten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die seit Einführung von Hartz IV zu gigantischem Einfluss auf die verängstigten Arbeitnehmer gekommen sind und riesige Umverteilungs-Gewinne erpressen: In den letzten 15 Jahren hat das obere Zehntel unserer Gesellschaft sein Einkommen real um 17 Prozent steigern können, während zeitgleich das untere Zehntel 14 Prozent verloren hat. (16, 17)

Um nicht anzuecken und den Widerspruch der Hartz IV-Gesetzgebung zu den Prämissen und Standards des Grundgesetzes nicht akzentuieren zu müssen, wählt Gniffkes Qualitätsjournalistentruppe für die Erledigung der Problematik die Methode des “neutralisierenden” Pro und Contra und versteckt sich dabei hinter den Aussagen „opportuner Zeugen“. (18, 19) – ohne das zugehörige Prinzip der Ausgewogenheit einzuhalten: Zweie, der Arbeitsminister Heil (SPD) und der Remscheider Job-Center-Chef Dirk werden mit ihrer pro-Sanktionen-Haltung zitiert, die Gegenposition darf nur einer beziehen, der “Tacheles”-Arbeitslosenvereins-Vorsitzende Harald Thomé. Diese Konstellation sagt alles, auch über die Position des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie ist auf Regierungskurs ausgerichtet.

Das erklärt auch, warum ARD-aktuell die dubiose Rolle des Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, beim anstehenden Verfahren über die Rechtmäßigkeit der Hartz-IV-Sanktionen nicht erwähnt. Der Mann hatte noch im Sommer vorigen Jahres als CDU-Abgeordneter im Bundestag für die Beibehaltung der Sanktionen gestimmt. Jetzt soll er über sie Recht sprechen. Trotzdem scheint er weder Anstand noch Courage zu haben, sich selbst für befangen zu erklären. (20) In einem vergleichbaren Fall war Bundesverfassungsrichter Peter Müller, vordem saarländischer Ministerpräsident, für befangen erklärt und als Richter aus dem Verfahren genommen worden. (21)

Hat die ARD-aktuell-Redaktion tatsächlich kein Gespür für die Interessen der von Lohnarbeit abhängigen Bevölkerungsmehrheit, wie man aus ihrem Umgang mit dem Thema “Aus der Arbeitswelt” schließen könnte? Gegenfrage: Welche Sichtweise haben Journalisten im Dauerarbeitsverhältnis mit Gehältern von 7000 Euro monatlich aufwärts und mit Pensionsanspruch? Auf diese Leute dürfte zutreffen, was der Soziologe Michael Hartmann über “Die Abgehobenen” (Buchtitel) feststellt:

„Das entscheidende Problem besteht darin, dass die Journalisten in den wichtigen Positionen die Wirklichkeit durch eine spezifische soziale Brille betrachten. (Es) orientieren sich viele Journalisten unbewusst an der Sichtweise, die in ihren Kreisen vorherrscht und durch eine gemeinsame Herkunft und materielle Lage bestimmt wird. Arme Menschen zum Beispiel werden oft klischeehaft wahrgenommen, weil man überhaupt keinen Kontakt zu ihnen hat, niemand im eigenen Bekanntenkreis in dieser Lage ist.“ (22)

Der Chefredakteur unserer Qualitätsjournalistentruppe, von den herrschenden Parteien bestellter und kontrollierter Garant für die Vermittlung des Weltbilds der elitären Oberschicht, guckt – wir wollen bei Hartmanns Bild bleiben – durch eine soziale Brille in Goldfassung. Sein monatliches Einkommen von mehr als 15 000 Euro bezieht er zwar nur jeweils auf 5 Jahre befristet, musste sich aber wegen der Vertragsverlängerung bisher keine Sorgen machen. Schlimmstenfalls, bei Abberufung, fiele er in die oberste Vergütungsgruppe tariflich gebundener Redakteure zurück und erhielte dann mickrige 10 000 Euro. Hartz-IV-Empfänger gehören gewiss nicht zu seinem täglichen Umgang.

