
Von Darwin Dante (free21)
1911 zeigte Robert Michels die Ursachen, warum Parteien die Tendenz besitzen, sich zu einer Oligarchie zu entwickeln [1]. In seiner wissenschaftlichen Analyse beschrieb er die Dynamik, die in Parteien zur Ausbildung einer Oligarchie führt. Der Ausgangspunkt ist eine Vereinigung von Menschen. Eine Gruppe kann ihre Interessen besser vertreten als ein einzelner Mensch. Diese Vereinigung ist naturgemäß parteiisch, da sie allein ihre Interessen durchzusetzen versucht. Dieser Antrieb führt zur Bildung einer Partei, welche fortan nach der Eroberung der politischen Macht strebt. Schließlich wird die Partei zum Staat im Staate, denn ihr Streben nach der Macht im Staate wirkt wie ein Okular, an dem sich die Menschen beim Aufbau ihres Parteiwesens orientieren. Der Vergleich zwischen Partei- und Staatswesen wird von Michels anhand zahlreicher Beispiele gezogen. Daher lässt sich die Gültigkeit seiner Analyse von einer Partei, über den Staat, bis hin zu allen hierarchischen Delegiertensystemen leicht ausdehnen, welche zum Zweck der Eroberung der Macht die Unterordnung des Menschen unter die Begehrlichkeiten des Delegiertensystems einfordern.
In einer zusammenfassenden Verallgemeinerung kann der von Robert Michels beschriebene Sachverhalt als vollständiger Zyklus einer Gesellschaftsdynamik dargestellt werden, den die bürgerliche Gesellschaft seit 1775 in mehr oder minder vollständigen Zyklen durchlebt.
Betrachtet wird zunächst der psychologische Gesichtspunkt dieser Gesellschaftsdynamik.
Der Antrieb zur Eroberung der Macht drängt Menschen durch ihren Herdentrieb in jedem Delegiertensystem zur Entwicklung der Tyrannei. Robert Michels zeigte dies anhand der Wechselwirkungen zwischen Staat und Partei. In seiner Analyse beschrieb er hierbei einen vollständigen Zyklus dieser Gesellschaftsdynamik.
Nach den demokratischen Erhebungen in den letzten Jahrhunderten wurde schnell klar, dass sich ein ganzes Volk zur Durchführung einer direkten Demokratie unmöglich versammeln kann. Auch die Möglichkeiten zur Kommunikation der Mitglieder untereinander stieß sehr schnell an ihre Grenzen. Dies gilt heute auch für die verbale Kommunikation mit Online-Versammlungen im Internet. Die Entwicklung eines Delegiertensystems lag also heute wie früher auf der Hand.
Doch ein hierarchisches Delegiertensystem in Verbindung mit unserem Herdentrieb führt zur Übergabe der Entscheidungsgewalt an die Delegierten. Denn die Herde gibt bereitwillig ihre Führung an ihre Anführer ab. Am Ende verengt sich der Kreis der Entscheider und immer mehr Entscheidungsbefugnisse werden an die Spitze der Delegierten weitergereicht, bis sich an der Spitze ein neuer Tyrann herausbildet.
Herdentrieb, Delegiertensystem und wirtschaftliche Abhängigkeit sind zwar die notwendigen Voraussetzung für das Entstehen der Tyrannei in Partei und Staat. Sie liefern aber kein hinreichendes Bild, um z.B. die gewaltsame Unterwerfung unter die Parteilinie einer kleinen Gruppe von Parteiführern im Vorstand einer Partei oder im Staat zu erklären. Die menschliche Überforderung der Mitglieder eines Vorstandes wird vielfach übersehen. Zu leicht geraten Vorstände in schwerfällige und zeitraubende Grundsatzdiskussionen, die ihre körperlichen und psychischen Kräfte überfordern und zu leicht fallen sie dann in die Rolle, die Dinge im Sinne einer Partei oder eines Staates nach ihren Gutdünken entscheiden zu wollen. Hier geraten die Führer und/oder Vordenker aneinander und ringen um die Macht der Entscheidungsgewalt.
Wir können dies überall beobachten und die Tyrannis wirft auch ihr dunkles Leichentuch nach unseren Seelen, sobald wir mit idealistischen Eifer um die Macht ringen, um Interessen durchsetzen zu können. Eifer, Eitelkeit und die Bereitschaft, sich gegen den „Gegner“ durch Abtrennung, Isolation und Grausamkeit durchzusetzen, sind die Versuchungen dieses Leichentuches. In dieser Folge entstehen die verrohten Seelen der Tyrannen, die Länder und Kontinente nach innen und außen mit Krieg und Zerstörung überziehen.
Die Bequemlichkeit der Massen, um in einem Selbststudium die fachliche und sachliche Überlegenheit ihrer Anführer zu überwinden, ist neben Herdentrieb, Delegiertensystem, wirtschaftlicher Abhängigkeit und menschlicher Überforderung der Anführer eine weitere Ursache zur Herausbildung von Tyrannen. Denn es ist sehr bequem, die Entscheidung den Anführern zu überlassen, um bei der Organisation selbst nicht mehr die Verantwortung tragen zu müssen.
Mit dieser Haltung züchtet sich die Masse ihre eigenen Tyrannen.
In ihrer Hingabe übersehen die Anführer, dass der einzige Weg, die Massen aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit (Kant) herauszuführen, darin besteht, sie aus ihrer selbstgefälligen Zuschauerposition zu werfen. Gute Vordenker sollten die Massen dazu zwingen, ein starkes Selbstbewusstsein durch die Förderung der Eigeninitiative zu entwickeln, indem die Massen die Verantwortung für sich und ihre Entscheidungen selbst übernehmen. Nachdem die Vordenker ihre Standpunkte umfassend dargelegt haben, gehört es zur politischen Aufklärung, dass die Vordenker sich an die Massen mit den Worten wenden: „Ich werde diese Entscheidung jetzt nicht für euch treffen. Die Entscheidung müsst ihr fällen, denn ihr müsst auch die Folgen tragen.“
Übergeben die Vordenker die Entscheidung nicht den Massen, so bleibt die Bequemlichkeit der Massen bestehen. Der kollektive Schaden wird sein, dass wir uns nicht aus dem vom Robert Michels beschriebenen Zyklus der Gesellschaftsdynamik lösen können und immer wieder neue Tyrannen züchten. Scheinbar gebärt der Antrieb zur Eroberung der Macht in der bürgerlichen Gesellschaft auch regelmäßig DEN „größten Feldherrn aller Zeiten“ (GröFaz). Sie trugen Namen wie Bonaparte, Mussolini, Hitler, Stalin, Mao, … UND Merz könnte für den zukünftigen Russlandfeldzug die nächste Figur sein, die diese Dynamik hervorbringt [2].
Hierbei scheint der Feudalismus durch sein Recht der Geburt die Entwicklung zum GröFaz nur zu überdecken, da die Adligen schon mit ihrer Geburt an der Spitze der Gesellschaft standen und wir von Fürsten und Königen nichts anderes erwarten, als dass sie wenigstens einmal in ihren Leben einen Krieg führen.
Lösung:
Abstimmungsprogramme [3], welche die Möglichkeit zur Abstimmung der Massen bieten, in welchen aber die Fragen zur Abstimmung nur durch eine kleine Gruppe von Anführern bestimmt werden, sind sicher notwendig, aber nicht hinreichend. Sie sind für eine umfassende basisdemokratische Umwälzung der Gesellschaft ungeeignet, weil diese Programme die Massen nicht in die Pflicht nehmen. Diese Programme bieten keine Möglichkeit zur Sammlung der Bürger, um damit die Themen ihrer Interesse selbst zu bestimmen, diese durch Diskussionskreise selbst zu bearbeiten, Lösungen für Probleme selbst zu finden und schließlich untereinander abzustimmen oder durch Konsensierung festzulegen. Die Kombination von Abstimmungsprogrammen und Internetplattformen für basisdemokratische Kommunikation ist zwingend notwendig [4], um die von Robert Michels beschriebene Gesellschaftsdynamik zu durchbrechen.
Es ist vollkommen klar, dass eine Idealdemokratie in einer Gesellschaft mit wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnissen unmöglich ist. Da die reine psychologische Betrachtung der Gesellschaftsdynamik ein lückenhaftes Bild liefert, aus welchem die verkehrten Schlüsse gezogen werden könnten, wird diese Betrachtung nun über den historischen Hintergrund um den Gesichtspunkt der ökonomischen Einflüsse erweitert.
Historischer Zeitrahmen von Michels Analyse
Die Analyse von Robert Michels beginnt mit der folgenreichsten Volkserhebung der Moderne, die Französische Revolution, welche sich gegen den Feudalismus richtete. Sie begann am 14. Juli 1789 mit dem Sturm auf die Bastille und fand am 26. August 1789 mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte ihr theoretisches Fundament für den europäischen Kontinent.
Dies ist auch die Zeit des Abwehrkampfes gegen die Feudalmächte.
Die Bewahrung der Freiheit hängt heute wie damals von der Beantwortung folgender Frage ab:
„Wie organisiert sich das Volk, um seinen Willen als Souverän zu finden und durchzusetzen?“
Im Verlauf des frühen 19-ten Jahrhunderts erkannte sich die besitzlose Schicht des Bürgertums zunehmend als vierten Stand, da die bürgerlichen Revolutionen die wirtschaftliche Not für die besitzlose Schicht nicht auflösten konnte. Sie begriffen sich zunehmend als eigene Klasse. Sie erkannten sich als Unterlegene im Waren-Handel, da sie nichts weiter zu bieten hatten als ihre eigene Arbeitskraft. Allein über ihre Arbeitskraft als Ware mussten sie beim Handel alle Mittel ihres Lebensunterhaltes erwirtschaften, weil ihnen sonst kein Eigentum zum Handeln oder Land zur Selbstversorgung zur Verfügung stand. Ihr einziger Reichtum lag im Kinderreichtum.
Spätestens mit der Revolution von 1848 begann der vierte Stand sich seiner selbst bewusst zu werden. Aus seiner Not entstand der Wunsch, sich zu organisieren, um in einer demokratischen Gesellschaft mit einer eigenen Arbeiterbewegung die wirtschaftlichen Interessen seiner Klasse vertreten zu können.
Leibeigenschaft, Sklaverei, Kinderarbeit, Massenarbeitslosigkeit, Fabrikarbeit und Elend trotz einer eigenen Arbeit formten zwei große soziale Bewegungen in der Arbeiterschaft, die Reformer und die Revolutionäre. Die Reformer wollten lediglich die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen humaner gestalten, ohne das System grundsätzlich umzuwälzen. Die Revolutionäre wollten jedoch die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gänzlich abschaffen und strebten damit eine grundsätzliche soziale Umwälzung des gesamten Systems an. Deshalb verfolgten die Teilnehmer beider Bewegungen keine einheitlichen Ziele und ein einheitliches Handeln blieb häufig in den Diskussionen über die theoretischen Ziele stecken.
