Wer schuf das Pulverfass am Persischen Golf?

Daniel Lazare (antikrieg)

Joe Biden’s Aussage, dass „Präsident Trump gerade eine Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen hat“, indem er den iranischen Militärkommandanten Qassem Soleimani ermordet hat, war nicht unrichtig. Aber sie übergeht eine entscheidende Frage: Wer hat das Pulverfass überhaupt erst geschaffen?

Die Antwort ist natürlich: die Vereinigten Staaten von Amerika.

In der langen Geschichte imperialer Torheit und Verwegenheit gibt es nichts, was mit der US-Politik am Persischen Golf vergleichbar wäre. Ja, die Briten hätten 1838 nicht in Afghanistan einmarschieren sollen, und ja, John F. Kennedy hätte den Sturz des südvietnamesischen Präsidenten Ngo Dinh Diem im November 1963 nicht unterstützen sollen. Hätten sie die Dinge sorgfältiger durchdacht, hätte der eine nicht eine ganze Armee beim Rückzug aus Kabul verloren, während der andere nicht in einen dutzend Jahre langen Sumpf gestolpert wäre, der das US-Militär erschöpft und demoralisiert zurücklassen würde – ganz zu schweigen von mehr als einer Million oder mehr ermordeten Vietnamesen.

Aber das waren momentane Fehlkalkulationen im Vergleich zur Zeitlupenkatastrophe am Golf. Fast ein halbes Jahrhundert lang hat jeder US-Präsident – ob liberal, konservativ oder was auch immer – ein regionales Wettrüsten angeheizt, das die Bühne für immer destruktivere Kriege bereitet hat. Tod und Zerstörung waren unberechenbar. Dennoch haben die Amerikaner während der langen traurigen Saga nicht ein einziges Mal auch nur einen Moment innegehalten, um zu überlegen, wohin das alles gehen soll.

Die Entwicklung begann 1973, als die arabischen Ölexporteure die Preise vervierfachten, nachdem Richard Nixon Israel inmitten des neunzehntägigen Jom-Kippur-Krieges 2,2 Milliarden Dollar an Nothilfe zur Verfügung gestellt hatte. Als Vergeltungsmaßnahme zog Amerika die Beschlagnahme saudischer Ölfelder in Erwägung. Doch als die Leidenschaften abkühlten, entschied es sich für eine pragmatische Politik des gegenseitigen Entgegenkommens, bei der arabische Ölproduzenten und westliche Verbraucher den israelischen Sieg und die höheren Energiepreise gleichermaßen als vollendete Tatsache akzeptieren und eine tragfähige Lösung aus den Trümmern schmieden würden.

Das Ergebnis war aus amerikanischer Sicht eine Win-Win-Situation, wenn es überhaupt eine gab. Mit einem Schlag erwarben die USA einen mächtigen militärischen Verbündeten im jüdischen Staat, einen wertvollen Exportmarkt am Golf und einen dringend benötigten konservativen muslimischen Verbündeten zu einer Zeit, als der säkulare arabische Radikalismus durch die Decke schoss. Die große Auszahlung kam 1989, als ein von den USA unterstützter, von den Saudis organisierter Dschihad die Sowjets aus Afghanistan vertrieb, was dazu führte, daß sich der gesamte Sowjetblock nur zwei Jahre später auflöste.





Washington war schwindelig vor Erfolg. „Was ist wichtiger in der Weltgeschichte“, jubelte Zbigniew Brzezinski, der Architekt des Afghanistan-Plans, 1998. „Die Taliban oder der Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums? Einige aufgewiegelte Moslems oder die Befreiung Mitteleuropas und das Ende des Kalten Krieges?“ Ein Top-CIA-Stratege namens Graham Fuller fügte ein Jahr später hinzu:

„Die Politik, die Entwicklung des Islam zu lenken und ihm gegen unsere Gegner zu helfen, hat in Afghanistan gegen die Rote Armee wunderbar funktioniert. Dieselben Doktrinen können immer noch benutzt werden, um das zu destabilisieren, was von der russischen Macht übrig geblieben ist, und besonders, um dem chinesischen Einfluss in Zentralasien entgegenzuwirken“.

Was konnte schon schiefgehen? Vieles, wie sich herausstellte: das Aufkommen des Dschihad als globales Phänomen, die Geburt von hyper-sektiererischen sunnitischen Terroristen wie Al Qaida und ISIS und ein Kreislauf der Gewalt, der sich seitdem als unaufhaltsam erwiesen hat. Seit Carter im Januar 1980 unilateral die US-Militärhoheit über den Persischen Golf erklärte, hat die Region nicht weniger als sieben große Kriege erlebt:

  • Der afghanische Dschihad (1979-89).
  • Der Iran-Irak-Krieg (1980-88).
  • Der Golfkrieg (1990-91).
  • Die US-Invasionen in Afghanistan und im Irak (2001-03).
  • Der US-Saudi-Angriff auf Syrien (ab Ende 2011).
  • Und der von den USA unterstützte saudische Krieg gegen den Jemen (ab März 2015 und noch andauernd).

Wenn man „kleinere“ Vorfälle wie die saudi-arabische Invasion in Bahrain zur Niederschlagung demokratischer Proteste im März 2011 oder die saudische Wirtschaftsblockade von Katar im Juni 2017 einbezieht, wächst die Liste auf neun an, sicherlich ein Rekord für amerikanische „Friedenstruppen“.

Dennoch haben die Vereinigten Staaten, der weltweit führende Militärexporteur, den Zunder immer höher aufgetürmt, indem sie die Militärexporte in absolutistische Staaten wie Saudi-Arabien und Katar forciert haben, die, wie sogar Hillary Clinton zugegeben hat, „den ISIL [d.h. den Islamischen Staat] und andere radikale sunnitische Gruppen in der Region heimlich finanziell und logisch unterstützen“.

Nie war der Imperialismus nihilistischer. Doch Donald Trump hat den Wahnsinn noch mehr aufgeheizt, indem er das iranische Atomabkommen von 2015 abschaffte und ein Handelsembargo verhängte, das die iranische Wirtschaft in die Knie gezwungen hat. Er begnügt sich nicht mit der wirtschaftlichen Kriegsführung, sondern geht nun zur physischen Kriegsführung über, indem er Soleimani „drohnt“ und mit massiven Vergeltungsmaßnahmen gegen militärische und kulturelle Ziele droht, falls der Iran es wagt, dagegen die Hand zu erheben.

Der Effekt ist, dass er sich in die vordersten Reihen der internationalen Kriegsverbrecher katapultiert. Aber Trump hätte es niemals alleine schaffen können, wenn nicht eine lange Reihe von amerikanischen Militaristen den Weg geebnet hätte.

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