Wird der Mensch in Zukunft von Robotern beherrscht?

Brave New World

von Holger Strohm (quer-denken)

Genau das ist es, was uns Politiker und Silicon Valley für die Zukunft versprechen: das digitale Paradies, das uns das Denken abnimmt und in Bevormundung und Totalüberwachung endet. Als Sachzwang errichtet man daher die digitale Diktatur. Denn die gigantischen Datenmengen können von Menschen nicht mehr verarbeitet werden, so die Begründung. Mit der künstlichen Intelligenz, einer Digitalisierung und Robotisierung der Wirtschaft, gentechnisch konstruierten Maschinen, Cyberorganen und Gliedmaßen wird eine virtuelle Welt der Superreichen und Habenichtse Realität.

Frank Schirrmacher, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen“, warnt, dass sich kein Mensch diesem Wandel entziehen kann. Es wird die Art des Denkens und unser Ver-halten ändern und uns berechenbar und steuerbar machen. Wir werden uns in allen Bereichen der autoritären Herrschaft der Maschinen unterwerfen und das selbständige Denken verlernen. Durch die Fülle der gespeicherten Daten, werden mit sozialen Profilen nicht nur Rückschlüsse auf unser bishe-riges, sondern auch zukünftiges Verhalten ermöglicht. Man wird uns die künstliche Intelligenz schmackhaft machen und uns wie bei der Atomenergie und Genmanipulation das Paradies auf Erden versprechen. Internet-Milliardäre machen gern Werbung für sich und ihre Produkte. Sie versprechen uns ein gesünderes, erfülltes und glückliches Leben.
Und in der Tat: es existieren bereits über 400.000 Apps in den Bereichen Fitness und Gesundheit (1).    Aber, so Physiker Albert-László Barabási, die gesamte Struktur des Internets folgt Machtgesetzen und die Informationswelt wird von Überlebensgesetzen Darwins beherrscht und nicht von der Propaganda selbsternannter Gutmenschen (2) .

Künstliche Intelligenz:
Mittlerweile arbeiten Google, Facebook, IBM, Microsoft, Google, Baido usw. mit Hochdruck an der künstlichen Intelligenz, die ständig selbst dazu lernt. Es werden neuronale Netze entwickelt, die ähnlich wie menschliche Gehirne funktionieren und in größeren Einheiten vernetzt werden. Dann werden sie mit Daten gefüttert, die sie bewerten, ordnen und analysieren. (3)

Dazu gehört auch, dass Computer sich selbst – durch einen lernenden Algorithmus –  programmieren und somit ständig dazu lernen; aber auch das Maschinen menschlicher werden und die Mimik mit ihren 44 elementaren Bewegungseinheiten der Gesichtsmuskeln deuten können. Ärger, Ekel, Freude, Überraschung, Langeweile, Furcht, Trübsinn, Enttäuschung, Begeisterung, Neugier, Blutdruck, Atem-und Herzfrequenz, Pupillengröße, Stimmlage, ein Runzeln der Brauen, ein flüchtiges Zucken der Mundwinkel – all das lässt sich bewerten, denn die Grundregeln der Mimik gelten über alle kulturellen Schranken hinweg. Bereits in wenigen Jahren können Computersysteme mit emotionaler Kompetenz Menschen erkennen und deuten, so Experten.(4) Dabei können sie bereits bei winzigen Bewegungen unseres Kopfes unseren emotionalen Zustand berechnen, Depressionen erkennen oder die emotionalen Qualitäten einer Führungskraft beurteilen.(5)

Ein weiterer Bereich sind Kleinst- oder Nanoroboter. Mikroben werden nach dem Baukastenprinzip neu zusammen gesetzt – zu einem gentechnisch produzierten neuem Leben. Sie sollen Rohstoffe abbauen, Umweltgifte entsorgen oder Krankheiten wie Aids, Malaria oder Krebs behandeln, indem sie Zellgifte in Krebszellen transportieren. Es existieren bereits Tausende künstliche DNA-Moleküle, die auch mit künstlicher Intelligenz kombiniert werden sollen. Vorangetrieben wird die synthetischen Biologie durch den „Fortschritt“. Denn das Erbmaterial DNA lässt sich immer schneller und billiger produzieren. (6)

