Die Lügen über Assange müssen aufhören

John Pilger ist nebst den Eltern von Julian Assange die Person, die am hingebungsvollsten für die Freiheit seines australischen Mitbürgers gekämpft hat. Hier deckt er noch Material auf, das auch mir unbekannt war. Vor allem über das schändliche und feige Verhalten der Schweden – von Engländern ganz zu schweigen. Aber jetzt bekommen offensichtlich einige Medien das Muffensausen.

John Pilger

Freiheit für Assange – Kriegshetzer hinter Gitter!

Aus dem Englischen: Einar Schlereth

Zeitungen und andere Medien in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Australien haben kürzlich ihre Leidenschaft für die Meinungsfreiheit erklärt, insbesondere ihr Recht, frei zu veröffentlichen. Sie sind besorgt über den „Assange-Effekt“.

Es ist, als ob der Kampf von Wahrheits-Berichter wie Julian Assange und Chelsea Manning jetzt eine Warnung für sie ist: dass die Gangster, die Assange im April aus der ecuadorianischen Botschaft gezerrt haben, eines Tages zu ihnen kommen können.

Ein gängiger Refrain wurde vergangene Woche vom Guardian wiederholt. Die Auslieferung von Assange, so das Blatt, „ist keine Frage der Weisheit von Herrn Assange, noch weniger, wie sympathisch er ist. Es geht weder um seinen Charakter noch um sein Urteilsvermögen. Es geht um die Pressefreiheit und das Recht der Öffentlichkeit auf Information.“

Was der Guardian versucht, ist, Assange von seinen bahnbrechenden Errungenschaften zu trennen, die sowohl dem Guardian zugute gekommen sind als auch seine eigene Verwundbarkeit aufgedeckt haben, zusammen mit seiner Neigung, sich der raubgierigen Macht anzuschließen und diejenigen zu verteufeln, die ihre Doppelmoral offenbaren.

Das Gift, das die Verfolgung von Julian Assange angetrieben hat, ist in diesem Leitartikel nicht so offensichtlich wie sonst; es gibt keine Märchen darüber, dass Assange Fäkalien an die Wände der Botschaft schmiert oder böse zu seiner Katze war.

Stattdessen bekommen die betrügerischen Referenzen auf „Charakter“ und „Urteil“ und „Sympathie“ einen epischen Anstrich, der inzwischen fast ein Jahrzehnt alt ist. Nils Melzer, der Berichterstatter der Vereinten Nationen für Folter, verwendete eine treffendere Beschreibung. „Es gab eine unerbittliche und haltlose Kampagne von öffentlichen Mobbing“, schrieb er. Er erklärt Mobbing als „einen endlosen Strom von demütigenden, erniedrigenden und bedrohlichen Aussagen in der Presse“. Diese „lächerliche Sammlung» stellt eine Folter dar und könnte zum Tod von Assange führen.

Nachdem ich viel von dem gesehen habe, was Melzer beschreibt, kann ich für die Wahrheit seiner Worte bürgen. Wenn Julian Assange den Grausamkeiten erliegen sollte, mit denen er überhäuft wurde, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, wie Ärzte warnen, werden Zeitungen wie der Guardian die Verantwortung teilen.

Vor ein paar Tagen schrieb Nick Miller, der Mann vom Herald’s Sydney Morning in London, ein faules, fadenscheiniges Stück mit der Überschrift: „Assange wurde nicht gerechtfertigt, er hat nur die Gerechtigkeit ausgesessen.“ Er bezog sich auf die Einstellung der sogenannten Assange-Untersuchung durch Schweden.

Millers Bericht ist nicht untypisch wegen seiner Auslassungen und Verzerrungen als Tribun der Frauenrechte. Es ist keine originelle Arbeit, keine echte Untersuchung: nur einfach Verleumdung.





