Wenn man die ganze Welt provoziert, dann kann das Folgen haben

von Andre Vltchek (theblogcat)

https://journal-neo.org/2019/07/04/if-you-provoke-the-entire-world-something-may-happen/

Die Vereinigten Staaten glauben, dass sie so unbesiegbar, so außergewöhnlich und so furchteinflößend sind, dass es niemand wagen würde zu protestieren, ganz zu schweigen davon, seine Menschen gegen die ständige Erniedrigung, die wirtschaftlichen Embargos und militärische Drohungen zu verteidigen.

So ging das für geraume Zeit. In der Vergangenheit schikanierte der Westen die Welt vor und nach jedem gut geplanten Angriff. Und es kam auch ausgeklügelte Propaganda zum Einsatz.

Man verkündete, dass diese Dinge „legal“ und rational geschehen. Es gab für die kolonialistischen und imperialistischen Angriffe gewisse Phasen: „Definiere dein Ziel“, „identifiziere dein Opfer“, „plane“, „unterziehe deine eigenen Bürger und die Menschen auf der ganzen Welt einer Gehirnwäsche“, und dann, und nur dann, „bombardiere ein unglückseliges Land in die Steinzeit zurück“.

Heute liegen die Dinge etwas anders. „Der Führer der freien Welt“ wacht mitten in der Macht auf und twittert. Was aus seinem Computer, Tablet oder Handy kommt (oder was immer er auch benutzt), ist spontan, ungehobelt und unglaublich gefährlich. Ähnlich gehaltvoll wie das, was ihn zuvor mitten in der Nacht aufwachen ließ.

Er scheint keinen Plan zu besitzen. Er schießt aus der Hüfte. Heute, während ich diesen Aufsatz schreibe, hat er verkündet, dass er „fünf Strategien für Venezuela“ habe. Stellt euch das vor. Bravo!

Zuvor, während des Landeanflugs auf London, hat er den Bürgermeister der britischen Hauptstadt beleidigt und beschimpft. In etwa so, wie wir es als Fünfjährige taten, auf unserem Spielplatz.

Er hat regelmäßig Mexiko beleidigt, und natürlich den Iran, China und Russland.

Im Grunde genommen sagte er dem Führer des bevölkerungsreichsten Landes der Erde – China – er solle „da sein“, beim G20-Gipfel, sonst…

Immer wenn er und seine Untergebenen in der Stimmung sind, dann verärgern sie alle: Kuba und Nicaragua, die DPRK und Venezuela, Bolivien und Syrien.

Und natürlich sind die „Hauptschuldigen“ immer die „großen Schurken“ Russland und China.

Jeder kann zu jeder Zeit ganz leicht auf die schwarze Liste von Präsident Trump und den Falken der USA geraten. Es könnte Indien sein (wenn sie sich „anständig aufführen“, dann werden sie vom Westen als „größte Demokratie“ bezeichnet), oder vielleicht die Türkei (aus militärischer Sicht das zweitgrößte NATO-Mitglied). Die Welt wurde in eine Einheit verwandelt, die anscheinend von einer blutrünstigen und unberechenbaren Diktatur geleitet wird. Die Welt ist ein Gebilde, in dem jeder Angst hat, eliminiert zu werden, eingesperrt, ausgehungert oder direkt angegriffen zu werden, ja sogar liquidiert zu werden.

So war es schon immer, zumindest in der neueren Geschichte des Planeten. Kolonialismus, Neokolonialismus, Imperialismus: sie haben viele verschiedenen Gesichter, aber eine gemeinsame Wurzel. Eine Wurzel, die oft tief unter der Oberfläche verborgen lag.

Aber jetzt liegt alles offen da, brutal und ehrlich.

George W. Bush und Donald Trump haben eine Sache gemeinsam: sie sind ehrlich.

Bill Clinton und Barack Obama waren beide „aalglatte“ Präsidenten. Sie hat man in Europa geliebt, denn sie konnten höflich reden, wussten, wie man elegant diniert und wie man Massenmord auf die „rationale und rechtmäßige“ Art begeht; „altmodisch, auf europäische Art“.