Anwendungsbereiche:
Laut aktuellen Analysen existieren weltweit Daten von einem Zettabyte: Ein Zettabyte ist eine Eins mit 21 Nullen – das ist anderthalb mal so viel, wie es Sandkörner gibt. In fünf Jahren wird sich die verfügbare Datenmenge vervierzigfacht haben. Diese Datenmengen sind nicht kontrollierbar.
Daher planen die Internet-Milliardäre für die Zukunft eine völlige Vernetzung des Menschen. Sie dringen in immer mehr Bereiche des menschlichen Lebens vor. Unternehmer wie Larry Page, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos usw. beherrschen den Markt und wollen weltweite Monopole aufbauen. Dabei sind sie bereits heute unkontrollierbar: allgegenwärtig, verborgen und keiner Rechenschaft pflichtig.

Was sie mit unseren Daten veranstalten, entzieht sich uns. Doch heute nimmt ihr Cyberkapitalismus religiöse Züge an. Sie, die Milliardäre, die neuen Herrscher des Universums, hegen nur Verachtung für die Welt und ihren Unzulänglichkeiten. Sie meinen: Wir wissen alles am Besten. Wenn man uns nur machen lässt, wird alles gut. Sie wollen die Demokratie beseitigen und durch den reinen Willen des Volkes ersetzen. Der Soziologe und Bestseller-Autor Harald Welzer warnt vor einem schleichenden Totalitarismus und einem Wandel der Herrschaftsform, die unser soziales Leben kontrolliert, Normen setzt und für uns entscheidet, wie wir zu leben haben.(7)

Dabei verspricht man uns – wie so oft zuvor – das Paradies, wenn wir nur gehorchen. Versprechungen, wie wir sie bereits von der Atomenergie und Genmanipulation kennen und die sich als Wahnsinn und Riesenschwindel entpuppten.(8) Google taufte sich in Alphabet um. Der „Spiegel“ kritisiert: „Wer sein Unternehmen Alphabet nennt, will herrschen von A bis Z. Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe, sind ein Symbol für Anfang und Ende, für Gott.“

Doch Google behauptet, sie wollten das Leben von so vielen Menschen wie möglich verbessern. Und daher baut der Konzern selbstfahrende Autos, Drohnen, Smart Grids (intelligente Stromnetze), Kon-taktlinsen, die den Blutzucker messen, Nanopartikel, die durch den Körper zirkulieren und ständig Gesundheitswerte übermitteln, Virtual-Reality-Brillen und so fort. (9)

Bereits vor über 20 Jahren wurden entsprechende Konzepte entwickelt, in denen Minicomputer und Chips im Nanobereich alle Abläufe im Haushalt und im privaten Bereich steuern. Beim Gang zum Auto initialisieren die Chips im Schuh die Öffnung der Türen, Heizung, Sitze und Spiegel stellen sich automatisch ein usw. (10) Die wie von Geisterhand gesteuerten Autos kommunizieren miteinander, vermeiden Staus, halten Abstand zu anderen Fahrzeugen und Geschwindigkeitsbegrenzungen ein und unterhalten die Insassen mit Informationen und Unterhaltung.(11)

Heute ist bereits vieles Realität. Chips wecken ein sanft, das Licht geht an, die Rollläden fahren hoch, der Staubsauger beseitigt Krümel vom Teppich, Kaffeemaschinen werden aktiv, die Lieblingsmusik ertönt, die Heizung wird hochgefahren, Nachrichten und Staumeldungen werden eingeblendet, Bilder aus dem Backofen zeigen den Bräunegrad der Brötchen, der Kühlschrank bestellt Käse und Milch nach. Die Zahnbürste mahnt, dass die Zähne nicht gründlich geputzt wurden. Fernseher, Klimaanla-gen, Geschirrspüler, Waschmaschine, Kühlschrank, Solaranlage, medizinische Geräte, chirurgische Roboter, Auto usw. alles ist miteinander vernetzt. Kameras überwachen das traute Heim und lassen sich auch aus der Ferne über Smartphone und Tablet abrufen. Am MIT entwickelten Wissenschaftler eine digitale Haushaltshilfe. Sie kann hören, sehen, sprechen, fotografieren, und lernt ständig dazu; sie erinnert an Verabredungen, lässt sich E-Mails diktieren, spielt mit den Kindern, bestellt Essen usw.  Das Internet der Dinge soll bereits in einem Jahrzehnt weltweit eine halbe Billion Gerätschaften ver-netzen – vom Joggingschuh bis zum Industrielaser oder Kampfdrohne – und 30 Billionen Dollar im Jahr erwirtschaften. (12, 13)