Es gibt nichts über das dokumentierte Verhalten einer Gruppe schwedischer Fanatiker, die die „Behauptungen“ über sexuelles Fehlverhalten gegen Assange pachtete, und sich über schwedisches Recht und den gepriesenen Anstand dieser Gesellschaft lustig machte.
Er erwähnt nicht, dass der schwedische Staatsanwalt 2013 versucht hat, den Fall aufzugeben und eine E-Mail an die Staatsanwaltschaft der Krone (CPS) in London schickte, um zu sagen, dass er keinen Europäischen Haftbefehl mehr verlangen wird, auf den er die Antwort erhalten hat: „Wagt es ja nicht!“ (Danke an Stefania Maurizi von La Repubblica)

Andere E-Mails zeigen, dass die CPS die Schweden davon abhielt, nach London zu kommen, um Assange zu interviewen – was üblich war – und so die Fortschritte blockierte, die ihn 2011 möglicherweise befreit hätten.

Es gab nie eine Anklage. Es gab nie Strafen. Es gab nie einen ernsthaften Versuch, Assange „Beschuldigungen“ zu unterbreiten und ihn zu verhören – ein Verhalten, das der schwedische Berufungsgerichtshof für fahrlässig befunden hat und das der Generalsekretär der schwedischen Anwaltskammer inzwischen verurteilt hat.

Beide beteiligten Frauen sagten, es gab keine Vergewaltigung. Kritische schriftliche Beweise für ihre Textnachrichten wurden Assanges Anwälten vorsätzlich vorenthalten, offensichtlich, weil sie die „Anschuldigungen“ untergruben.

Eine der Frauen war so schockiert, dass Assange verhaftet wurde, sie beschuldigte die Polizei, sie zu überrollen und ihre Zeugenaussage zu ändern. Die Generalstaatsanwältin Eva Finne wies den „Verdacht auf ein Verbrechen“ zurück.

Der Mann vom Sydney Morning Herald lässt aus, wie ein ehrgeiziger und kompromittierter Politiker, Claes Borgstrom, hinter der liberalen Fassade der schwedischen Politik auftauchte und den Fall effektiv aufgriff und wiederbelebte.

Borgstrom verpflichtete eine ehemalige politische Mitarbeiterin, Marianne Ny, als neue Staatsanwältin. Ny weigerte sich zu garantieren, dass Assange nicht in die Vereinigten Staaten geschickt würde, falls er nach Schweden ausgeliefert würde, obwohl, wie The Independent berichtete, „bereits informelle Gespräche zwischen den US und schwedischen Beamten über die Möglichkeit stattgefunden haben, dass der WikiLeaks-Gründer Julian Assange nach diplomatischen Angaben in amerikanische Gewahrsam genommen wird“. Das war ein offenes Geheimnis in Stockholm. Dass das libertäre Schweden eine dunkle, dokumentierte Vergangenheit hatte, Menschen in die Hände der CIA zu übergeben, war nichts Neues.

Das Schweigen wurde 2016 gebrochen, als die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierung, ein Gremium, das darüber entscheidet, ob Regierungen ihren Menschenrechtsverpflichtungen nachkommen, entschied, dass Julian Assange von Großbritannien rechtswidrig festgehalten wurde, und die britische Regierung aufforderte, ihn frei zu lassen.

Sowohl die Regierungen Großbritanniens als auch Schwedens hatten sich an der Untersuchung der UNO beteiligt und waren übereingekommen, sich an ihr Urteil zu halten, das das Gewicht des Völkerrechts trug. Der britische Außenminister Philip Hammond trat im Parlament auf und missbrauchte das UN-Panel.

Der schwedische Fall war ein Betrug, von dem Moment an, als die Polizei heimlich und illegal mit einem Stockholmer Boulevardblatt Kontakt aufnahm und die Hysterie entfachte, die Assange fertig machte. WikiLeaks‘ Enthüllungen über Amerikas Kriegsverbrechen hatten die Handlanger der Macht und ihre Interessen beschämt, die sich Journalisten nannten; und daher würde dem standfesten Assange nie vergeben werden.

