Griechenland und die Situation der Europäischen Union

Paul Craig Roberts (antikrieg)

Ich bezweifle, dass es einen Austritt Griechenlands geben wird.

Das griechische Referendum, in dem sich die Position der griechischen Regierung leicht durchsetzen konnte, sagt der Troika (EU-Kommission, Europäische Zentralbank, IWF, natürlich mit Washington als Fädenzieher), dass das griechische Volk die Position seiner Regierung unterstützt, dass die Jahre der Austerität, denen Griechenland unterworfen worden ist, ernsthaft das Schuldenproblem verschlimmert haben. Die griechische Regierung hat versucht, die aufgezwungene Austerität in Richtung Reformen zu verändern, die die Schuldenbürde über ein Ansteigen von Arbeitsplätzen, Bruttoinlandsprodukt und Steueraufkommen verringern würden.

Die erste Reaktion der meisten EU-Politiker auf das Ergebnis des griechischen Referendums war es, über einen Austritt Griechenlands aus Europa herumzuheulen. Washington ist darauf nicht vorbereitet und hat seine Vasallen angewiesen, den Griechen ein Angebot zu machen, das diese akzeptieren können, und das sie innerhalb der Europäischen Union halten wird.

Washington hat ein höheres Interesse als die Interessen der Finanzgruppen in den Vereinigten Staaten von Amerika, die Staatsschulden zum Schleuderpreis kauften in Hinblick auf Gewinne aus einem Geschäft, das 100 Cents auf den Dollar abwirft. Washington hat auch höhere Interessen als die Interessen des europäischen Einen Prozents, das darauf aus ist, die Verschuldung Griechenlands zu benützen, um dessen öffentliches Eigentum zu plündern. Washingtons höheres Interesse ist der Schutz der Einheit der EU und dadurch der NATO, Washingtons Mechanismus zum Vorantreiben des Konflikts nach Russland.

Wenn die starrköpfigen Deutschen Griechenland aus der EU vertrieben hätten, dann hätte Griechenlands Wendung hin zu Russland und finanzielle Rettung dieselbe Idee in die Köpfe von Italien und Spanien und letztlich sogar Frankreichs gesetzt. Die NATO würde sich auflösen, wenn Südeuropa Mitglied von Russlands Eurasischer Handelsunion würde, und die amerikanische Macht würde sich mit der NATO auflösen.

Das ist für Washington einfach inakzeptabel.

Wenn die Berichte stimmen, hat Viktoria Nuland bereits den griechischen Premierminister besucht und ihm erklärt, dass er weder die EU verlassen noch mit den Russen anbandeln darf, sonst gäbe es Konsequenzen, freundliche Umschreibung für Sturz oder Ermordung. Der griechische Premierminister weiß das allerdings wahrscheinlich schon, ohne dass man ihn besuchen muss.

Ich denke, dass die „griechische Schuldenkrise” jetzt abgeschlossen ist. Der IWF hat gerade die Position der griechischen Regierung übernommen mit der Veröffentlichung des IWF-Berichts, nach dem es von Anfang an ein Fehler war, Griechenland Austerität aufzuzwingen. Unter dem Druck dieses Berichts und Washingtons werden die EU-Kommission und die EZB mit der griechischen Regierung an der Erstellung eines Plans arbeiten, der für Griechenland akzeptabel ist.

Das heißt, dass Italien, Spanien und Portugal auch eine mildere Behandlung erwarten können.

Die Verlierer sind die Plünderer, die die Austeritätsmaßnahmen ausnutzen wollten, um diese Länder zu zwingen, öffentlichen Besitz in private Hände zu transferieren. Ich sage nicht, dass diese völlig abgeschreckt sind, nur dass das Ausmaß der Plünderungen reduziert worden ist.

Wie ich schon früher geschrieben habe (> Paul Craig Roberts – Hunger ist der Preis, den die Griechen dafür zahlen werden, dass sie in der EU bleiben), war die griechische „Schuldenkrise” von Anfang an orchestriert. Die Europäische Zentralbank druckt 60 Milliarden Euros im Monat, und zu jedem Zeitpunkt der „Krise“ hätte die EZB die Liquidität jeder der verbleibenden Gläubigerbanken garantieren können, indem sie deren Bestände an griechischen Schulden gekauft hätte, nicht anders als die Federal Reserve die problematischen durch Hypotheken gedeckten „Sicherheiten“ der „Banken, die nicht pleite gehen dürfen“ gekauft hat. Diese leichte Lösung wurde nicht gewählt.

