Was wollen wir?

von Jürgen

Analyse der unterschiedlichsten Phänomene oder Erkenntnis? Klar, auch in Beschreibungen der Situation mag Wahrheit liegen, nur was nützt sie (uns), wenn sie sich allein damit befaßt? Den Ursachen nicht auf den Grund zu gehen vermag? Jegliche Charakterisierung, jede Einordnung ohne Bezugspunkt, was ist sie wert? Sich damit zu beschäftigen, ohne auf den Punkt zu kommen, ihn wenigstens zu finden versuchen, ist es nicht vertane Zeit?

Es wird recherchiert, studiert und untersucht, auf Plausibilität geprüft; aber, irgendwie kommen wir nicht voran! Es gibt zwar viele Puzzleteile, die auch zusammenpassen zu scheinen, aber ein schlüssiges Gesamtbild entzieht sich unseren Blicken, unserer Wahrnehmung.

Wie kommt es dazu, bei allem Bemühen? Es liegt allein daran, daß wir unseren Bezugspunkt, unseren Standpunkt, von dem wir ausgehen könnten, verloren haben! Was freilich nicht von ungefähr kommt in einer Welt, in der heute das und morgen etwas ganz anderes gilt. In einer Welt, in der einstmals gültige Werte in einer Wolke der Beliebigkeit verschwunden sind. Wo sich selbst widersprechende Argumentation in der Politik mittlerweile alltäglich geworden ist!

Woran sich also festhalten? Woran orientieren? An westlichen Werten, die nie näher beschrieben wurden, und wenn, dann so wachsweich, daß sie keiner näheren Prüfung standhalten können? Unseren „christlichen“ Kirchen, die sich alles mögliche auf´s Banner geschrieben haben, ihren Namensgeber aber nicht mehr kennen, wenn nicht gar verleugnen?

Der moderne Mensch, der homo automaticus, der nur reagiert, an was klammert er sich? An seine Funktionalität, die ihn im Dschungel der heutigen Welt überleben lassen könnte. Im Vertrauen darauf, daß der Starke, Potente, der Leistungsfähige schon überleben werde. Und das war es dann? Wie soll daraus auch nur irgendetwas zielführendes erwachsen?

Druck erzeugt Gegendruck, Aktion Reaktion. Nur, damit ist es doch nicht getan? Zumal, wenn Reaktion nur dazu führt, daß sich grundlegend, nichts ändert! Der status quo beibehalten wird! Man ballt die Faust in der Tasche und macht weiter … von einer bleiernen Ohnmacht ergriffen und niedergehalten. Das einzig Gute daran ist noch, daß wer nicht mal diese spürt, sich überhaupt keine Sorgen machen muß!





Aber, wie diese Ohnmacht abschütteln? Wer sich dagegen wehrt und den Mund aufmacht wird zwar nicht gleich abgeholt oder eingewiesen; merkt aber sehr schnell, daß dies nicht gewünscht ist und er ziemlich alleine dasteht. Ignoriert zu werden ist dabei noch das wenigste. Üblicherweise wird man ausgegrenzt, indem man ein Attribut angehängt bekommt; wahlweise „undemokratisch“, nationalistisch“, „antisemitisch“ oder man ist einfach “rechts“, was dann so ziemlich alles mit einschließt und dem Klagenden erst mal ein schlechtes Gewissen verschafft weil, „das Böse“ ist schließlich unumstößlich benannt. Wer wollte da dazugehören?

Obwohl der Mechanismus bekannt, wird man dadurch in die Defensive gezwungen und gerät in Erklärungsnot. Wie soll man auch argumentieren, wenn es gar nicht mehr um Argumente geht, sondern um die Rechtfertigung dafür, sich überhaupt äußern zu dürfen? Ist hier nicht alle Anstrengung vergebens, die vermeintliche Übermacht im Blick?

Oder ist es einfach nur die falsche Taktik, sich auf aussichtslose Diskussionen einzulassen und darüber hinaus auch noch beschimpft zu werden? Sollte man nicht besser gleich zum Knüppel greifen und „kaputtmachen, was einen kaputt macht“? In Anbetracht dessen, daß dieser „Staat“ ja nicht nur die Meinungshoheit sondern auch das Gewaltmonopol auf seiner Seite hat, was wäre, nicht nur im Einzelfall, gewonnen?