Für ihn und seine Entourage gilt, was schon unser oller Kalle (Marx) im Sauerkraut erkannte: “Das (gesellschaftliche) Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Logisch: Das goldgerahmte Bewusstsein des ARD-Hierarchen Dr. Gniffke und sein Weisungsrecht bestimmen den Informationsstil seiner Untergebenen (vulgo: “Mitarbeiter”) – und damit das Zerrbild unserer gesellschaftlichen Realität in der Tagesschau.

Quellen:

(1) https://www.thedailystar.net/opinion/interviews/news/real-journalists-act-agents-people-not-power-1687921
(2) https://www.ard.de/home/die-ard/organisation/Das_ist_die_ARD/323058/index.html
(3) https://www.zeit.de/1996/48/luhmann.txt.19961122.xml/seite-3
(4) http://www.ard.de/home/die-ard/programm/online/boerse_ARD_de/341996/index.html
(5) https://www.hr.de/unternehmen/rolle-innerhalb-der-ard/ard-einrichtungen-im-hr/ard-einrichtungen-im-hr-ard-boerse,ard-einrichtungen-ard-boerse-100.html
(6) https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_19_2014.pdf
(7) https://www.tagesschau.de/wirtschaft/wochenarbeitszeit-101.html
(8) https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/BWMonografie_derivate_00000083/8055_11001.pdf
(9) https://www.tagesschau.de/inland/ueberstunden-niedriglohn-101~_origin-cfb8b556-f72d-46e5-90a6-5859aeb842fd.html
(10) https://www.arbeit-zukunft.de/2018/08/16/csu-12-stunden-tag-auch-fuer-deutschland/
(11) https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/Vorstoss-von-Wirtschaftsministerin-Stuttgarter-Landtag-SPD-lehnt-Flexibilisierung-von-Arbeitszeit-ab,arbeitszeitregelung-debatte-landtag-stuttgart-flexibilitaet-100.html
(12) https://www.tagesschau.de/archiv/sendungsarchiv100~_date-20181216.html
(13) https://www.tagesschau.de/ausland/ungarn-arbeit-101.html
(14) https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-28777.html
(15) https://www.zdf.de/politik/politbarometer/180316-verhaltene-zustimmung-zur-grossen-koalition-100.html
(16) https://www.nachdenkseiten.de/?p=46147
(17) http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/verdi-schaetzung-privatvermoegen-in-deutschland-ueber-zehn-billionen-euro-a-956125.html
(18) https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-494375.html
(19) https://www.tagesschau.de/regional/nordrheinwestfalen/wdr-story-20421.html
(20) https://community.beck.de/2012/05/23/der-bgh-erklaert-nochmals-was-eigentlich-befangenheit-bedeutet
(21) https://www.haufe.de/recht/weitere-rechtsgebiete/prozessrecht/ausschluss-von-peter-mueller-vom-bverfg-verfahren-zur-sterbehilfe_206_453810.html
(22) https://www.nachdenkseiten.de/?p=46147

Das Autoren-Team:

Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 – 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.

Volker Bräutigam, Jahrgang 1941, Journalist. 1975 – 1996 im NDR, zunächst in der ARD-Tagesschau, nach 1991 in der NDR-Hauptabteilung Kultur. Danach Lehr- und Forschungsauftrag an der Fu-Jen-Uni Taipeh.

Anmerkung der Autoren:

Unsere Beiträge stehen zur freien Verfügung. Wir schreiben nicht für Honorar, sondern gegen die „mediale Massenverblödung“ (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden auf der Seite https://publikumskonferenz.de/blog dokumentiert.

Nach oben buckeln, nach unten treten
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22 Kommentare

  1. Mich wundert, dass es dafür noch so einen langen Bericht braucht. Einmal Nachrichten der GEZ Sender angesehen und schon weiß man bescheid. Die wirklich interessanten Informationen holt man sich aus dem Netz. Punkt.

