Großbritannien bereitet sich auf einen Krieg gegen Russland vor

von Brian Coughley (the blogcat)

Diese Schlagzeile in der britischen Zeitung Daily Mail vom 7. August umfasst viel von der Paranoia im traurig modernen Großbritannien.

Russische Kriegsschiffe passieren den Ärmelkanal, während Putins Streitkräfte den Druck auf die Royal Navy erhöhen.

Gewiss, das Vereinigte Königreich befindet sich in einer Krise, aber nicht wegen einer militärischen Bedrohung. Das Votum, die Europäische Union zu verlassen, war ein heftiger Ausrutscher auf der Karriereleiter des Niedergangs, und das Time Magazine fasste das Debakel zusammen, indem es darauf hinwies, dass „das Kernstück dieser politischen Saga die Tatsache ist, dass jene Politiker, die die Brexit-Kampagne „Leave“ geleitet haben – darunter auch Boris Johnson – der britischen Öffentlichkeit nie wirklich erklärt haben, was ein Votum für „Leave“ bedeutete. Das Versprechen von Brexit war alles für alle Menschen, und so gelang ihnen der 52 zu 48% Sieg über die „Remain“-Seite. Dann trat Premierminister David Cameron zurück, und es fiel seiner Nachfolgerin Theresa May zu, herauszufinden, was Brexit eigentlich bedeutet.“

Die Brexit-Pantomime findet in einer Zeit statt, in der festgestellt wurde: „Während die Leistungen gekürzt werden und die Mieten in die Höhe schnellen, hat sich die Obdachlosigkeit in Großbritannien dramatisch erhöht: Allein in England hat sich die Zahl der Obdachlosen seit 2010 mehr als verdoppelt. Fast 1,2 Millionen ältere Menschen in Großbritannien sowie eine weitere Million behinderte Menschen leben ohne die soziale Betreuung, die sie für grundlegende Dinge wie Essen, Kleidung und Waschen benötigen. Es ist schrecklich: Schwerkranke Menschen, die 14 Stunden warten müssen, um auf die Toilette zu gehen, oder Rollstuhlfahrer, die ohne Hilfe beim Kochen unterernährt sind.“

Aber dieser schreckliche Zustand bedeutet nichts für diejenigen, denen es an nichts mangelt – darunter auch Politiker der regierenden Konservativen Partei, die fordern, dass der Steuerzahler mehr Geld für militärische Ausrüstung ausgeben muss. Der frühere Verteidigungsminister Michael Fallon (der zurücktreten musste, weil man herausfand, dass er in einige sexuelle Spielchen verwickelt war), sagte der BBC letztes Jahr, dass „die Verteidigung erhöhen werden, es wird neue Ausrüstung geben und das Budget wird jedes Jahr wachsen“ und der jetzige, Gavin Williamson (der Mann, der sagte, dass Russland „weggehen und den Mund halten sollte“), forderte im Juni, dass Großbritannien seine jährlichen Militärausgaben um 20 Milliarden Pfund erhöhen wird – oder etwa 25 Milliarden Dollar.

Das Merkwürdige an der Aufregung über mehr Geld für Rüstung ist, dass es außer einer unbestreitbaren terroristischen Bedrohung keine militärische Bedrohung für Großbritannien gibt. Auf der anderen Seite gibt es eine soziale Krise von größtem Ausmaß. Wie die New York Times im Mai berichtete, „hat die langwierige Kampagne der Budgetkürzung, die 2010 von einer Regierung unter Führung der Konservativen Partei gestartet wurde, ein Land hervorgebracht, das sich daran gewöhnt hat, mit weniger zu leben, selbst wenn viele Maßnahmen des sozialen Wohlergehens – Kriminalitätsraten, Opioidabhängigkeit, Kindersterblichkeit, Kinderarmut und Obdachlosigkeit – auf eine Verschlechterung der Lebensqualität hindeuten.

Aber die Antwort der Regierung liegt darin, Raketen zu kaufen und neue Flugzeuge zu bestellen, sowie zwei Flugzeugträger mit unkalkulierbaren Kosten und Atom-U-Boote, die nach den Berichten der BBC „£31 Mrd. (einschließlich Inflation) kosten sollen, mit einer Bereitstellung von weiteren £10 Mrd., verteilt über 35 Jahre….“.

