Kiew verzichtet nicht auf russisches Gas

Von Peter Haisenko (anderwelt)

Russland liefert durchgehend Gas an die Ukraine. Ohne dieses Gas wären schon unzählige Ukrainer erfroren. Kiew kann auf dieses Gas nicht verzichten, fordert aber von Deutschland, Gasimporte aus Russland einzustellen.

Die Gasleitung durch die Ukraine, die auch Gas nach Deutschland bringt, läuft mit 100 Prozent Auslastung. Die Ukraine kassiert Durchleitungsgebühren und versorgt sich selbst mit Gas aus dieser Pipeline. Dennoch werden die Aufforderungen ukrainischer Politdarsteller immer lauter, frecher, anmaßender, Deutschland solle sofort den Energieimport aus Russland einstellen. Der Punkt ist aber, dass es Kiew selbst in der Hand hat, zumindest den Fluss des Gases durch ihr eigenes Land abzustellen. Das würde zwar die Versorgung durch Nord-Stream1 nicht stoppen, aber den Gesamtimport deutlich reduzieren. Genau das wird von seiten Kiew nicht einmal angedeutet.

Russland hat gesagt, es wolle mit seiner Operation in der Ukraine die Zivilbevölkerung so weit wie irgend möglich von Auswirkungen verschonen. Nachdem Russland nach wie vor Gas in die Ukrane liefert, obwohl überhaupt nicht klar ist, wie das bezahlt werden wird, kann man nur feststellen, dass Russland konsequent handelt im Bestreben, die Zivilbevölkerung vor schweren Unbilden zu bewahren. In der Ukraine herrschten während der letzten Wochen strenge Minustemperaturen. Hätte man dort nicht das Gas aus Russland, wäre auch Kiew schon zu einem großen Eisschrank geworden. Mit all den Folgen, nämlich durch Frost geplatzte Wasserleitungen und Heizungsanlagen. Die Schäden wären enorm und nachhaltig.

Die Gasleitung durch die Ukraine hat sich oft als unzuverlässig erwiesen

Nachdem sich Kiew als Kriegspartei sieht, als im Krieg mit Russland befindlich, kann man sich nur wundern, warum Russland nicht entsprechend handelt und das Gas abdreht. So, wie man es erwarten müsste, wenn sich zwei Kriegsparteien gegenüber stehen. Bedarf es da noch eines anderen Beweises, dass es Russland wirklich ernst meint mit der Ansage, die Zivilbevölkerung so wenig wie möglich die Auswirkungen seiner Spezialoperation spüren zu lassen? Nachdem das Gas aber weiter fließt, weiß Kiew, dass Russland das Land nicht vernichten, nicht ins endgültige Chaos stürzen will. Wie perfide ist es da, wenn Kiew Deutschland drängt, energiepolitischen Selbstmord zu begehen?

Das Argument, man würde Russland seine Armee mit dem Import von Gas finanzieren, ist so unsinnig wie alles andere, was jetzt im Westen als “Sofortmaßnahmen” angesprochen wird. Nichts davon ändert etwas an der aktuellen Lage. So müsste gerade Deutschland Kiew streng ermahnen, alles dafür zu tun, dass der Gasfluss durch die Ukraine nicht abreißt. Gasfluss durch die Leitung, die bislang schon immer wieder dadurch aufgefallen ist, dass sie unzuverlässig ist. Das wegen der schlechten Wartung und wohl auch wegen der grassierenden Korruption, unter der das ganze Land leidet.

Warum wurde die Produktion von Kabelbäumen eingestellt?

Jetzt hat Selenskij seine Landwirte aufgefordert, an die Aussaat zu denken, um eventuelle Hungersnöte abzuwenden. Das reiht sich ein in die Zustände, die manche dazu veranlassen, Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen. Oder den Fakt, dass wichtige Güter nicht mehr produziert werden. Zum Beispiel Kabelbäume, deren Fehlen gerade die deutsche Autoproduktion stilllegt. Dazu sollte man wissen, dass zum Beispiel die Firma OWD-Elektrik diese Kabelbäume in einer Fabrik herstellt, die, 2003 gegründet, etwa 60 Kilometer südöstlich von Lemberg angesiedelt ist. Diese Gegend ist bislang nicht von der russischen Operation betroffen. Und zwar weiträumig. Warum also ist dort die Produktion eingestellt worden?

Ich sehe zwei mögliche Erklärungen. Die eine wäre, dass die Arbeiter dort jede Gelegenheit ergreifen, sich einen Extra-Urlaub zu genehmigen. Das würde dann auch mit dem Fakt zusammenpassen, dass das BIP der Ukraine seit 30 Jahren nur bergab gegangen ist. Das würde auch erklären, warum sofort nach Beginn der Operation überall der Notstand ausgebrochen ist und jetzt Hilfslieferungen auf den Weg gebracht werden, obwohl etwa 80 Prozent der Ukraine nicht von militärischen Operationen betroffen sind. Wohl deswegen muss Selenskij seine Landwirte ermahnen, ihre Arbeit weiterhin zu verrichten.