Auch die deutsche Wirtschaft jubelt über „Industrie 4.0“, der totalen Digitalisierung und Verzahnung sämtlicher Fertigungsprozesse, der vierten industriellen Revolution, der gesamten Wertschöpfungs-kette wie Kommunikationssysteme, Roboter, Produktionsanlagen, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und Materialien, die sich gegenseitig steuern und optimieren. Die Wirtschaft träumt von einem Netz aus Minifabriken, die Tag und Nacht in Betrieb sind und die fehlerlos, auch kleine Stückzahlen noch profitabel produzieren und die die bisherige globale Produktionsstrategie ablöst. (14)

Auch in den USA, vor allem in Silicon Valley, sind Robotik und Automatisierungstechnologien zum neuen Schwerpunkt geworden. Google hat acht Robotik-Firmen aufgekauft, Uber 50 führende Wis-senschaftler abgeworben. Facebook, Apple usw. investieren Milliarden in Wissenschaftler und Ma-schinenintelligenz, die mit der Cloud-Robotik vernetzt werden. Über die Cloud kann die künstliche Intelligenz auf riesige Mengen von Daten zugreifen und sich mit intelligenten Maschinen austau-schen.(15)  Aber auch der Mensch wird mehr und mehr zur Maschine.

Bereits heute helfen immer ausgeklügeltere Prothesen und künstliche Organe Amputierten und Ge-lähmten. Künstliche Herzen, Lungen, Nieren, Lebern usw. werden schon in klinischen Tests ein-gesetzt. Handprothesen mit beweglichen Fingern, Armen und Beinen werden mit Mikroprozessoren gesteuert. Exoskelette finden auch beim Militär immer mehr Anwendung. Durch motorisierte Gelenke in Hüften und Knien können sie schwere Lasten tragen und sich schneller fortbewegen. Sie sorgen dafür, dass Soldaten stärker, ausdauernder und nicht so leicht verwundbar sind. (16)

Hinzu kommen Killerroboter, die nicht verwundbar sind, für militärische Einsätze. Diese digitalen Soldaten sollen den Kapitalismus in eine digitale Weltherrschaft umwandeln. Denn: „Wir sind über-zeugt, dass Portale wie Google, Facebook, Amazon oder Apple weitaus mächtiger sind, als die meisten Menschen ahnen … Ihre Macht beruht auf der Fähigkeit, exponentiell zu wachsen“, so Google Chef Eric Schmidt und das rechtfertigt die Übernahme der Welt.

Vernichtung von Arbeitsplätzen
Produktionsstätten sollen komplett digitalisiert werden. Alle Tätigkeiten, die sich wiederholen, wer-den in den nächsten zehn bis 15 Jahren von Computern erledigt. Roboter und künstliche Intelligenz werden alle Fabriken steuern. Die Wirtschaft benötigt dann nur noch wenige Menschen, die extrem gut ausgebildet sind. Der Rest der Menschen wird nicht mehr gebraucht. (17)

Bereits 2015 gab es 176 000 Roboter in Deutschland. Sie übernehmen Maschinen und Fabriken. Was lange Science-Fiction war, wird Realität. Roboter produzieren sich selbst und lernen dabei ständig hinzu und werden immer effektiver. Roboter arbeiten präziser und billiger. Eine Roboterstunde kostet sechs Euro. Die Arbeitsstunde eines Facharbeiters 40 Euro. Die Oxford-Professoren Carl Benedikt Frey und Michael Osborne errechneten, dass Roboter in den nächsten 20 Jahre die Hälfte aller Arbeits-plätze wegrationalisieren. (18) Experten der Ing-Diba gehen sogar von 59 Prozent aus. Hilfs- und Büro-kräfte, Anlagen- und Facharbeiter sind besonders gefährdet. (19)