Zu dieser Gemengelage unterschiedlicher Strömungen innerhalb der Arbeiterschaft gesellten sich die Strömungen des Klein- und Geldbürgertums, Bauern und Aristokraten, die nun Demokraten sein mussten und miteinander im Staat um die Vorherrschaft zur Vertretung ihrer eigenen jeweiligen Interessen rangen. Dies taten sie, indem sie spätestens seit 1848 eigene Vereinigungen gründeten oder sich auch klassenfremd, z.B. in der im Mai 1875 in Gotha gegründeten Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) organisierten.
Das schnelle Anwachsen der SAP führte von 1878 bis 1890 zur Verfolgung durch Bismarck, der mit den Sozialistengesetzen alle sozialistischen, sozialdemokratischen, kommunistischen Vereine, Versammlungen und Schriften verbot. Unter dem Druck der Straße besänftigte Bismarck zur gleichen Zeit die Arbeiterschaft durch die Einführung einer Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung.
Die Sozialistengesetze endeten am 30. Sep. 1890. Ungebrochen kam es in Halle am 18. Okt. 1890 zur Neugründung und Umbenennung der SAP in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Die Sozialdemokratie ging gestärkt aus der Auseinandersetzung hervor. Sie feierte große Siege bei den nachfolgenden Reichstagswahlen und nahm damit beim Sturz von Bismarck eine ausschlaggebende Rolle ein, bis sie 1912 schließlich 34,8% der Wählerstimmen errang.
Robert Michels betrachtet in seiner Analyse die Zeit von 1789 bis etwa 1909. In seinem Buch beginnt er in den Teilen 1 bis 3 zunächst mit einer allgemeinen Betrachtung, die er schließlich in den Teilen 4 bis 6 sowohl anhand allgemeiner politischer Ereignisse als auch innerhalb der Arbeiterbewegung detailreich nachweist. Er geht hierbei der Frage nach:
„Wie ist es möglich, dass sich in einstmals revolutionär-demokratischen Parteien die Tendenz zur Oligarchie von selbst entwickelt und diese Parteien ihre Versprechen an ihre glühendsten Unterstützer nicht einlösten?“
Zweifelsfrei ist Michels bei seiner Analyse seiner Zeit weit voraus. Er entlarvt partei- und gesellschaftsdynamische Vorgänge aus den verschiedensten Blickwinkeln. Aus seiner Arbeit können allgemeingültige Sätze abgeleitet werden, die bis in die heutige Zeit ihre Gültigkeit besitzen. Die Sätze und Beweise von Michels werden in dieser Zusammenfassung nur verkürzt wiedergegeben. Die Beweise enthalten jedoch immer einen Verweis, auf welchen Seiten sie im Original zu finden sind. Die Zusammenstellung dieser Sätze und Beweise ist die eigentliche Arbeit dieser Zusammenfassung.
Die Nummerierung der Sätze und Beweise ist so gestaltet, dass die Satznummerierung sich immer auf eine Aussage im Werk von Michels bezieht und sich der dazugehörige Beweis mit gleicher Nummerierung an den Satz anschließt. So beschreibt zum Beispiel Satz E.K1 1 den ersten ErkenntnisSatz im Kapitel 1 der Einleitung. Der Satz T1A.K1 2 beschreibt hingegen den zweiten ErkenntnisSatz im Kapitel 1, Teil 1, Abschnitt A, von Michels Werk. Die Beweise werden mit einer Seitenangabe beendet, auf/ab welcher Seite dieser „Beweis“ zum ErkenntnisSatz von Michels zu finden ist.
Zudem wird die Zusammenfassung um die Ereignissen bis 2011 erweitert. Außerdem werden zu den von Michels aufgeworfenen Problemstellungen die Lösungssätze von Die Basisdemokraten e.V. (DBD) hinzugefügt. Das Ziel ist es hierbei, die von Michels aufgezeigte Enteignung demokratischer Rechte durch eine Führer-Oligarchie zu verhindern. Hierzu wird auf spezielle Organisationsformen, die von Die Basisdemokraten e.V. entwickelt wurden, als Lösungsansätze verwiesen.
Die Zusammenfassung umfasst nur die Teile 1 bis 3 des Buches von Robert Michels, da seine Erkenntnissätze verallgemeinert werden können. Die Teile 4 bis 6 werden dem Leser zum besseren Verständnis der Erkenntnissätze und unserer eigenen Geschichte zum Selbststudium dringend empfohlen.
Zu Gunsten des Textflusses und wegen der vielen Anpassungen der altertümlichen Sprache in die heutige Zeit wurde in den Beweisen der Erkenntnissätze auf die exakte Darstellung der zitierten Satzteile von Robert Michels verzichtet. Es ist bei den Beweisen also immer davon auszugehen, dass es sich um ein Zitat von Robert Michels handelt.

Alle Seitenangaben in diesem Artikel beziehen sich auf dieses Buch. (Screenshot vom 18.11.2025: <https://archive.org/details/zursoziologiede00michgoog/page/n6/mode/2up>)
Vorwort, Turin 1910
Die (parlamentarische) Demokratie führt zur Oligarchie, ja, besteht in einer Oligarchie und geht aus dem menschlichen Hang zur Cliquen- und Subklassen-Bildung hervor. Dies ist weder gut noch böse, sondern einfach nur menschlich.
Das Ziel der Parteienbildung lag im europäischen 18-ten und 19-ten Jahrhundert darin begründet, den Kampf gegen die konstituierte Gewalt vereint zu führen. Die Gemeinschaft bildete zur Vertretung gemeinsamer Interessen die politische Partei, die gleichsam zu einem individualisierten Staat als Staat im Staate mit gemeinsamen Wertvorstellungen und Verhaltensregeln wurde (S.I).
Kapitel 1: Demokratische Aristokratie und absolutistische Monarchie
Satz E.K1 1: Die engste Form der Oligarchie ist die absolutistische Monarchie
Beweis E.K1 1:
Beide Formen basieren auf dem Willen eines Einzelnen (S.1).
Satz E.K1 2: Politische Herrschaft stützt sich auf Besitz und Bildung
Beweis E.K1 2:
Politische Herrschaft stützt sich auf die Schichten von Besitz und Bildung. Diese Schichten gelangen für ihre Verbundenheit (Loyalität) in den Besitz politischer Privilegien. „Die Massen schlichtweg gelten diesen Schichten bloß als notwendiges Übel, brauchbar lediglich zur Erreichung ihrer fremden Ziele.“ (S.8)
Satz E.K1 3: Demokratie basiert auf dem Volkswillen, die legitime Monarchie nie
Beweis E.K1 3:
Eine Demokratie findet ihren Ursprung immer im Volkswillen, die legitime Monarchie nie (S.12).
Dies gilt insbesondere deshalb, weil der griechische Begriff Demokratie definitionsgemäß Volksherrschaft bedeutet (Anm. DBD, Darwin Dante).
Satz E.K1 4: Die Aristokratie durchsetzt die Demokratie mit aristokratischen Substanzen
Beweis E.K1 4:
Ausgehend von der Erbmonarchie, dem sozialen Königtum im Preußen-Deutschland, ist festzustellen, dass im modernen Parteileben die Aristokratie gern in demokratischer Form auftritt, während sie den Inhalt der Demokratie mit aristokratischen Substanzen durchsetzt (S.12).
Satz E.K1 5: Abhängigkeitsverhältnisse machen eine Idealdemokratie unmöglich
Beweis E.K1 5:
Satz E.K1 2 in Verbindung mit der Aussage: „Die gegenwärtigen ökonomisch-sozialen Abhängigkeitsverhältnisse unserer Gesellschaft machen die Existenz einer Idealdemokratie unter den heutigen Verhältnissen unmöglich.“ (S.13)
Kapitel 2: Das ethische Ornament der sozialen Kämpfe
Satz E.K2 1: Der Besitz der Herrschaft vererbt sich weiter
Beweis E.K2 1:
Alle im Besitz der Herrschaft befindlichen Klassen sind mit großen Eifer darauf bedacht gewesen, die von ihnen angehäufte politische Macht ihren Nachkommen zu vererben. (S.13)
Die Vererbung der politischen Macht ist stets das wirksamste Mittel gewesen, der eigenen Klasse das Eigentum und ihre Herrschaft zu erhalten. Dieser Prozess ist sowohl für den Adel als auch für das Bürgertum durch das sexuelle Leben, die Familienordnung mit ihrer Heiratspolitik, die Untrennbarkeit der Ehe, die strengen Strafen gegen die Eheverbrecher und dem sogenannten Recht der Erstgeburt verwirklicht worden (S.13).
In dieser Folge entstand sowohl die Aristokratie der Könige als auch die Aristokratie der Milliardäre (S.14).
Satz E.K2 2: Junge emporgestiegene Herrschaftsschichten werden von den alten aufgesaugt
Beweis E.K2 2:
Die Reich- bzw. Mächtiggewordenen kennen keinen höheren Ehrgeiz, als sich möglichst unverzüglich mit den Vornehmen zu verschmelzen (S.15).
Exemplarisch wird dieser Prozess in der ungeheuren Schnelligkeit im deutsch-preußischen Kaiserreich sichtbar. Das Aufsaugen des jungen industriellen Geldbürgertums in die alte Aristokratie der Geburt vollzog sich dort durch die Verleihung von Adelstitel oder Heirat (S.11ff).
Satz E.K2 3: Versprechen des Führertums neuer Parteien können nicht eingehalten werden
Beweis E.K2 3:
Die extremen Besitzverhältnisse der Gesellschaft machen das Einhalten aller abgegebenen Versprechen unmöglich. Gründe sind der Einfluss der Mächtigen auf die Presse und auf das Meinungsbild der Massen und die Tendenz zum Aufsaugen junger emporgestiegener Herrschaftsschichten durch Assimilation in die alte (S. 18f).
Teil 1: Ätiologie (Entstehungsursachen) des Führertums
A. Technisch-administrative Entstehungsursachen
Kapitel 1: Die Notwendigkeit der Organisation
Satz T1A.K1 1: Ohne Organisation ist demokratische Selbstvertretung nicht denkbar
Beweis T1A.K1 1:
Im Kampf des Schwachen gegen den Starken ist die Solidarität gleicher Interessen die gegebene Waffe der Schwachen, die gleichzeitig für die Schwachen den geringsten Kraftaufwand bedeutet. Hiermit liegt es auf der Hand, sowohl auf wirtschaftlichen als auch auf politischen Gebiet eine Organisation aufzubauen, um alle Kräfte zu bündeln (S. 21).
Satz T1A.K1 2: Organisation ist das Prinzip der Schwachen zur Durchsetzung ihrer Ziele
Beweis T1A.K1 2:
Organisation ist das Lebensprinzip aller Schwachen, ohne welches taktische Erfolge jeder Art ausgeschlossen erscheinen (S. 22).
Kapitel 2: Mechanische und technische Unmöglichkeit direkter Massenherrschaft
Versuch T1A.K2: Direkte Demokratie, 1848 bis 1849 in Preußen.
Sektionen von je 1000 Köpfen. Alle besaßen Redefreiheit, diskutierten mit und nahmen an der Abstimmung teil. Das Volk war der unmittelbare Souverän, der allen Staatsorganen (als ausführende Organe) unmittelbare Weisungen erteilte. Die Weisungen wurden über die Gebietsverbände systematisch föderativ zusammengetragen.
