Die abstruse Mär vom barbarischen Gold

von Peter Boehringer (Deutsche Edelmetall-Gesellschaft)

In allen politischen und ökonomischen Bereichen gibt es manchmal Spätberufene. Auch oftmals System-Prominente, die ihre Meinung um 180 Grad gedreht haben. Und manche stehen auch ganz offen dazu, vom Saulus zum Paulus geworden zu sein. Das muss nicht schlimm sein. Warum sollte man auch nicht im reiferen Alter zur ökonomischen Wahrheit finden? Und manchmal sind gerade Konvertiten die besten und überzeugtesten und schärfsten Kritiker ihres ehemaligen Tuns. Und damit kompetent und glaubwürdig.

Leider ist bei Thomas Mayer, ehemaligem Chefvolkswirt und Berater der Deutschen Bank noch bis 2012/14, nur ein Teil der o.g. Wandlung überzeugend gelungen. Und da er sich neuerdings immer mehr als Vertreter der Österreichischen Schule gibt, muss ich heute leider (begrenzte, denn vieles was Thomas Mayer heute sagt ist richtig und unsere Österreichische Rede seit Langem) Kritik üben. Unnötige Nestbeschmutzung ist es m.E. nicht, denn gerade ein Neuankömmling in unserer Wahrheitswelt freien Geldes und freier Märkte ohne planwirtschaftlichen Zentralbank-Einfluss sollte nicht gleich zu Beginn seiner neuen Mission die Terminologie ausgerechnet eines Keynes verwenden und sich ausgerechnet vom SPIEGEL instrumentalisieren lassen, nur um in die Medien zu kommen.

Ein Kernsatz von Thomas Mayer in einem aktuellen SPIEGEL-Interview, das ansonsten eine Menge Apologie zur eigenen Vergangenheit enthält, ist dieser:

„Gold ist für [Mayer] ein ‚barbarischer Rohstoff‘, der im Modell der Österreichischen Schule eigentlich nur als Ersatz für das nötige Vertrauen der Bürger in eine Währung fungiere.“

Mon dieu, Herr Mayer. Ich bitte Sie… Natürlich kann es sein, dass der SPIEGEL Sie hier reingelegt und aus dem Kontext gerissen hat. Aber als langjähriger Medienprofi muss man schon wissen, dass man sich bei Interviews in der Feindpresse das Endlektorat vorbehalten muss – bei Androhung Nichtfreigabe und/oder Gegendarstellung. Wir sind schließlich in einem knallharten ideologischen Wahrheitskrieg mit dem Mainstream! Und falls das im Zitat wirklich Ihre Meinung sein sollte (?), dann stellen wir hierzu Folgendes fest:

1. Das Wort vom „barbarischen“ Rohstoff-Relikt stammt von Lord Keynes himself, einem der opportunistischsten und käuflichsten Systemlinge (1923) …
2. … und war seitdem natürlich immer Kampfrhetorik gegen alle, die hartes Geld propagieren und für frei wählende Bürger eintreten …
3. … neuerdings doch eigentlich auch Thomas Mayer.
4. Staatlich verfügtes Goldgeld ist kein Lehrelement der Österreichischen Schule (auch das stellt der SPIEGEL-Artikel bewusst falsch dar)!
5. Ganz im Gegenteil verlangt die ÖS den völlig freien Währungswettbewerb (Hayek 1976: „Ent-Staatlichung des Geldes“)

6. … den „irgendwie“ doch eigentlich auch Thomas Mayer mitträgt mit dem Postulat eines „Aktivwährungssystems“ ohne Banken und Staaten als Geldschöpfer.
7. Das „nur“ im o.g. Zitat („Gold nur wegen Vertrauen“) ist eine absurde Untertreibung …
8. … bei jedwedem Geldsystem geht es IMMER und VORRANGIG um das „Vertrauen der Bürger“ …
9. … ohne dieses kann kein Geld(system) jemals funktionieren!