Die Berenberg Bank und das Weltwirtschaftsinstitut kommen in ihrer Studie „Digitalökonomie“ zu erschreckenden Ergebnissen. Der vermeintliche Wohlstandsbetreiber Digitalisierung wird, auch im zwischenmenschlichen Bereich, 80 Prozent aller Arbeitsplätze wegrationalisieren. Denn künstliche Intelligenz wird immer mehr anspruchsvolle Prozesse übernehmen. Längerfristig wird die große Bevölkerungsmehrheit kaum noch an Arbeitsprozessen beteiligt sein und sich die Einkommen auf einen kleinen Teil der Bevölkerung konzentrieren. Denn selbstverständlich werden Löhne, die in Konkurrenz mit billigen Robotern konkurrieren müssen, nach unten angepasst. Ausgerechnet die Mittelschicht wird durch die Globalisierung und Digitalisierung der Leidtragende sein. (20)

Bereits heute sind Neurowissenschaftler in der Lage, Gedanken zu lesen oder Gedächtnispillen und Hirnprothesen herzustellen. Sie beobachteten live, wie das Gehirn beim Lernen seine Verschaltungen ändert und wie einzelne Neuronengruppen sich hierarchisch organisieren.

Beim Denken entstehen identische Muster. Denn „das Gehirn benutzt bestimmte Regeln, um elek-trische Aktivität in Wahrnehmungen, Erinnerungen, Wissen und Verhalten umzuschreiben“. Denken zwei Menschen an einen gleichen Gegenstand, so erzeugen beide Hirne ähnliche Signalmuster. Durch Computerprogramme und anhand der Hirnaktivität lässt sich erkennen, „was ein Mensch gerade denkt“.
Der „Spiegel“ kommentiert: „Nun aber sind Rechenprogramme verfügbar, mit denen das ganze Gehirn auf einen Schlag untersucht werden kann … Der Trick der entsprechenden Software liegt darin, dass sie von allein immer besser darin wird, komplexe Datenmengen schnell zu analysieren. Je länger das Analyseprogramm also rechnet, desto schlauer wird es auch … Je mehr die Forscher über diese natürli-che Neuronensprache herausfinden, desto größer wird auch die Möglichkeit, damit Roboter und Com-puter steuern zu können.“ Mittlerweile können Hirnforscher sogar Inhalte aus dem Gedächtnis entfer-nen und Lügen enttarnen. Denn Lügen hinterlassen eine verräterische Spur, da zusätzlicher Areale aktiviert werden. So warnen Forscher, dass Gedanken in Zukunft nicht mehr frei sein werden.(21)

 

Kein netter Kollege: Schwerindustrie-Roboter in einer Ausstellungshalle

Lückenlose Überwachung:
Bereits heute herrscht eine lückenlose Überwachung: Algorithmen und Netzwerke sehen alles, wissen alles und lenken alles. So wurde bekannt, dass gewisse Fernsehmodelle in unsere Wohnstuben schau-en und uns potentiell aushorchen und jedes gesprochene Wort aufzeichnen. Egal, ob die smarte Kame-ra, der Lautsprecher oder Fernseher – die Geräte hören mit, zeichnen auf und speichern ab und leiten die Daten weiter. (22)
Unter jeder modernen Motorhaube stecken 70 verschiedene Steuergeräte, die Informationen spei-chern, Dutzende Chips und Sensoren, die ständig Daten sammeln, vom Tempomaten bis zur Einpark-hilfe, vom Zustand der Bremsbeläge bis zum Öl- und Kilometerstand. Diese gespeicherten Daten ermöglichen eine lückenlose Überwachung bis hin zum Fahrstil und detaillierten Bewegungsprofilen und sind von höchstem Interesse für beispielsweise Polizei und Versicherungen. (23)

