Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Präsident Trumps übereilte Entscheidung, Syrien anzugreifen und ein Dutzend Syrer zu töten, wurde zwar von den Neokons lautstark applaudiert, trägt aber alle Zeichen eines „Wag the Dog“ Moments.
(Foto: © Alaa Alyousef/AP)

Der tödliche Raketenangriff war angeblich ein Vergeltungsschlag auf einen Gift-Gas-Angriff im Norden Syriens, obwohl bereits sehr früh Trumps Geheimdienst-Analysten Zweifel an der Schuld des syrischen Regimes anmeldeten.

Former CIA Officer: „The Intelligence Confirms The Russian Account On Syria“ (Quelle)

Autor: Robert Parry. Investigative reporter Robert Parry broke many of the Iran-Contra stories for The Associated Press and Newsweek in the 1980s.

Beifall bekam Trump sofort vom offiziellen Washington, vor allem von Neokonservativen, die seit seinem Überraschungssieg am 8. November versuchen, die Kontrolle über die Außenpolitik zurück zu gewinnen.

Es gibt einen internen Streit innerhalb der Geheimdienste. Am Donnerstagabend (6.4.) sagte Staatssekretär Rex Tillerson, dass die US-Geheimdienste mit einem „hohen Maß an Gewißheit“ sicher seien, dass die syrische Regierung eine Giftgasbombe auf Zivilisten fallen ließ. Doch eine Reihe von Geheimquellen melden dazu widersprüchliche Einschätzungen, und sagen, dass die überwiegenden Beweise darauf hindeuten, dass mit Al-Qaida-verbundene Rebellen Schuld tragen, entweder durch eine orchestrierte Provokation oder indem sie tatsächlich Giftgas besitzen.

Eine Geheimdienstquelle sagte mir, dass das wahrscheinlichste Szenario ein inszeniertes Ereignis von den Rebellen war, die dazu bestimmt waren, Trump zu einer poliltischen Kehrtwende zu zwingen. Trump hatte nur wenige Tage zuvor angekündigt, dass nämlich die US-Regierung nicht mehr an einem „Regimewechsel“ in Syrien interessiert sei. Man wolle sich vielmehr auf einen Angriff gegen den gemeinsamen Feind konzentrieren. Der gemeinsame Feind, seien die islamischen Terrorgruppen, die den Kern der Rebellenkräfte ausmachen. Die Quelle sagte weiter, dass Trumps nationales Sicherheitsteam zwischen den engen persönlichen Beratern des Präsidenten, wie dem nationalistischen Hitzkopf Steve Bannon und Jared Kushner gespalten hat und sich unter den Hardline-Neocons, die sich unter dem National Security Adviser McMaster, einem Schützling des Neocon-Lieblingsgeneral David Petraeus, umgruppiert haben.
In diesem Zusammenhang sind der frühe Ausstieg des pensionierten Generals Michael Flynn als nationaler Sicherheitsberater und diese Woche die Beseitigung von Bannon aus dem Nationalen Sicherheitsrat als wichtige Schritte zur Wiederbelebung des Neocon-Einflusses innerhalb der Trump-Präsidentschaft zu sehen. Die widersprüchlichen Persönlichkeiten und der ideologische Extremismus von Flynn und Bannon machten ihre Entmachtung leichter, mit der die Neokonservativen ihren Einfluss erweitern konnten. Obwohl Bannon und Kushner oft als Konkurrenten präsentiert wurden, sagte die Quelle, dass beide der Ansicht waren, dass Trump die Wahrheit aufdecken sollte über die False-Flag-Operation von 2013, zumal damals bereits die CIA-Analyse der Obama-Regierung enthüllte, dass der damalige tödliche Sarin-Gas-Angriff dazu bestimmt war, Präsident Obama im syrischen Krieg auf die Seite der Rebellen zu integrieren – wobei die CIA-Analysen über den Gasangriff vom Dienstag (4.4.) auf die syrische Stadt Chan Scheichun zu einem ähnlichen Urteil kommen.

