„Wenn Europa einen Krieg beginnt, könnte es niemanden mehr geben, mit dem wir verhandeln können“

Putins Warnung an Europa

Putin hat am Dienstag auf die Frage, wie er über die Kriegsdrohungen aus der EU denkt, einen Krieg nicht ausgeschlossen und deutlich davor gewarnt, dass Russland in dem Falle anders Krieg führen würde, als in der Ukraine.

„Wenn Europa einen Krieg beginnt, könnte es niemanden mehr geben, mit dem wir verhandeln können“Quelle: anti-spiegel

Am Dienstag hat der russische Präsident Putin zum ersten Mal eine sehr deutliche Warnung an die europäischen Staaten geschickt. Ich habe Putins Erklärungen übersetzt, will aber zunächst zeigen, wie der Spiegel darüber berichtet und was er seinen Lesern dabei verschwiegen hat, danach folgt die Übersetzung und anschließend werde ich noch einige kurze Gedanken dazu anfügen.

Der Spiegel mal wieder

Der Spiegel erzählt uns seit fast vier Jahren praktisch jeden Tag, Russland – und natürlich Putin persönlich – würden Europa mit Krieg drohen, obwohl es solche Kriegsdrohungen aus Russland nie gegeben hat. Und um die Stimmung weiter anzuheizen, behauptet der Spiegel, ein russischer Angriff stehe unmittelbar – oder auch erst 2029 – bevor und überhaupt führe Russland ja bereits einen “hybriden Krieg” gegen Europa, obwohl kein einziger der genannten Vorwürfe gegen Russland belegt oder bestätigt ist.

Das ist lustig, denn wenn der russische Präsident Putin – wie am Dienstag geschehen – tatsächlich mal eine deutliche Kriegswarnung an Europa richtet, dann verschweigt der Spiegel die Hälfte.

Unter der Überschrift „Krieg in der Ukraine – Putin wirft Europa Blockade der Friedensverhandlungen vor“ berichtet der Spiegel über einen kurzen Auftritt von Putin vor der Presse. In dem Artikel bezeichnet der Spiegel Trumps Friedensplan für die Ukraine als „russische Wunschliste“ und erklärt seinen Lesern, dass die Europäer den Plan mit den USA nachverhandelt hätten und dass Russland das Ergebnis als „überhaupt nicht konstruktiv“ zurückweise.

Danach schreibt der Spiegel:

„Und um die russische Unzufriedenheit damit, dass es die eigene mutmaßliche Wunschliste nicht geschafft hat, zum Ausdruck zu bringen, drohte Putin am Dienstag offen gegen den Westen. Russland sei bereit, die Europäer an den Verhandlungen zu beteiligen. Dazu müssten sie allerdings die Realitäten auf dem Schlachtfeld in der Ukraine anerkennen. »Wir haben nicht vor, mit Europa zu kämpfen, das habe ich schon 100-mal gesagt. Aber wenn Europa wiederum kämpfen will und anfängt, dann sind wir dazu sofort bereit«, sagte er. Europa habe sich in dem Krieg auf die Seite der Ukraine geschlagen, die engen Kontakte zu Russland abgebrochen und sich so selbst vom Verhandlungstisch entfernt, sagte Putin weiter.“

Das ist alles, was Spiegel-Leser über Putins Erklärung erfahren. Schauen wir uns also an, was Putin wirklich gesagt hat und ob der Spiegel seine Leser umfassend informiert hat.

Was Putin wirklich gesagt hat

Bei einem kurzen Pressetermin wurden Putin unter anderem zwei Fragen zur Ukraine und zur Position der Europäer gestellt. Ich übersetze die Fragen und Putins Antworten komplett.

Beginn der Übersetzung:

Frage: Sie werden sich demnächst mit Stephen Witkoff treffen, der eigens zu diesem Zweck nach Moskau gekommen ist. Derzeit läuft der Verhandlungsprozess nur mit der amerikanischen Seite. Warum schweigen die Europäer? Warum halten sie sich so sehr von diesem Prozess fern?