(Moritz Rittinghausen, Victor Considérant, S.23)
Def. T1A.K2 1 Amerikanische Staatsschrift Federalist: Demokratischer Staat
Als demokratisch wurden alle Staaten bezeichnet, in denen das Volk aufgrund von Versammlungen beschließt (S.24).
Def. T1A.K2 2 Amerikanische Staatsschrift Federalist: Republik als Staatsform
Werden in einem Staat mittels Delegiertensysteme Entscheidungen getroffen, so wurde diese repräsentative Volksherrschaft als Republik bezeichnet (S.24).
Satz T1A.K2 1: Direkte Selbstverwaltung verhindert ein oligarchisches Führertum nicht
Beweis T1A.K2 1:
Die Massenpsychologie des 19-ten & 20-ten Jahrhunderts hat die Macht der Rede gewaltiger Volksredner gezeigt und wie leicht große Menschenmengen gewaltige Reden unterliegen können. Dies könnte gemeinhin auch als die Pathologie der Massen bezeichnet werden (S.24f).
Zitat T1A.K2 1:
„Es erscheint, dass die bloße Tatsache der Anhäufung den Herdencharakter der Menschen zum Ausdruck kommen lässt, denn wo immer wir Versammlungen beobachten, sei es in Volksversammlungen oder Parlamenten, seien es Generalversammlungen von Aktionären oder Vollversammlungen von Kooperationen oder Kollegien, da sehen wir überall, wie …“ sich „… die Mehrzahl mit Wohlbehagen der Leitung einzelner …“ „… überlässt und nicht eigenen Überzeugungen, sondern von außen ihr zukommenden Schlagworten folgt.“
(S. 26; Ludwig Gumplowicz: Sozialphilosophie im Umriss).
Satz T1A.K2 2: Direkte Demokratie durch Volksversammlungen ist undurchführbar
Beweis T1A.K2. 2:
Das durchschlagendste Argument gegen die Durchführung der direkten Demokratie durch Volksversammlungen des Souveräns liegt zum einen in der Massenpsychologie (Satz T1A.K2. 1) und zum anderen im Argument für die mechanische und technische Undurchführbarkeit einer Versammlung eines ganzen Volkes begründet (S.26).
Satz T1A.K2 3: Das psychologische Phänomen des Bedürfnisses nach Delegieren
Beweis T1A.K2 3:
Wegen der Unmöglichkeit, dass der Souverän die direkte Demokratie durch Volksversammlungen organisiert und dem Volk hierbei unüberwindbare mechanische, technische und massenpsychologische Hindernisse entgegenstehen (Satz T1A.K2 1 – 2), entsteht das Bedürfnis nach Delegierten. Diese sollen die laufenden Geschäfte, die Vorbereitung und Ausführung der wichtigsten Aktionen übernehmen. Diese „Führer“ sind ursprünglich nur die Diener der Massen und es sollte ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen den „Führern“ und der Masse bestehen (S.27).
Deshalb wird anfangs meist versucht, den Delegierten mit Händen und Füßen an den Massenwillen zu fesseln und sich möglichst wenig von der reinen Demokratie zu entfernen (S.28).
Lösungssatz (Sätze T1A.K2. 1 – 3): 19-tes & 20-stes Jahrhundert, Schulung der Führer
Der LösungsanSatz des 19-ten und 20-ten Jahrhunderts lautete, dass eine offizielle moralische und ethische Prägung der Führer stattfinden sollte, um die Führer sowohl an die Parteibasis zu binden, als auch zur Führung zu befähigen. Es wurde für die Bildung einer Kaste berufener Politiker Vorsorge getroffen. Z.B. Ferdinant Törmies (1901) und Heinrich Herkner (1908) befürworteten Examina zur Bildung berufener Politiker, die dann als geprüfte und patentierte politische Sachverständige ihre Parteiarbeiten aufnehmen sollten (S.29).
In Berlin entstand 1906 eine Parteischule, in welcher Kurse zur Ausbildung von Partei- und Gewerkschaftsbeamten abgehalten wurden (S.30).
Es bildete sich eine Führer-Kaste mit Kandidaten, wobei die Kandidaten in speziellen Schulen zur Führung der Partei ausgebildet wurden.
Kontra-Lösungssatz (Sätze T1A.K2. 1 – 3): Bildung politischer Führer-Kaste führt zur Diktatur
Beweis Kontra-LösungsSatz (Sätze T1A.K2. 1 – 3):
In Berlin entstand 1906 eine Parteischule, in welche Kurse zur Ausbildung von Partei- und Gewerkschaftsbeamte abgehalten wurden (S.30).
Hiermit trug die Sozialdemokratie zur Schaffung einer „Arbeiterelite“ bei, die von einer Kaste von Arbeiterführer-Kadetten gestützt wurde. In dieser Folge bekam die Arbeiterelite die Macht des Führertums über die Parteimassen durch die Parteibasis selbst in die Hände gespielt (S.31).
In Folge dieses sozialdemokratischen Zeitgeistes verfeinerte Lenin 1902 dieses System (siehe: Was tun?) durch ein System von Rängen:
- Kandidaten zur Aufnahme in die Partei ohne Stimmberechtigung,
- stimmberechtigte Vollmitglieder,
- Kaderschulen für die Führungskader der Partei,
- das Zentralkomitee (ZK) und
- an der Spitze der vom ZK gewählte Vorsitzende oder Generalsekretär.
Lenin gab hiermit der Partei eine militärische Ordnung, womit die Partei in sich höchst undemokratisch wurde, da die Parteielite mit dem ZK wie ein Offiziersstab (Kader) über die Masse der Parteisoldaten herrscht und sie bei allen Aktivitäten kommandiert. Dies war die Grundlage zur Bildung einer Parteidiktatur. Ihr folgte der Bonapatismus durch die Machtergreifung Stalins [5].
Satz T1A.K2 4: Das Führertum verselbständigt sich von der Parteibasis
Beweis T1A.K2 4:
Die Führer, die zunächst nur die Vollzugsorgane des Willens der Masse sind, werden selbständig, indem sie sich von der Masse emanzipieren. Indem eine Organisation solide hierarchische Strukturen schafft, ruft sie in der organisierten Masse schwerwiegende Veränderungen hervor. Sie kehrt das Verhältnis der Führer als ausführendes Organ in sein Gegenteil um, welches an die durch demokratische Abstimmungen getroffenen Weisungen des Souveräns gebunden ist. Die Führer werden zu Kommandeuren über die Massen.
Die hierarchische Organisation einer Partei vollendet entscheidend die Zweiteilung jeder Bewegung, in eine anführende Minorität und eine geführte Majorität (S.32).
Mit zunehmender Organisation schwindet die Demokratie und die Macht der Führer wächst im gleichen Maße. Entscheidungen werden zunehmend in die Ausschüsse delegiert und von den Führern durchgesetzt (S.33).
Durch bestellte und bezahlte Funktionäre entsteht eine streng abgegrenzte Bürokratie, die sich in viele Instanzen und eine feste Organisation mit festen Führertum von Berufspolitikern gliedert (S.35).
Die Bildung eines berufsmäßigen Führertums bedeutet aber den Anfang vom Ende der Demokratie.
Eine Masse, die ihre Souveränität delegiert, d.h. einzelnen wenigen Männern aus ihr überträgt, dankt als Souverän ab (S.36). Denn die Gebundenheit der Minderheit an den Willen der Mehrheit endet schließlich mit dem Wahlakt ihrer Delegierten (S.39).
Und vertreten sein heißt, den Einzelwillen der Führer als Massenwillen ausgeben (S.40).
Lösungssatz DBD für Sätze T1A.K2 1 – 4: Ausschluss der Verselbständigung des Führertums
Beweis LösungSatz DBD für Sätze T1A.K2 1 – 4:
Obiges Phänomen gilt nur für Organisationen, die sich automatisch in hierarchische Strukturen mit Rängen für Entscheidungsbefugnisse aufgliedern.
Die Lösung liegt in einem erweiterten Brainstorming für Konferenzen bis zu 1024 Menschen (Siehe: [6]) und der Bildung von vorübergehenden problemorientierten Beratungsausschüssen für jeden Gebietsverband (Orts-, Stadt-, Kreis-, Landes- und Bundesverband), die am Ende ihrer Beratung ihre Ergebnisse an die Bevölkerung zur Prüfung und Abstimmung abgeben. [7]
Beginnen soll dies mit einem basisdemokratischen Vereinsnetzwerk, über welches auch eine geldfreie Regionalwirtschaft für die Grundversorgung organisiert wird. Diese soll später nach und nach die heutige eigentumsbasierte Warenwirtschaft, die staatlichen Institutionen und schließlich den Staat als Ganzes ersetzen. (Siehe: [8, 9])
B. Psychologische Entstehungsursachen
Kapitel 1: Das Gewohnheitsrecht auf Delegation
LSatz T1B.K1 1: Die Unentbehrlichkeit zur Sicherung der Ziele der eigenen Delegation
Beweis T1B.K1 1:
Die Unentbehrlichkeit ist ein macchiavellistischer Schachzug zur Sicherung der Führungsmacht (S.45).
Hier seihen von zahlreichen Beispielen vier historische herausgegriffen.
Ein Beispiel liegt in der Monarchie König Friedrich Wilhelm IV von Preußen, der zur Unterdrückung liberaler Ideen immer wieder mit dem Verzicht auf die Krone drohte. Ein anderes finden wir bei Fürst Bismarck, der im neugegründeten Deutschen Reich immer wieder an Kaiser Wilhelm I mit Entlassungsgesuchen herantrat (S.45).
Beispiele in Republiken und Parteien sind in Brasilien der Kriegsminister Marschall Hermes da Fonseca, der 1907 die Reorganisation des brasilianischen Heeres mit der Drohung, vom Amte zurückzutreten, durchsetzte ODER in den Anfängen der Arbeiterbewegung, als Vahlteich seine Reformen der Partei gegen den Widerstand von Ferdinand Lassalle mit der Drohung zu demissionieren, durchdrückte (S.46).
Satz T1B.K1 2: Die Vertrauensfrage zur Sicherung der Ziele der eigenen Delegation
Beweis T1B.K1 2:
Wer die Vertrauensfrage stellt, setzt auf das Zutrauen der Geführten und ihr Empfinden, dass ihnen ihr Führer unentbehrlich ist. Er übt damit Druck auf die Geführten aus, dass sie sich entweder seinem Willen beugen müssen oder ihren Anführer verlieren (S.47).
Dies ist nichts weiter als eine oligarchische Demonstration zur Abwehr des Massenwillens, um erst gar kein Auseinanderlaufen zwischen der Meinung der Massen und der ihrer Führer zuzulassen. Hiermit wird der Anschein aufgebaut, dass der Kontakt zwischen Führer und Masse gewahrt ist, indem der Führer den Massen seinen Willen aufdrängt (S.48).