Die brutale und ordinäre Art und Weise von W. Bush und Donald Trump hat schon immer jene Menschen schockiert, die es lieben, wenn die Dinge „elegant“ und „politisch korrekt“ ablaufen; sei es ein Putsch oder der Hungertod von Millionen durch Embargos. Oder durch eine Invasion oder „chirurgische“ Bombardements (im praktischen Sinn bedeutet „chirurgisch“, dass es weit weg vom Auge des Betrachters geschieht).

Aber es sind nicht nur die „beleidigten Gefühle“ der vorwiegend europäischen Bevölkerung, die zählen.

Die Gefahr ist, dass jemand Donald Trump ernst nehmen könnte und entsprechend reagiert.

In der Vergangenheit konnten solche verbalen Beleidigungen, wie sie der US-Präsident absondert, leicht zu einem Krieg führen, oder wenigstens zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen.





Und heute?

Falls es die Westler noch nicht mitbekommen haben – die Menschen auf der ganzen Welt sind verärgert. Ich spreche mit Libyern, Afghanen, Irakern, Venezolanern, Kubanern, Iranern: sie hassen das, was aus Washington kommt; sie hassen es mit Leidenschaft. Sie wissen, dass das, was man mit ihnen macht, Terrorismus ist, ein rücksichtsloses Vorgehen. Bisher wissen sie nicht, wie sie sich verteidigen sollen. Noch nicht, aber sie denken darüber nach.

Die gesamte Welt sieht jetzt wie ein brutales Ghetto aus, oder wie ein Slum, in dem schwer bewaffnete Banden die Straßen kontrollieren, ja jede Ecke und Gasse.

Zumindest in der Vergangenheit konnten sich die unterworfenen Menschen hinter schönen Worten und ideologischen Pirouetten verstecken. Sie konnten „ihr Gesicht wahren“. Sie wurden im Namen der „Freiheit“, der „Demokratie“ und der „Menschenrechte“ gefickt. Jetzt fliegt die schreckliche Wahrheit in alle Richtungen: „Ihr tut was wir sagen!“ „Wir sind es, die entscheiden“. „Gehorcht, denn wir sagen es euch“. Ganze stolze Staaten werden in Sklavenstaaten verwandelt, oder noch schlimmer – in Schoßhündchen.

*

Wie jeder weiß, sind auch Lakaien und Sklaven oft nachtragend. Und misshandelte Hunde können zubeißen.

Während der gesamten Geschichte haben Sklaven rebelliert. Wahre Helden kommen aus rebellierenden und versklavten Nationen.

Das, was derzeit auf unserem Planeten abläuft, ist keine gute und gesunde Situation.

Je mehr Länder eingeschüchtert werden, desto höher ist die Chance, dass irgendwo bald die Dinge aus dem Ruder laufen, zusammenbrechen.

Nur schreckliche Angst hat bisher sichergestellt, dass, wenn eine syrische, libysche oder afghanische Stadt dem Erdboden gleichgemacht wurde, es keine echte Vergeltung gegeben hat: urbane Gebiete in den USA bleiben intakt.

Die eine unglaubliche Geduld der Russen und Chinesen hat bisher garantiert, dass diese beiden mächtigen Länder nicht zurückgeschlagen und das US-Finanzsystem (das nur ein Papiertiger ist) ruiniert haben, obwohl ihre Ökonomien durch lächerliche Sanktionen gepeinigt wurden.

Trump traut sich was. Er foltert und erniedrigt die halbe Welt, dann schaut er geradeaus und lacht: „Was wollt ihr jetzt tun?“

Bisher tut die Welt nichts.

Sogar der stolze und mächtige Iran „überschreitet die Linie nicht“. Während Millionen Menschen des Landes durch die irren Sanktionen leiden, legt sich die iranische Marine nicht mit den Kampfschiffen der USA an, die nahe ihrer Küste kreuzen.