Oder haben wir nicht ein ganz anderes Problem, das uns scheitern läßt? Es reicht einfach nicht aus, nur „dagegen“ zu sein und dieses zu artikulieren. Wer in den Krieg zieht, muß gewappnet sein. Und zwar nicht nur mit Schild und Speer, sondern auch mit einer Überzeugung! Nur der von etwas Überzeugte kann auch überzeugen! Wir brauchen ein Fundament, das uns trägt! Keiner baut sein Haus auf Sand, aber jeder äußert sich, ohne wirklich einen Standpunkt zu haben und wundert sich, wenn er dabei den kürzeren zieht!?

Wir müssen nicht gegen, sondern für etwas eintreten! Das allein macht den Unterschied! Wir alle wissen doch, was recht und unrecht ist! Was falsch läuft und wie Mensch sich benehmen sollte, ohne daß er anderen schadet! Es ist doch in allen angelegt, auch bei denen, die zuwiderhandeln …

Wir brauchen keine Parolen, Ideologien oder Religionen, wenn wir den Menschen, den einzelnen, wie auch in ihrer Vielheit, wieder in den Mittelpunkt stellen. In dem wir dafür werben und ein besseres Angebot, wie bisherige, machen! Im Bewußtsein, daß Mensch nicht gegen Mensch und schon gar nicht gegen die Natur handeln darf! Immerhin sind wir die „Krönung“ der Schöpfung. Vielleicht schaffen wir es, dem auch mal gerecht zu werden!

Euer Jürgen

Wandere aus, solange es noch geht!

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14 Kommentare

  1. „Oder ist es einfach nur die falsche Taktik, sich auf aussichtslose Diskussionen einzulassen und darüber hinaus auch noch beschimpft zu werden?“ Ganz bestimmt ist es unklug und sinnlos draußen zu missionieren. Es genügt doch, daß ab und zu hier beim Dieter einer auftaucht, der sich angesprochen fühlt und mitmacht.

    Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Paränesen und Maximen 38 und 27:

    „38. Man bestreite keines Menschen Meinung; sondern bedenke, daß wenn man alle Absurditäten, die er glaubt, ihm ausreden wollte, man Methusalems Alter erreichen könnte, ohne damit fertig zu werden. Auch aller, selbst noch so wohlgemeinter, korrektioneller Bemerkungen soll man, im Gespräche, sich enthalten: denn die Leute zu kränken ist leicht; sie zu bessern schwer, wo nicht unmöglich.

    Wenn die Absurditäten eines Gesprächs, welches wir anzuhören im Falle sind, anfangen uns zu ärgern, müssen wir uns denken, es wäre eine Komödienszene zwischen zwei Narren. Probatum est. Wer auf die Welt gekommen ist, sie ernstlich und in den wichtigsten Dingen zu belehren, der kann von Glück sagen, wenn er mit heiler Haut davonkommt.

    27. Bei jeder Verkehrtheit, die im Publiko oder in der Gesellschaft, gesagt oder in der Literatur geschrieben und wohl aufgenommen, wenigstens nicht widerlegt wird, soll man nicht verzweifeln und meinen, daß es nun dabei sein Bewenden haben werde; sondern wissen und sich getrösten, daß die Sache hinterher und allmählich ruminiert, beleuchtet, bedacht, erwogen, besprochen und meistens zuletzt richtig, beurteilt wird; so daß, nach einer, der Schwierigkeit derselben angemessenen Frist, endlich fast alle begreifen, was der klare Kopf sogleich sah. Unterdessen freilich muß man sich gedulden. Denn ein Mann von richtiger Einsicht unter den Betörten gleicht dem, dessen Uhr richtig geht, in einer Stadt, deren Turmuhren alle falsch gestellt sind. Er allein weiß die wahre Zeit: aber was hilft es ihm? Alle Welt richtet sich nach den falsch zeigenden Stadtuhren; sogar auch die, welche wissen, daß seine Uhr allein die wahre Zeit angibt.“

    Wir können auch deswegen nicht missionieren, weil dieser geheime Areopag, dessen Söldner die Massenmedien und die Spitze der Politik sind (Schäuble, Seehofer, Söder, Steinmeier usw. – nicht die kleine geistig arme und ungebildete Merkel!!!), ihre Ziele prinzipiell immer nur indirekt anstreben, so daß das angestrebte Ziel von ihnen immer erst – wie bei den Haien – in langen konzentrischen Kreisen umlauert und matt gekämpft wird, bis ihnen das Opfer endlich in den Schoß fällt. Das direkte Aussprechen der Dinge durch Trump stinkt ihnen barbarisch!