Aus diesem Totalitarismus gibt es kein Entkommen. Stein um Stein bauen Staatsschützer, Militärs, Polizisten, Geheimdienstler den Schutzwall der Verteidigung. Computerrazzien, Rasterfahndung, Lauschangriffe, Videoüberwachung, Mautdatenfahndung, Telefonüberwachung, digitaler Gesichts-datenabgleich, Bewegungsprofile, Verwanzen von Wohnungen – alles ohne richterliche Kontrolle und gegen verfassungsrechtliche Entscheidungen.(24)
Hinzu kommen Quadro-, Hexa-, Okto- und Minikopter, klitzekleine insektenförmige Drohnen mit Foto-, Video-, Nachtsicht- und Wärmebildkameras. (25)

Das ist erst der Anfang. Es wird bereits an noch kleineren Überwachungsgeräten gearbeitet, die nur noch per Mikroskop zu entdecken sind. Hinzu kommt die Überwachung über das Internet. Bei der immer mehr eine kleine Minderheit die große Mehrheit zensiert und überwacht. Schon aus wenigen Einträgen lassen sich z.B. politische Einstellungen oder sexuelle Orientierungen berechnen. Dabei herrschte lange die Illusion, das Netz würde per se Demokratie und Menschenrechte fördern. (26)

Doch das ist eine Illusion. Der „Spiegel“ kommentiert: „Algorithmen deuten das Verhalten des Men-schen, analysieren seine Körperwerte und seine Gene, sie empfehlen ihm, was er kaufen, was er lesen, was er essen, wen er mögen und mit wem er schlafen soll. Sie lenken seine Bedürfnisse, seinen Ge-schmack, sein Bild von der Welt – alles, was er mal für Ausweise seiner Individualität hielt. Sie steuern seine Handlungen. Es droht ein ’neuer Totalitarismus‘.“ (27)

Schleichend, kaum spürbar, übernehmen Maschinen und Menschen, die sie bedienen, die Kontrolle über den Menschen. Sie produzieren nicht nur eine der größten kriminellen Märkte – die Cyber-Kriminalität – sondern können auch das Leben von Menschen zerstören. Mit gezielter Verleumdung, so als Nutzer von Kinderpornographie, können sie Personen ruinieren. Zudem entziehen sich die Kri-minellen komplett dem Zugriff der Polizei, durch das sogenannte anonyme „Darknet“.

Auch Unternehmen neigen mehr und mehr zur Totalüberwachung. Der digitale Taylorismus ermittelt und vergleicht die Leistung eines jeden Mitarbeiters, wer krank ist, wie oft er auf die Toilette geht usw. und zieht daraus die entsprechenden Konsequenzen. So feuert Amazon Jahr für Jahr Mitarbeiter, die die schlechteste Leistung bringen. „Marktwirtschaft ohne Moral ist ein Zombie-System: Die Roboter funktionieren perfekt, aber am Ende hinterlassen sie eine Spur der Verwüstung“ sagt Tomás Sedlácek, Autor des Bestsellers „Die Ökonomie von Gut und Böse“.

Die tatsächliche Bedrohung geht von Menschen aus, die sich wie Roboter verhalten und andere Men-schen so behandeln, als wären sie Maschinen. Die Menschen als Wesen betrachten, aus denen sich immer mehr herauspressen lässt.(28)  „Eine Kultur aber“, so die ‚Süddeutsche Zeitung‘, „die nur noch den Daten vertraut, ist nicht vertrauenswürdig. Eine Gesellschaft, die nur noch funktionsfähig … ist, wird schnell eine inhumane Gesellschaft.“(29)

Gefahren für die Menschheit
„Business Week“ prophezeite bereits 1999, dass die künstliche Intelligenz unser aller Leben komplett verändern wird. Durch den digitalen Dirigismus unterwerfen wir uns den Algorithmen, denken immer weniger und verlieren unsere Denkfähigkeit. Bereits heute beklagen Wissenschaftler, dass Computer „keinerlei positive Lerneffekte“ verursachen. Unter Entwicklungsbiologen und Neurowissenschaftler ist es Konsens, dass „Computer weder die geistige noch die physische Entwicklung von Heranwach-senden fördern.“(30)
Hausschweine haben nur noch die Hälfte des Gehirns im Vergleich zu ihren wildlebenden Artgenos-sen. Uns blüht das Gleiche durch die Medienverdummung und Entmündigung im Privat- wie im Be-rufsleben. Roboter werden unseren Arbeitsplatz übernehmen. Schwärme mikroskopisch kleiner Ro-boter werden in unsere Gehirne eindringen und uns auf mannigfaltige Art und Weise verändern. Bereits in 30 Jahren wird ein einzelner Computer die Denkleistungen von Milliarden Menschen übertreffen. Der Inhalt unserer Gehirne wird abgespeichert und dient der virtuellen Realität.(31)