Satz T1B.K1 3: Das Delegiertenamt entwickelt sich zum Eigentum
Beweis T1B.K1 3:
Aus der Delegation entwickelt sich das moralische Recht auf Delegation. Die einmal Delegierten bleiben ununterbrochen im Amte, bis schließlich der Führer, der eine Zeitlang regelmäßig delegiert wurde, die Delegation als sein Eigentum betrachtet (S.44f).
Die Unentbehrlichkeit (Satz T1B.K1 1) und die Vertrauensfrage (Satz T1B.K1 2) sind sicher die Machtmittel, die, wenn sie erfolgreich eingesetzt werden, zur Gewöhnung an bestimmte Delegierte führen. Dieser Vorgang führt nicht nur zur Wiederwahl beliebter Parteiführer, sondern kann auch Volkstribune hervorbringen. Der Gewöhnung an einen Delegierten ist hierbei ebenso entscheidend wie die Gewöhnung an seine Führung, woraus der Begriff des Gewohnheitsrechtes abgeleitet zu sein scheint (Anm. DBD, Darwin Dante).
Kapitel 2: Das Führungsbedürfnis der Massen
Satz T1B.K2 1: Entscheidungen einer Partei werden z.T. durch kleinste Minderheiten bestimmt
Beweis T1B.K2 1:
Durch einen Prozess spontaner Selektion sondert sich ein enger Kreis von regelmäßigen Versammlungsbesuchern und Beschlussteilnehmern von der organisierten Masse ab. Den Kämpfen der Führer um die geltende Meinung bzw. Taktik steht die Masse verständnislos gegenüber. Sie erkennen in den Kämpfen der Führer ein Auseinanderbrechen und eine Schwächung ihrer Bewegung, da sie die Übereinstimmung in den gemeinsamen Zielen gefährdet sehen. Daher werden sie zunehmend gleichgültig gegenüber diesen Kämpfen. Es wird so, wie die Mehrheit der Wählerschaft die Kämpfe im Parlament betrachtet. Schließlich kommen die großen Parteimassen nur noch, wenn ihnen große Redner versprochen wurden, die zum Sinnbild der gemeinschaftlichen Stärke werden können und denen sie mit dem Wunsch nach Stärke und Einigkeit gerne folgen. Durch eine Projektion der Wünsche und Sehnsüchte auf bestimmte Delegierte oder eine kleine Gruppe von Delegierten entsteht das Führungsbedürfnis. Hierbei ist die Mehrzahl auch froh, dass sich Männer finden, welche die Geschäfte für sie besorgen und die Not der Disharmonie und Schwäche der Bewegung beenden (S.50ff).
Satz T1B.K2 2: Die alten Eliten bedienen sich des Führungsbedürfnisses der Massen
Beweis T1B.K2 2:
Dass sich die alten Eliten dieses Führungsbedürfnisses bedienen und dessen Entstehung unterstützen, liegt auf der Hand. Denn wenn die Massen an die Leitung von oben gewöhnt sind, so dass sie zuerst der Vorbereitung durch die Führer bedürfen, um sich in Bewegung zu setzen, werden sie von der Führung abhängig. Aus diesem Grund, wird die alte Elite alles daran setzen, die Entscheidungsbefugnis der neuen Führer käuflich zu erwerben (Bestechung) oder andere Führer an die Spitze der Organisation zu setzen (S.56f).
Ein ebenso natürlicher Vorgang ist der Zusammenbruch einer Bewegung, wenn ihr die Führer entzogen werden (S.58).
Kapitel 3: Die Dankbarkeit der Massen
Satz T1B.K3 1: Die Dankbarkeit der Massen
Beweis T1B.K3 1:
Die Dankbarkeit der Massen wird von den Massen selbst auf das Tiefste empfunden, so dass sie selbst es als „undankbar“ ansehen würden, einen „altverdienten“ Führer nicht stets von neuen in seiner Funktion zu bestätigen (S.60ff).
Kapitel 4: Das Verehrungsbedürfnis der Massen
Satz T1B.K4 1: Die Führerverehrung führt zur Übernahme ihrer Namen für die Bewegung
Beweis T1B.K4 1:
Die Identifikation der Massen mit ihren Führern geht soweit, dass Bewegungen ihren Namen annehmen (Marxisten, …) oder ihren Säuglingen ihre Namen geben (Karl Marx – Karl Liebknecht). Die Verehrung der Führer überdauert ihren Tod. Die größten unter ihnen werden geradezu heilig gesprochen. Die Massen besitzen einen tiefen Drang zur persönlichen Verehrung der Führer, die der Partei unvergessliche Dienste geleistet haben (S.62ff).
Kapitel 5: Akzessorische Eigenschaften der Führer
Def. T1B.K5 1: Akzessorisch (von lat. Accedere: abhängig hinzutreten; zusätzlich hinzutretend)
Satz T1B.K5 1: Die Macht der Rede als Grundlage des Führertums
Beweis T1B.K5 1:
Die Grundlage des Führertums ist die rednerische Begabung. Durch die Macht der Rede wird die Masse suggestioniert (Def. suggestioniert: eingeflüstert; bewusste oder unbewusste Beeinflussung, Beeinflussung mit unterschwelligen Zügen), durch die Suggestion wird die Masse dem Redner unterworfen. Es gilt sogar der Satz, dass nur das Rednertalent zur Führung der Staatsgeschäfte befähigt, denn die Massen beugen sich stets vor dem Ruhm ins Joch (S.70ff).
Lösung DBD für Satz T1B. K5 1: Strukturiertes Brainstorming für Konferenzen
Die Macht der Rede als Grundlage des Führertums kann durch ein erweitertes Brainstorming für Konferenzen bis zu 1024 Menschen aufgelöst werden [10].
C. Intellektuelle Entstehungsursachen
Kapitel 1: Die sachliche und formale Inkompetenz der Masse
Def. T1C.K1 0: Superioität
Superiorität bedeutet Erhabenheit oder Überlegenheit durch eine übergeordnete Stellung.
Def. T1C.K1 1: Erfahrungsgemäße Elemente der Herrschaft
Eine lange geschichtliche Erfahrung lehrt uns, dass eine Minorität über eine Majorität vor allen mit folgenden Elementen eine Herrschaft ausübt:
- Ökonomische Superiorität, dies ist der Faktor des Geldes und des Geldwertes (S.77).
- Historische Superiorität, dies ist der Faktor der Tradition und Vererbung (S.77).
- Intellektuelle Superiorität, dies ist der Faktor der angelernten formalen Bildung (S.77).
Satz T1C.K1 1: Der Parteiapparat ermöglicht sozialen Aufstieg und berufsmäßiges Führertum
Beweis T1C.K1 1:
Der Parteiapparat mit seiner großen Anzahl von Brot- und Ehrenstellen bietet die Möglichkeit, eine Karriere zu machen. Er leitet den Aufstieg von mehr oder weniger begabten Menschen in kleinbürgerliche Existenzen des Mittelstandes ein, z.B. als Parteibeamte. Auf Kosten der Massen erwerben sich die Karrieristen eine höhere Bildung und eine genauere Einsicht in die Verhältnisse des öffentlichen Lebens. Sachkenntnis und Routine vergrößern den Abstand zwischen Führern und dem Gros. Dies ebnet den Weg zur Entstehung des berufsmäßigen Führertums. Dies gilt insbesondere dadurch, da alle Parteien ein parlamentarisches Objektiv sind, die alle dem Endzweck zur „Eroberung der politischen Macht“ dienen (S.78f).
Satz T1C.K1 2: Berufsmäßiges Führertum verschärft die Bildungsunterschiede
Beweis T1C.K1 2:
Die Entstehung eines berufsmäßigen Führertums führt zur Verschärfung der Bildungsunterschiede zwischen den Führern und den Geführten gemäß den erfahrungsgemäßen Elementen der Herrschaft (Def. T1C.K1 1) und den sozialen Aufstieg durch den Parteiapparat, Satz T1C.K1 1, (S.77ff).
Satz T1C.K1 3: Die Anerkennung des Führertums durch die Inkompetenz der Massen
Beweis T1C.K1 3:
Der Bildung der Führer folgt die suggestive Macht über die Massen. Mit Sachkenntnis erheben sich die Führer endgültig über die Geführten. Dies macht sie zu Untertanen der Führer, da die Massen im Führer die Kompetenz erkennen, die sie nicht ersetzen können. Die Anerkennung des Führertums durch die Massen ebnet schließlich den Weg zum Verzicht auf die Souveränität durch die souveränen Massen selbst (S.80ff).
Es bieten sich täglich Fälle, in denen die Führer sich mit den Grundsätzen der Bewegung in Widerspruch setzen. Die Geführten ziehen aus diesem Widerspruch jedoch nicht die Konsequenzen, weil sie zu den erworbenen Kenntnissen ihres Führers nicht sofort einen gleichwertigen ErSatz zur Hand haben. Die Führer theoretisieren und praktizieren weiter im Namen der Massen. Die Massen aber stehen verblüfft dabei und wagen trotz ihrer Unzufriedenheit nicht, dem Treiben des „großen Mannes“ ein Ende zu setzen und ihm die Gefolgschaft zu kündigen. Hierin offenbart sich die Inkompetenz der Massen, da sie sachlich unfähig sind, ihre Geschäfte selbst zu führen ODER sich der Vertreter ihrer Interessen bei einem Verstoß gegen ihre Interessen zu entledigen (S.83).
Lösung DBD für T1C.K1 3: Brainstormingeffekt durch Verschriftlichung bei IT-Tools
Die Bereiche, Diskussionen [11] und Vorschläge [12], der IT-Bürgerplattform Consul [13] erfüllen den Brainstormingeffekt der Verschriftlichung der Themenbeiträge. Dies führt zur Ablösung des Beitrages vom Vortragenden. Eine Diskussion kann somit zu einer Art Seminar unter Anwendung von Brainstorming werden, so dass sich alle Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit ein großes Wissen zu einem Thema aneignen können. Mit diesem Wissen werden sie als Gruppe fähig zur sachkompetenten Entscheidung [14].
Satz T1C.K1 4: Die Rechtfertigung der Herrschaft der Besten (/ Führer) über die Massen
Beweis T1C.K1 4:
Die von den Führern stets anerkannte Inkompetenz der Massen wird dazu benutzt, die Herrschaft der Führer auch theoretisch zu rechtfertigen. Die Majorität kann bestenfalls noch die allgemeinen Grundlinien festlegen. Das Taktische und Wichtige entscheiden zunehmend die Führer. Stabilität durch Spezialistentum heißt aber Autorität, wodurch die Demokratie schrittweise in eine Herrschaftsform der BESTEN, also der Herrschaft einer „Aristrokratie“, umgewandelt wird (S.85f).
Lösung DBD für T1C: Aufbau autonomer Wirtschaftsnetzwerke ohne Hierarchien
Die für den Abschnitt T1C gezeigten Phänomene gelten nur für Organisationen, die sich automatisch in hierarchische Strukturen mit Rängen für Entscheidungsbefugnisse aufgliedern. Die beschriebenen Effekte treten nur auf, wenn die Macht erobert werden soll. Wird von vornherein eine Organisationsstruktur gewählt, durch die die Macht aufgelöst werden soll, erlöschen diese Mechanismen für die Gesellschaftsdynamik. Dies wäre eine Organisation ohne Hierarchien [15], in der alle Teilnehmer auf gleicher Augenhöhe mitwirken.
