Von Intellektuellen und Schlappschwänzen

So könnte es überall an den Außengrenzen der EU zugehen. Ungarn macht es vor. Die ferngelenkte Kanzlerin will davon nichts wissen und versteckt sich hinter den zerstrittenen Eurokraten, um von ihrer gezielten Invasionspolitik abzulenken. Die Mehrheit der deutschen Intellektuellen schweigt dazu.  Der Franzose Michel Houellebecq stellt ein ähnliches Verhalten in seinem Land fest und hat einen Roman darüber geschrieben.

(Von Dirk-Jan van Baar, aus: De Volkskrant vom 17.1.16)

Endlich habe ich „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq gelesen, ein Jahr nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo und zufällig auch ein Jahr nach Erscheinen des Buchs. Das war keine Absicht, sondern Zufall. Ich wollte das Buch auch nicht wirklich lesen, denn durch den ganzen Medienrummel dachte ich schon zu wissen, was drinsteht.

Doch sobald ich zu lesen begonnen hatte, war es, als ob ich es aus Köln donnern hörte. Überwältigend! Das war nicht das Portrait eines fiktiven Frankreich, das im Jahr 2022 aus Angst vor Marine Le Pen einen moslemischen Präsidenten wählt; das war 2015, wie wir es vergangenes Jahr in voller Wirklichkeit erlebt haben.

Es geschieht selten, dass ein Schriftsteller so auf der Höhe der Zeit ist. Das bezieht sich nicht nur auf die erschreckenden Anschläge von Paris und den Wahlerfolg des Front National. Houellebecq beschreibt auch allerlei Details, die einem wirklich auffallen. So beschließt die Hauptperson Francois, Hochschullehrer und Experte für den dekadenten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts J.-K. Huysmans, am entscheidenden Wahltag, Paris zu verlassen. Die Reise geht in einem dicken VW Diesel (!) nach Südwestfrankreich. Das ist kein Zufall. Im Jahr 732 schlugen die mittelalterlichen Ritter unter der Führung von Karl Martell bei Poitiers die Moslems zurück. In dieser Gegend liegt auch das Kloster Ligugé, in dem Huysmans nach seiner Bekehrung zum Katholizismus sein Seelenheil suchte. Der Südwesten war ferner das Ziel der französischen Regierung, als sie 1940 vor den anrückenden Truppen Hitlers nach Bordeaux flüchtete. Darauf folgte das Vichy-Regime (der Geist, aus dem Le Pen entstand).

Draht zu Gott

Houellebecq trägt fingerdick auf. In „Unterwerfung“ ist Brüssel die europäische Hauptstadt, in der man den Verfall, die ethnischen Spannungen und den Dschihadismus am deutlichsten spürt – als ob der Autor schon mit Molenbeek in Kontakt gewesen wäre. Die Bar des Hotels Metropole gilt mit ihrem vergangenen Ruhm der 20er Jahre und ihrem art deco als die Schönste Europas, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Ich bin schon oft dort gewesen.

Keine Toleranz den Intoleranten. Der Terror mitten in Europa greift immer weiter um sich. Die jüngsten skrupellosen Anschläge in Paris belegen, dass wir dabei sind, mit unserer falsch verstandenen Toleranz, den faulen Kompromissen, der Selbstzensur und der bedingungslosen Political Correctness unsere Freiheiten zu verlieren.
Wir verschließen in unseren Analysen und Kommentaren den Blick vor der Tatsache, dass die brutalsten Terrorangriffe und immer mehr antisemitisch motivierte Straftaten von Muslimen begangen werden. Wir lassen uns diktieren, wie die Berichterstattung darüber aussehen darf.

Am Place de Clichy in Paris lässt Houellebecq einen Anschlag stattfinden, in jenem Arrondissement, wo ich vorigen Monat noch übernachtet habe. Viele Einzelheiten waren erstaunlich erkennbar, als ob ich selbst in der Geschichte herumgelaufen wäre. Verzeihen Sie mir, wenn ich bei dem Buch Fakt und Fiktion nicht immer auseinanderhalten kann. Wer so prophetisch schreibt, muss einen direkten Draht zu Gott haben – aktueller kann man nicht sein.