Dabei sind die Gefahren offensichtlich, wenn Maschinen Menschen beherrschen. Seit vielen Jahr-zehnten warnen Wissenschaftler, dass sich der Mensch selbst ausrottet, unsere Spezies untergeht. Das gilt insbesondere, wenn Monster-Mikroben mit synthetischer Biologie hergestellt werden.
So schrieb die „Süddeutschen Zeitung“: „Im vergangenen Jahr haben sich mehrere Größen der Tech-nikwelt zu Wort gemeldet und vor den Gefahren der künstlichen Intelligenz gewarnt, darunter Micro-soft-Grün-der Bill Gates und Tesla-Chef Elon Musk. Die drastischen Worte bis dato fand Physiker Stephen Hawking. ‚Die Entwicklung von kompletter künstlicher Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten‘.“(32)  „Wenn die künstliche Intelligenz erst vollständig entwickelt ist“, sagte Hawking der BBC, „dann könnte das das Ende der Menschheit bedeuten. Die künstliche Intelligenz würde gleichsam sich selbst betriebsbereit machen und sich immer schneller und schneller verändern und entwickeln. Die Menschen wären durch die langsame biologische Evolution begrenzt, sie könnten nicht mithalten und würden ersetzt.“

Roboter und Algorithmen, die die Welt beherrschen, werden immer schneller und effektiver. Sie ent-wickeln eine Super-Intelligenz mit einem Intelligenzquotienten von über 10.000. Milliardär Elon Musk hält künstliche Intelligenz für „gefährlicher als die Atombombe“. Ein weiterer Milliardär, der PayPal-Gründer Peter Thiel pflichtet ihm bei und kritisiert, dass der Mensch die Gefahren nicht wahr-haben will.
Oxford Professor Boström warnt vor einer Superintelligenz, die politische Prozesse, Finanzmärkte, Informationsströme und Waffensysteme kontrolliert. Stellen Sie sich eine Intelligenz vor, die uns auf allen Gebieten weit übertrifft. „Es wird sehr schwer sein, ein Motivationssystem für eine superintel-ligente Maschine zu entwickeln, das in menschenfreundlichen Verhalten resultiert.“
Wenn eine Superintelligenz verhindern soll, „dass Menschen jemals Schaden zugefügt wird“, muss sie dafür sorgen, dass Menschen erst gar nicht geboren werden.
Und George Dyson, Princeton Professor, geht davon aus, das bereits intelligente Computer entwickelt wurden, um neue Waffen zur Vernichtung des Lebens und um neuartige, unbekannte Lebensformen zu erschaffen. Hawking resümiert wir müssten daher eine Ersatzerde im Weltraum haben, „damit eine Katastrophe auf der Erde nicht das Ende der Menschheit bedeutet“. (33)

Die Formen künstlichen Lebens und künstlicher Intelligenz werden sich der Kontrolle des Menschen entziehen, „sobald man ein System einer lebendigen, sich fortpflanzenden Software überantwortet hat“. Vielleicht wird sie sogar an die Stelle des Schöpfers treten und uns im günstigsten Fall zu Haus-tieren degradieren. Das würde uns zumindest ein Überleben garantieren, da der Mensch unweigerlich seine Umwelt zerstört. (34)

Aber es besteht noch eine kleine Hoffnung. Denn immer mehr Menschen erkennen, dass wir so nicht weiter machen können. Denn „jeder Schritt zurück ist ein Fortschritt“ zu einer mehr menschlichen Gesellschaft und zu einer Wirtschaft, die dem Menschen dient und ihn nicht versklavt. (35)

 