Eine weitere Lösung liegt in einem erweiterten Brainstorming für Konferenzen bis zu 1024 Menschen [16] und die Bildung von vorübergehenden Beratungsausschüssen für jedes Einzugsgebiet eines Gebietsverbandes (Orts-, Stadt-, Kreis-, Landes- und Bundesverband), die dann die Ergebnisse ihrer Beratungen wieder an die Bevölkerung zur Prüfung und Abstimmung abgeben. Nach der Zustimmung der Bevölkerung zu einer Lösung würde der jeweilige Ausschuss wieder aufgelöst werden [17].
Die Umsetzung sollte über basisdemokratische Vereinsnetzwerke erfolgen, über die sich auch eine geldfreie Regionalwirtschaft für die Grundversorgung organisieren lässt. Diese sollte nach und nach die heutige eigentumsbasierte Warenwirtschaft, die staatlichen Institutionen und schließlich den Staat als Ganzes ersetzen.
Teil II: Der tatsächliche Herrschaftscharakter der Führer
Bei dieser Darstellung von Michels handelt es sich zunächst um den Zeitpunkt, ab dem sich in einer Bewegung durch eine Partei eine feststehende Oligarchie als Führungsschicht gebildet hat.
Kapitel 1: Die Stabilität des Führertums
Satz T2.K1 1: Das berufsmäßige Führertum bestimmt die Stabilität der Partei
Beweis T2.K1 1:
Die Stabilität einer Partei ist abhängig von der Stabilität des leitenden Personenkreises (S.87ff).
In der Geschichte wurde immer wieder versucht, eine Partei zu zerstören, in dem die herausragendste Intelligenz, Rädels- oder Parteiführer vertrieben oder vernichtet wurde (S.90f).
Satz T2.K1 2: Die Stabilität der Partei durch die Lebenslänglichkeit der Mandate
Beweis T2.K1 2:
Das Bedürfnis der Massen nach einer Stabilität der Verhältnisse und einer Schlagkraft durch stabile Strukturen führt sowohl bei den Führern einer Partei als auch bei den Wissensträgern im bürokratischen Apparat zu einer Lebenslänglichkeit ihres Mandates oder ihrer Funktion (S.92f).
Jeder bürokratische Apparat beruht in seinem Wesen auf Arbeitsteilung. Wo aber Arbeitsteilung herrscht, da sind Detailfunktionen, Spezialisierungen und Unersetzlichkeit, was zu einer Verlängerung des Mandats oder einer Funktion führt. Dies gilt sowohl für die Bürokratie als auch für die politische Führung. Denn die Länge der Amtsdauer wird unerlässlich, weil der Spezialist oder Führer nur dann seinen Arbeitskreis kennen lernt, wenn er sich lange genug einarbeiten konnte. Kurzfristige „Anstellungen“ sind zwar demokratisch, aber technisch wie psychologisch ungeeignet. Denn diese besitzen für den Herrschaftsaufbau eines politischen Apparates mit entsprechenden Führern nur verderbliche Folgen, die wegen ihrer fehlenden Schlagkraft entstehen (S.96ff).
Satz T2.K1 3: Die Führergruppe bildet eine Grenzmauer zur Parteibasis
Beweis T2.K1 3:
Die Führer neigen zur Tendenz, durch „Kartellbildung“ eine Mauer um sich zu errichten, sich nach Außen abzuschließen, so dass sie nur noch die ihnen genehmen Elemente aufsteigen lassen. Statt ihren Nachwuchs auf dem Wege durch Wahlen durch die Massen bestimmen zu lassen, versuchen sie selbst auszuwählen und ihren eigenen Führerkreis direkt oder indirekt durch einen eigenen Willensakt zu ergänzen (S.99).
Die Aufstellung der Parteikandidaten zu Vorstandswahlen oder Parlamentswahlen hängt fast stets von einer kleinen, durch die lokalen Anführer gebildeten Clique ab, welche dem Gros der Parteimitglieder die ihr genehmen Kandidaten suggeriert (S.100).
Satz T2.K1 4: Der Übergang der Demokratie zu einem fast „erblichen Monarchismus“
Beweis T2.K1 4:
Die Mauerbildung um eine Führungsgruppe kann als das erste Symptom eines graduellen Übergangs von einem durch Volksabstimmungen gestützten „Bonapartismus“ (Volkstribun) bis hin zu einem System des erbrechtlichen Monarchismus bewertet werden (S.101).
Das bekannteste Beispiel findet sich im Verlauf der Französischen Revolution, die in der Krönung von Bonaparte mündete. Ein weiteres Beispiel findet sich in der Geschichte der Sozialdemokratie. Der fließende Übergang vollzog sich hier in den Jahren 1900 bis 1912 in verschiedenen sozialdemokratischen Parteien mit der Bildung einer Führer-Kaste zur Leitung der Partei in Parteischulen (Siehe LösungsSatz zu den Sätzen T1A.K2. 1 – 3) und setzte sich 1912 in verschärfter Form in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands durch die Übernahme des Kadersystems (Kader: ursprünglich Gruppe militärischer Vorgesetzter) gemäß Lenins Buch: „Was tun?“ von 1902 fort (Siehe: Kontra-LösungsSatz zu den Sätzen T1A.K2. 1 – 3). Schließlich setzte sich diese Entwicklung 1918 fort, indem die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands in die Kommunistische Partei Russlands umbenannt wurde. Lenin hatte mit dem Kadersystem eine autoritäre militärische Struktur geschaffen und damit einen weiteren Schritt in die Richtung der Entartung zum Bonapartismus getan. Dieser mündete in der totalitären Diktatur des Sozialfaschismus Stalins. Seit dieser Zeit zieht sich ein roter Faden von den autoritären, revolutionären Sozialdemokraten, über die Bolschewisten, bis hin zum autoritären sozialfaschistischen Kommunismus, der schließlich in Nordkorea bei Kim Jong-un am 29. Dezember 2011 zur „Vererbung des Amtes des Staatsoberhauptes“ führte. Es hieß, sein Vater, Kim Jong-il, habe von staatlichen Stellen eine förmliche Bekundung der Loyalität zugunsten Kim Jong-uns gefordert. Tatsache ist, dass Kim Jong-un von seinem Vater systematisch in die obersten Partei- und Staatsfunktionen befördert wurde [18]. (Anm. DBD, Darwin Dante)
Kapitel 2: Die finanzielle Macht der Partei und des Führertums
Satz T2.K2 1: Vertrauen beruht auf politisch-moralischer Zuverlässigkeit der Führungsgruppe
Beweis T2.K2 1:
Das Vertrauen der politisch organisierten Massen in ihre Vertreter beruht auf der politisch-moralischen Zuverlässigkeit ihrer Führer selbst. Dies ist ein Faktum, an dem nicht gerüttelt werden kann. Diese Tatsache ist z.B. in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung mit zahlreichen Dokumenten belegt. Die Vertrauensseligkeit der Geführten in ihre Führer hat deshalb für die Aufrechterhaltung einer schlagkräftigen Bewegung zumindest eine historisch gerechtfertigte Existenzberechtigung (S.101-106).
Satz T2.K2 2: Die finanziell Begüterten übernehmen die Führung der Partei
Beweis T2.K2 2:
Die Führung der Partei (als eine durch Satzung und Geschäftsordnung gesetzgebende Körperschaft) fällt nach und nach an die reichsten Elemente der Partei, d.h. an die, die Zeit und Geld übrig haben, sich mit brotlosen Gewerbe zu befassen, die zudem häufig noch mit einem periodischen Ortswechsel zum Wohnen und Arbeiten verbunden ist. Im besonderen Maße gilt dies für arme demokratische Parteien, in denen die Übernahme offizieller Parteistellen noch Ehrensache ist. Hier bildet sich meist eine besondere Form der finanziellen Macht innerhalb der Partei heraus, welche begüterten Parteigenossen aus der Verwendung ihres eigenen Geldes für Parteizwecke erwächst (S.107-115).
Lösung DBD T2.K2 2: Ausschluss der Übernahme durch finanzielle Überlegenheit
Durch die Anwendung des Internet-Werkzeuges Consul als Kommunikationsmittel der Mitglieder kann die Kraft der finanziellen Überlegenheit durch den Wegfall des periodischen Ortswechsels zum Wohnen und Arbeiten eingedämmt werden, so dass nur noch Zeit für die Wissensbildung und Diskussion notwendig ist (Siehe: [19]).
Satz T2.K2 3: Idealismus und Enthusiasmus sind ungenügend für eine stabile Parteiführung
Beweis T2.K2 3:
Idealismus und Enthusiasmus sind keine Ware, die zur Pflichterfüllung der Führer dauerhaft auf Lager gehalten werden kann. Die Erfahrung lehrt, dass Idealismus und Enthusiasmus sich sehr schnell im dauerhaften Kampf verzehren (S.116ff).
Satz T2.K2 4: Opferfreudigkeit ist ungenügend für eine stabile Parteiführung
Beweis T2.K2 4:
Opferfreudigkeit ist mit einem Goldtaler vergleichbar, der sehr wohl auf einmal ausgegeben, aber nicht über die Zeit verteilt, Stück für Stück verausgabt werden kann. Denn Opferfreudigkeit ist ein Stück und nur einmal wegzugeben (S.116ff).
Satz T2.K2 5: Das Führertum erobert die finanzielle Macht der Partei und festigt seine Macht
Beweis T2.K2 5:
Da Idealismus, Enthusiasmus und Opferfreudigkeit für eine stabile Parteiführung ungeeignet sind, erobern die Führer die finanzielle Macht der Partei. Schließlich nutzen die Führer die finanzielle Macht der Partei zur Festigung, Sicherung und Ausbau ihrer eigenen Machtstellung nach Innen und Außen (S.123).
Def. T2.K2 6: Byzantinismus
Abwertend verwendeter Begriff für „kriecherische“ Schmeichelei bzw. Unterwürfigkeit gegenüber echten oder angemaßten Autoritäten.
Satz T2.K2 6: Führertum formt Byzantinismus und Kadavergehorsam
Beweis T2.K2 6:
Mit seiner zunehmenden finanziellen Macht formt das Führertum bei den Geführten durch Drohungen und Erpressungen nach und nach die Wesenszüge der „kriecherischen“ Schmeichelei bzw. Unterwürfigkeit. Die Geführten versprechen sich vom Wohlwollen ihrer Führer finanzielle Vorteile und eine Zunahme ihrer Macht durch einen Aufstieg in den Rängen ihrer Partei, was bei den Geführten bis zum Kadavergehorsam reicht, der Teils auf Berechnung und Teils auf Angst beruht (S.123ff).
Beispiel: Machtkonzentration in der Marxistischen Partei (S.125).
