Die Stille vor dem Sturz

Über kurz oder lang wird es in Europa zu einer Revolte kommen. Denn immer weniger Menschen in Europa fühlen sich noch der Mehrheitsgesellschaft verpflichtet. Sie leben auf Dauer in Gegenkulturen – beschreibt Michael Ley die gegebene Situation.
(foto: pixabay)


Wer dennoch glaubt, der Gesellschaftsvertrag zwischen den Generationen, den verschiedenen Schichten und Milieus hätte noch Bestand, ist ein Utopist. Solidarität ist zu einem höchst eigenartigen Fremdwort verkommen. Auf der einen Seite ruft – vom breiten politischen Mainstream unterstützt – ein Heer linksorientierter Gutmenschen unablässig nach noch mehr Integration von Millionen Fremdlingen, die größtenteils auf Grund ihres völlig anders gearteten kulturellen, moralischen und Bildungs-hintergrundes überhaupt nicht gewillt sind, sich  zu integrieren und auf der anderen Seite wird von Seiten der politisch Verantwortlichen ein Keil gegen den Teil der Gesellschaft getrieben, der in der gegebenen Situation eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt erkennt.

Der Bruch des Gesellschaftsvertrages wird durch panikartige Reaktionen der politischen Führung nicht mehr zu kitten. Restriktionen der Meinungsfreiheit, mehr Überwachung und politische Gängelung auf allen Ebenen vertärken einerseits private Opposition und Rückzug und andererseits negative Erscheinungen wie Bespitzelung, Denunziation und politisches Mobbing. Der gesellschaftliche Zusammenhalt findet sich in Auflösung.

Die Folgen sind leicht vorhersehbar: steigende Kriminalität, urbaner Zerfall durch Entstehung von Slums, ethnisch-religiöse Auseinandersetzungen und Bandenkriege, politische Radikalisierung und damit das Ende des politischen und gesellschaftlichen Konsenses. Europa wird dem Verfall preisgegeben.
Die kommende Revolte wird letztlich zu einer asymmetrischen Revolution ausarten. Ohne eine politische Führung, die über ein klares Konzept verfügt, ist der Umsturz nicht mehr abzuwenden.

So beschreibt Michael Ley die Lage in Deutschland und weist die Vorgeschichte dieser Entwicklung nach.

Ley erklärt, auf welche Weise die Wohlstandsidylle in Westeuropa spätestens in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter die Räder kam, der Weltmarkt dereguliert wurde und die weltweite Globalisierung die letzten Ordnungsprinzipien hinweg fegte.

Der Zusammenbruch des Kommunismus wurde als weiterer Meilenstein einer nun freien Welt gefeiert, dem Sieg des Kapitalismus und der Demokratie schien nichts mehr im Wege zu stehen. Manche sprachen schon vom Ende der Geschichte (Francis Fukuyama) und prophezeiten optimistisch eine friedfertige Welt. Der Garant einer neuen Weltordnung sollten die Vereinigten Staaten von Amerika sein, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Zenit ihrer Macht standen.

Das 21. Jahrhundert wurde zur pax americana ausgerufen, ein amerikanisches Imperium sollte sogar in die Fußstapfen des Römischen Reiches treten. Doch die Welt des frühen 21. Jahrhunderts ist nicht unipolar, sondern ähnelt eher dem Beginn des 20. Jahrhunderts: Sie ist multipolar.

Insofern erwies sich die Vorstellung von einem amerikanischen Hegemon als reiner Mythos. Das globale Zeitalter führt nicht zur pax americana, sondern zum Zerfall der westlichen politischen und ökonomischen Vormachtstellung. Anders ausgedrückt: Mit der Allmachtsphantasie des Westens im Jahre 1989/90, der Sieger der Geschichte zu sein, und mit der Ausbreitung eines uneingeschränkten Marktes zum globalen Kapitalismus könnte sich der Westen global selbst liquidiert haben (Bazon Brock).

Den Sieg über den Imperialismus hatten sich die 68er anders vorgestellt. Das maoistische China, ihr imaginärer Verbündeter, veränderte sich zu einem postkommunistischen autoritären und aggressiven politischen Staat, der sich anschickt, in einem ungehemmten Kapitalismus der neue globale Hegemon zu werden.

Die mit Pathos gefeierte Erweiterung der Europäischen Union und die Einführung einer gemeinsamen Währung als Aufbruch zu neuen Ufern sollten bald einer Ernüchterung durch Bankenzusammenbrüche und drohende Staatsbankrotte weichen. Nicht nur der Euro geriet in Gefahr, sondern die politische Architektur der Europäischen Union wurde zum Problem. Das einst als Festung denunzierte Europa verlor seine Stärke nach innen wie nach außen: Überschuldung, drohende Überalterung der Gesellschaften, bedenklich sinkende Geburtenraten, immense Integrationsprobleme von Migranten, islamischer Fundamentalismus sowie Terrorismus bedrohen die Existenz der Europäischen Union. Mithin den größten Fehler machten die meisten europäischen Staaten bei der Immigration von Bürgern aus den islamischen Gesellschaften. Die Bedeutung des Islam für die meisten Muslime wurde von Politikern und Wissenschaftlern völlig unterschätzt, und warnende Stimmen, die auf die fehlenden Voraussetzungen des Islam für die Integration in westlich säkulare Gesellschaften hinwiesen, wurden ignoriert.

Aus der einzigartigen säkularisierten religiösen Entwicklung in Westeuropa wurde der falsche Schluss gezogen, andere Religionsgruppen würden sich dem westlichen Modell des Agnostizismus anschließen und sich ihrer Religion entfremden.

Der politische Mainstream sieht in der ethnischen Vielfalt die Voraussetzung für die Überwindung des alten klassischen Nationalstaates und seiner dominierenden Nationalkultur.

Die Anhänger des Multikulturalismus haben jedoch das Grundsätzliche des Kulturalismus nicht verstanden: Kulturalisten sind von der Überlegenheit der eigenen Kultur überzeugt und deshalb unfähig, andere Kulturen als gleichwertig zu akzeptieren. Der Kulturalismus kennt nur die duale Logik der Inklusion und Exklusion: Das Zusammenleben verschiedener Kulturen ist unter kulturalistischen Bedingungen nur in Parallelgesellschaften vorstellbar.

Die westlichen Länder sind nach den Katastrophen zweier Weltkriege auf dem besten Weg, die mühsame Überwindung der nationalen Kulturalismen durch die unreflektierte Aufnahme anderer Kulturen und Religionen zu konterkarieren.

Alle Erfahrungswerte klassischer Einwanderungsländer wurden konsequent negiert, um eine vielfach von vornherein zum Scheitern verurteilte Integration zu bewerkstelligen. Die Integration von Migranten – ausgenommen Asylsuchende! – kann sinnvollerweise nur nach Maßgabe ihrer beruflichen Qualifikation und der Bedürfnisse der aufnehmenden Gesellschaften erfolgen. Historisch integriertkeine Gesellschaft in Friedenszeiten Menschen anderer Kulturen in größerem Umfang aus anderen als ökonomischen Gründen. Ausnahmen waren immer nur politisch, ethnisch und religiös Verfolgte.

Verfehlte Einwanderungspolitik. Altersarmut. Konflikte zwischen Menschen mit Kindern und ohne Kinder. Ende des Gesellschaftsvertrages. Ende des Wohlfahrtsstaates. – Die kommende Revolte: Ley beschreibt ein offensichtlich unausweichliches Szenario.

Der kommende Bürgerkrieg in Europa ist unausweichlich.

Die Stille vor dem Sturz
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