Die andere korrespondiert mit der Forderung Kiews, das Gas aus Russland abzudrehen. Kann es sein, dass die Produktion dieser Kabelbäume ganz gezielt eingestellt worden ist, ohne praktische Notwendigkeit, um dem Westen, speziell Deutschland, die Botschaft zu senden, dass es in dieser Sache Partei ist, sein muss? Dass Kiew in der Lage ist, die deutsche Industrie stillzulegen, wenn man nicht im Interesse Kiews handelt? Dass man also in Kiew Erpressungspotential nicht nur bereit hält, sondern schon anwendet? Man bedenke, dass die Grenzen der Ukraine Richtung Westen offen sind, es also keinen Grund gibt, in der (West-)Ukraine produzierte Güter nicht mehr zu exportieren und so auch keine Devisen mehr bekommt, die man so dringend braucht. Aber braucht man die wirklich? Der Westen schiebt ja so oder so seine Milliarden in den korrupten Saustall in Kiew, wo sie in den Taschen der Oligarchen landen.

Kiew präsentiert Deutschland sein Erpressungspotential

Mit der Globalisierung gibt es praktisch kein Land, das nicht auf Lieferungen aus anderen Ländern angewiesen ist. Einzig Russland, vielleicht auch China, hat sich nach acht Jahren ansteigenden Sanktionsregimes so weit wie möglich autark gemacht. Aber insbesondere Deutschland ist für seine Existenz als Industrieland auf weltweite Lieferungen angewiesen, wie die “Chip-Krise” so deutlich gezeigt hat. Mit der Abwrackung der sichersten Atomkraftwerke ist Deutschland schon darauf angewiesen, Strom von seinen Nachbarn zu beziehen, wenn die Lichter ohne Unterbrechung leuchten sollen. Da kann man noch so viele Windräder oder Solarpaneele aufstellen, und es wird sich daran nichts ändern, Nachts oder bei Windstille. Obwohl Habeck das mittlerweile verstanden haben könnte, blökt er weiterhin, der Ausbau der alternativen Energien wäre die Lösung. Dass wir auf russisches Gas für viele Jahre nicht verzichten können, weiß er und sagt es auch vorsichtig.

Wenn die Ukraine jetzt also offensiv fordert, Deutschland müsse seine Energieimporte aus Russland einstellen, tut sie das in dem Wissen, dass sie unsere Heimat auf dasselbe Niveau bringen wollen, wie ihr kaputtes Land. Bezüglich der Autoindustrie haben sie das schon geschafft, denn es würde verdammt lange dauern, bis die Kabelbaumproduktion wo anders hin verlagert werden kann. Wie gesagt, gibt es zur Zeit keinen Grund, die Kabelbaumproduktion einzustellen. So muss ich feststellen, dass zwar immer die Abhängigkeit von Russland thematisiert wird, die Erpressbarkeit von dort, aber eben von dieser Seite nach wie vor vertragsgemäß geliefert wird. Selbst in die Ukraine. So ist es Kiew, das ohne Vorwarnung Deutschland sein Erpressungspotential präsentiert. Und wieder gibt es keine Politiker in Deutschland, die Kiew ermahnen, sich vertragstreu zu verhalten. So, wie auch niemand Kiew ermahnt hat, die Minsk-Verträge endlich einzuhalten.

Die Ukraine hat nichts mehr zu verlieren – wir schon

Die russische Operation in der Ukraine zeigt dem Westen schmerzlich auf, wie weit er sich mit seinen unbegründeten Aggressionen gegen Russland selbst beschädigt hat. Außer Kabelbäumen und Sonnenblumenöl gibt es wenig, worauf wir auf Lieferungen aus der Ukraine angewiesen wären. Der Wertewesten hat auf ein Pferd gesetzt, das nur wenigen Kapitalisten Gewinne bringt, aber ansonsten nur unsere Milliarden im Sumpf versickern lässt. Einzig der Hass auf Russland, das sich partout nicht den Diktaten der USA unterordnen will, das seine nationale Identität behalten will, kann erklären, warum sich Deutschland derart selbstvergessen der Seite Kiews verpflichtet hat.

Da sollte man aber noch einmal gründlich nachdenken, wenn Kiew jetzt immer frecher und intensiver dazu auffordert, man solle Deutschland ruinieren mit der Abschaltung der russischen Energieimporte. Und das, obwohl Kiew nicht einmal daran denkt, mit gutem Beispiel selbst voranzuschreiten. Kiew importiert mit großer Selbstverständlichkeit vom erklärten Feind, worauf es nicht verzichten kann. Eben Gas. Das können sie, weil sie wissen, dass sie sich darauf verlassen können, wenn Russland gesagt hat, man wolle der Zivilbevölkerung keinen Schaden zufügen.