Kapitel 3: Die Führer und die Presse
Satz T2.K3 1: Die Presse liegt in den Händen der Führer als Organ ihrer Herrschaft
Beweis T2.K3 1:
Die Presse ist das gewaltigste Organ zur Eroberung, Wahrung und Kräftigung der Herrschaft über die Massen. Die Presse ist am besten dazu geeignet, den Ruhm der einzelnen Führer unter den Massen zu verkünden und sie beliebt zu machen. Daher ist die Presse stets in den Händen der Führer und nicht in denen der Geführten (S.125-131).
Kapitel 4: Das Verhältnis der Führer zu den Massen in der Praxis
Satz T2.K4 1: Die oberste Schicht der Führer besteht meist aus Parlamentariern
Beweis T2.K4 1:
Die Partei entsendet ihre hervorragendsten Sachverwalter auf die hervorragendsten Positionen in Staat und Gesellschaft. Dort sollen sie nach eigenem Ermessen die nutzbringendste Arbeit für die Partei leisten. In den Parlamenten erhöht sich die Führungskraft in ihrer Bedeutung, da sie im Parlament nicht mehr von den Parteimassen abhängig ist. Selbst von der Parteileitung wird sie unabhängiger, da die Führer eine relativ langfristige Stellung bekleiden. Die Entkopplung von der Partei liegt auch darin begründet, dass sie im Moment des Wahlaktes nicht mehr von der Partei, sondern von den Wählermassen abhängt (S.131f).
Satz T2.K4 2: Bündelung der Parteimassen hinter ihren parlamentarischen Führern
Beweis T2.K4 2:
Heute sind die Parteimassen so sehr an den Gedanken gewöhnt, dass in den Parlamenten die entscheidenden Hauptschlachten für ihre Interessen geschlagen werden, dass sie es tunlichst vermeiden, ihren parlamentarischen Strategen Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Diese Überzeugung bestimmt das Verhalten der Massen so sehr, dass jede Kritik peinlich vermieden oder ängstlich beiseite geschoben wird. Zudem wird die Kritik selbst von den Führern einem scharfen Bann unterworfen (S.132f).
Satz T2.K4 3: Die Entkopplung der parlamentarischen Führer von der Parteibasis
Beweis T2.K4 3:
Die Entkopplung der parlamentarischen Führer von der Partei beginnt im Moment des Wahlaktes, da ihre Wahl nicht mehr allein der Partei, sondern von den Wählermassen abhängt. Dadurch verstehen sich die Führer auch zunehmend als Vertreter der Gesamtwählerschaft ihres Wahlkreises, was eine Änderung ihres Führercharakters bedeutet und zu einer Erhebung in den Stand eines von den Parteimassen unabhängig gesprochenen „Oberparteifunktionärs“ führt. Hieraus entsteht der Glaube der Abgeordnetenfraktion, in einzelnen Fragen über die Entscheidungen ihrer Parteikongresse erhaben zu sein, da sie in diesen Fragen durch ihre Rolle im Parlament eine höhere Kompetenz besitzen (S.134f).
Satz T2.K4 4: Verengung des Beschlussrechtes auf immer weniger Lenker der Partei
Beweis T2.K4 4:
Die Fraktion verfolgt die natürliche Tendenz, den Kreis der Fragen, die dem Beschlussrecht des Parteitages unterliegen, immer mehr einzuengen. Sie wiegen sich durch ihre Funktion im Parlament im Glauben, sich zu Lenkern der Parteigeschicke aufschwingen zu dürfen. Die Führerschaft im Parlament nimmt Rechte und Allüren einer geschlossenen Körperschaft an (S.136).
Historische Beispiele finden sich in der Französischen Revolution bei den Vorgängen um die Jakobiner ODER bei den revolutionären Sozialdemokraten zu Beginn des 20-sten Jahrhunderts mit der Einführung von Lenins Kadersystem (1912) und der hiermit verbundenen zunehmenden Verdichtung der Entscheidungsgewalt im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei (Anm.: DBD, Dante) ODER in Deutschland wie „… eine zentralistische Bürokratie eine ursprünglich demokratische Arbeiterbewegung von der Demokratie …“ losgerissen hat (S.139).
Satz T2.K4 5: Delegiertensystem und Führertum zerstören die demokratische Selbstverwaltung
Beweis T2.K4 5:
Delegiertensystem, Führertum und zentralisierte Bürokratie treffen den Lebensnerv der demokratischen Selbstverwaltung und Selbstbestimmung. In dem Moment, in dem Führer die Entscheidung über Kernfragen beanspruchen oder sie größtenteils schon in den Händen halten, heißt dies nichts anderes, als dass die Führer die elementarsten demokratischen Prinzipien ausschalten und sich selbst offen zu Oligarchen aufschwingen, während sich die Massen zu fügen haben. Zuweilen bilden sie Miniaturmonarchien aus, indem sie die Eintrittsquoten in ihren Kreis durch parteiinterne Abstimmungen beträchtlich erhöhen. (S.140-144).
Satz T2.K4 6: Ausschluss der Parteibasis von den Parteigeschäften der Selbstverwaltung
Beweis T2.K4 6:
Die Achtung der Führer vor den Massen sinkt bis auf eine Wahrnehmung, bei der die Masse der Parteimitglieder nur noch eine Reihe von Nullen vor der kleinen Zahl vor den Nullen ist, die der Partei die Mächtigkeit der Erscheinung verleiht. Die Führer machen zunehmend den bestehenden Bildungs- und Kompetenzunterschied innerhalb der Mitglieder geltend und beginnen, auf die Urteilsunfähigkeit der Menge zu pochen, um sie von den Geschäften der Selbstverwaltung fern zu halten (S.146).
Satz T2.K4 7: Führer beziehen gegen die Parteibasis Stellung
Beweis T2.K4 7:
Eigentlich stehen die Vertreter im Parlament zu Diensten der Parteibasis. Verlangt nun aber die Parteibasis die rückhaltlose Umsetzung der gemachten Wahlversprechen jenseits aller taktischen Erwägungen um die Eroberung der politischen Macht im Parlament, so wird die Umsetzung der Wahlversprechen als „dummes Zeug“ abgetan, da sie den individuellen Führungsinteressen der Vertreter im Parlament zuwider laufen. In diesen Fällen verweigern die Führer den Geführten die Gefolgschaft und beziehen gegen sie Stellung, um ihre eigenen Interessen für ihre Karriere, die Eroberung der politischen Macht, zu folgen (S.147f).
Satz T2.K4 8: Die Vollmachtsanhäufung macht die Führer zu Herren über das Volk
Beweis T2.K4 8:
Die Vollmachtsanhäufung in relativ wenigen Händen führt naturgemäß zum häufigen Missbrauch. Dies macht aus einem Diener des Volkes leicht einen Herren über das Volk. Denn vielfach lassen sich die Parteimitglieder die Misshandlungen ihrer eigenen Führer gefallen, die sie von anderen nie ertragen würden. Sie ignorieren den Druck ihrer eigenen, selbst gewählten Führer, um die Partei mit ihren Zielen nicht zu schwächen. Es folgt die Vergewaltigung der Rechte der Geführten, da sie ihr Recht zur Kontrolle und Absetzung ihrer Führer zum Zweck der Stärkung ihrer Partei nicht mehr ausüben (S.149f).
Satz T2.K4 9: Die Führerschaft beginnt eine unabhängige Politik zu betreiben
Beweis T2.K4 9:
Das Delegationswesen wird durch die Führer durch Sonderabmachungen weiter verengt, so dass die Massen zunehmend von jeder Mitbestimmung ausgeschlossen werden. Die Führerschaft beginnt zunächst nur im Notfall, eine von der Gesamtheit unabhängige Politik auf eigene Faust zu betreiben, bis sich am Ende die Massen nur noch auf Befehl ihrer Führer bewegen (S.151-157).Beispiele sind die Entstehung von Diktaturen mit Volkstribunen (Bonaparte), des Faschismus (Hitler, Mussolini, Franko) und die Entstehung des Sozialfaschismus (Stalin, Mao) (Anm.: DBD, Dante).
Satz T2.K4 10: Kleine Produktionsgenossenschaften ermöglichen demokratisches Arbeiten
Beweis T2.K4 10:
Gegen die im Abschnitt T2.K4 beschriebene Gesellschaftsdynamik des Delegiertensystems bieten kleine Produktionsgenossenschaften in der Theorie den besten Boden für eine demokratische Zusammenarbeit. Hier besteht die größte Kontrollfähigkeit der Mitglieder, da sie alle etwa die gleiche berufliche Sachkenntnis besitzen (S142f).
Diese Produktionsgenossenschaften könnten in einer Basisdemokratie in einem Netzwerk gleichberechtigter Einheiten zusammengeschlossen werden (Anm. DBD, Darwin Dante, Siehe: [20, 21]).
Kapitel 5: Bürokratismus, zentralistische und dezentralistische Tendenzen

Schreibstube, Deutschland, Julius Bernhard von Rohr (1719), Gemeinfrei, Wikimedia Commons
Satz T2.K5 1: Der Selbsterhaltungstrieb des modernen Staates und die Beamtenkaste
Beweis T2.K5 1:
Die Organisation des Staates bedarf einer zahlreichen, weit gegliederten Bürokratie. Dies ist ein mächtiger Multiplikator im Bestreben der politisch herrschenden Klasse, sich die Weltherrschaft zu sichern und sich selbst am Ruder zu halten. Der Selbsterhaltungstrieb zwingt den modernen Staat dazu, die größtmögliche Zahl Interessierter um sich zu sammeln und an sich zu fesseln. Der Notwendigkeit, sich ein Maximum von Verteidigern zu verschaffen, kommt der Staat am besten entgegen, wenn er sich eine zahlreiche, direkt von ihm abhängige Beamtenkaste heran bildet (S.157).
Satz T2.K5 2: Gebundene Massen erleichtern das Überleben des Staates oder einer Partei
Beweis T2.K5 2:
Ein Staat oder eine Partei, in dem die Elite einen zu engen Kreis umfasst, deren Oligarchie aus zu wenig zahlreichen Gebundenen zusammengesetzt ist, läuft Gefahr, in einem Moment der demokratischen Aufwallung, von den Massen überrannt zu werden. Darum ist sowohl die moderne Partei als auch der moderne Staat bestrebt, seine Organisation auf eine möglichst breite Basis zu stellen und möglichst viele Elemente finanziell durch Abhängigkeitsketten an sich zu fesseln (S.159).
Satz T2.K5 3: Bürokratischer Geist verdirbt den Charakter und erzeugt Gesinnungslumperei
Beweis T2.K5 3:
In jeder Bürokratie herrscht Strebertum, Rücksicht auf Beförderung und infolgedessen nach oben Rücksicht auf den Beförderer und das Befehlshabertum. Es herrscht also eine ehrfurchtsvolle Kriecherei nach oben. In Folge dessen verdirbt der bürokratische Geist den Charakter und erzeugt Gesinnungslumperei (S.161).
Satz T2.K5 4: Die Arroganz der Vordenker führte zur Diktatur des Präsidenten
Beweis T2.K5 4:
Die Diktatur des Präsidenten wurde von Ferdinand Lassalle nicht nur als harte momentane Notwendigkeit einer Kampforganisation, sondern schlichtweg geradezu als Endziel der Arbeiterbewegung selbst empfunden (S.164).