    Als Paradebeispiel kann man Rußland ansehen, das seit 1990 in die Defensive gedrängt wurde, angefangen von dem Tschetschenien- und Georgienkrieg. Nachdem es dadurch nicht gefallen ist, hat man die Ukraine destabilisiert und versucht, Rußland vom Meer abzudrängen via Verlust der Krim. Ferner hat man Rußland alle Häfen am Mittelmeer weggenommen (Libyen, Montenegro), zuletzt sollte auch Latakia in Syrien fallen, was Putin zwang dort einzusteigen. Nachdem sich Putin China zuwandte und mit den Chinesen ein großes Gasgeschäft abschloß, begann man die Chinesen als die große Gefahr anzusehen und versucht jetzt sogar China zu destablisieren, mit Krokodilstränen wegen Hong Kong und den Uiguren. Letzten Endes alles nur um Rußland zu isolieren und zur Übergabe zu zwingen. Rußland und Putin ist nach wie vor das eigentliche Ziel, das indirekt angestrebt wird. Daß da noch nebenbei sich ein paar nützliche Idioten, d. h. fanatische Sunniten, in den Luft springen, um sich am selben Abend noch mit 72 Jungfrauen im Paradies zu treffen, zeigt, daß auch andere Spieler, wie die Saudis und Kataris, mitmischen, um im Trüben für den sunnitischen Islam zu fischen, was das eigentliche Hauptziel nur auffrischt, aber nicht verschwinden läßt.

    Die russische Propaganda ist äußert effektiv, den auch die Wehrmacht zu spüren bekam, hat jedoch einen Zeithorizont nur bis 1945. Ich bin mal gespannt, wie lange die unverbrüchliche Zusammenarbeit zwischen den Russen und Amis bezüglich des Zweiten Weltkriegs (und der Atombewaffnung Israels) halten wird, auf der die erlogene immerwährende deutsche Schuld für alles und jedes beruht. Es wäre eine echte Revolution, wenn Putin die Amis betreffend ihrer Kriegstreiberei im Zweiten Weltkrieg überführen würde gemäß den Zeugnissen des Botschafters Potocki:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jerzy_Antoni_Potocki

    Zur Zeit sieht es jedoch nicht danach aus. Vor einigen Tagen hat sich Putin vor seinen Militärs beschwert, daß das EU-Parlament eine Mithilfe Stalins am Zweiten Weltkrieg festgestellt habe. Dem Einmarsch der gewaltigen Rüstung der Sowjetunion seit September 1939 ist Hitler 1941 nur kurz zuvorgekommen, was ihn für alle Zeiten als Vertragsbrüchigen in die Schuhe geschoben werden wird.

    Insgesamt glaube ich, daß es Putin und Assad genauso gehen wird wie dem „böhmischen Gefreiten“, weil die indirekten Angriffe der Gegenseite, jetzt North Stream 2 oder das Olympische Komitee, nie aufhören werden.

    Heute abend kommt Teil 3 des „Herrn der Ringe“ bei „Pro 7“. Zum Schluß wird Aragorn die Kämpfer des Guten zur Schlacht gegen das Böse ermuntern mit den flammenden Worten: „Männer des Westens!“. Daran sieht man, wie sehr politisches Gedankengut in unsere Scheinwelt auf allen Ebenen eingearbeitet wurde!

    • Der Schopenhauer scheint ein schlauer Mann gewesen zu sein. 🙂 Ja, diese Erfahrung muß man machen. In der Geschichte haben sich die Menschen wohl nie großartig verändert. Sie alle lernen stets auf´s Neue, weil sie so stur sind. „Ich weiß, daß ich nichts weiß“ ist womöglich die größte Erkenntnis, völlig egal wie intelligent man ist. Man kann noch so tief graben, wie Jürgen sagt…wir kratzen doch immer nur an der Oberfläche. Jürgen II, auch Du weißt sicher, Du wirst es nie schaffen alle Bücher dieser Erde zu lesen. Wir können mit Studium tiefer eintauchen in jede Materie, so tief daß es ein ganzes Leben verschlingt. Und doch wissen wir niemals alles, selbst auf unserem „Fachgebiet“.