10. Eine faktische (ungleich staatliche) Golddeckung war und ist seit Jahrtausenden neben Silber die von den Bürgern präferierte Fundierung guten Geldes
11. … was Ludwig von Mises schon vor mehr als 100 Jahren auch wissenschaftlich begründet hat …
12. … ebenso Murray Rothbard in „Das Scheingeldsystem“ …
13. … oder viele andere Autoren mit zahlreichen guten, praktisch-empirisch-historisch-physikalisch-chemischen Argumenten
14. Falls Thomas Mayer also tatsächlich im Interview die Keynes´sche Kampfrhetorik vom „barbarischen“ Relikt verwendet haben sollte, steht er damit nicht in einer Reihe mit überzeugenden Gutgeldlern und auch nicht auf dem Boden der Österreichischen Schule.

Ein bisschen Wettbewerbsgeld ist wie ein bisschen schwanger. Man muss sich schon entscheiden, ob man die volle Geldfreiheit zulässt oder nicht. Tut man es – lässt man also den Menschen ihre aus ihrer persönlichen Freiheit resultierenden Wahlrechte, dann darf man diesen Wettbewerb nicht mit der Totschlagkeule der keynesianischen totalitären Welt-Makroklempner einseitig steuern und Gold oder Silber mal eben nonchalant als „barbarisch“ bezeichnen. Diese Haltung ist sowohl Wahl- und damit Freiheits-feindlich; als auch angesichts der 2500-jährigen Geschichte von Gold als natürlichem, da von den Menschen freiwillig gewähltem Geld abstrus und ahistorisch. Vertrauen ins Geldsystem kam bei den Menschen fast immer aus dem Vertrauen in die (vollständige, teilweise, vermutete, ehemalige) Deckung durch Gold zustande. Man muss diese Haltung der Menschen ggü. für sie als vertrauenswürdig empfundenem Geld intellektuell nicht mögen. Aber als historisches und massenpsychologisches Faktum zur Kenntnis nehmen sollte man sie schon!

Darum meine Bitte an den neuen Chef des neugegründeten Flossbach von Storch – Thinktanks: Wer sich „Österreicher“ nennt, künftig ein wirtschaftsliberales, der Freiheit verpflichtetes Denkinstitut leitet und Mitglied der Hayek-Gesellschaft ist, der darf nicht in der hier im SPIEGEL gewählten Form ausgerechnet gegen Gold sprechen. Ich weiß, dass das vermutlich auch keine Absicht war – und dass der SPIEGEL entweder falsch oder zugespitzt zitiert hat; und dass das Mayer´sche „Aktivgeldsystem“ wohl eine Art entstaatlichten Geldwettbewerb goutiert. Doch es gibt eben die feine Linie zwischen Wettbewerbsargumentation und Agitationsschreibe. Schon 2010/12 mussten wir den „alten“ Saulus-Mayer des DB-Research kritisieren (übrigens noch viel öfters bis 2010 Vorgänger Nobby Walter!) – dazu unten nur mal zwei Beleglinks.*) Der Paulus-Mayer distanziert sich nun von dieser seiner intellektuellen Vergangenheit – und das ist gut so. Bitte aufpassen, dass nicht heute wieder Aussagen stehen bleiben („Gold ist barbarisch und dient nur dem Vertrauen“…), von denen man sich in Köln dann in zwei Jahren ebenfalls wieder distanzieren muss! Man beachte unten im zweiten Zitat das Datum: 2010 glaubten uns die von mir kritisierten Leute nicht, dass diese kranke Welt dauerrettender und geldtotalitärer Zentralbanken nur zwei Jahre später 2012 Realität sein würde – und noch heute 2014 blubbern dieselben Leute noch immer den Uralt-Spruch vom „barbarischen“ Relikt namens Gold. Some will learn it the hard way!