Lenin sprach bei den Vordenkern von einer Avantgarde, die die Arbeiterklasse im Kampf um die Eroberung der politischen Macht führen sollte (Anm., DBD, Darwin Dante).
Kapitel 6: Der Kampf zwischen den Führern um die Macht
Satz T2.K6 1: Aristokratische Führer sind vor der Masse sicherer als demokratische
Beweis T2.K6 1:
Aristokratische Führer, die ihre Macht nicht auf dem ursprünglich demokratischen Willen des Volkes stützen, sondern ihre legitime Macht aus ihrer Herkunft und Geburt schöpfen, sind vor dem Überfall der Massen sicherer als die demokratischen, da sie ihre Macht nicht „aus dem Volk“ (Italienisch: Republik) erhielten und das Volk damit weniger geneigt ist, diesem die Macht bei der Nichterfüllung des Volkswillens durch einen Volksaufstand wieder zu entziehen (S.173).
Satz T2.K6 2: Die latente Verdrängungsgefahr durch andere demokratische Führer
Beweis T2.K6 2:
Die Masse ist stets unfähig zu herrschen. Aber jeder Einzelne aus der Masse ist fähig hierzu, sobald er die erforderlichen Fähigkeiten besitzt, sich über die Masse emporzuheben und in die Reihen der Führer aufzurücken. Aus diesem Grund ist die Verbeugung der alten Führer vor den Massen meist nur ein Mittel zur Manipulation, um dem Einfluss eines neuen heranwachsenden Führers zuvorzukommen (S.174).
Satz T2.K6 3: In Revolutionen verschlingen sich die Führer selbst untereinander
Beweis T2.K6 3:
Nach der Revolution verschlangen nicht die Massen ihre Führer, sondern die Führer selbst verschlangen sich untereinander (S.175).
(Anm.: DBD, Dante) Typische Beispiele sind:
- Französische Revolution; Danton fiel durch Robespierre, Robespierre durch die übrig gebliebenen Dantonisten.
- Russische Revolution; zunächst vertrieben oder vernichteten die Bolschewiken die Führer aller anderen revolutionären Bewegungen wie auch die anarchistischen Kommunisten. Später brachte Stalin im Kampf um die Herrschaft alle seine Weggefährten durch Verleumdungen, Schauprozesse und Hinrichtungen um, so auch Trotzki durch einen Auftragsmörder.
Lösung DBD für Satz T2.K6 3: Vordenker verzichten auf Entscheidungsbefugnisse
Die Vordenker (Avantgarde) verzichten in der Basisdemokratie bewusst auf die Führung der Massen. Sie definieren sich bewusst als Vordenker ohne Entscheidungsbefugnis, deren Aufgabe in der Suche nach Lösungen in entsprechenden Ausschüssen besteht, die sie dann der Bevölkerung zur Zustimmung oder Ablehnung vorlegen. Werden alle Lösungsvorschläge abgelehnt, setzt sich die Entwicklung von Lösungsvorschlägen in den entsprechenden Ausschüssen fort, bis am Ende ein Vorschlag die Zustimmung erhält, siehe: [22]
Satz T2.K6 4: Demagogie: Absicherung des Führers durch Bündelung des Massenwillens
Beweis T2.K6 4:
Gelegentlich vollzieht sich wenigstens formell ein Eingehen der Führer auf den Willen der Massen, von denen sie zumindest theoretisch abhängen. Dies vollzieht sich bei den Schwächeren unter ihnen in Form der Demagogie. Die Demagogie schmeichelt den Massenwillen, bei der nicht die Masse mit ihrem Willen zum Souverän erhoben wird, sondern sich der Führer auf das Tiefste zu ihnen herab begibt, um die Kraft der Masse zu bündeln (S.176).
Def. T2.K6 5: Gegensätze, die zwischen den Führern Kämpfe hervorrufen
- Sachlich, prinzipielle, weltanschauliche Unterschiede und dessen Durchsetzung (S.176f).
- Persönlichen Gründe wie Antipathie, Neid, Missgunst oder Rücksichtslosigkeit (S.176f).
- Kontrast des Alters; Kampf alt gegen Jung um die Herrschaftsgewalt (S.176f).
Satz T2.K6 6: Gegensätze zwischen Führern erzeugt gegenseitiges Misstrauen und Kampf
Beweis T2.K6 6:
Die Gegensätze zwischen den Führern erzeugen einen latenten Kampfzustand und jenes gereizte gegenseitige Misstrauen untereinander, bis der Kampf wegen unterschiedlicher Weltanschauungen offen ausbricht. Der Kampf wegen der Weltanschauung ruft auf die Dauer immer auch die persönlichen Gründe oder den Kontrast des Alters mit herbei. Immer versuchen sich aber die persönlichen Gründe oder der Kontrast des Alters schamhaft als sachlich, prinzipielle Unterschiede in der Weltanschauung auszugeben (S.177).
Satz T2.K6 7: Masse und Monarchie als Feinde des oligarchischen Führertums
Beweis T2.K6 7:
Dem oligarchischen Führertum drohen immer zwei feindliche Mächte. Dies ist zum einen die demokratische Auflehnung der Massen und damit eng zusammenhängend und vielleicht als ihr Ergebnis, der Übergang zur Monarchie. Dieser Übergang wird dann vollzogen durch die Machterringung eines Einzelnen unter den Oligarchen (S.177).
Die Französische Revolution bietet hierzu das Musterbeispiel mit der Krönung von Bonaparte.
(Anm.: DBD, Darwin Dante).
Satz T2.K6 8: Machtbeteiligung zur Einfriedung der Gegensätze zwischen den Führern
Beweis T2.K6 8:
In der Monarchie Karl des Großen wurde die Unterwerfung der sächsischen Stammesführung damit vollendet, dass sie mit Grafschaften belehnt wurden. Auf diese Weise erhöhte Karl nicht nur den Glanz der Stellung der sächsischen Fürsten, sondern ließ sie im beschränkten Maße an der Macht teilhaben (S.183).
Im Deutschen Kaiserreich setzten die Herrschenden dem Anschwellen der revolutionären Arbeiterbewegung einen Damm, indem sie ihre hervorragenden Führer Sitze im Parlament erobern ließen und ihnen Sitze in den Ministerien gaben. Ebenso wie in der internen Parteipolitik, können die Führer der Opposition durch hohe Ämter und Ehren in der Partei unschädlich gemacht werden (S.184).Der revolutionäre Impuls der Führerschaft der Arbeiterklasse wurde im 19-ten und 20-sten Jahrhundert durch die Teilnahme an der Macht gedämpft. Sie wurden damit in den Dienst der Herrschenden genommen. Der Flügel der Reformer wirkte hier als Puffer zwischen den Herrschenden und dem revolutionären Teil der Arbeiterklasse. Bei Überdruck arbeiteten sie wie ein Notventil, so dass mit sozialen Verbesserungen die soziale Revolution verhindert werden konnte. Hierdurch konnte die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen nicht endgültig abgeschafft werden, sondern die Ausbeutung wurde lediglich humaner gestaltet, was den Massen von den Reformern als Verhandlungserfolg verkauft wurde, die Macht der Reformer verstärkte und die Herrschenden an der Macht bleiben konnten, um die riesigen Vermögen ihren Familien über die Zeit zu retten. [23]
Satz T2.K6 9: Forderung nach Meinungsfreiheit als Kampfmittel der schwächeren Führer
Beweis T2.K6 9:
Im Kampf zwischen den Führern sind die Führer der Minderheit begeisterte Anhänger der Meinungsfreiheit. Sie lehnen sich mit Eifer gegen die Engheit und Polizeisucht der herrschenden Führer auf und zeigen mit Begeisterung ihre wahrhaft demokratischen Neigungen. Sind aber genau diese Führer an ihr Ziel gelangt und haben selbst von der Macht Besitz ergriffen, so beginnt ihre Metamorphose und sie beginnen den entthronten Tyrannen immer ähnlicher zu sehen, bis ein Haar dem anderen gleicht. Es manifestiert sich die dynamische Gesetzmäßigkeit des Kampfes um die Herrschaft im Staat, dass die „Revolutionäre der Gegenwart“ die Reaktionäre der Zukunft sind (S.185-192).
Teil III: Psych. Rückwirkung der Massenführung auf die Führerschaft
Kapitel 1: Die Psychologische Metamorphose der Führerschaft
Satz T3.K1 1: Moralische Verwahrlosung der Führer durch Delegation und Herrschaft
Beweis T3.K1 1:
Das, was mit der Organisation, Administration und dem strategischen Vorgehen der Masse beginnt, mündet wegen seiner Größe in ein System der Delegation und Spezialisierung. Die Masse muss aus sich heraus Fachkräfte für die Führungspositionen ausbilden, weshalb sich in der Masse eine ungenügend ausgebildete Majorität und eine Bildungsschicht herausbildet. Für die ungenügend ausgebildete Majorität entsteht wegen der zunehmenden Unüberschaubarkeit von Organisation, Administration und Strategie das Führungsbedürfnis. Wegen des Kampfes der Führer um die Führungsgewalt entsteht gleichzeitig eine Gleichgültigkeit der Masse, der ein wachsender Machthunger der Führer gegenüber steht. Hierbei wecken und schüren die Führer selbst das Bedürfnis des Machthungers durch ihren Kampf um die Führungsgewalt. Die Erkenntnis des Führungsbedürfnisses der Massen macht dem Führer seinen eigenen Wert bewusst und weckt seine Herrschernatur. Die dauernde Führung der Massen übt schließlich auf den moralischen Charakter der Führer einen so ungünstigen Einfluss aus, dass Machtbewusstsein und Großmannsdünkel gegenüber der Masse entstehen. Schließlich geht das einmal Angenommene nicht so leicht wieder in die frühere Unsichtbarkeit als Glied der Masse zurück (S.193ff).
Satz T3.K1 2: Die moralische Verwahrlosung der Massen durch Delegation und Herrschaft
Beweis T3.K1 2:
Die Glieder der Massen streben nun selbst nach einer materiellen Besserstellung und Anerkennung durch Ruhm, weshalb aus Verehrung und Nachahmungssucht der Massen eine Verschiebung der moralischen Werte und Ethik folgt, da sie für den gesellschaftlichen Aufstieg durch eine Karriere Moral und Ethik beiseite schieben müssen (S.193ff).
Satz T3.K1 3: Die Existenz von Macht und Herrschaft formt Tyrannen
Beweis T3.K1 3:
Dass, wie in den Sätzen T3.K1 1 und 2 gezeigt, allein die Existenz des Systems von Delegation und Herrschaft die moralische Verwahrlosung der Massen und ihrer Führer nicht nur fördert, sondern auch formt, deckt sich mit der Annahme des Begründers des sozialistischen Anarchismus (Kollektivismus; Anm. DBD, Darwin Dante). Durch seine Beobachtungen in der Sozialistischen Internationalen gelangte Michail Bakunin zur Ansicht, dass der Besitz von Macht selbst den größten Freiheitsfreund in einen Tyrannen verwandeln müsse (S.195).