      Finde daher die These interessant, die Intellektuellen würden es in einer Krise schwerer haben. Das mag sein! Wieder: Man weiß es nicht. Habe auch trainiert und Vorbereitungen getroffen, Sachen ausprobiert etc. „Fühle“ mich vorbereitet. Was aber, wenn man erst nach 3 Wochen aus der Höhle kommt? Der Mob auf der Straße hat sich längst selbst dezimiert, nur die Kräftigsten und Rücksichtslosesten sind übrig geblieben und werden in Gruppen (!) die Straßen kontrollieren. Was nützt es da also, als gut ausgerüsteter Einzelkämpfer unterwegs zu sein, der noch keine Kampferfahrung (in der Krise) hat? Die anderen haben 3 Wochen Vorsprung, vielleicht sogar schon getötet? Hmm. Ja richtig, diese „ungüstige Ausgangsbasis“ kann nur mit Intellekt im Vorraus umgangen werden. Tarnen & Täuschen? Oder der Brutalität anpassen, entgegen der eigenen Natur? Nicht auffallen (nagelneue Super-Ausrüstung), kein Ziel bieten und durchwurschteln?

      Vielschichtiges Thema für eine 2D-Konversation; eher was für einen ganzen Abend im Bräustüberl. Aber guter Text, Jürgen! Regt zum Grübeln an. Für etwas statt gegen etwas, ja. So verschieden wir auch alle sein mögen, es gibt tatsächlich Dinge die alle Menschen einen und nicht zur Disposition stehen (sollten). Vielleicht hauen wir uns ja gar nicht die Köpfe ein, sondern helfen uns gegenseitig in der Erkenntnis, daß der Einzelne bloß schwach ist? Wird man dann sehen…oder hoffentlich auch nicht. Zu dieser Erkenntnis braucht es nämlich keine Krise.

      • „Regt zum Grübeln an.“ Da ich der Meinung bin, daß der „Westen“ von Verbrechern beherrscht wird, weiß ich nicht, ob das Happy-End für das Gute, das die Romanschreiber üblicherweise verfassen, überhaupt jemals eingetreten ist. Man beachte etwa wie Homer den Freiern der Penelopea den Tod prophezeit, der dann tatsächlich auch von Odysseus vollstreckt wurde. Stimmt das wirklich? Denn wo ist die Strafe für Bush und Blair für den Krieg im Irak und wo ist die Strafe für Clinton, Cameron und Sarkozy für den Mord an Ghaddafi und die Zerstörung Libyens?

        Odyssee Ode 20, Zeile 350 ff.

        https://www.youtube.com/watch?v=mlz3-OzcExI

        350
        Und der göttliche Mann Theoklymenos sprach zur Versammlung (der Freier):
        Ach, unglückliche Männer, welch Elend ist euch begegnet!
        Finstere Nacht umhüllt euch Haupt und Antlitz und Glieder!
        Und Wehklagen ertönt, und Tränen netzen die Wangen!
        Und von Blute triefen die Wänd‘ und das schöne Getäfel!
        355
        Flatternde Geister füllen die Flur, und füllen den Vorhof,
        Zu des Erebos Schatten hinuntereilend! Die Sonne
        Ist am Himmel erloschen, und rings herrscht schreckliches Dunkel!
        Also sprach er; und alle begannen herzlich zu lachen.
        Aber Polybos‘ Sohn Eurymachos sprach zu den Freiern:
        360
        Hört, wie der Fremdling rast, der neulich von ferne hierher kam!
        Hurtig, ihr Jünglinge, eilt, und leitet ihn aus dem Palaste
        Nach dem Versammlungsplatz! Hier kommt ihm alles wie Nacht vor!

        Die Deutschen haben leider jedes Verständnis für Ethik und Moral verloren, was auf ihren Untergang hinweist, weil sie nie und nimmermehr eine Frau als Kanzlerin hätten dulden dürfen, die mindestens zweimal gelogen hat und damit auch ihre Ehre verloren. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht!“

        Frau Merkel hat einmal gelogen, als sie sagte, der Landwirtschaftsminister Schmidt hätte eigenmächtig die Verlängerung von Glyphosat in der EU verfügt. Da Glyphosat schon damals ausgesprochen umstritten war, ist das absolut unwahrscheinlich und mithin eine fürchterliche Lüge. Entweder hat sie die Verlängerung von Glyphosat befohlen, um Bayer zu fördern oder zu ruinieren, wobei ich letzteres für wahrscheinlicher halte.