Doch Houellebecq hat keinen politischen, sondern einen psychologischen Roman geschrieben. „Unterwerfung“ erinnert mich an die Romane des nach Paris ausgewanderten tschechischen Schriftstellers Milan Kundera, in denen die Figuren an der „unerträglichen Leichtigkeit des Seins“ leiden. Auch Kundera beschreibt undisziplinierte Intellektuelle, die sich in die Unterwerfung (unter die Sowjetherrschaft Osteuropas) bücken und selbst im freien Westen nicht das finden, was sie suchen. Bei ihnen herrscht der Geist des Pariser Mai ’68, der anders als der Prager Frühling mit dem Kommunismus flirtet.

Das Leben im Westen bringt Komfort, aber die Einsamkeit und die Unfähigkeit, sinnvolle Beziehungen einzugehen sind noch größer als im Osten. Egal, was man tut, die Menschen sind egozentrisch und vor allem an Karriere, Sex und Geld interessiert. Doch es erfüllt sie nicht wirklich, sondern macht sie zu Karikaturen, die in ihren Alltagspflichten gefangen sind.

Bei Kundera bietet das Leben in eingebildeter Freiheit noch einen Ausweg, bei Houellebecq bleibt nur der Nihilismus. Von wegen Schaffende Kunst – Hauptperson Francois vergammelt sein Leben.

Er gehört zu den Talentierten und verdankt seine Professur an der Sorbonne einer guten Promotion, auf der er sich dann ausgeruht hat. Er ist ein lustloser Einzelgänger, der aus der Mikrowelle isst, zu viel trinkt und immer den Weg des geringsten Widerstands geht. Er stellt den Frauen nach, die ihm in Form junger Studentinnen jedes Semester frisch geliefert werden, wobei der Altersunterschied stets größer wird.

Unterordnung

Sein körperlicher Verfall bedrückt François meisten. Er sieht die Aufstiege von Le Pen und Islam, aber aus der Ferne. Seine Universitätskollegen sind davon amüsiert. Willenlos liefern sie sich dem neuen Zeitgeist aus. Es gibt an der Universität keinen aktiven Widerstand gegen die Islamisierung, da es jeder wie François vorzieht, sich einfach pensionieren zu lassen und den Ruhestand zu genießen. Wegschauen tut François nicht, er beobachtet rücksichtslos. Er ist sich seiner moralischen Krise bewusst, aber für ein Klosterleben nach seinem Held Huysmans fehlt ihm die Ausdauer. Als er zum Islam konvertieren soll, tut er es. Nicht um eine geistige Leere zu füllen, sondern weil er seinen Universitätsjob zu einem viel höheren Gehalt wieder zurückerhält und man ihm versichert, nun bis zu drei Frauen heiraten zu können, die ihm dann völlig untergeordnet seien.

Angriff auf unsere Demokratie
Islamunterricht an deutschen Schulen. Öffentliche Aufrufe zum Mord an Andersgläubigen. Forderungen, auch in Deutschland, die Scharia einzuführen. Stellen radikale Islamisten immer mehr eine Bedrohung für unsere demokratische Ordnung dar? Sabatina James, Aktivistin und Publizistin, warnt vor den fatalen Folgen unserer falsch verstandenen Toleranz. Sie fordert uns auf, die vom Islam ausgehende Bedrohung unserer Freiheit und Demokratie ernst zu nehmen. Es ist Zeit, dass wir die Diskussion nicht Rechtsextremisten überlassen, sondern erkennen, wie sehr unsere Werte in Gefahr sind.

Der moderne westliche intellektuelle ist nach Houellebecq ein Schlappschwanz, ein Lahmarsch, für den nur noch seine drei Mahlzeiten am Tag und sein Bett zählen.

Dadurch gewinnen nicht nur die Dschihadisten, sondern gleichermaßen die Feministinnen. Beide verachten die gleiche Art von Mann, einen Schwächling, der sich vor allem drückt. Als ich das kapierte, begann es in Köln noch viel lauter zu donnern.

Übernahme von pi-news.net (Übersetzung: Fritz M.)

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