  2. "Nach oben zu buckeln und nach unten zu treten",
    ist gemeines Merkmal sogenannter Karrieristen! Und die findet man nicht nur in Rundfunkanstalten, sondern eigentlich überall.
    Einhergehend mit einer gewissen Wortgewandtheit, will heißen, sie würden alles und jeden verkaufen, nur um des eigenen Fortkommens willen; zur Befriedigung des Egos.
    Bezeichnenderweise findet man solche Kostgänger vorzugsweise in der Politik, je höher desto ausgeprägter. Nichts scheint sie abzuschrecken. Um ihrer ideologischen Selbstverliebtheit willen gehen sie über Leichen. Wenn es sein muß, bleiben auch ganze Völker auf der Strecke.
    Es war schon immer so! Man schaue in die Geschichtsbücher. Alle Mär ach so glorreicher Eroberer zeugen davon!

    • Ganz genauso ist das Jürgen! Geld regiert die Welt. Wer etwas erreichen will braucht Geld. Egal wie. Moral sucht man in diesen Kreisen vergebens. Und könnte mir auch vorstellen, daß es einen irgendwann süchtig danach macht & abwertend werden läßt, also als Mensch. Sieht zumindest so aus.

      Der Film "Die fetten Jahre sind vorbei" gefällt mir sehr, nicht nur weil der berühmte VW-Bus darin vorkommt, sondern aufzeigt, wie dem entführten Millionär mal ordentlich der Kackstift geht, und er überhaupt nicht mehr wußte, was er da eigentlich tat! So verloren & verblendet war er mittlerweile in seiner Welt geworden; hatte jeglichen Blick auf Andere verloren. Bis die Kid´s ihn auf der Almhütte mal ordentlich geerdet haben. Am Ende sagt er: "Früher war ich genau wie ihr." Höö!

      Geld macht nicht glücklich. Es beruhigt. Man braucht etwas davon. Aber es darf einen Charakter nicht verändern. Tut es aber.

      Als ich gestern diesen Söder wieder reden hörte…dem ist es völlig scheißegal was mit den Leuten ist. Es ging NUR, nur einzig allein um seinen Posten, wenn man mal genau zuhört. Was anderes interessiert die anderen Kasperbuden da auch nicht. POSTEN! Es geht nur um die Tröge. Nichts weiter. Und weil sie nichts anderes können, wird outgescourced und fremd vergeben. Geld ist ja genug da. Muß man nur selbst rechtzeitig rankommen.

      Beispiel damals die Eurohawk Drohne: 600 Mio….für nur 4 Flieger. Aber gar keine Zulassung? Mist. Motten wir die eben ein & kaufen Neue bis 2019, wieder vom selben Hersteller. Solange mieten wir bei Israel. Noch mal mind. 500 Mio. plus die Miete. Es ist eine Katastrophe! Wieviele Typen sich bei solchen Geschäften sanieren will man gar nicht mehr wissen…gibt nur Magengeschwüre.

      Kenne es aus meiner Branche, erster Hand. Da werden kleine O-Ringe (Cent-Artikel) für 50€-, Glühbirnen für 500€ deklariert und noch ganz andere Schweinereien. Mußte nach Italien runter, für 4 Tage als "Hydraulic-Specialist" haben sie mich denen verkauft. Gut, Italien ist schön & bin froh über jede Reise. Ein kleines Zubrot von 600€ war auch drin. Da sagt man nicht Nein! Was haben sie den Italienern berechnet? 18.500€! Obwohl ich nur 2 Tage gearbeitet habe. Das gibt´s doch gar nicht, oder?? Eine korrupte Saubande sondergleichen hier…

       

       

       

       

       

      • Lieber Zulu, 

         

        da biste schon selber schuld mit Deinem mickrigen "Zubrot".

        Hättste mal 6000.- von den Pennern verlangt!

        Sonst fahr ich nicht hin……

        Oder ham die für Dich Ersatz?