        Als Frau Merkel verfügte, das Atomkraftwerk Biblis solle sofort vom Netz genommen werden, hat sich die Hessische Landesregierung dem sofort gebeugt und das Atomkraftwerk abgeschaltet. Später kam RWE und wollte Schadenersatz wegen Vertragsverletzung haben. Daraufhin hat sich die Hessische Landesregierung an Frau Merkel gewandt, diese verleugnete sich jedoch; denn es ging um Schadenersatz von ca. 500 Millionen Euro, und behauptete dies gar nicht angeordnet zu haben. Das ist eine Lüge, sonst hätten dies die Hessen eigenmächtig gar nicht gemacht. Diese Lüge konnten die Hessen allerdings allerdings ihre Chefin nicht bezichtigten.

        Warum hat Frau Merkel durch die beiden Lügen ihre Ehre verloren?

        Schopenhauer, Aphorismen

        „Viel schwerer und weitläufiger, als die des Ranges, ist die Erörterung der Ehre. Zuvörderst hätten wir sie zu definieren. Wenn ich nun in dieser Absicht etwa sagte: die Ehre ist das äußere Gewissen, und das Gewissen die innere Ehre; so könnte dies vielleicht manchem gefallen; würde jedoch mehr eine glänzende, als eine deutliche und gründliche Erklärung sein. Daher sage ich: die Ehre ist, objektiv, die Meinung anderer von unserm Wert, und subjektiv, unsere Furcht vor dieser Meinung. In letzterer Eigenschaft hat sie oft eine sehr heilsame, wenn auch keineswegs rein moralische Wirkung, – im Mann von Ehre.

        Die Wurzel und der Ursprung des jedem nicht ganz verdorbenen Menschen innewohnenden Gefühls für Ehre und Schande, wie auch des hohen Wertes, welcher ersterer zuerkannt wird, liegt in folgendem. Der Mensch für sich allein vermag gar wenig und ist ein verlassener Robinson: nur in der Gemeinschaft mit den andern ist und vermag er viel. Dieses Verhältnisses wird er inne, sobald sein Bewußtsein sich irgend zu entwickeln anfängt, und alsbald entsteht in ihm das Bestreben, für ein taugliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu gelten, also für eines, das fähig ist, soviel in den Kräften eines Mannes steht mitzuwirken, und dadurch berechtigt, der Vorteile der menschlichen Gemeinschaft teilhaft zu werden. Ein solches nun ist er dadurch, daß er erstlich das leistet, wenn man von jedem überall, und sodann das, was man von ihm in der besonderen Stelle, die er eingenommen hat, fordert und erwartet. Ebensobald aber erkennt er, daß es hierbei nicht darauf ankommt, daß er es in seiner eigenen, sondern daß er es in der Meinung der anderen sei. Hieraus entspringt demnach sein eifriges Streben nach der günstigen Meinung anderer und der hohe Wert, den er auf diese legt: beides zeigt sich mit der Ursprünglichkeit eines angeborenen Gefühls, welches man Ehrgefühl und nach Umständen Gefühl der Scham (verecundia) nennt. Dieses ist es, was seine Wangen rötet, sobald er glaubt, plötzlich in der Meinung anderer verlieren zu müssen, selbst wo er sich unschuldig weiß; sogar da, wo der sich aufdeckende Mangel eine nur relative, nämlich willkürlich übernommene Verpflichtung betrifft: und andererseits stärkt nichts seinen Lebensmut mehr, als die erlangte oder erneuerte Gewißheit von der günstigen Meinung anderer, weil sie ihm den Schutz und die Hilfe der vereinten Kräfte aller verspricht, welche eine unendlich größere Wehrmauer gegen das Übel des Lebens sind, als seine eigenen.