Stattdessen verfiel Trump auf die Idee, der Giftgas-Angriff vom Dienstag sei durch die gleichen Assad-Kräfte verursacht worden wie der Angriff von 2013 in Idlib. Die Quelle fügte hinzu, dass Trump mit dem Befehl zum Raketenangriff die Idee verfolgt haben könnte, grundlegend die Konversation in Washington zu ändern, weil seine Verwaltung noch immer unter heftigen Feuer der Demokraten stehe, seine Wahl wäre nur mit Hilfe einer verdeckten russischen Operation möglich gewesen. Wenn die Änderung dieser Erzählung sein Ziel gewesen ist, dann hätte er mit dem Raketenangriff gegen einen von Rußland unterstützten Staat einen ersten Erfolg verbuchen können. Tatsächlich lobten seine bis dahin heftigsten Neocon-Kritiker, wie die Neocon Senatoren John McCain und Lindsey Graham den Raketenangriff, ebenso wie der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu. Die Neokonserven und Israel arbeiten lange schon auf einen „Regimewechsel“ in Damaskus hin, auch auf die Gefahr hin, dass die Absetzung von Assad zu einem Sieg der islamische Extremisten führen könnte, die mit Al-Qaida und / oder dem islamischen Staat assoziiert sind.

Trumps „Wag the Dog“-Strategie, bei der er seinen Führungsanspruch im Zuge einer internationalen Krise betont und damit von seinen innenpolitischen Problemen ablenkt, erinnert an die Entscheidung von Präsident Bill Clinton, Serbien im Jahr 1999 anzugreifen, als sich die Impeachmentwolken um seine sexuelle Beziehung zu Monica Lewinsky verdichteten.

In der Presse-Konferenz am Donnerstagabend demonstrierte Trump heftigstes Mitgefühl mit den Opfern des Giftgases und seine Entschlossenheit Assads Militär zu bombardieren – im Gegensatz zu Obamas Zurückhaltung, beim Gift-Gas-Angriff von 2013 sichere Beweise durch Überprüfung seitens der die Geheimdienste abzuwarten. Obama hörte damals von seinen Geheimdienstberatern, es gebe keine letztendlichen Beweise für Assads Schuld und zog daraufhin seinen Angriffsbefehle in letzter Minute zurück – während die Öffentlichkeit weiter daran glaubte, dass die US-Regierung von Assads Schuld überzeugt war.

In beiden Fällen – 2013 und 2017 – gab es starke Gründe, die Verantwortung von Assad zu bezweifeln. Im Jahr 2013 hatte er gerade die Inspektoren der Vereinten Nationen nach Syrien eingeladen, um Fälle von angeblichen Rebellen-Gebrauch von chemischen Waffen zu untersuchen, und so machte es keinen Sinn, dass er selbst einen Sarin-Angriff in den Vorstädten von Damaskus starten würde. Gegenwärtig hat Assads Militär einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Rebellen gewonnen und geradezu einen großen diplomatischen Sieg mit der Ankündigung der Trump-Regierung erzielt, dass die USA nicht mehr einen „Regimechange“ in Syrien suchten. Der versierte Assad musste wissen, dass ein chemischer Waffenangriff alles gefährden würde, was er mit Hilfe des russischen Militärs für sein Land erreicht hatte.

Das Gegenargument für diese Logik, die von der New York Times und anderen neokon-orientierten Nachrichtendiensten gemacht wurde, behauptet im Wesentlichen, dass Assad ein verrückter Barbar sei, der seine neu entdeckte Position der Stärke durch den Kampf gegen Präsident Trump ausprobiere. Welch verquere Logik: Wenn dies der Fall wäre, wäre es sinnvoll gewesen, dass Assad sich seiner Handlung rühmen würde, anstatt sie zu leugnen.

Aber Logik und Respekt gegenüber Tatsachen spielen im offiziellen Washington keine Rolle mehr, noch weniger innerhalb der US-Mainstream Medien.

Die US-Geheimdienste-Gemeinschaft scheint alarmiert über Trump’s eilige Entscheidung, Syrien anzugreifen.

Former CIA officer Philip Giradi. (Photo credit: Gage Skidmore)

Der Alarm schlägt vom Mittleren Osten zurück nach Washington, wo der ehemalige CIA-Offizier Philip Giraldi aufgrund seiner Geheimdienstkontakte berichtete, wie sehr man dort schockiert war darüber, wie die neue Giftgasgeschichte von Trump und den US-Mainstream-Medien verzerrt wurde.

Giraldi sagte auf Scott Horton’s Webcast: „Ich höre aus Quellen im Nahen Osten, von Menschen, die mit den Geheimdiensten vertraut sind, die sagen, dass die wesentliche Erzählung, die wir über die syrische Regierung oder über die Russen hören, dass von diesen chemische Waffen gegen unschuldige Zivilisten benutzt wurden, erfunden sind.“ Giraldi sagte, dass seine Quellen eher mit einer Analyse übereinstimmen, die eine zufällige Freisetzung des Giftgases aus einem Al-Qaida-Waffendepot nach einem russischen Angriff erfolgt sei.