        Nö.

        Na also!

        Ansonsten nehmen aber gerade die Italiener, was sie kriegen können.

        ich war mal Reisebusfahrer.

        Da hamse die alten Leute in Venedig so richtig abgezockt.

        1 Kugel für Eis 7.- Euro! Und die Waffel wurde extra berechnet.

        In den Goldstuben hamse den Alten minderwertigen Scheissdreck für kleine Vermögen angedreht.

        Wenn mal keine Speisekarte nicht ausliegt, kanns schon sein, dass die Spaghetti mit Tomatensauce schlappe 50.- Euro kostet.

        Ist ja Venedig, verstehen Sie?

        Überall in Bella Italia wartet man sehnsuchtsvoll auf die deutschen Rentner und Pensionäre.

        Die lassen sich bescheissen, dass einem schlecht wird.

         

        Von daher hat Deine Firma goldrichtig gehandelt, eher sich zu billig verkauft..möchte ich meinen.

         

        • Moin Michl! Natürlich habt ihr recht. Doch, daraus habe ich gelernt. Ist auch schon länger her…da war ich wirklich noch grün hinter den Ohren, gerade aus der Lehre raus. Die anderen Male habe ich deutlich mehr kassiert, nachdem ich die Rechnungen gesehen hatte, und als es z.B. nach Dänemark & Norwegen ging, hab ich einen Streik für meine ganze Gruppe angezettelt. Unter diesen Bedingungen fahren wir nicht, Leute! Lest Euch das mal durch! Oh ja, hast recht.

          Wochenlang stillstand. Aber dann haben sie neue Verträge aufgesetzt, hehe! Genau wie Du sagst: Irgendeiner muß ja…wenn aber keiner will?

          Man wächst halt mit seinen Aufgaben. Jeder zahlt "Lehrgeld". Hab dafür damals sogar meinen Urlaub verschoben und eine Perle sitzenlassen…für 600 Dollar. Würd ich nie nochmal machen, völlig klar.

          Nach Israel sollte ich auch. Gefahrenzulage? Lebensversicherung? Nee,nee…fahr ersma los, können wir hinterher alles noch klären! Am Arsch. Bin NICHT gefahren. Will da sowieso nicht hin. Türkei auch nicht. Und dann haben sie unseren Jüngsten hingeschickt, wie mich damals. Ist gleich ne Bushaltestelle hochgejagt worden, als er dort angekommen war!

          Einen anderen Kollegen haben sie nach Venezuela gehetzt, der wurde sogar angeschoßen!

          Nein, nein, ich wollte damit nur sagen, wenn man mitbekommt was da für Gelder im Hintergrund fließen…Wahnsinn. Da habt ihr Recht, man muß schon das Maul aufmachen! Ich wollte eh mehr Gehalt. EIN JAHR hab ich rumgenervt. Am Ende hat´s die ganze Gruppe bekommen, obwohl die NICHTS dazu beigetragen haben. Aber ich war natürlich wieder der Quirrulant für die Chefetage. Egal.

          War ich schon immer gern:)

          Ja, Venedig ist eine Frechheit, war auch zwei Mal da. Da schmierst Du Dir lieber´n paar Butterbrote vorher zu Hause. Besteck kostet auch oft noch extra in Italien. Das lecker Brot vorher auch, obwohl man denkt, das gehört zum Service. Gratuito? Niente. 🙂

          • Zulu,

            "Lehrgeld" zu bezahlen war früher völlig normal. Im Prinzip ist es das auch heute noch. Und das nicht nur im Beruf!

            Heute sieht das etwas anders aus. Einstiegsgehälter (und Boni) werden verlangt und auch bezahlt, wo früher ein Aufstieg mit der Erfahrung und erweitertem "knoffhoff" angesagt war …

            Es ist auch nicht weiters schlimm, wenn andere von einem profitieren.