        Aus den verschiedenen Beziehungen, in denen der Mensch zu andern stehen kann, und in Hinsicht auf welche sie Zutrauen zu ihm, also eine gewisse gute Meinung von ihm zu hegen haben, entstehen mehrere Arten der Ehre. Diese Bestrebungen sind hauptsächlich das Mein und Dein, sodann die Leistungen der Anheischigen, endlich das Sexualverhältnis: ihnen entsprechen die bürgerliche Ehre, die Amtsehre und die Sexualehre, jede von welchen noch wieder Unterarten hat.

        Die weiteste Sphäre hat die bürgerliche Ehre: sie besteht in der Voraussetzung, daß wir die Rechte eines jeden unbedingt achten und daher uns nie ungerechter oder gesetzlich unerlaubter Mittel zu unserm Vorteile bedienen werden. Sie ist die Bedingung zur Teilnahme an allem friedlichen Verkehr. Sie geht verloren durch eine einzige offenbar und stark dawider laufende Handlung, folglich auch durch jede Kriminalstrafe, wiewohl nur unter Voraussetzung der Gerechtigkeit derselben. Immer aber beruht die Ehre in ihrem letzten Grunde auf der Überzeugung von der Unveränderlichkeit des moralischen Charakters, vermöge welcher eine einzige schlechte Handlung die gleiche moralische Beschaffenheit aller folgenden, sobald ähnliche Umstände eintreten werden, verbürgt: dies bezeugt auch der englische Ausdruck „charakter“ für Ruf, Reputation, Ehre. Deshalb eben ist die verlorene Ehre nicht wiederherzustellen.“

      • Zulu sagt:
        „Für etwas statt gegen etwas, ja. So verschieden wir auch alle sein mögen, es gibt tatsächlich Dinge die alle Menschen einen und nicht zur Disposition stehen (sollten)“
        Na wenigstens Du gehst darauf ein! 🙂

  2. Jürgen,
    wir sind eben das Volk der Dichter und Denker und nicht der Schläger und Lenker. Ich bin überzeugt davon, dass es nicht die Mehrheit ist, die dieser volksverblödenden Meinungsgesinnung hinterher laufen. Uns ist es eben gegeben Dinge zu Analysieren, zu hinterfragen, abzuwägen, zu diskutieren und nicht wie in manchen anderen Kulturen zuzuschlagen um seine Meinung kundzutun.
    Aus diesem Grund brauchen die Deutschen Zeit, bis sie vollends erfassen, was hier wirklich geschieht, weil es eigentlich unglaublich ist. Wie ein Albtraum. Bleibt die Frage offen, was wird passieren, wenn sie aus diesem Albtraum zwangsweise erwachen werden?
    Diejenigen mit Verstand haben es schon begriffen, diejenigen ohne Verstand werden es noch begreifen. Ganz sicher.

    • Ganz sicher…. n i c h t…. bis die es kapieren, ist die Show bereits vorbei u. alle jammern und jaulen….. und niemand will + wird es hören. ENDE, Schluss und AUS.

      • Ich bleibe bei meiner Meinung: Sie werden es ganz sicher begreifen! Denn das, was auf uns zukommt, wird sie nicht verschonen. Sie werden wahrscheinlich die Ersten sein, die dran glauben müssen, weil sie ins offene Messer laufen werden und in keinster Weise darauf vorbereitet sind.
        Und als Show würde ich das, was auf uns zukommt, nicht unbedingt bezeichnen.

        • Angsthase und Lo,
          es ist sicherlich eine Frage der Zeit! 🙂
          Sollte es wirklich zu irgend einem GAU kommen, wird es für die meisten völlig „überraschend“ kommen.
          Allein, ich glaube auch nicht so recht daran! Wie oft wurde schon der „Weltuntergang“ prophezeit? Und nie ist er eingetreten!
          Die letzte Bankenkrise wie die drohende Immobilienblase, das reicht doch alles nicht aus!

        • „Sie werden wahrscheinlich die Ersten sein, die dran glauben müssen, weil sie ins offene Messer laufen werden und in keinster Weise darauf vorbereitet sind.“ Vermutlich werden die meisten Menschen, die unsere Ängste heute nicht haben oder verdrängen, sehr schnell auf die neue Reaktion reagieren, vielleicht noch schneller als wir; denn am besten überlebt der Mensch in einer Gefahr, wenn er nicht wie wir wie Hamlet von „des Gedankens Blässe angekränkelt“ ist und instinktiv das richtige macht, auch auf Kosten seiner Mitmenschen, insofern über Leichen gehend.