„Der Geheimdienst bestätigt die Mitteilung, die die Russen rausgegeben haben … demnach wurde ein Lager getroffen, wo die Rebellen – jene Rebellen, die mit Al Qaida verbunden sind – ihre eigenen Chemikalien aufbewahrten, und das hat eine Explosion verursacht, die zu den Opfern führte. Anscheinend ist der Geheimdienst damit der Wahrheit sehr nahe.“

Giraldi sagte, die Empörung innerhalb der Geheimdienste über die Verzerrung der Wahrheit, um Trumps militärische Vergeltung zu rechtfertigen, war so groß, dass einige verdeckte Offiziere erwägen, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Menschen in der Agentur [CIA] und im Militär, die sich der Hintergründe bewusst sind, sind regelrecht ausgeflippt, weil Trump im Wesentlichen völlig falsch dargestellt hat, was er hätte besser wissen müssen – aber vielleicht auch nicht – und sie haben Angst, dass dies auf eine Situation zu läuft, die sich leicht in einen bewaffneten Konflikt verwandeln könnte“, sagte Giraldi vor dem Raketenschlag von Donnerstag Nacht. „Sie sind erstaunt, was hier von der Verwaltung und von den Medien gespielt wird.“

Die Mainstream-U.S.-Medien haben die aktuelle Krise mit der gleichen tiefen Neokon-Parteilichkeit präsentiert, die die Berichterstattung über Syrien und den größeren Mittleren Osten seit Jahrzehnten kennzeichnet. Zum Beispiel veröffentlichte die New York Times am Freitag einen Leitartikel von Michael R. Gordon und Michael D. Shear, der die Verantwortung der syrischen Regierung für den Giftgas-Vorfall behandelte. Ihre ausführliche Darstellung erwähnte mit keiner Silbe die Ablehnungen aus Syrien und Rußland, jemals für einen absichtlichen Einsatz von Giftgas verantwortlich gewesen zu sein.

Der Artikel passt exakt zu Trumps Wunsch, als entschiedener kraftvoller Führer dargestellt zu werden. Er wird als Vorsitzender dargestellt, der über intensive Beratungen von Krieg oder Frieden berät und seinen tiefen Humanitarianismus in Bezug auf die Giftgasopfer unter Beweis stellt, einer der seltenen Momente, in denen die Times, die zu einem zuverlässigen Neocon-Propaganda-Blatt geworden ist, etwas Gutes für Trump geschrieben hat.

Nach syrischen Berichten vom Freitag tötete der U.S.-Angriff 13 Personen, darunter fünf Soldaten auf der Airbase.

Gordon, dessen Dienst für die Neocon-Politik berüchtigt ist, war der Hauptautor mit Judith Miller von der Times an der ‚gefälschten „Raketenstory“ im Jahr 2002, die fälschlicherweise behauptete, dass der irakische Führer Saddam Hussein ein Atomwaffenprogramm rekonstruieren würde, ein Artikel, der anschließend von Präsident George W. Bushs als wichtiges Argument für den Überfall auf den Irak im Jahr 2003 benutzt wurde.

In Bezug auf die Ereignisse dieser Woche, wird Trump’s verzweifelter Versuch deutlich, die negative Medienberichterstattung über ihn umzukehren und die zweifelhaften Beweise, die Assad für den Gift-Gas-Vorfall verantwortlich machten, könnten mit dem „Wag the Dog“-Film von 1997 übereinstimmen, in dem ein umkämpfter Präsident eine falsche Außenkrise in Albanien schafft.

In dem Film wird die Operation des Weißen Hauses als eine zynische psychologische Operation gezeigt, um das amerikanische Volk davon zu überzeugen, dass unschuldige albanische Kinder, darunter ein attraktives Mädchen, das eine Katze trägt, in Gefahr sind, während in Wirklichkeit das Mädchen ein Schauspieler war, das vor einem grünen Bildschirm posierte, während im Background Szenen brennender Ruinen eingeblendet wurden.

Heute sind Trump und seine Verwaltung verpflichtet, die Amerikaner zu überzeugen, dass Assad wirklich verantwortlich war für die dienstägliche Gift-Gas-Tragödie. Sie müssen die vollständige und offene Untersuchung der Umstände anordnen.

Allerdings werden wir vermutlich nie erfahren, welche Wahrheit hinter den verschiedenen Vorwürfen steckt oder ob wir von einem anderen „Wag the Dog“ hören.

(Übersetzung: Troll v. Germania)

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