Putin: Die Europäer schweigen nicht. Sie sind verärgert darüber, dass sie von den Verhandlungen ausgeschlossen wurden. Ich möchte jedoch betonen, dass niemand sie ausgeschlossen hat. Sie haben sich selbst ausgeschlossen. Einige Zeit lang hatten wir engen Kontakt mit ihnen. Dann sie den Kontakt zu Russland abrupt abgebrochen. Das war ihre Initiative.

Warum haben sie das getan? Weil sie die Idee übernommen haben, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen, und offenbar immer noch in dieser Illusion leben. Allerdings verstehen sie, im Kopf verstehen sie, dass dies längst der Vergangenheit angehört, dass es nicht passieren konnte. Sie haben damals Wunsch und Realität verwechselt, aber sie können und wollen sich das nicht eingestehen. Sie haben sich selbst aus diesem Prozess zurückgezogen, das ist das Erste.

Zweitens: Da ihnen das aktuelle Ergebnis nicht gefällt, behindern sie die Bemühungen der US-Regierung und von Präsident Trump um Frieden durch Verhandlungen. Sie selbst lehnen Friedensgespräche ab und behindern Präsident Trump.

Drittens haben sie keine Friedensagenda, sie sind ja auf der Seite des Krieges. Und selbst wenn sie versuchen, irgendwelche Vorschläge in Trumps Plan einzubringen, das sehen wir ja alle offen, zielen all diese Änderungen nur auf eines ab: Darauf, den gesamten Friedensprozess generell zu blockieren und Forderungen zu stellen, die für Russland absolut inakzeptabel sind. Sie verstehen das und sie schieben so Russland die Schuld für die Sprengung des Friedensprozesses zu. Das ist ihr Ziel. Wir sehen es ganz klar.

Wenn sie also tatsächlich zur Realität auf Grundlage der sich entwickelnden Lage „vor Ort“ zurückkehren wollen, bitte, wir schließen das nicht aus.

Frage: Szijjártó sagte heute sogar, wir könnten uns buchstäblich heute im Kriegszustand mit Europa wiederfinden. Er sagte, die NATO, genauer gesagt ihr europäischer Teil, plane, ihre Truppen bis 2029 in volle Kriegsbereitschaft zu versetzen, und 2030 bestehe die Gefahr eines bewaffneten Konflikts. Das sei in der Tat eine sehr ernste, fast schon sensationelle Angelegenheit. Was denken Sie darüber? Bereiten wir uns wirklich auf irgendetwas vor?

Putin: Wir wollen keinen Krieg gegen Europa führen, das habe ich schon hundertmal gesagt. Aber wenn Europa plötzlich gegen uns Krieg führen will und damit anfängt, sind wir genau jetzt bereit. Daran kann es keine Zweifel geben. Aber was ist die Frage? Wenn Europa plötzlich einen Krieg gegen uns beginnt, würde das meiner Meinung nach sehr schnell…

Das ist nicht die Ukraine. In der Ukraine gehen wir chirurgisch, vorsichtig vor. Das ist verständlich, oder? Das ist kein Krieg im direkten, modernen Sinne des Wortes. Wenn Europa plötzlich einen Krieg gegen uns beginnen will und ihn beginnt, könnte sehr schnell eine Situation entstehen, in der es niemanden mehr gibt, mit dem wir verhandeln können.

Ende der Übersetzung

Krieg ist nicht gleich Krieg

Man könnte behaupten, dass der Spiegel Putins Aussagen recht brauchbar kurz zusammengefasst hat, aber das stimmt nicht, weil der Spiegel zum Verständnis wichtige Dinge verschwiegen hat. Der Spiegel hat nicht über das berichtet, was im letzten Absatz der Übersetzung steht, dabei ist das wichtig.