Jetzt wurde die Saison eröffnet. Assange’s Medienfolterer schoben sich gegenseitig ihre Lügen für den üblen Missbrauch zu. „Er ist wahrlich ein großer Scheißhaufen“, schrieb die Guardian-Kolumnistin Suzanne Moore. Die gängige Weisheit war, dass er angeklagt worden war, was nie stimmte. In meiner Karriere, in der ich von Orten extremer Umwälzungen und Leiden und Kriminalität berichtete, habe ich so etwas noch nie erlebt.

In Assanges Heimat Australien erreichte dieses „Mobbing“ einen Höhepunkt. Die australische Regierung war so begierig darauf, ihren Bürger in die Vereinigten Staaten zu bringen, dass die Premierministerin von 2013, Julia Gillard, ihm seinen Pass wegnehmen und ihn wegen eines Verbrechens anklagen wollte – bis ihr gesagt wurde, dass Assange kein Verbrechen begangen hatte und sie kein Recht hatte, ihm die Staatsbürgerschaft zu entziehen.





Julia Gillard, laut der Website Honest History, hält den Rekord für die gemeinste hündische Rede, die je vor dem US-Kongress gehalten wurde. Australien, sagte sie unter Applaus, sei Amerikas „großer Gefährte“. Der große Gefährte kooperierte mit Amerika bei seiner Jagd nach einem Australier, dessen Verbrechen der Journalismus war. Sein Recht auf Schutz und adäquate Unterstützung wurde ihm verweigert.

Als Assanges Anwalt, Gareth Peirce, und ich zwei australische Konsularbeamte in London trafen, waren wir schockiert, dass sie nur wussten, was über den Fall „in den Zeitungen stand“.

Diese Preisgabe Australiens war ein Hauptgrund für die Gewährung von politischem Asyl durch Ecuador. Als Australier fand ich das besonders beschämend.

Auf die Frage nach Assange sagte vor kurzem der derzeitige australische Premierminister Scott Morrison: „Er mus das nun auslöffeln“. Dies ruchlose Verhalten, ohne jede Achtung vor Wahrheit und Recht sowie Prinzipien und Gesetzen, ist der Grund, warum die von Murdoch kontrollierte Presse in Australien jetzt um ihre eigene Zukunft besorgt ist, wie der Guardian besorgt ist, und die New York Times besorgt ist. Ihre Sorge hat einen Namen: „Der Präzedenzfall Assange“.

Sie wissen, dass das, was mit Assange passiert, auch ihnen passieren kann. Die ihm verweigerten Grundrechte und Gerechtigkeit können ihnen verweigert werden. Sie wurden gewarnt. Wir alle wurden gewarnt.

Wann immer ich Julian in der grimmigen, surrealen Welt des Belmarscher Gefängnisses sehe, werde ich an die Verantwortung derjenigen von uns erinnert, die ihn verteidigen. In diesem Fall geht es um universelle Prinzipien. Er selbst sagt gerne: „Es geht nicht um mich. Es geht um viel mehr.“

Aber im Mittelpunkt dieses bemerkenswerten Kampfes – und es ist vor allem ein Kampf – steht ein Mensch, dessen Charakter, ich wiederhole, sein Charakter den erstaunlichsten Mut bewiesen hat. Ich grüße ihn.

Dies ist eine bearbeitete Version einer Rede, die John Pilger zum Auftakt von Julian Assange, einer Anthologie, die im Verlag Or Books, New York, veröffentlicht wurde, in London gehalten hat.

Seht auch dies an: www.dontextraditeassange.com

Folgt John Pilger auf Twitter

https://twitter.com/johnpilger und seiner Website http://johnpilger.com/

Quelle – källa – source

 

Wandere aus, solange es noch geht!

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