Vielleicht wird es wirklich Zeit, dass das „barbarische Relikt“ und „Gewaltmetall“ Gold endlich einmal seinem (falschen) Ruf gerecht wird – und die Falschgeld-Lügner in der Währungsreform nach einigen Jahrzehnten Ruhe mal wieder barbarisch niederkeult. Manchmal sollen ja Schläge auf den Hinterkopf die Denkfähigkeit erhöhen. Ein wenig Barbarei i.S.v. reaktiver Verteidigungsfähigkeit im feindlich-betrügerischen Dschungel hat die Menschheit in Krisenzeiten immer wieder überleben lassen. Genau aus dieser potenziellen Kraft als ultimatives, da kraftvoll-barbarisches; und als unbestechliches, da totes Metall schöpft das Gold letztlich seinen heutigen Nimbus als vertrauenswürdiges Geld! Ungedecktes Papiergeld ist nur ein Versprechen – es kann ebenso wie Gesetzesversprechen gebrochen werden. Gold dagegen ist „barbarisch“ im Sinne von natürlich urgewaltig. Unbesiegbar durch Falschgeld-Bürokraten ebenso wie durch Aktivgeld-Theoretiker. Auch das „Aktivgeld“ ist nicht der von so vielen Geldtheoretikern jeder Couleur gesuchte dritte Weg zwischen ungedecktem Zentralbank-Kreditgeld und hartem Warengeld.

Historisch bewanderte Geldforscher müssen angesichts der Geldgeschichte und bei ehrlicher Betrachtung der menschlichen Geldpräferenzen zum Ergebnis kommen, dass freiwillig akzeptiertes Geld bei den allermeisten Menschen eben noch immer Warengeld / potenzielles Warengeld / teilweise physisch-materiell gedecktes und einlösungsfähiges Geld ist. Auch der Bitcoin hat bislang den Gegenbeweis zu dieser nach 2500 Jahren verdammt bewährten These nicht angetreten. Und natürlich auch nicht die inzwischen seit 43 Jahren erzwungene Loslösung des Papiergelds vom Gold. Dieser totalitäre Zeitraum ist ein Zwinkern im Lauf der Geldgeschichte. Wie es der Zufall will, steht ebenfalls im aktuellen Spiegel auch noch diese Nachricht: Schottland: Größter Wikingerschatz entdeckt: Gold- und Silberartefakte.“ Archäologen finden eben immer und immer wieder Gold und Silber – und keine Staatsanleihen, kein fiat money …

Der homo fiat monetarius wird von diesem Planeten verschwinden wie ein durch Absterben des ausgelaugten Wirtes ausgerottetes Virus, nachdem er das globale Falschgeldprojekt noch bis auf die ultimative Spitze und bis auf Babel´sche Geldturmhöhen getrieben haben wird. Übrig bleiben dann nach dem Einsturz des gigantischen Betrugsvehikels neben Kakerlaken in jedem Fall die Geldbarbaren und die Vorsorge-Eremiten. Und von diesen kann dann immerhin nach dem Tag X über die segensreichen Institutionen der Arbeitsteilung und des dafür notwendigen guten (Gold-)Geldes wieder eine auf Wahrheit, Natürlichkeit, Freiwilligkeit und gutem gedecktem Marktgeld begründete Hochkultur aufgebaut werden. Besser wäre es allerdings, wir würden uns den ultimativen Schlag auf den Hinterkopf und die globale Geld- und Anpassungskrise ersparen – und HEUTE SCHON für freiwilliges Goldgeld plädieren. In diesem Sinne mein Appell auch in Richtung Köln: Got GoldSilver? Promote GoldSilver!