Wie verlogen, wie perfide ist es da, wenn sie andere dazu auffordern etwas zu tun, was sie selbst nicht tun wollen? Vergessen wir nicht, wer sich mit solchen Leuten gemein macht, läuft Gefahr, mit ihnen unterzugehen. Die Ukraine in ihrem seit Jahrzehnten ständig schlechter werdenden Zustand hat nichts mehr zu verlieren – wir schon. Eine demilitarisierte und entnazifizierte Ukraine kann einigermaßen schnell wieder auf die Beine kommen, ohne die Last für Militärausgaben. Sind die Oligarchen in Kiew entmachtet, wie es Putin in Russland schon vor 20 Jahren gemacht hat, besteht die Chance, dass sich die Ukraine ähnlich schnell erholen kann, wie es Putin in Russland vorgeführt hat. Aber ich bezweifle, dass der Westen das will. Da würde ihm die Geldwaschmaschine abhanden kommen und das nächste Billiglohnland wäre keines mehr.

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Schon 2014 habe ich ein Modell vorgestellt, wie das Ukraine-Problem gelöst werden könnte. Es ist jetzt aktueller denn je:
https://www.anderweltonline.com/politik/politik-2014/kann-die-tschechoslowakei-das-modell-zur-loesung-der-ukraine-krise-sein/

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Kiew verzichtet nicht auf russisches Gas
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3 Kommentare

  1. Nachdem RF dafür bestraft wird, nur weil sie existiert und die Bestrafer eigentlich nur Geld verdienen wollen und alle Länder unter ihren Fußsohlen haben wollen, wird es kaum eine Lösung geben, kommen solche immer wieder nach…….. Findet man immer wieder Grausliches, um Leute zu bestrafen, die auf Entartete eigentlich überhaupt nicht neugierig sind und nur ohne die Gemeinheiten Eigenartiger leben wollen. Tun mir Unschuldige leid. Doch nur mit Schleck- schleck wird sich da nichts ändern. Muß man sich anderes einfallen lassen…gezielt……..Erinnert mich an einen alten Film…allein gegen die.. Fia…… Ist heute noch alles da…… Bösheiten wachsen auf der Erde besonders gut……..Scheinbar macht das besonders high… Gut kann Böses nicht besiegen.Gibt auf der Erde zuviel davon……Gut kann nur auch bös werden oder davongehen…………Jeder ist sich selbst der Nächste….Leben ist kurz, man sollte es nicht mit unnötigen Kämpfen belasten. Gibt man Eigenartigen alles, was sie wollen, ist das weniger lustig als ein Kampf gegen welche, die sich wehren…….Freut das nicht und sie schauen überrascht drein…….Dann aus dem Weg gehen, vielleicht fahren sie dann zum Onkel nach unten…….Gilt…der Klügere spielt bei bösen Spielen nicht mit….Sollen die Erdöl trinken und darin baden….und in Erdgas spielen.

  2. „Sind die Oligarchen in Kiew entmachtet, wie es Putin in Russland schon vor 20 Jahren gemacht hat, besteht die Chance, dass sich die Ukraine ähnlich schnell erholen kann, wie es Putin in Russland vorgeführt hat.“
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    Dies war auch das Erfolgsrezept eines Adolf Hitlers, der dem Treiben der vorwiegend jüdischen Spekulanten in den Zeiten der Inflation ein Ende setzte, welches ja große Teile der deutschen Bevölkerung in bitterste Armut gestürzt hatte.

    Die Mär von den „Goldenen Zwanzigern“, welche heute noch gern kolportiert wird, sollte endlich auf dem Müllhaufen der Geschichtsschreibung landen, möge dies auch für die Feinde der Deutschen zutreffend gewesen sein, so wird dies doch immer wieder betont, um einen entsprechenden Kontrast zur „Finsteren NS-Zeit“ herzustellen.

  3. „Einzig der Hass auf Russland, das sich partout nicht den Diktaten der USA unterordnen will, das seine nationale Identität behalten will, …“
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    Auch hier sehe ich eine klare Parallele zum 3. Reich, denn auch dieses wollte sich nicht unterjochen lassen, weder im politischen noch im wirtschaftlichen Kontext.

    „Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und ein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem die Weltfinanz nicht mehr mitverdienen konnte.„

    Churchill zu Lord Robert Boothby, zit. in: Sidney Rogerson, Propaganda in the Next War, Vorwort zur 2. Auflage 2001, ursprünglich 1938 erschienen. Winston Churchill, Der Zweite Weltkrieg, Scherz, München 1960. Winston Churchill in seinen „Erinnerungen“.

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