Auch wenn immer weitere US-Basen in der Nähe der Grenzen Russlands und Chinas errichtet werden, bisher gibt es keine substantiellen Stützpunkte Moskaus oder Pekings an Orten wie Nicaragua, Kuba oder Venezuela.

*

Das könnte sich bald ändern.

Und der (von Washington) so gefürchtete „Domino-Effekt“ könnte tatsächlich eintreten.

Auch nicht-westliche Führer haben ihre „schlechten Tage“ und schlaflose Nächte. Auch sie wachen mitten in der Nacht auf und denken darüber nach, was sie kommunizieren und wie sie handeln sollen.

Stellt euch einen iranischen Führer vor, der um zwei Uhr morgens aufwacht und plötzlich vom Zorn übermannt wird, weil iranische Männer, Frauen und Kinder leiden, grundlos, wegen des perversen Sadismus, den der Westen ständig wiederkäut. Was ist, wenn auch er Beleidigungen twittert? Was ist, wenn er aus einer Laune heraus anordnet, dass die ganzen unnützen US-Flugzeugträger und Zerstörer, die in der Nähe kreuzen, versenkt werden sollen? Der Iran kann das: jeder weiß, dass er es kann! Technisch, militärisch, es ist einfach: diese Schiffe sind leichte Beute.

Was dann? Wird Washington den Iran atomisieren?

Man könnte sagen: Der Westen tötet sowieso jedes Jahr Millionen. Es ist besser zu kämpfen, damit es ein für alle Mal aufhört. Andere könnte sich anschließen. Und dann, was dann? Wird Trump anordnen, dass zig Millionen getötet werden, nur um die Kontrolle über die Welt zu behalten?

Was ist, wenn ein Schiff der US Navy ein russisches oder chinesisches Schiff rammt, so wie es vor kurzem im Südchinesischen Meer beinahe geschah? Was ist, wenn das russische oder chinesische Schiff sinkt und Dutzende Matrosen sterben? Und es eine Vergeltung gibt? Was dann?

Was geschieht, wenn Syrien genug hat und damit anfängt, israelische Jets abzuschießen, die sie bombardieren, und wenn es nordamerikanische und europäische „Spezialkräfte“ angreift, die sich immer noch illegal auf seinem Territorium aufhalten?

Die USA sind überall auf der Welt engagiert. Frankreich und Großbritannien auch. Und wenn man mit Menschen in Afrika, Asien und dem Nahen Osten spricht, dann merkt man schnell, was ihre wahren Gefühle gegenüber Washington sind!

Wenn man die ganze Welt provoziert, dann kann das Folgen haben!

Mittlerweile gibt es eine ganze Koalition aus mächtigen Ländern, bereit, sich selbst zu verteidigen und auch andere zu verteidigen. Militärisch, ökonomisch und ideologisch.

Die Welt ist kein Sklave des Westens oder der Vereinigten Staaten. Sie ist keine Latrine.Dies ist die neue Welt. Bedenkt man den Horror, den der Westen verbreitet hat, über viele Jahre und Jahrhunderte, so sind Asien, Afrika, „Lateinamerika“, der Nahe Osten und Ozeanien unglaublich geduldig und verzeihend. Aber die USA und Europa sollten diese Toleranz nicht als selbstverständlich ansehen. Sie sollten ihre ehemaligen und gegenwärtigen Opfer nicht provozieren.

Jetzt beginnen wir (die Menschen der zuvor ruinierten Teile der Welt), unsere Stimme zu erheben: darüber, was uns angetan wurde – was China, Russland, Südamerika und Afrika und dem Nahen Osten angetan wurde. Mit dem Bewusstsein kommt der Mut. Mit dem Mut kommt der Stolz.

Interpretiert unsere Freundlichkeit nicht falsch. Es ist keine Schwäche. Nicht mehr. Denkt zweimal nah, bevor ihr etwas sagt (oder twittert). Denkt tausendmal mach, bevor ihr handelt!

Wenn man die ganze Welt provoziert, dann kann das Folgen haben
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