Die Orchestrierung war eine Wohltat für westliche Finanzinteressen im Allgemeinen, da sie enorme Spekulationen auf den Euro und Spiele mit Wetten von Derivaten gegen Staatsschulden und alles, es damit zusammenhängt, möglich machte. Jede folgende „Krise“ wie etwa das Nein-Ergebnis vom Sonntag wurde zum Deckmantel für eine Attacke gegen Erdöl oder andere Güter. Die Beeinflussung und Manipulation von Märkten kann versteckt werden, indem man auf die jüngste „Krise“ verweist.

In seinem Buch Confessions of an Economic Hit Man (Bekenntnisse eines Hit Man) beschreibt John Perkins den Prozess, durch den westliche Finanzinteressen absichtlich schwächere Länder überschulden und dann den Druck der Schulden ausnutzen, um den Transfer des Besitzes und oft der Souveränität der Länder an den Westen zu erzwingen. Der IWF und dessen Austeritätsprogramme haben lange eine Rolle bei der Ausplünderung gespielt.

Im Austausch für eine Reduzierung der Euroschulden in der griechischen Bilanz sollte Griechenland seine Wasserwerke, Häfen und geschützten Inseln privaten Interessenten überlassen. Außer wenn das Eine Prozent die derzeitige griechische Regierung kaufen kann (zum Beispiel mit Bestechungsgeldern für die Aufnahme von Krediten zum Kauf von Unterseebooten), hat das Referendum die Ausplünderer frustriert.

In meinem Buch The Failure of Laissez Faire Capitalism habe ich erklärt, dass die griechische „Schuldenkrise” zwei weitere Zwecke verfolgte. Einer war die Überwindung der Praxis, die Schulden eines Landes auf eine Stufe herunter zu schrauben, die das Land bewältigen konnte, um an ihre Stelle das Prinzip zu setzen, dass die Bewohner eines Landes verantwortlich sind für die Fehler derjenigen, die die Überschuldung herbeigeführt haben. Die Herunterstufung soll also nicht länger auf der Seite der Gläubiger erfolgen, sondern wird stattdessen zu einer Herabstufung von Pensionen, Sozialen Diensten und Arbeitsplätzen, Das ist ebenfalls eine Form der Ausplünderung.

Der zweite Zweck, so machte Jean-Claude Trichet, der ehemalige Chef der EZB, ausdrücklich klar, war die weitere Reduzierung der Souveränität von Mitgliedsstaaten der EU durch die Übertragung von Kompetenzen im Bereich der Finanzpolitik (Steuern und Entscheidungen über Ausgaben) von nationalen Regierungen an die EU in Brüssel.

Washington favorisiert diese Zentralisierung von politischer Macht in Europa, und Washington favorisiert die Herrschaft des Einen Prozent über die Menschen. Wie auch immer, mehr als alles favorisiert Washington seine eigene Macht und hat gehandelt, um einen Austritt Griechenlands zu verhindern, mit dem die Auflösung der NATO beginnen hätte können.

Russland und China haben eine Gelegenheit verpasst, erste Schritte in Richtung Auflösung der NATO zu setzen durch eine Unterstützung Griechenlands bei einem Austritt aus der EU. Was immer das gekostet hätte, es wäre billig gewesen im Vergleich zu der militärischen Aufrüstung, die Washington beiden Ländern aufzwingt. Russland und China sind vielleicht zu dem Schluss gekommen, dass Washington genauso wenig eine Verbindung Griechenlands mit Russland akzeptieren kann, als Russland akzeptieren kann, dass die Ukraine ein Mitgied der NATO wird.

Wenn die Situation Griechenlands und in der Folge die von Italien und Spanien jetzt so gelöst werden, wie dieser Artikel nahelegt, dann bedeutet das, dass der NATO-Mechanismus für Washingtons Druck auf Russland intakt bleibt und dass der Konflikt, den Washington geschaffen hat, weitergehen wird. Das ist die schlechte Nachricht und die Kehrseite des Sieges Griechenlands über die Plünderer.

—–

Mehr dazu hier.

Griechenland und die Situation der Europäischen Union
2 Stimmen, 4.50 durchschnittliche Bewertung (92% Ergebnis)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


Ich akzeptiere

*