Der verschwiegene Antisemitismus

Autor Vera Lengsfeld

Nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle initiierte die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli einen Aufruf für eine Mahnwache an der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße, dem auch Bundeskanzlerin Merkel folgte. Den Medien sagte Chebli, die Gesellschaft müsse jetzt zusammenstehen und zeigen, dass man die jüdische Gemeinde nicht im Stich lasse. Sie wolle nicht, dass Juden darüber nachdenken müssten, das Land zu verlassen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlten. So weit, so richtig. Allerdings hatte nur wenige Tage vorher auf eben diese Synagoge ein Angriff stattgefunden. Ein Syrer hatte versucht, sich mit einem Messer gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Die Berliner Justiz sah keinen Haftgrund und ließ den Attentäter schon einen Tag später laufen. Kein Aufschrei, nicht von Chebli, nicht von Merkel, nicht vom Regierenden Bürgermeister Müller oder den Medien.

Im September 2019 wurde am Brandenburger Tor ein Plakat mit der Aufschrift „Kein Platz für #Antisemitismus“ von der Polizei beschlagnahmt. Wollte man damit verhindern, dass sich die Antisemiten provoziert fühlen? Kein Aufschrei, von Chebli, Merkel oder Müller. Am selben Brandenburger Tor fanden vor den Augen der Polizei Demos statt, auf denen die Vernichtung Israels und der Juden gefordert wurde, einschließlich des Verbrennens der israelischen Flagge. Kein Aufschrei von Chebli, Merkel, Müller oder den Medien.

An Berliner Schulen wurden und werden immer noch jüdische Schüler gemobbt. Jude ist das am häufigsten gebrauchte Schimpfwort auf unseren Schulhöfen. Kein Aufschrei von Chebli, Merkel oder Müller, die Medien berichten schaumgebremst. Jüdischen Männern wird geraten, in Berlin keine Kippa mehr zu tragen, nachdem Kippaträger auf offener Straße attackiert wurden.

Kein Aufschrei von Chebli oder Merkel, Müller kündigt Maßnahmen an. Von diesen Maßnahmen wurde nie wieder etwas gehört.

Jedes Jahr finden in Berlin antisemitische Demonstrationen zum sogenannten Al-Quds-Tag statt, in denen Antisemiten mit judenfeindlichen Plakaten durch die Stadt ziehen, Israel-Flaggen verbrennen und Hass-Parolen brüllen. Die jeweiligen Innensenatoren von CDU und SPD sahen nie die Möglichkeit, diese Demonstrationen zu verbieten. Sie fanden unter Polizeischutz statt. Die Polizei ging dabei so weit, Gegendemonstranten einzukesseln, sie aufzufordern, nicht mit Israel-Fahnen den Kessel zu verlassen, um die Antisemiten nicht zu provozieren. Leuten wie mir, die das nicht einsehen wollten, wurde die Israelfahne einfach abgenommen. In einem Jahr klettern die Beamten sogar eine Fassade hoch, um eine Israelfahne von einem Balkon zu entfernen. Kein Aufschrei von Chebli, Merkel, Müller oder den Medien.

Im Reichstag wurde der Antrag der FDP, in der UNO nicht mehr für Israels Todfeinde zu stimmen, abgelehnt von Union und SPD und Linken und vielen Grünen. Kein Aufschrei, nirgends.

Unterstützung des Terrorismus gegen Israel mit deutschen Steuergeldern, die an die palästinensische Autonomiebehörde gezahlt werden. Damit könnten auch die Gehälter bezahlt werden, die von der Autonomiebehörde an gefangene Terroristen gezahlt werden, oder die Millionenbeträge zur Unterstützung der Hinterbliebenen von Selbstmordattentätern.

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass in von EU-Geldern finanzierten palästinensischen Schulbüchern Hass gegen Israel geschürt wird. Kein Aufschrei, keine Konsequenzen, die Zahlungen gehen weiter.

Die Anschläge von Migranten auf Juden und ihre Einrichtungen werden mit oft lächerlich niedrigen Strafen belegt. So wurde der Brandanschlag von 2014 dreier Palästinenser auf eine Wuppertaler Synagoge lediglich mit Bewährungsstrafen geahndet. Das Gericht sah keine antisemitische Tat, es glaubte den Tätern, sie hätten lediglich auf den Gaza-Konflikt aufmerksam machen wollen.

Antisemitische Karrikaturen in deutschen Zeitungen? Kein Problem. Aufrufe vor deutschen Kaufhallen, israelische Produkte zu boykottieren? Protest allenfalls als Randnotiz!

Ein Plakat auf einer Klimaschützerdemonstration in Nürnberg mit der Aufschrift: Wäre das Klima eine Synagoge…Was für ein Aufschrei ist ebenfalls eine Randnotiz. Kein Aufschrei bei linkem und islamistischem Antisemitismus. Über islamistischen Antisemitismus wird geschwiegen, dabei sind Hunderttausende Migranten aus antisemitischen Gesellschaften unter uns.





Bundespräsident Walter Steinmeier hofiert das Regime in Teheran, das Israel vernichten will, Außenminister Heiko Maas, der wegen Auschwitz in die Politik gegangen sein will, stimmt in der UNO israelfeindlichen Anträgen zu. Kein Aufschrei, keine Konsequenzen.

Diese traurige Liste, die auf eine Anregung von Boris Reitschuster zusammengetragen wurde, ließe sich endlos fortsetzen. Der neue Antisemitismus in Deutschland kann nur erfolgreich bekämpft werden, wenn endlich alle seine Facetten thematisiert werden.