Fußnoten

1  Borchardt, A.: Die Daten rücken Körper und Seele näher. München, Süddeutsche Zeitung, 24.5.15, S.11.
2  Schirrmacher, F.: Mein Kopf kommt nicht mehr mit. Hamburg, Der Spiegel, 16.11.09, S.126-129
3  Boström, N.: Wenn die Maschine zum Feind wird. München, Focus, 10.11.14, S.104-106.
4  Grolle, J.: Runzeln, Blitzen, Zucken. Hamburg, Der Spiegel, 2.5.15, S.116-119.
5  Hänssler, B.: Maschinen mit Herz und Seele. München, Focus, 15.12.14, S.112-115.
6  Blech, J.: Die Neuerfindung des Lebens. Hamburg, Der Spiegel, 14.8.06, S.126-128.
7  Welzer, H.: Totalitarismus ohne Uniform. Hamburg, Der Spiegel, 14.2.15, S.76-78.
8  Eggers, D.: Der Circle. Köln, Kiepenheuer & Witsch, 2015.
9  Schulz, T.: Wetten auf die Zukunft. Hamburg, Der Spiegel, 14.8.15, S.18f.
10 Port, O.: Molecular machines aren´t fantasy. Just aks the Pentagon. New York,
Business Week, 30.8.1999, S.46-48.
11 Frank, S.: Befreiung aus der Knechtschaft & Fahrendes Wohnzimmer. München, Focus, 11.7.15, S.70-73.
12 Bernau, V. Et al.: Schlafen muss man noch selbst. München, Süddeutsche Zeitung, 5./6.9.15, S.27.
13 Brauch, A. et al.: Von A bis Z. Hamburg, Der Spiegel, 14.8.15, S.8-17
14 Digitalisierung. München, Sonderveröffentlichung der Siemens AG, 11.4.15, S.1-6.
15 Jung, A. Et al.: Der Maschinen-Schwarm. Hamburg, Der Spiegel, 21.2.15, S.70-73.
16 Ersatz für den Körper. München, Focus, 29.9.14, S.14,15.
17Schmidt,H.: Kollege Roboter & Weniger arbeiten. München, Focus, 7.3.15, S.64-68.
18 Schmidt, H.: Roboter sollen es richten. München, Focus, 17.11.14, S.77f.
19 Güßgen, F.: Schichtwechsel. Hamburg, Der Stern,10.9.15, S.100-102.
20 Wassink, M.: Neue Technik als Jobkiller? Hamburger Abendblatt, 1.19.15, S.23.
21 Blech, J.: Die Sprache des Gehirns. Hamburg, Der Spiegel, 31.3.08, S.132-146,.
22 Moorstedt, M.: Ausspioniert im Wohnzimmer. München, Focus, 28.2.15, S.83-85
23 Hawranek, D. et al.: Rollende Rechner. Hamburg, Der Spiegel, 7.3.15, S.64-66.
24 Darnstädt, T.: Im Vorfeld des Bösen. Hamburg, Der Spiegel, 9.7.07, S.18-30
25 Stauch, G.: Invasion der Späher. München, Focus, 28.12.09, S.64f.
26 Martin-Jung, H.: Das Netz der wenigen. München, Süddeutsche Zeitung, 9.9.15, S.22.
27 Brauck, M. Et al.: Von A bis Z. Hamburg, Der Spiegel, 14.8.15, S.8-17.
28 Brauck, M.: Amazons Roboter. Hamburg, Der Spiegel, 22.8.15, S.6
29 Leberecht, T.: Erbsenzähler und Romantiker. München, Süddeutsche Zeitung, 14.9.15, S.12.
30 Schattauer, G.: Machen Computer unsere Kinder doof? München, Focus, 7.3.15, S.34,37.
31 Hawking, S.W.: Machines will be smarter than we are. New York, Business Week, 30.8.99, S.64f.
32 Tanriverdie, H.: Die Angst vor künstlicher Intelligenz ist überzogen.
München, Süddeutsche Zeitung, 3./4.6.15,  S.25.
33 Diez, G.: Menschenwürmer. Hamburg, Der Spiegel, 8.12.14, S.124-127.
341 Gray, J.: Menschen zu Haustieren. München, Focus, 13.2.10, S.94f.
35 Bömelburg, H. et al.: Alles klar für den Weltuntergang. Hamburg, Der Stern, 10.1.13,

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