Wie die Medien versuchen, aus dem neoliberalen Macron einen sozialen Wohltäter zu machen

von Thomas Röper (anti-spiegel)

Es ist beeindruckend, wie die Presse über Macron berichtet. Nicht die Unzufriedenheit der Franzosen ist der zentrale Punkt, sondern der „gute“ Macron. Er ist immer noch der Medienstar, obwohl seine Politik vom Volk zu inzwischen fast 80% abgelehnt wird.

Wie die Presse die Meinung beeinflussen will, ist immer wieder spannend. Da macht ein Macron eine Politik gegen sein Volk und er ist der Medienstar. Ein Putin sorgt dafür, dass es seinem Volk besser geht und er ist der Buhmann. Oder ein Trump, den ich nicht allzu gut finde, erfüllt seine Wahlversprechen, das geht natürlich gar nicht.

Wobei: Auch Macron erfüllt seine Wahlversprechen, er hatte seine unsoziale Politik angekündigt. Aber die Franzosen hatten so die Nase voll von den etablierten Parteien, dass sie eine Veränderung wollten. Da fanden sie den jungen Sunnyboy wohl so sympathisch, dass sie gar nicht zugehört haben, was er politisch angekündigt hat.

Macron hat einerseits die Reichen durch Abschaffung der Vermögenssteuer massiv entlastet und gleichzeitig Steuern und Abgaben für die einfachen Leute massiv erhöht. Da ist den Franzosen der Kragen geplatzt. Im Gegensatz zu den Deutschen, reicht es nicht, wenn neoliberale „Experten“ ihnen in Talkshows erzählen, dass das nun mal sein muss.

Nun hat Macron einen Bürgerdialog begonnen, wobei er aber keine Bürger getroffen hat, sondern Bürgermeister. Man könnte sagen, er hat wohl Angst vor seinen Bürgern und trifft daher die Bürgermeister. Man könnte aber auch sagen, dass das durchaus intelligent ist, denn wenn er die Bürgermeister für sich gewinnt, besteht die Chance, dass sie den Dialog als Multiplikatoren in die Gemeinden tragen und die Lage entschärfen.

Nur ob das reichen wird, während gleichzeitig nach den Feiertagen die Bewegung der Gelbwesten wieder Fahrt aufnimmt?

Spannend ist nun, wie der Spiegel darüber berichtet. Er führt sich regelrecht als Sprachrohr Macrons auf, denn er übernimmt die Formulierungen Macrons vom „sozialen Bruch“ oder schreibt: „Besonders die Mittelschicht würde die Rechnung für die Krisen der vergangenen Jahre zahlen, sagte Macron.“

Macron der Verständnisvolle, soll beim Leser ankommen. Dass die Mittelschicht nicht für die Krisen der Vergangenheit zahlt, sondern nur für die Politik Macrons zahlen soll, das wird ausgeblendet.

Und anstatt auf die Forderungen der Demonstranten einzugehen, zeigt der Spiegel Verständnis für Macron: Die Bewegung der Gelbwesten „gilt als bislang größte Herausforderung für den jungen Staatschef. Die „Gelbwesten“ wenden sich gegen die Reformpolitik der Mitte-Regierung, einige fordern auch den Rücktritt Macrons. Immer wieder kam es in den vergangenen zwei Monaten zu Ausschreitungen“

Hier ist gut zu sehen, wie subtil dabei gearbeitet wird. Ein „junger Staatschef“, das klingt sympathisch, „Reformpolitik“, das klingt auch gut und natürlich redet der Spiegel von einer „Mitte-Regierung“, denn wir haben ja zwanzig Jahre gelernt, dass die politische Mitte gut ist und damit Macron schon quasi einer von uns. Im Gegensatz zum auf diese Weise zum Sympathieträger verklärten Macron, wird über die Gelbwesten nur im Zusammenhang mit Ausschreitungen berichtet, sie sind also die Unsympathischen im Spiegel.





Das ist psychologisch geschickte Meinungsmache, indem der Spiegel mit den beiden Parteien eindeutige Emotionen verknüpft: Macron ist jung und macht Reformen für die Mitte, die Gelbwesten machen Randale. So kommen diese Formulierungen im Unterbewusstsein des Lesers an.

Aber wie sieht es mit der Realität aus? Macrons „Reformen“ gehen einseitig zum Vorteil der Reichen im Land und zu Lasten der Mittelschicht. Das kann man gut finden, aber es ist kaum so, dass die Mitte es gut findet, wenn alles zu ihren Lasten geht. Ergo ist Macron wohl kaum jemand aus der Mitte.

Und die Gelbwesten? Sie sind in ihrer Mehrheit friedlich, letztes Wochenende waren 80.000 auf den Straßen und einige hundert haben tatsächlich randaliert. Allerdings sind bei solchen Demos die Chaoten immer dabei, das lässt sich nicht verhindern. Aber sie sind in Frankreich eine sehr kleine Minderheit, auch wenn die Presse fast nur über sie berichtet.

Aber die subtile Meinungsmache im Spiegel ist damit nicht vorbei: „Im Streit um die Vermögensteuer signalisierte Macron Gesprächsbereitschaft. Die Frage sei für ihn „weder ein Tabu noch ein Totem“, sagte der sozialliberale Staatschef.“

Hier bringt der Spiegel es fertig, nur mit Formulierungen alles zu verdrehen. Macron ist angeblich bereit, über die Vermögenssteuer zu reden (obwohl er genau das immer abgelehnt hat) und natürlich ist er nun für den Spiegel ein „sozialliberaler Staatschef“.

Klingt super, aber welche von seinen Maßnahmen war sozial? Ich kann mich an keine erinnern und frage mich, wie der Spiegel zu dieser Bezeichnung für einen neoliberalen Hardliner kommt.