Der Attentäter von Halle hat sich zu Beginn seines Tätervideos als Anun vorgestellt, was zu seinen mittelasiatischen Gesichtszügen passt. Wenn es so sein sollte, dass es sich um einen Deutschen mit Migrationshintergrund handelt, wäre es höchste Zeit, sich mit dem Problem zu befassen, dass auch hier geborene und aufgewachsene Menschen mit Migrationshintergrund zu Antisemiten werden können.

Statt die überfälligen Diskussionen endlich zu führen, kochen Politiker, die maßgeblich für die aufgezählten Missstände verantwortlich sind, ihr politisches Süppchen auf Kosten der Opfer. Die jüdische Gemeinde in Halle hat in einem offenen Brief die richtige Antwort darauf gegeben. Sie wendet sich gegen jeden Hass, auch den vermeintlich politisch-korrekten:

Leider gibt es bereits Versuche einiger politischer Kräfte, die traurigen Ereignisse des Anschlags für die eigenen politischen Ziele zu missbrauchen. Hier kann nur das wiederholt werden, was wir bereits zuvor betont haben: Der wahre Feind ist der Hass. Egal gegen wen, sei es gegen Juden, Christen oder Muslime – Sunniten oder Schiiten –, oder auch gegen Atheisten oder Agnostiker, gegen Frauen oder Männer, gegen Menschen mit oder ohne Behinderung, gegen Kranke oder Gesunde, gegen Menschen, die angeblich zu intelligent oder zu wenig intelligent sind, gegen Reiche oder Arme. Aber auch gegen diejenigen, die bestimmte Berufe ausüben, z. B. in der Kohlenbranche, bei der Bundeswehr oder bei der Polizei; gegen SUV-Fahrer oder gegen Fahrradfahrer. Das Wort TOLERANZ sollte über die eigenen Ansichten und vor allem über die eigenen Taten gestellt werden. Der politische Missbrauch der Opfer des Terroranschlags in Halle macht uns noch trauriger.

Der vollständige Brief

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Der verschwiegene Antisemitismus
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2 Kommentare

  1. Man sollte insbesndere vorsichtig sein, wenn zugewanderte, selbst intollerante Gruppierungen und Religionen von den Deutschen glauben Toleranz fordern zu müssen. Die Toleranz der Deutschen wurde längst überfordert und es ist endlich an der Zeit den Erhalt und den Selbstschutz unserer eigenen Deutschen Nation weit über die Toleranz für Fremde zu stellen.

  2. Die Stellungnahme des jüdischen Rabbi in Halle ist bemerkenswert einfühlsam, beruhigend und versucht aus diesem letztlich ungeklärten Vorgang kein bißchen gegen die Deutschen Vorwürfe  zu konstruieren.  Vermutlich ist mehr als die Hälfte der Juden mit den zionistischen Umtrieben nicht einverstanden, die jüdischen Journalisten bei RT.com zeugen von ihnen;  denn der zionistische Staat wurde von den plutokratischen Juden nur deshalb gegründet, um sich irgendwelcher Vorwürfe in Israel zu entziehen.  Dabei haben letztere die europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg für ihre Sicherheit geopfert und jetzt wieder die nicht unbeachtliche jüdische Gemeinde im Iran, die es schon zu Xerxes Zeiten mit dem jüdischen  Widersacher, Haman dem Agagiter, gab:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Haman

    Ich befürchte jedoch, wenn es wieder zu Judenverfolgungen, etwa in den USA, kommen sollte, wie in der Geschichte schon immer, werden die "guten" Juden, wie Henry Broder oder Paula Slier, auch darunter leiden müssen;  denn die blinde Masse kann nicht zwischen gut und böse unterscheiden, was die Deutschen aus ihren eigenen Verfolgungen nach dem Zweiten Weltkrieg nur zu gut wissen dürften.

    Das erinnert mich an den Opferpropheten der Freier, der Odysseus vergebens um sein Leben bat, Ode  22 Vers 310 ff.:

    https://www.gottwein.de/Grie/hom/od22de.php

     310
         Und nun eilte Leiodes, umschlang Odysseus die Kniee,
    Jammerte laut um Erbarmen, und sprach die geflügelten Worte:
    Flehend umfass' ich dein Knie: erbarme dich meiner, Odysseus!
    Denn ich habe ja keine der Weiber in dem Palaste
    Weder mit Worten noch Taten verunehrt, sondern beständig
     315
         Andere Freier gewarnt, wenn einer dergleichen verübte.
    Aber sie folgten mir nicht, die Hand vom Bösen zu wenden:
    Darum traf die Frevler das schreckliche Todesverhängnis!
    Aber soll ich, ihr Opferprophet, der nichts getan hat,
    Sterben wie sie; so ist ja des Guten keine Vergeltung!
     320
         Zürnend schaute auf ihn und sprach der weise Odysseus:
    Bist du Opferprophet bei den Freiern gewesen, so hast du
    Ohne Zweifel auch oft in diesem Saale gebetet,
    Dass ich ferne verlöre den Tag der fröhlichen Heimkehr,
    Und dass meine Gemahlin dir folgt' und Kinder gebäre!
     325
         Darum wünsche nur nicht den schrecklichen Tod zu vermeiden!
    Als er dieses gesagt, da nahm er mit nerviger Rechte
    Von der Erde das Schwert, das Agelaos im Tode
    Fallen lassen, und schwung es, und haut' ihm tief in den Nacken:
    Dass des Redenden Haupt hinrollend mit Staube vermischt ward.

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