            Gut, Undank mag der Welt Lohn sein, aber, erwarten wir wirklich Dank? Ich brauche das nicht (mehr).

            Wir sollten unsere Überzeugungen zu leben versuchen. Wir gedeihen damit oder auch nicht. Es sollte niemals nachgerechnet werden. Ich tue etwas oder ich lasse es bleiben. Schlußendlich haften wir nur für uns selbst?

            • Hmm. Ja Jürgen…gut gesagt. Was Du ansprichst, damit habe ich aktuell persönlich ehrlich gesagt ein minderschweres Problem, welches ich noch nicht gänzlich loswerde.

              Es folgt: Offenbarung des Zulu

              Haha! Nein, ich mein, im kapitalistischen-, Konsum- und Ellenbogen Reich.

              Wo bleibt da der einzelne Mensch? Ich bremse auch für Müllmänner und gebe der Postbotin ein Weihnachtsgeschenk, weil ich ihre Arbeit wertschätze. Ohne Sie wären wir aufgeschmissen. Man rundet bei der Bäckerin auf, gibt beim Friseur ein Trinkgeld, oder in der Kfz-Werkstatt einen Zehner in die Kaffeekasse, auf dem Campingplatz koche ich dem Nachbarn sein Wasser…und der Weltenbummler im durchsifften Zelt darf seine Klamotten bei mir trocknen. Das ist völlig normal & selbstverständlich für mich!

              So. Das Gegenteil erwarte ich aber auch irgendwann mal zurück, verstehst Du.

              Das fängt natürlich im Job an…unsere Hauptaufgabe als Arbeitswesen.

              Da gibt´s mal ne Gratifikation oder nen Christstollen zum Advent, Aufmerksamkeit und Dankeschön. NICHTS!!!  Haben selbst eine Weihnachtsfeier organisiert…Dafür müßt ihr aber ausstempeln! Dann fällt es mir manchmal halt schwer, das beizubehalten. Man wird…abgestumpfter, wie der Rest der Masse. Ach, ich grübel auch immer zu viel.

               

              • Zulu,

                da kommen wir zu einem anderen antiquierten Begriff: Vorbild!

                Womöglich auch noch sein!  🙂

                Du hast doch auch schon Erfahrungen geschildert, in denen Du in Deinem Handeln bestätigt wurdest. Es mag nicht alles aufwiegen, aber, solche Momente zählen doch mehr, wie so manch Erwartetes?

                Berechtigt mein Handeln mich zur Gegenleistung? Im Prinzip ja (wenigstens Dankbarkeit), aber … die Menschen sind, einmal mehr, halt nicht alle gleich!

                Und, wir helfen doch nicht um der Resonanz willen? Wir helfen, weil wir es können (schon klar) und weil wir es wollen, es uns wichtig erscheint! Unabhängig davon,ob es als Ehrenamt gewürdigt, oder mit gleicher Münze zurückgezahlt wird?

                Die Freude liegt im Tun und damit im Sein! Sie bedarf keiner Würdigung! Sie ist Ausdruck echter Nächstenliebe. Ich tue Dir an, was ich mir selbst "zumuten" würde! 

                • Ja, Jürgen, völlig korrekt. Werde das auch nicht ablegen, keinesfalls. Vermutlich auch gar nicht können! Es ist mein Wesen. Man würde sich selbst betrügen. Das darf nicht passieren.

                  Du hast nun schon ein paar Tage mehr auf dem Tacho…im Alter wird man auch ruhiger und abgeklärter. Das ist ja das Schöne, merke ich auch. Mußte das erstmal alles verstehen…arbeite dran. Verstehe mich nicht falsch: Ich erwarte auch nicht immer sofort eine Belobigung oder Gegenleistung. So ist es nicht gemeint…(nunja, insgeheim wünscht man sich das vielleicht…und, wie war ich Schatz? 🙂 Das ist aber Blödsinn!

