Wie die Regierung die Berichterstattung über mögliche Impfnebenwirkungen gleichrichtet

von Norbert Häring

Nachtrag | In der Fachzeitschrift Nature erschien am 6. Dezember ein wissenschaftlicher Aufsatz, dass mRNA-Impfstoffe dazu führen, dass im Körper Proteine produziert werden, die nicht beabsichtigt und erwünscht sind. Viele deutsche Zeitungen berichteten darüber und verkündeten: „Kein Problem“, zum Teil schon in der Überschrift. Dahinter steht eine groß angelegte, regierungsfinanzierte Kampagne zur Gleichrichtung der Medien bei heiklen Wissenschaftsthemen.
Der Aufsatz in Nature hatte das Potential für große Unruhe zu sorgen. Denn unerwünschte Proteine können theoretisch beträchtlichen Schaden in den Organen anrichten. Doch eine derartige Verunsicherung wurde vermieden. Die Medien wurden vorab über das Erscheinen des Fachaufsatzes informiert und erhielten noch vor Veröffentlichung Einschätzungen ausgewählter Wissenschaftler, die versicherten, dass es kein Gesundheitsproblem gäbe.

Tagesspiegel-Überschrift  vom 6.12.

„Kein Grund zur Sorge“ wurden den Lesern des Tagesspiegel schon in der Überschrift gesagt, bevor sie überhaupt wussten, worum es ging. „mRNA-Impfung führt zu unerwünschten Proteinen“ waren erst die nächsten Worte. Die Welt titelte ebenfalls ungewöhnlich: „Corona-Impfung: Unerwünschte Proteine machen keine Probleme“ Normalerweise verkündet man erst einmal in der Überschrift die Neuigkeit, bevor man diese dann möglicherweise im Text relativiert.

Der Tagesspiegel stützt sich auf Aussagen von zwei deutschen Wissenschaftlern, die sagen „derzeit“ gebe es keine Anhaltspunkte dafür, bzw. es sei sehr unwahrscheinlich, dass diese Proteine mit beobachteten Impfnebenwirkungen in Verbindung stehen. Es wirkt mutig, daraus die Überschrift zu zimmern: „Kein Grund zur Sorge“.

Bei der Welt immerhin besann man sich später eines (etwas) Besseren und änderte online die Überschrift zu „Die Corona-Impfung und die Proteine“. Die nachrichtliche Lösung „Bei Corona-Impfung entstehen unerwünschte Proteine“ wollte man der Leserschaft dann wohl doch nicht zumuten. In der Printausgabe wird die beunruhigende Nachricht in der Unterzeile konterkariert mit dem Hinweis: „Fachleute sehen keinen Grund zur Sorge.“

Warum die Zeitungen sich derart bemühen, die Entwarnung ganz nach vorne zu stellen, lässt die Welt deutlich durchscheinen. Sie leitet den Bericht über den Fachaufsatz ein mit den Worten:

„Nun aber könnte eine aktuelle Studie einmal mehr für die Zwecke von Impfgegnern missbraucht werden.“

Man macht sich bei der Welt offenbar mehr Sorgen um das Impfnarrativ als um die Gesundheit derer, die sich die modRNA-Impfstoffe haben injizieren lassen und noch injizieren lassen werden.

Von der Berliner Zeitung erfuhr man, wie es mutmaßlich zu dieser schnellen Gleichrichtung der Medien kam:

„Zur Einschätzung der Studie hat das Science Media Center Deutschland, eine Art Agentur für Wissenschaftskommunikation, verschiedene Wissenschaftler befragt.”

Diese SMC abgekürzte Agentur gibt sich unabhängig, wird allerdings von der Regierung und von Stiftungen der IT- und Pharmabranche finanziert. In anderen Ländern gibt es Einrichtungen mit ähnlichen Namen und Finanzierungsstrukturen. Das erste Science Media Center in Großbritannien hatte ausdrücklich den Auftrag, der Kritik an gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln entgegenzuwirken.

Ich habe über diese Zentren vor drei Monaten kritisch berichtet.

Science Media Center: Wie Regierungen und Konzerne den Wissenschaftsjournalismus auf Linie bringen
10. 09. 2023 | „Die Wissenschaft gehört uns“, hat eine hochrangige UN-Beamtin gesagt. Gemeint mit „uns“ sind die UN, die multinationalen Konzerne, die sie finanzieren, und die maßgeblichen Mitgliedsregierungen. Um dieses Monopol auf die Wahrheit durchzusetzen, werden unabhängige Medien zensiert, Suchmaschinen manipuliert und – noch viel zu wenig bekannt – der Wissenschaftsjournalismus mithilfe großer pseudo-unabhängiger Netzwerke auf Linie gebracht.

Infosperber hat auf diesen Bericht aufgesetzt und weitere Details recheriert, darunter diese von der Netzseite des SMC:

„Insgesamt seien bis Ende 2021 bereits mehr als 19‘000 Beiträge mit Expertenzitaten erschienen, die das SMC eingeholt hatte. Anstelle einer Vielfalt von Stimmen aus der Forschung werden so in vielen Medien die immer gleichen Zitate einiger weniger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbreitet.“

Bei weitem nicht immer wird in den entsprechenden Medienberichten offengelegt, dass man sich die zitierten oder inhaltlich übernommenen Expertenmeinungen von dritter Seite hat auswählen lassen.