Trotz aller Propaganda westlicher Medien und Politiker über den angeblich „brutalen russischen Angriffskrieg“ geht Russland in der Ukraine tatsächlich ausgesprochen zurückhaltend vor, wie schon die Zahl der zivilen Oper zeigt, die auch nach fast vier Jahren Krieg nur knapp über 10.000 liegt. Ich benutze das Wort „nur“, weil das Beispiel Israels, dessen Völkermord in Gaza die Europäer so fröhlich unterstützt haben, zeigt, was ein brutaler Krieg ist, denn Israel hat in Gaza in nur anderthalb Jahren über 70.000 Zivilisten abgeschlachtet. Wahrscheinlich sind es, wenn man Hungertote und alle unter Trümmern verschütteten Opfer birgt, sogar weit mehr als 100.000.

Auch die im Westen so verteufelten russischen Angriffe auf die Energieversorgung der Ukraine wird in Wahrheit ausgesprochen rücksichtsvoll durchgeführt. Im Jugoslawienkrieg hat die NATO 1999 die Stromversorgung in Serbien sofort fast komplett zerstört und auch Fernsehsender, Reisezüge und so weiter angegriffen. Auf die Frage eines Journalisten, warum die NATO zivile Einrichtungen wie Stromversorgung oder Fernsehsender angreift, antwortete der damalige Oberkommandierende der NATO lapidar, es liege in der Hand des serbischen Präsidenten, wann diese Angriffe auf zivile Objekte aufhören, er müsse einfach nur kapitulieren.

Die Russen sehen die Ukrainer trotz des Krieges und des Leides, den der Krieg auch über Russland gebracht hat, immer noch als Brudervolk an. Das ist der Grund dafür, dass Russland in der Ukraine alles tut, um Zivilisten zu schonen.

Aber die Europäer sind für die Russen keine Brudervölker. Sollten deren Soldaten gegen Russland kämpfen, wird Russland ohne die Zurückhaltung reagieren, die es in der Ukraine an den Tag legt, und den Krieg wahrscheinlich so führen, wie der Westen Kriege führt – nicht zuletzt deshalb, weil auch die Europäer ihn so führen werden.

Putins letzter Satz, wenn Europa einen Krieg gegen Russland beginnt, „könnte sehr schnell eine Situation entstehen, in der es niemanden mehr gibt, mit dem wir verhandeln können“, sollten die europäischen Spitzenpolitiker als klare Drohung gegen sie alle ganz persönlich verstehen. Putin hat hier sicher nicht den Einsatz von Atomwaffen gemeint, wie man auch denken könnte, sondern er hat damit gesagt, dass in so einem, von den Europäern begonnenen, Krieg auch deren Regierungsmitglieder für Russland legitime Ziele wären.

Mit anderen Worten: Die europäischen Politiker sollten nicht darauf hoffen, dass sie ihre Soldaten in einem Krieg gegen Russland verheizen können, während sie selbst weiter ihr gewohntes Leben führen.

Leider bedeutet Putins Aussage wohl auch, dass Russland in einem Krieg gegen Europa nur wenig Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen würde. Das sollen Spiegel-Leser nicht wissen, die sollen weiter glauben, Europa sei militärisch in der Lage, Russland im Zaum zu halten.

Aber das hat der kollektive Westen schon in der Ukraine nicht geschafft, wie soll Europa es dann – übrigens ohne die Hilfe der USA, die deutlich zu verstehen geben, das alles sei nicht ihr Krieg – alleine schaffen?

Es ist, wie ich eingangs schon sagte, immer wieder lustig, dass der Spiegel sich fast täglich neue Lügen über Russlands angebliche Kriegsdrohungen ausdenkt (oder die von der EU erfundenen Drohungen zitiert), aber dass der Spiegel es verschweigt, wenn aus Russland wirklich mal eine echte Warnung vor einem Krieg kommt.

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