Satz T3.K1 4: Die ökonomische Verwachsung von Delegation und Herrschaft
Beweis T3.K1 4:
Da die meisten Führer nicht von Hause aus begütert sind, hängen sie aus ökonomischen Gründen an ihren Stellen fest. Sie sind mit ihnen nicht nur sachlich und seelisch, sondern auch finanziell verwachsen (S.196).
Kapitel 2: Die bonapartistische Ideologie

Napoleon III. in der Schlacht von Solferino. Aus der Herrschaft Napoleons III. (ein Neffe Napoleons I.), der am 2. Dezember 1851 durch einen Staatsstreich an die Macht kam, wurde der Begriff des Bonapartismus geprägt. Er bezeichnet eine autoritäre Herrschaftsform als faktische Alleinherrschaft, die sich auf das Militär und die Polizei stützt. Zum anderen stützt sich der Bonapartismus auf Abstimmungen über den Regenten. (Ölgemälde: 1863 von Jean-Louis-Ernest Meissonier, gemeinfrei)
Satz T3.K2 1: Die Einzeldiktatur in der Republik beruft sich auf die Volkssouveränität
Beweis T3.K2 1:
Ein Volkstribun, der zum Diktator wird, behauptet, dass seine Machtstellung lediglich auf dem Willen der Masse beruhe und eine vom Volk staatsrechtlich eingeräumte Einzeldiktatur ist, die somit ein Ausdruck der Souveränität des Volkes sei, so zumindest die Leseart der Bonapartisten (S.203f).
Napoleon I legte Wert auf die Feststellung, als Auserwählter des Volkes zu gelten, da er seine Macht allein dem Willen des französischen Volkes verdanke (S.203).
Napoleon III leitete seine politische Karriere geradezu allein von der Volkssouveränität ab und stellte sich für seine Wahl als Vollstreckungsorgan des Volkswillens zur Verfügung. Gleichgültig, was das Volk beschließe, erklärte er sich zum Instrument des Volkswillens und machte sich selbst damit zu einer Kreatur der Massen (S.204).
Die Volkssouveränität kann soweit gehen, dass sie die Volkssouveränität selbst abschafft (S.204).
Def. T3.K2 2: Der Bonapartismus wird zum herrschenden Kopf der Volkssouveränität
Der Bonapartismus ist die Theorie einer Herrschaft, welche durch den Einzelwillen einer Person repräsentiert wird, die ursprünglich aus dem Gesamtwillen des Volkes hervorging und nun selbst zum Herrn gewordenen ist, um seine demokratische Entstehung vor den Gefahren seiner undemokratischen Gegenwart schützt. Durch ihn wird z.B. die Regierung des Cäsars durch den Titel des Diktators wie ein winziger Kopf zum Organ der Volkssouveränität (S.205).
Satz T3.K2 3: Die Politik in und um die Regierung eines Staates wird zum Selbstzweck
Beweis T3.K2 3:
Gemäß dem eigenen Selbstverständnis regelt die Regierung die inneren und äußeren Angelegenheiten des Staates und einer Gesellschaft im Staat. Ohne diese Aufgabe würde die Regierung zum Selbstzweck (S.207).
Zahlreiche historische Beispiele weisen nach, dass gerade Staaten mit einer repräsentativen Demokratie ihr Land immer wieder in Einzeldiktaturen mit anschließenden Kriegen führten (z.B. 1. und 2. Weltkrieg). Das Delegiertensystem der repräsentativen Demokratie und das hieraus entstehende Führertum ist ungeeignet, Kriege zu verhindern und dem Interesse der Gesellschaft nach Frieden nachzukommen (z.B. Watergate-Affäre, USA, 1972). Selbst zur Regulierung der inneren Bedürfnisse der Gesellschaft zur Abwendung von Armut und Not hat das Delegiertensystem der repräsentativen Demokratie dauerhaft versagt. Dies gilt sowohl für die Delegiertensysteme der repräsentativen Demokratien des Westens als auch für die Planwirtschaft des ehemaligen Ostblocks mit seinem staatseigenen Monopolkapitalismus. Offenbar sind beide Delegiertensysteme ungeeignet, um Produktion und Verteilung im Sinne der Bevölkerung so zu leiten, das Armut und Not ausgeschlossen werden und Wohlstand, Bildung und Zufriedenheit Einzug hält. Die Politik der Regierungen beider Delegiertensysteme verkamen zum Selbstzweck, indem die Führerschaft mit Machtspielen um die Erweiterung ihrer Herrschaftsgebiete rangen und das Leben der Massen in sinnlosen Kriegen mit Not, Armut und Tod überzogen. Die Völker dienten ihnen letztendlich nur als williges Fleisch für ihre Machtspiele und Militärmaschinerie.
(Anm.: DBD, Darwin Dante)
Satz T3.K2 4: Stützung des Delegiertensystems durch Teilhabe der Massen an der Herrschaft
Beweis T3.K2 4:
Demokratie verträgt einen gewissen Grad von Tyrannis sehr gut, insofern Einzelne aus der Masse befähigt werden, sich der Herrschaft zu nähern ODER gar in ihr einzurücken ODER gar nur die Hoffnung auf einen Aufstieg in dieser Herrschaftsstruktur besteht (S.208).
Satz T3.K2 5: Die Führerschaft bricht die Fiktion der demokratischen Allmacht der Massen
Beweis T3.K2 5:
Das Recht der Massen, ihre Herren selbst zu wählen, schrumpft immer mehr in sich zusammen, da sie der Führerschaft absoluten Gehorsam schulden. Schließlich zerstört die Führerschaft mit ihrem dauerhaften Kommandorecht das demokratische Selbstverständnis der Massen. Selbst wenn den Führern aus der Masse ein undemokratisches Verhalten vorgeworfen wird, berufen diese sich auf den Willen der Masse in ihrer Eigenschaft als gewählte Volksvertreter (S.209f).
Gleiches gilt heute (2025) für die BRD, da sich die Gewählten auf die durch Wahlen erlangte Legitimität berufen, trotzdem sie ihre Wahlversprechen nicht einlösen und nachweislich eine Wählertäuschung mittels Wahlversprechen und Wahlprogramm begingen.
(Anm.: DBD, Darwin Dante)
Kapitel 3: Gleichsetzung von Partei und Person
Satz T3.K3 1: Gleichsetzung von Partei und Person basiert auf einer totalen Identifizierung
Beweis T3.K3 1:
Die Gleichsetzung von Partei und Person basiert auf einer totalen Identifikation, die auf eine Begriffsverwirrung der Inbezugsetzung von Sache, Person, Individuum und Kollektiv zurück geführt werden kann. So kann sich z.B. die Identifizierung der Bürokraten mit einer Partei, einer Institution oder den Staat so vollkommen vollziehen, dass der Bürokrat jede sachliche Kritik als Angriff auf sich selbst bezieht. So kann es sein, dass sie in einem hochentwickelten Stadium der Oligarchie sogar das Hab und Gut der Organisation als ihr eigenes Hab und Gut verstehen (S.214-218).
In absolutistischen Monarchien, die vom Satz „Ich bin der Staat“ geprägt wurden, zahlte die Weimarer Republik nach der Revolution von 1918 zahlreichen Adelsgeschlechtern eine Entschädigung für die Enteignung „ihrer Staatsgüter“. Dies ist eigentlich ein absoluter Unsinn, da diese Güter durch die Arbeitskraft und dem Schweiß des Volkes geschaffen wurden und deshalb immer schon dem Deutschen Volk gehörten (Anm.: DBD, Darwin Dante).
Lizenz: Darwin Dante, Free21, CC BY-NC-ND 4.0
Quellen:
[1] Alle Seitenangaben im Text beziehen sich auf: Robert Michels; Zur Soziologie der Parteienwesens in der modernen Demokratie – Untersuchungen über die oligarchischen Tendenzen des Gruppenlebens; 1911, <https://archive.org/details/zursoziologiede00michgoog/page/n6/mode/2up>
[2] Ant-Spiegel, Thomas Röper, „Ist es russische Hysterie, oder wird in Deutschland wieder Nazi-Rhetorik benutzt?“, am 15.07.2025, <https://anti-spiegel.ru/2025/ist-es-russische-hysterie-oder-wird-in-deutschland-wieder-nazi-rhetorik-benutzt/>
[3] Die Basis, „Übersicht aller aktiven Abstimmungen“, <https://abstimmung.diebasis.de/>
[4] Die BasisDemokraten, Darwin Dante, „Direkte Demokratie geht immer vom Volke aus“ , <https://dbd-portal.free-planet-earth.org/?locale=de>
[5] Darwin Dante, 5-Stunden sind genug, Band 2, Seite 225ff, <http://www.5-stunden-woche.de/band2.pdf#page=225>
[6] Darwin Dante, Strukturierte Gruppenarbeit, <https://www.die-basisdemokraten.de/static/de/struktur/Die-Basisdemokraten.pdf#page=20>
[7] Darwin Dante, Aufwandsanalyse, Seite 4-20 <http://www.5-stunden-woche.de/static/de/vortrag-Aufwandsanalyse-V1/Aufwandsanalyse.pdf#page=4>
[8] 5-Stunden sind genug, Band 6, ab Seite 104, <http://www.5-stunden-woche.de/band6.pdf#page=104>
[9] Darwin Dante, 5-Stunden sind genug, Band 5, <http://www.5-stunden-woche.de/band5.pdf>
[10] Siehe [6]
[11] Darwin Dante, Diskussionen, <https://dbd-portal.free-planet-earth.org/debates>
[12] Darwin Dante, Vorschläge <https://dbd-portal.free-planet-earth.org/proposals?locale=de>
[13] siehe [4]
[14] Darwin Dante, Plattform für basisdemokratische Kommunikation, <https://dbd-portal.free-planet-earth.org/?locale=de>
[15] Die Basisdemokraten, Darwin Dante, „Handbuch für basisdemokratisches Handeln“, <https://www.die-basisdemokraten.de/static/de/struktur/Die-Basisdemokraten.pdf>
[16] siehe [6]
[17] Darwin Dante, Aufwandsanalyse, S.4-20, <http://www.5-stunden-woche.de/static/de/vortrag-Aufwandsanalyse-V1/Aufwandsanalyse.pdf#page=4>
[18] <https://de.wikipedia.org/wiki/Kim_Jong-un#%C3%9Cbernahme_von_F%C3%BChrungsposten>
[19] Darwin Dante, Plattform für basisdemokratische Kommunikation, <https://dbd-portal.free-planet-earth.org/?locale=de>
[20] Darwin Dante, 5-Stunden sind genug, Band 6, <http://www.5-stunden-woche.de/band6.pdf>
[21] Darwin Dante, 5-Stunden sind genug, Band 5, <http://www.5-stunden-woche.de/band5.pdf>
[22] Darwin Dante, Aufwandsanalyse, S.14, <http://www.5-stunden-woche.de/static/de/vortrag-Aufwandsanalyse-V1/Aufwandsanalyse.pdf#page=14>
[23] Darwin Dante, 5-Stunden sind genug, Band 2, Seite 301ff, <http://www.5-stunden-woche.de/band2.pdf#page=301>
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