Aber klingt alles ganz sympathisch im Spiegel, man darf es nur nicht hinterfragen.

Nachtrag: Es gibt immer mehr aktuelle Meldungen, dass in Frankreich die Polizei mit G36 Gewehren ausgerüstet wird, die nicht mit Gummigeschossen, sondern mit scharfer Munition geladen werden. Das ist nichts, was die Gelbwesten beruhigen wird, eher im Gegenteil. Trotz der vielen Meldungen und Videos auf Youtube über Polizeigewalt bei den Demos, haben bisher nur noch mehr Widerstand und steigende Zahlen von Demonstranten provoziert. Man möchte sich nicht vorstellen, was passiert, wenn die Polizei tatsächlich beginnt, auf Demonstranten zu schießen.

Dazu passt, dass der ehemalige französische Minister für Jugend und Kultur den Einsatz von scharfer Munition gefordert hat.

Aber all dies findet sich in den Artikeln, die der Spiegel über den sozialen Macron schreibt.

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2 Kommentare

  1. Macron wird vom Spiegel zum Heiligen hochgejubelt.
    Die Deutschen werden von ihren Medien immer mehr um den Verstand gebracht!!!  Es ist ein wahres Wunder, daß die Leute schon genug abgestumpft sind, daß sie nur selten Verbrechen begehen, um ihre Aggressionen loszuwerden.  Tag für Tag hören wir immer, daß wir uns diese und jene Flüchtlingskarawane  leisten können, weil wir ja so schrecklich reich sind, daß wir in einem Land so gut und gerne leben wollen, in dem wir täglich mehr in die Minderheit geraten, die Umgebung mit Hidschabs immer fremder wird, uns jeden Tag trickreich immer mehr finanziell der Stuhl unter dem Hintern weggezogen wird, daß trotz millionenfacher Einreise von "Fachkräften" Handwerker häufig für Wartung der Heizung nicht zu haben sind, Deutsche im übrigen alle länger arbeiten sollen, weil sonst die Arbeit nicht geschafft werden wird.

    Die öffentliche Darstellung der Verhältnisse steht vielfach in so krassem Widerspruch zur persönlichen Erfahrung, daß viele Menschen aus diesem Mißverhältnis ausbüchsen müssen, indem sie als Protest ein herostatisches Fanal setzen.

  2. 18.01.2019

    Überall regen sich die bösen "Populisten" weltweit, und es wird für die orchestrierten Massenmedien immer schwieriger, sie zu diffamieren:  Trump, Brexit, Salvini, 5 Sterne, Orban, Gelbwesten, AfD, FPÖ, Vox in Andalusien.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Vox_(Partei)

    Und die gesamte Plutokratie, vertreten durch die DAX-Konzerne, die unterwanderten Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, den öffentlichen und privaten Rundfunk und den Print-Medien, den Wirtschaftsinstituten, tritt den "Populisten" entgegen.

    Dabei muß man bedenken, daß sie selbst diese Kräfte hervorgebracht haben, die vor 75 Jahren noch als Nationalsozialisten (Deutschland), Faschisten (Italien), Falangisten (Spanien) bezeichnet wurden.

    Die "Populisten" sind der Aufstand der Völker gegen die Herrschaft des Geldes, das sich überall unter dem Deckmantel der von Geheimbünden unterwanderten "Demokratie"  etabliert hat.  

    Die Gegenstrategie der Plutokratie ist die Verdünnung der einheimischen Bevölkerung durch unentwegt neuen Zuzug von nicht-integrierbaren Ausländern.  Während Hitler versuchte, einen Ausgleich zwischen den unteren und oberen Schichten der Bevölkerung herbeizuführen, indem die unteren national denken sollten und die oberen sich mit einem gewissen Maß an Beschränkung via Sozialismus abfinden sollten, ist die Strategie der Plutokratie jetzt "divide et impera" (teile und herrsche), indem jederzeit Zwietracht innerhalb der inhomogenen Gruppen des Staates gesät werden kann.

    Diese Agenda sind sogar die USA unterworfen.  Deswegen der erbitterte Kampf Trumps gegen die offene Grenze zu Mexiko.

    Wenn man sich überlegt, welches großes Paradoxon im Zweiten Weltkrieg bestand, als sich die Plutokratie mit dem blutrünstigen Stalin verband, der zuvor sein Wesen durch Katyn und Schauprozesse überdeutlich zu erkennen gegeben hatte, muß man zu der Erkenntnis gelangen, daß der Bolschewismus und die Plutokratie von derselben einheitlichen Kraft gesteuert wurden.
     
    In ähnlicher Weise muß man die sozialistischen Parteien, dem Bolschewismus verwandt, zumindestens in der Spitze als Tranorganisationen der Plutokratie ansehen, so daß man verstehen kann, warum der Migrantenstrom plötzlich über Spanien weiter ging, sobald dort eine sozialistischen Regierung ans Ruder kam, nachdem der Zuzug der Migranten über Italien gestoppt worden war.

    Dieses Projekt der Umvolkung der europäischen Völker kostet viel Geld, das selbstverständlich die einheimischen aufbringen müssen, und in Frankreich haben die Gelbwesten keine Lust mehr, immer mehr Steuern zu zahlen, um müßige Migranten zu finanzieren, wobei das Geld verlogenerweise als Abgabe gegen Klimawandel eingetrieben wird. 

    Wir sollten deswegen bei uns sorgfältig beobachten, ob zunehmende Steuern, Abgaben und Gebühren, auch indirekt Preiserhöhungen bei städtischen Energieunternehmen, letztendlich nur erhoben werden, um die Masseneinwanderung auf unsere Kosten zu finanzieren.

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