Bereiten manche EU-Staaten den Euro-Austritt vor?

von Gerhard Spannbauer (krisenvorsorge)

Die Finnen haben schon bei den Griechenland-Hilfspaketen darauf bestanden, ihren Anteil an den Darlehen extra besichern zu lassen, um bei einem Zahlungsausfall nicht im Regen zu stehen. Das skandinavische Land zeigt sich zunehmend eurokritisch und kann sich auf eine starke Wirtschaft stützen. Finnland wäre problemlos in der Lage, mit einer starken Finnmarkka seine (sehr überschaubaren) Schulden zu bedienen. Es ist ohnehin das einzige Land in Skandinavien, dass sich der Eurozone angeschlossen hat.

Dass es sich hierbei nur um reine Gerüchte handelt, ist unwahrscheinlich. Die Großbank Nordea hat eine Studie veröffentlicht, die die Möglichkeiten und Aussichten einer Parallelwährung Markka neben dem Euro untersucht. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass es gerade in schwierigen Zeiten vorteilhaft wäre, eine solche nationale Parallelwährung zu haben. Die Finnmarkka könnte flexibel gegen den Euro aufwerten und so die eigene Wirtschaftskraft abbilden. Der Wertverlust des Euro würde nicht mitvollzogen und damit die wichtige Preisstabilität im eigenen Land gewährleisten.

Anders als die Griechen, würden die Finnen sehr gern zu ihrer alten Währung zurückkehren.

Ein Artikel in der „Welt“ vom 24. Oktober 2012 findet wenig Beachtung, ist aber eigentlich eine Sensation. Erstmals in ihrer Geschichte veröffentlicht die Bundesbank nämlich genaue Zahlen darüber, wo die deutschen Goldbestände lagern. Schon vor einiger Zeit waren ja Bundestagsabgeordnete nach New York gereist, um die deutschen Goldbestände in den unterirdischen Tresorräumen der Fed zu begutachten (ich berichtete). Natürlich bekamen sie die deutschen Barren nicht zu sehen.
Als der Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann im August 2002 einige dezidierte Fragen über den Verbleib des deutschen Goldes an die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium stellte, wurde er mit den ohnehin bekannten Fakten abgespeist oder erhielt halbwahre bis irreführende Antworten.

Bisherigen offiziellen Angaben nach lagerten lediglich 50 Tonnen der insgesamt 3400 Tonnen Gold auf deutschem Boden.

Verwunderlicherweise werden nun 1036 Tonnen als Bestand in inländischen Tresoren aufgeführt. Hat man die etwa ganz verschwiegen auf dem Markt hinzugekauft? Wozu?

Die deutschen Goldbestände sind nach Bundesbank wie folgt verteilt:

1536Tonnen (45 Prozent) liegen in Tresoren der US-Notenbank FedinNewYork, 450Tonnen (13 Prozent) bei der BankofEnglandinLondon, 374Tonnen (11 Prozent) bei der BanquedeFranceinParis. Knapp ein Drittel (31 Prozent) des Edelmetalls verwahrt die Bundesbank in eigenen Tresoren im Inland: 1036Tonnen.“

Die wirklich interessante Frage ist aber, warum jetzt, nach sechzig Jahren beharrlichen Mauerns, die Bundesbank genaue Zahlen veröffentlicht? Mehrere prominente Abgeordnete, unter anderem Dr. Peter Gauweiler, fordern, die deutschen Goldreserven nach Hause zu holen und selbst der Bundesrechnungshof verlangt physische Stichproben. Bisher war das ein Thema, an das niemand heran wollte, wohl wissend, dass das direkt zu einem Karriereabbruch führt (siehe Martin Hohmann).
Was bedeutet, dass hier etwas ganz anderes vorgeht. Ein neuer „Plan B“ schimmert durch, der von „ganz oben“ ausgedacht wurde. Es fragt sich nur, zu welchem Zweck?

Vielleicht will man den Deutschen vorführen, dass ihr ganzes Gold – allen Unkenrufen zum Trotz – doch noch da ist und auch uns gehört?

Viel wahrscheinlicher ist aber, dass hiermit der EZB ein Wink mit einem riesigen, dicken Zaunpfahl gegeben werden soll. Die Deutschen dürfen zwar für alles und jedes garantieren und zahlen und alle Warnungen, insbesondere die des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann, gegen die Politik des massiven Gelddruckens der EZB, werden ignoriert. Man kann mittlerweile schon von ständigen, erbitterten Kämpfen zwischen der Bundesbank und der EZB sprechen.

Eine Rückführung der deutschen Goldreserven in heimische Tresore kommt einer deutlichen Botschaft gleich, dem schlimmsten Alptraum der EU und der EZB: Wenn wir unser Gold daheim lagern, könnten wir sehr schnell eine goldgedeckte, Deutsche Mark herausgeben, falls unsere Warnungen und Forderungen nach einer soliden Geldpolitik durch die EZB weiter abgeblockt werden. Damit wäre das Ende des Euro sehr schnell absehbar. Das will die Politik zwar nicht und Frau Merkel hat mehr als deutlich gemacht, dass sie den Euro bis zum Untergang verteidigen wird. Wie weit wird sie zu diesem Wort stehen, wenn akut zu befürchten steht, dass alles auseinanderbricht?

Oder könnte es um eine Art „Nordeuro“ gehen, in dem die solventeren Länder eines Kerneuropas gemeinsam dem Euro ein Überleben in abgespeckter Form ermöglichen?

Könnte möglicherweise das Gold der europäischen Nationalbanken zu einer Gold-Teildeckung des Euro eingesetzt werden, um das Vertrauen der Investoren zurück zu gewinnen?

Dafür spricht, dass auch Österreich plötzlich seine Goldreserven „repatriieren“ will. Auch die österreichische Nationalbank (OeNB) war bisher sehr schamhaft mit Auskünften über den Verbleib des Goldschatzes der Alpenrepublik. Insgesamt sind das 280 Tonnen. Doch die liegen ebenfalls zum Teil außer Landes, nämlich in der Schweiz und London. Eine genaue Aufstellung gibt die Nationalbank interessanterweise jedoch auch nicht heraus. Zürich und London seien große Goldhandelsplätze, wo im Notfall binnen Minuten gehandelt werden kann, sagt OeNB-Sprecher Christian Gutlederer und in Wien könne man große Mengen Gold eben nicht bewegen.

Der österreichische Rechnungshof hat für 2013 eine umfassende Prüfung der OeNB angekündigt.

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