                  Man muß seine Ideologie irgendwie weiter erforschen/erleben, auch wenn´s manchmal schwerfällt. Denn sonst verrät man sich selbst. Bin ich auf dem richtigen Weg? Auf dem Weg des Lebens trifft man ständig auf neue Dinge, die einen auch wiederum komplett verändern können. Beständige Selbstkontrolle nennen wir es mal.

                  Ich weiß, daß ich mit meiner lockeren Art schnell Kontakte knüpfen kann und auch gerne tue. Gestern nur kurz beim Einkaufen: 4 Gespräche! Kommt man nach Hause und fühlt sich gut. Auch eine Form der sofortigen Bestätigung.

                  „Die Freude liegt im Tun und damit im Sein!“
                  Joah…das ist sehr richtig.

                  • Zulu,

                    es war von mir, auch nur prinzipiell angesprochen.

                    Alter schützt vor gar nichts! Da muß ich Dir widersprechen! Auch nicht vor Eitelkeit oder sonst was. Alter ist kein Wert an sich. Er wird ihm nur zugesprochen!  🙂

                    Sich selbst hinterfragen zu können, ist wohl eine der Eigenschaften, auf die es ankommt? Offen zu sein und auch zu bleiben, und dabei sich selbst! Nichts schwerer als das! 🙂

  3. "Bezeichnenderweise findet man solche Kostgänger vorzugsweise in der Politik"

    … die von korrupten Parteien bestimmt werden?

    Wenn die Menschen endlich begreifen würden, dass politische Parteien das eigendliche Krebsgeschwür von Demokratien sind, dann könnten sie selbst bestimmen und … frei sein. Dazu bedarf es allerdings ein Verbot pol. Parteien – und die Propaganda-Medien gleich mit. Der alte Karl hatte schon ganz Recht

    "Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein" (Karl Marx)

    • Dieter,

      es liegt nicht (nur) an den Parteien. Sie sind nur Ausdruck dessen, was uns beherrscht! Sie sind Mittel zum Zweck! Nicht mehr und auch nicht weniger! So berechtigt der Kampf gegen die Parteiendemokratur auch sein mag, gleicht er doch einem Schattenboxen!

      Sich damit zu beschäftigen, gleicht dem Schulmediziner, der sich den Symptomen einer Krankheit annimmt, sich der Ursachenforschung (den Auslösern der Krankheit) aber verweigert?

      Der Tag wird kommen, da werden wir "Farbe bekennen" müssen. Egal ob als Blogbetreiber oder als Kommentierende. Schlußendlich sitzen wir alle im selben Boot!

  4. "es liegt nicht (nur) an den Parteien. Sie sind nur Ausdruck dessen, was uns beherrscht!" 

    Richtig, deswegen habe ich auch die dreckigen Medien-Huren mit aufgeführt. Dieses "Pack" erzeugt Meinungen, die sich in den Köpfen der Massen festsetzen. Man muss die Lügen immer und immer wiederholen, bis sie letztendlich als Wahrheit wahrgenommen werden. Du weißt, ich liebe Zitate. Hier nur zwei, die dazu alles sagen:

    "Die am wenigsten wissen, gehorchen am besten."  (George Farquhar)

    "Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung bei der ich angestellt bin, herauszuhalten. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Beschäftigung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammons zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr täglich Brot. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Fäden, und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben sind das Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte." (John Swinton, 1829-1901, Chefredakteur der "New York Times", im Jahre 1880 bei seiner Verabschiedung)

    Und deswegen hat Karl Marx auch recht.

    • Ja gut, zugebenermaßen,

      habe ich das angeführte Zitat "vom Karle" immer noch nicht recht verstanden? Aber, was soll´s?

      Parteien und Medien sind Kinder gleichen Geistes? Sie schreiten Hand in Hand, wie einst die Internationale(n). Und da, "fällt der Apfel wohl auch nicht weit vom Pferd!"!

      Es nützt also nichts, sich um Phänomene zu kümmern, die Frage heißt dann wohl, "Wo wohnen die anderen Männer?"!

       

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