Abgesehen von Terroristen – wer würde das Vereinigte Königreich angreifen wollen? Es gibt viele Länder auf der Welt, die Großbritannien nicht mögen (nicht so viele wie die Vereinigten Staaten, aber es ist immer noch eine deprimierend große Zahl), aber glaubt irgendjemand, dass einer von ihnen die Waffen ergreifen und hier angreifen würde?

Leider gibt es, wie wir aus der oben zitierten bizarren Schlagzeile ersehen können, eine starke Propagandabewegung, die darauf abzielt, die britischen Steuerzahler davon zu überzeugen, dass sie mit der Plünderung ihres Lebensstandards dazu beitragen, ihr Land gegen einen angeblichen Feind zu verteidigen, der… was genau tun will?

In ihrem Artikel über die Durchfahrt des russischen Kreuzers Marschall Ustinow und des Zerstörers Seweromorsk durch den Ärmelkanal berichtete die Daily Mail, dass „nachdem die HMS St. Albans Admiral Gorschkow am Weihnachtstag letzten Jahres durch die Nordsee eskortiert hatte, Verteidigungsminister Gavin Williamson sagte, er werde nicht zögern, unser Gewässer zu verteidigen und keine Form der Aggression tolerieren“. Und dass Großbritannien niemals eingeschüchtert werden wird, wenn es um den Schutz unseres Landes, unserer Menschen und unserer nationalen Interessen geht“. „Aggression“?

Das ist kompletter Schwachsinn. Die routinemäßige Durchfahrt russischer Schiffe wird als militärische Bedrohung behandelt, die ein Eingreifen von Schiffen der Royal Navy erfordert. Und es ist nicht nur die Daily Mail, die diesen Müll ausspuckt. Der Kommandant des Zerstörers HMS Diamond, der zum „Abfangen“ der beiden russischen Schiffe geschickt wurde, Commander Ben Keith, erklärte: „HMS Diamond ist stolz darauf, wieder einmal ihren Beitrag zum Schutz des Vereinigten Königreichs zu leisten, indem sie diese Schiffe bei ihrem Transit überwacht…. Während viele Familien ihre Sommerferien genießen, arbeitet die Crew meines Schiffes hart auf See, um Großbritannien sicher zu halten und wird dies auch weiterhin tun, solange wir gebraucht werden. Ich möchte den Familien meiner Crew danken, deren Unterstützung wichtig ist, während wir unsere Pflicht gegenüber der Nation erfüllen.“

In 36 Jahren in der Uniform Ihrer Majestät der Königin hörte ich einige dumme Dinge, die von Offizieren aller drei Waffengattungen gesagt wurden. Aber in meinem ganzen Leben habe ich noch nie eine so absurde und verrückte öffentliche Äußerung gehört, wie dieses Geschwafel.

Commander Keith kann nicht wirklich glauben, dass er das Vereinigte Königreich „beschützt“ hat, indem er neben ein paar Schiffen kreuzt, die den Kanal durchqueren. Er kann nicht wirklich gutheißen, dass seine Matrosen „stolz darauf waren, das Vereinigte Königreich zu schützen“, indem sie ein paar angenehme Tage in der Sonne verbrachten und neben ein paar Schiffen segelten, die durch internationale Gewässer fuhren. Oder kann er das?

Wenn er das glaubt, dann trauere ich um die Royal Navy. Denn wenn die Tage vorbei sind, wo Matrosen lieber auf See als an Land sind, dann helfe uns Gott. Wofür haben sie sich denn verpflichtet?

Doch die vermeintliche russische „Bedrohung“ beschränkt sich nicht nur auf einige wenige ihrer Schiffe, die wie so viele hundert andere täglich durch dieses internationale Gewässer fahren. Auch in der Luft muss der Schlagkraft Russlands um jeden Preis entgegengewirkt werden.

