Populär oder populistisch?

von Jürgen

Vorneweg eine Begriffsbestimmung:

Populismus sei eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen“

Popularität sei das „Populär sein; Volkstümlichkeit, Beliebtheit“

Und während ersteres eindeutig negativ besetzt ist, scheint zumindest die Popularität doch positiv betrachtet zu werden, obgleich dem gleichen Wortstamm entspringend und sich darauf beziehend; populus = Volk (lat.). (Interessanterweise bezeichnet im Griechischen „éthnos“ das Volk, während „demos“ das „einfache Volk“ oder den Pöbel meinte, woraus sich dann das Staatsvolk entwickelte …)

Wie kommt es zu dieser unterschiedlichen Bewertung, in der sich doch beide durch eine gewisse „Volksnähe“, zumindest aber durch eine Wechselwirkung dazu, auszeichnen? Kann man populär sein, ohne als populistisch angesehen zu werden? Kann ein Populist überhaupt populär sein?

Nun, selbst ein schwäbischer Bundestrainer war mal populär, aber, da wird sich kaum auch nur Einer finden, daß dies auf Populismus zurückzuführen sei? Auch wenn sich unter seiner, nach wie vor andauernden Ära, die Deutsche Auswahl zur multikulturellen „Mannschaft“ wandelte (Es kam ja auch Kritik daran auf, daß eine Deutsche Handballnationalmannschaft Weltmeister wurde, so ganz ohne integrierte Ethnien), hatte seine Popularität allein mit internationalem sportlichem Erfolg zu tun (also trotz Özil und Khedira).

Selbst Stars und Sternchen, aus allen Bereichen des künstlerischen oder sportlichen Gewerbes werden eher nicht verdächtigt Populisten zu sein; zumindest nicht solange wie sie zu politischen Themen die Klappe halten! Es sei denn, sie äußern sich positiv zur geltenden Gesinnung. Wer das nicht schafft, bekommt die Eva Hermann Gedenkmedaille verliehen; zumindest aber maaslosen Ärger!

Es steht und fällt also alles mit der politischen Einstellung die jemand mitbringt, ob es nur zur Popularität reicht oder doch zum Populisten!

Wenn man sich anschaut, wer als populistisch eingestuft und damit gekennzeichnet werden soll, so sind es immer die, die eben nicht den Mainstream hofieren! Bevorzugt (wen wundert es?) sind das nämlich alles „Rechte“! Beziehungsweise, vertreten all das, was man halt so damit verbindet! Volk (im Sinne von éthnos), Nation, Brauchtum, Homogenität, Identität, Sicherheit, Sprache, Geschichte, also all das, was eigenes Gemeinsames ist und auch so bleiben soll!





Und das „einfache Volk“, dieses demos, welches an dieses glaubt, wird dann auch schon mal als nicht fähig erachtet (und entsprechend tituliert), Politik überhaupt zu verstehen … weil die Welt sich ja schließlich ändern müsse!

Wer all dieses hochhält und zu verteidigen versucht, ist also populistisch, weil er ja auf „das Volk hört“! Allerdings, den Wahlergebnissen zufolge ja wohl eher nicht! Oder repräsentieren Populisten nur Minderheiten? Schließlich folgen die zitierten Massen, nach wie vor, und damit eben nicht den als Populisten bezeichneten!

Ah, ich verstehe! Es geht darum, die Massen erst einmal zu gewinnen! Durch eben diesen Populismus! Jetzt tagt es! Es werde Licht! Wer also dem Volk (bei Bedarf auch nur Wähler genannt) zuhört, seine Ängste und Nöte aufnimmt, diese zusammenfasst, artikuliert und auf irgendeiner politischen Ebene vertritt, der ist dann aber Populist!?

Da komme ich ja aus dem Staunen gar nicht mehr heraus! Wer zuhört, ist somit automatisch Populist? Was aber auch nicht sein kann, weil, nach den letzten zwei Landtagswahlen in Mitteldeutschland, hieß es doch unisono, von allen diesbezüglich Unverdächtigen, man müsse wieder mehr auf die Leute zugehen und ihnen zuhören! Inklusive AKK! Und die muß es ja schließlich wissen, als Vorsitzende der größten Partei!

Oder gibt es gar unterschiedliche Populisten? Etwa politisch korrekte und andere? Gerade so, wie es „opportun geprägt“ erscheint, frei nach angeführter Definition? Wer ist denn da der wahre Opportunist? Der, der sich kümmert entgegen der vorherrschenden Meinung oder der, der die Macht darüber hat, zu entscheiden, ob es zu diskriminieren sei, was andere sagen oder denken?

Ach ja, eine Frage wäre da noch offen! Kann man sich beide Etiketten erwerben, respektive verdienen?

Gibt es populäre Populisten? Ja freilich! In allen Lagern! Gut, das darf man jetzt so nicht sagen … Bleiben wir also bei den aktuell üblichen Verdächtigen! Den die Mindermassen vertretenden! Die da, u.a., heißen Alice, Alexander, Björn, Corinna, Jörg, Peter oder auch Gottfried.

Wir wissen zwar nicht, was sie wirklich im Schilde führen, aber darum geht es jetzt ja auch nicht. Es geht darum, daß diese sowohl als populär wie auch populistisch angesehen werden können. Von immer mehr werdenden aus dem Volk als populär und vom politischen Gegner, wie könnte es anders sein, als populistisch.

Es kommt also auf die Warte, die Gesinnung an, von der aus betrachtet wird, was wie einzuschätzen und somit zu bewerten sei! Dazu dienen eben auch vorgegebene Begriffsverbiegungen, die als unumstößlich gelten! Weil alles, was begrifflich vorgegeben, sakrosant ist, im Sinne des opportunistischen Machterhalts!

Übrigens (ich kann es mir nicht verkneifen), gab es auch schon einen „Populisten“, der war auch populär, und zwar dermaßen, daß er im offenen Wagen (geradezu fanatisch umjubelt) durch´s Volk fahren konnte. Es wird aber auch in diesem Falle, nur dieses demos gewesen sein, also dieser demokratische Pöbel, auf den sich heute alle vorgeblich, so gerne berufen!

Euer Jürgen

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2 Kommentare

  1. Du machst Dir ja vielleicht Gedanken, Jürgen…:)

    Sind das letztendlich nicht alles medial-ausgeschlachtete und im Wortsinn völlig zweckentfremdete Kampfbegriffe? Sowie "Seenotrettung" statt Schlepperei, "Flüchtlinge" statt Invasoren, "Einzelfälle" statt Alltag? Obwohl es einen Migrationspakt gibt! Das Wort "Populismus" hat man früher nicht gehört, selbst in Zeiten der DVU oder NPD. Bisher reichte immer die "Nazi-Keule". "Verfassungsschutz" ohne Verfassung, letztendlich auch Begriffverdrehung und ein Witz. "Volksbank" etc. Wir sind umgeben davon, leider.

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