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Absurdes Laienschauspiel im Bundestag (GSB Mai 2010, Auszug):
„Im Falle der EZB-Monetisierungen wird nicht einmal ernsthaft „verschleiert“, sondern einfach Maastricht ganz offen gebrochen. Ganz schlaue Systemapologeten erklären uns zwar seit Tagen etwas von „Sterilisierung“ der (an GR, SPA usw.) ausgereichten neugeschöpften Geldmengen. Aber dies ist natürlich absurd, denn das Geld wird ja sofort gebraucht und kann in diesen Größenordnungen auch nicht einfach so wieder abgezogen werden. Zudem zeigte sich bereits gestern -also nur wenige Tage nach der Auszahlung der ersten, auf Jahre angelegten, Kreditvergabe an GR-, dass die „Sterilisierung“ der zugehörigen Geldmenge genau auf EINE (!) Woche beschränkt sein wird. Jedenfalls hat die EZB im ersten Anlauf ein „Einwochengeschäft“ für die von den Banken hereingenommenen verzinslichen Termineinlagen beschlossen. Von Fristenkongruenz keine Spur – das Geblubber von Mainstream-Profs und Mainstream-Volkswirten (man denke hier an Thomas Mayer – Chefsedierer – Volkswirt der DB; vorgestern in der Tagesschau) ist unerträglich. Das Argument „Alles nicht schlimm – wird ja sterilisiert“ ist einfach pure Volksverdummung und schon einen Tag später widerlegt. In den USA wird das Spiel von der Fed übrigens seit Jahren als „sterilization via reverse repos“ bezeichnet – und ist dort seit Jahren ebenso intransparent und fast reine Rhetorik .“

Sozialismus als Alternative zur Realität (II) (GSB Juni 2010, Auszug)
„Die Europäische Zentralbank hat vorgeschlagen, eine Kriseninstitution für den Euro-Raum zu schaffen. In wichtigen Punkten stimmt sie mit dem von Ökonomen und Politikern ins Spiel gebrachten ‚Europäischen Währungsfonds‘ überein. ‚Nach der Erfahrung der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg müssen wir über den Stabilitätspakt hinausgehen‘ … Die EZB vermeidet den Begriff ‚Währungsfonds‘. Gleichwohl ähnele die vorgeschlagene Institution stark dem von ihm und Daniel Gros aufgebrachten ‚Europäischen Währungsfonds‘, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Mit einem solchen Instrument könne man wie bei einer Restrukturierung den Anlegern anbieten, gefährdete Positionen zu einem Abschlag loszuwerden. Der von der Institution gebotene Preis könne so gesetzt werden, dass dem Finanzgewerbe keine gefährlichen Einbußen abverlangt würden. ‚Der Vorschlag der EZB geht in Richtung eines institutionalisierten Krisenmechanismus‘.“
=> Planwirtschaft und „socialism for the banks“ in Reinkultur. …
=> Frei aber sinngemäß in klares Deutsch übersetzt bedeutet dies:
– Die Realität der Märkte und deren freie Preisfindung wird nunmehr institutionalisiert-planwirtschaftlich ignoriert und abgeschafft.
– Die Hütte -sprich die EUropäischen Volkswirtschaft- brennt ganz offenbar.
– Das gesamte Bankensystem ist akut gefährdet durch nach wie vor riesige und noch nicht vorgenommene Wertkorrekturen auf PIGS-Anleihen und andere toxische Anlagen.
– Die EZB will in völlig intransparenter Weise …
– … mit theoretisch unlimitierten Mitteln aus der Druckerpresse …
– … selektiv einigen „systemrelevanten“ Playern („Anlegern“) …
– … deren toxische und völlig überbewertete Anlagen abnehmen …
– … dies im Falle der Systembanken mit minimalem Abschlag …
– … und mit etwas größeren Abschlägen im Falle der „Wohlverhalter“ und
sonstigen Systemträger …
– … und sie wird nicht kooperierende „Anleger“ auf diesen Assets sitzen lassen …
– … von den kleinanlegenden Menschen ganz zu schweigen …
– … denen niemand auch nur einen Cent ihrer Verluste ersetzen wird …
– … denn auf ein „Verlust-Ersetzen“ (=“Schenken“) läuft es hier eindeutig hinaus!
=> Der freie Markt wird über diesen Bankensozialismus der Systemnomenklatura nunmehr sogar an den bislang liquidesten Märkten überhaupt (= den Anleihemärkten) offiziell außer Kraft gesetzt.“

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