Am 15. August freute sich die Mail darüber, dass die britische Royal Air Force (RAF) „sechs russische Bomber, die in der Nähe des NATO-Luftraums über dem Schwarzen Meer fliegen, abgefangen und zur Umkehr gezwungen hat“.

Umkehren von was? Die offizielle Ankündigung war, dass „die Operation im Einklang mit der NATO Enhanced Air Policing Mission mit dem NATO-Verbündeten Rumänien stand. RAF-Jets haben dazu beigetragen, die russische Aggression abzuschrecken, unsere Freunde in Rumänien zu beruhigen und den NATO-Verbündeten unser Engagement für die kollektive Verteidigung zu versichern“. „Aggression“ – schon wieder.

Tatsächlich war alles, was dieser dumme kleine Tanz Luft erreichte, eine Schlagzeile in einer sabbernden – aber sehr populären – Zeitung. Über eine Million Briten lesen diesen Müll, den es druckt, und viele scheinen zu glauben, dass Russland eine militärische Bedrohung ist.

Die Mail und die meisten britischen Nachrichtenagenturen (mit Ausnahme der BBC und einiger anderer, die objektiv berichteten), drängen weiterhin darauf, dass das Vereinigte Königreich mehr und mehr Geld für militärische Geräte und Vergnügungsreisen ausgeben muss.

Am 18. August veröffentlichte die britische Tageszeitung Daily Express, ein trauriges Wrack ihres früheren Selbst, und die nun mit der Daily Mail bei der Veröffentlichung von ‚Promis‘ und Artikeln über ultra-nationalistische Mist konkurriert, ein Stück mit der Überschrift „Royal Navy legt £3 Mrd. teures Kriegsschiff auf Kiel, um die ‚furchteinflößenden‘ Russen abzuschrecken“. Wie es jemanden abschrecken wird, das nicht erklärt, denn es hat keine Flugzeuge und wird erst 2021 einsatzbereit sein. Es kostet über 4 Milliarden Dollar und seine noch nicht eingetroffenen 36 F-35-Flugzeuge werden jeweils mindestens 90 Millionen Dollar kosten. In einem Land, in dem die Joseph Rowntree Foundation registriert, dass etwa 14 Millionen Menschen in Armut leben – mehr als jeder Fünfte der Bevölkerung.

Die kranke Farce der britischen Vorbereitung auf den Krieg gegen Russland wird durch die schlichten Fakten der Vergleichsausgaben noch absurder. Das wird von den britischen Verteidigungsministern oder den konformen Medien (von denen die BBC, der Guardian und der Independent ausgeschlossen sind) nie erwähnt, dass 2017, wie von Jane’s Information Group berichtet, Russlands Verteidigungsausgaben für 2017-2018 mit 51,35 Milliarden Dollar genehmigt wurden, während die des Vereinigten Königreichs etwa 57 Milliarden Dollar betrug. Tatsächlich belaufen sich die jährlichen Militärausgaben der europäischen NATO-Mitglieder auf 254 Milliarden Dollar oder etwa das Fünffache derjenigen Russlands, und sie geben einen Großteil davon für den Einsatz von Streitkräften aus, die immer näher an den Grenzen Russlands stehen. Wer redet hier von Aggression?

Großbritannien wäre ein viel besserer Ort, wenn es anerkennen würde, dass es überhaupt keine Bedrohung durch Russland gibt – warum um alles in der Welt würde Russland überhaupt anfangen wollen, Großbritannien oder irgendein NATO-Land anzugreifen? – und dass die Milliarden, die für Waffen verschwendet werden, besser auf die Verbesserung der Infrastruktur und der sozialen Entwicklung des Landes ausgerichtet wären. Die terroristische Gefahr wird immer bestehen bleiben, aber die Behauptungen von Politikern und Presse, dass riesige Ausgaben durch „Aggression“ seitens Russlands gerechtfertigt seien, die sind unverantwortlich und einer Nation unwürdig, die wieder einmal groß sein könnte, wenn sie nur ihre Prioritäten klären würde.

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Der Autor Brian Coughley ist Veteran der britischen und australischen Armee und war ehemaliger stellvertr. Leiter der UN Militärmission in Kaschmir und australischer Verteidigungsattaché in Pakistan.

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