Welche Rolle die USA bei der Flüchtlingskrise in Ceuta möglicherweise spielen

Ist ja interessant, genau diese Vermutung habe ich auch. 


Trumps Rache?

Im Zuge der neuen Flüchtlingskrise in den spanischen Exklaven Ceuta and Melilla sorgt ein Bericht des US-Parlaments für Aufsehen, denn die USA haben darin ihren Standpunkt zu den Exklaven geändert und bezeichnen sie nun nicht mehr als spanische, sondern als „spanisch verwaltete Städte“.

Welche Rolle die USA bei der Flüchtlingskrise in Ceuta möglicherweise spielenQuelle: anti-spiegel

Die Flüchtlingskrise in den spanischen Exklaven Ceuta and Melilla beherrscht die Schlagzeilen in Deutschland und der EU, wobei die Medien sich fragen, wie es nun zu dieser Situation kommen konnte, in der immer mehr EU-Staaten sogar fordern, Spanien aus dem Schengen-Abkommen über offene Grenzen in der EU auszuschließen, bis es die Lage in den Griff bekommt.

Ich möchte hier auf einen Bericht des US-Parlaments vom 30. April 2026 hinweisen. Der Bericht wurde im Zuge der Planung des US-Haushaltes für 2027 erstellt und sein Thema waren „Nationale Sicherheit, das Außenministerium und verwandte Programme“. Auf Seite 88 finden sich dort über Marokko folgende Hinweise:

„Der Ausschuss setzt seine Unterstützung für Marokko zur Wahrung der nationalen Sicherheitsinteressen der USA fort und stellt im Rahmen von Investitionsprogrammen in die Nationale Sicherheit mindestens 20.000.000 US-Dollar und im Rahmen des Programms zur Finanzierung ausländischen Militärs mindestens 20.000.000 US-Dollar bereit. Der Ausschuss verweist auf das historische Bündnis zwischen den USA und Marokko, das 1786 durch den marokkanisch-amerikanischen Friedens- und Freundschaftsvertrag besiegelt wurde. Der Ausschuss stellt fest, dass die spanisch verwalteten Städte Ceuta und Melilla auf marokkanischem Territorium liegen und weiter Gegenstand langjähriger Ansprüche Marokkos bleiben. Der Ausschuss unterstützt die Bemühungen des Außenministers, den diplomatischen Dialog zwischen Marokko und Spanien über den künftigen Status von Ceuta und Melilla zu fördern.“

Entscheidend ist hier, dass das US-Parlament plötzlich von „spanisch verwalteten“ Städten spricht, während die USA zuvor nie Zweifel daran haben aufkommen lassen, dass sie Spaniens Autorität über die Städte anerkannt haben. Das war also eine wichtige Änderung der US-Position, die zu dem Zeitpunkt natürlich nur Experten und Medien bemerkt haben, die auf das Thema spezialisiert sind.

Als nun im Zuge der aktuellen Flüchtlingskrise die ersten Analysten auf diesen Bericht gestoßen sind, haben die meisten von ihnen geschrieben, dass der Kurswechsel der USA eine Strafe für die spanische Regierung sei, weil sie den USA im Irankrieg die Unterstützung verweigert hat.

Das ist natürlich möglich, aber das dürfte kaum der ursprüngliche Grund sein, denn solche Berichte entstehen nicht spontan, sondern an ihnen wird lange gearbeitet. Und dazu passt, dass die spanische Regierung bei der Trump-Regierung schon letzten Sommer in Ungnade gefallen ist, als Spanien sich beim NATO-Gipfel 2026 offen geweigert hat, 5 Prozent seines BIP in Rüstung und Kriegsvorbereitung zu stecken, worauf die US-Regierung sehr wütend reagiert hat.

Es dürfte also so sein, dass die US-Regierung schon im letzten Jahr entschieden hat, der spanischen Regierung das Leben schwer zu machen, indem sie beispielsweise Marokko im Streit um die Städte Ceuta und Melilla unterstützt. Und vielleicht hat die US-Regierung bei der Gelegenheit noch weitere Ideen entwickelt, mit denen sie der spanischen Regierung das Leben schwer machen will.

Aber bleiben wir bei Marokko, denn es ist ganz und gar nicht ausgeschlossen, dass die US-Regierung bei der aktuellen Flüchtlingskrise nachgeholfen hat, schließlich ist es mehr als unwahrscheinlich, dass sich zehntausende Flüchtlinge in Marokko spontan und von niemandem koordiniert innerhalb von Stunden auf den Weg machen, um nach Ceuta zu schwimmen.

Dass es sich hier offenbar nicht um eine spontane Migrationswelle handelt, konnte man zwischen den Zeilen auch in deutschen Medien wie dem Spiegel lesen. Der Spiegel berichtete, dass Spaniens Ministerpräsident Sánchez bei einem Auftritt in Ceuta am Freitagmittag jeden Vorwurf gegen Marokko vermied, obwohl Marokkos Grenzbeamte offenbar erst am Donnerstagabend eingegriffen haben. Sie haben dem Treiben vorher also lange tatenlos zugesehen und die Flüchtlinge gewähren lassen.

Danach schreibt der Spiegel:

„Ob das Königreich wirklich so gut kooperiere, wie er nun behaupte, fragte ein Reporter nach. Schließlich habe am Strand zeitweise Volksfeststimmung geherrscht. Haben die marokkanischen Grenzschützer nicht doch weggeschaut? Sánchez wich aus. Er sprach von einem Angriff. Aber wer genau Ceutas territoriale Integrität angegriffen hat, mochte er nicht sagen – offenkundig aus strategischem Kalkül.“

Nun kann sich jeder selbst fragen, was er für wahrscheinlicher hält: War der Ansturm der Flüchtlinge ein spontanes und von niemandem geplantes Ereignis? Oder hat die marokkanische Regierung das hinter den Kulissen koordiniert und ihre Grenzschützer angewiesen, so lange wie möglich passiv zuzuschauen? Und wenn das so ist, wie wahrscheinlich ist es dann, dass die marokkanische Regierung dafür die Rückendeckung der US-Regierung hatte, die die spanische Regierung für ihren Ungehorsam bei der Aufrüstung im Rahmen der NATO, dem Irankrieg und anderen Streitpunkten zwischen Washington und Madrid bestrafen will?

Sollte die EU beispielsweise das Schengenabkommen mit Spanien aussetzen, wäre das ein schwerer Schlag für die spanische Regierung, der sie bei künftigen Wahlen sicher Stimmen kosten wird. Und genau das will die US-Regierung ja: Eine neue spanische Regierung, die den USA gegenüber wieder gehorsam ist.

Wir haben hier also wieder einmal so einen Zufall, bei dem ein anscheinend spontanes Ereignis den US-Interessen zu hundert Prozent in die Hände spielt…

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