Problematisch daran ist in der Tat, dass Einschätzungen von Wissenschaftlern, die erkennbar einseitig im Hinblick auf ein bei Regierung und Konzernen erwünschtes Narrativ hin ausgewählt werden, als wissenschaftlicher Konsens dargestellt und dem Publikum als Tatsache verkündet werden.

Im aktuellen Fall gehen die plakativ verkündeten Aussagen, dass die Proteine harmlos seien, deutlich über das hinaus, was man tatsächlich weiß und was in der referierten Studie steht. Dort steht, dass noch keine Gesundheitsprobleme aufgrund dieser Proteine berichtet worden seien. Sie selbst hatten 21 menschliche Probanden, von denen ein Drittel eine Immunantwort auf die unerwünschten Proteine gezeigt habe, aber keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen,

Wie sich das auf die vielen Millionen Geimpften übertragen lässt, ist angesichts dieser sehr geringen Zahl völlig offen. Da die Existenz dieser unerwünschten Proteine bisher noch gar nicht bekannt war, und niemand danach gesucht hat, kann niemand wissen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Es kann sein, dass einige Überschriften und Beiträge der letzten Tage sehr schlecht altern werden.

Medien, die das Spiel der Science Media Center und ihrer Finanzierer mitmachen, sollten sich besser schon vorher verstärkt Gedanken über ihr Verständnis von Journalismus machen. Es sind viele, von den großen Tageszeitungen bis zu ARD und ZDF.

Hinweis: Aufmerksam wurde ich auf diesen Vorgang durch einen Tweet von Stefan Homburg

Korrekturhinweis: An einer Stelle hatte ich versehentlich „Social Media Center“ geschrieben. Das habe ich in „Science Media Center“ korrigiert.

Nachtrag (12.12): Interessante Gremienmitglieder

Das SMC Germany hat einen Aufsichtsrat. Zu denen, die darüber wachen, dass „wir auf Kurs bleiben“, gehört Mai Thi Nguyen-Kim. Die bekannte Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin im öffentlich rechtlichen Fernsehen gehört zu denen, die am publikumswirksamsten und entschiedensten das offizielle Narrativ von der sicheren, hochwirksamen und unverzichtbaren Impfung und notwendigen drastischen staatlichen Maßnahmen gegen die höchstgefährliche Corona-Pandemie verbreitet und verteidigt haben. Entsprechend propagierte sie auch sehr deutlich eine allgemeine Impfpflicht.

Ein Gegengewicht zu ihr im Aufsichtsrat in Richtung mRNA- und Maßnahmenskepsis gibt es nicht einmal annähernd. Wie viel Objektivität darf man man von einer Expertenauswahl-Instanz bei der Einordnung wissenschaftlicher Evidenz zu Covid-Impfungen und -Maßnahmen erwarten, wenn eine derart festgelegte Person darüber wacht, dass die Richtung stimmt? Alles, was in Richtung Impfschäden und fehlende Wirksamkeit der Impfstoffe geht, beschädigt massiv ihr Renommee.

Mit im Aufsichtsrat von SMC sitzt Dr. Lukas Mezger. Rechtsanwalt und Vorsitzender des Präsidiums von Wikimedia Deutschland. Die WHO hat sich mit der Wikimedia Foundation, die Wikipedia verwaltet, zusammengetan, um den Zugang der Öffentlichkeit zu Infografiken, Videos und anderen Materialien der WHO zum Thema öffentliche Gesundheit zu erweitern. Die Wikipedia-Redakteure sollen diese nutzen, um die COVID-19-Abdeckung zu erweitern. Aus einem Artikel in Wired erfährt man, dass es ein kleines engagiertes Team von spezialisierten ehrenamtlichen Redakteuren für sensible gesundheitsbezogene Artikel auf Wikipedia gibt, welche im Hintergrund als solche gekennzeichnet sind.

Dann gibt es auch noch einen Fachbeirat, der sich regelmäßig mit dem ganzen SMC-Team trifft, um Rat zu geben und kritische Fragen zu stellen, im Gegensatz zu Aufsichtsrat ohne Verbindlichkeit.

In ihm sitzt Prof. Dr. Cornelia Betsch. Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt, eine Top-Funktionärin der staatlich finanzierten, pseudo-unabhängige Meinungs- und Verhaltensmanipulation in Sachen Corona und Klima.

Mit im Beirat ist der skandalumwitterte Dr. Marc Jan Eumann, Staatssekretär a.D. und Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz. Die Landesmedienanstalten sind seit 2020 damit betraut, unabhängige Medien staatlich zu überwachen, daraufhin, dass das alles im Sinne des Staates richtig ist, was diese schreiben oder sagen, dass sie also ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht genügen.

Ebenfalls im Beitrat sitzen ein Herausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung, ein Redakteur von DIE ZEIT und ein Redaktionsleiter des SWR.

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