          Gefährlich ist für den Menschen nur, wenn er von den Machthabern in eine Gruppe hineingezwängt ist, etwa eine Kompanie, die zu einem Himmelsfahrtkommando geschickt wird.

          • „Angekränkelt“?
            Psychologisch betrachtet mag das sicherlich auf ein paar zutreffen! Man kann auch vor lauter Überblick den Überblick verlieren! 😉
            Aber, wer sich der Gefahren bewußt ist, der kann sich auch darauf einstellen? Wobei, das Schwert des Damokles über sich zu wissen, macht einen, zugegebenermaßen, auch nicht gerade glücklich(er)!
            Aber, wer kann es sich schon heraussuchen?
            Wohl dem, der sich in Gottes Hand weiß … oder wie auch immer …

            • Es geht für mich im Leben nicht primär um „glücklich“ sein.

              Ich mißtraue meiner Fähigkeit, im Ernstfall instinktiv das zum Überleben notwendige zu tun. Interessant doch wie im Ernstfall die artigsten Gentlemen Frauen und Kinder aus den Rettungsbooten schmeißen, um sich selbst zu retten. Das könnte ich nicht.

              Meine Ethik könnte mich in einer Notsituation lähmen, weil ich „von des Gedankens Blässe angekränkelt“ bin. Deswegen muß ich solche Gefahren durch intellektuelle Erkenntnis möglichst voraussehen und weitestgehend umschiffen.

              Im übrigen sagt dies auch Thukydides (III, 81 ff.) im Hinblick auf den Bürgerkrieg in Korfu über die Intellektuellen:

              „So brach in ständigem Aufruhr viel Schweres über die Städte herein, wie es zwar geschieht und immer wieder sein wird, solange Menschenwesen sich gleichbleibt, aber doch schlimmer oder harmloser und in immer wieder anderen Formen, wie es jeweils der Wechsel der Umstände mit sich bringt. Denn im Frieden und Wohlstand ist die Denkart der Menschen und der ganzen Völker besser, weil keine aufgezwungenen Notwendigkeiten sie bedrängen; aber der Krieg, der das leichte Leben des Alltags aufhebt, ist ein gewalttätiger Lehrer und stimmt die Leidenschaften der Menge nach dem Augenblick. …

              Denn im allgemeinen heißt der Mensch lieber ein Bösewicht, aber gescheit, als ein Dummkopf, wenn auch anständig; des einen schämt er‚ mit dem andern brüstet er sich. …

              Und die Mittelschicht der Bürger wurde, weil sie nicht mitkämpfte oder aus Neid, daß sie davonkäme, von beiden Seiten her ausgemordet. …

              [83] So kam in der hellenischen Welt durch die Bürgerkriege jede Art von Sittenverderbnis auf, und die Einfalt, die mit edler Art so nah verwandt ist, ging unter im Hohn; mit mißtrauischer Gesinnung gegeneinander zu stehen wurde das Herrschende. …

              Und die geistig Schwächern vermochten sich meist zu behaupten; denn in ihrer Furcht wegen des eignen Mangels und der Klugheit ihrer Gegner, denen sie sich im Wort nicht gewachsen fühlten, und um nicht unversehens einem verschlagenern Geist in die Falle zu gehen, schritten sie verwegen zur Tat; die aber überlegen meinten, sie würden es schon rechtzeitig merken und hätten nicht nötig, mit Gewalt zu holen, was man mit Geist könne, waren viel wehrloser und kamen schneller ums Leben.

              • Wohl wahr! Das Leben zu (er)kennen, schützt erst mal vor gar nichts! Eines jeden Ethik sollte deshalb soweit auf dem Boden stehen, daß sie ihn auch in Krisensituationen überleben lassen kann!

                Was nützt die Gesinnung oder Ratio, wenn sie „vom Leben“ eingeholt wird? Wobei ich schon auch anmerken möchte, daß es, meiner Meinung nach, wenig Sinn macht Friedens- und Kriegszeiten einander gegenüberzustellen!

                Der Geist wächst nur, wenn er auch die Ruhe dazu hat!?
                Adrenalin hat wahrlich andere Aufgaben!

                Ich schreibe hier wahrlich viel idealistisches Zeugs! 🙂
                Weiß aber, der Jürgen, wenn es die Not befiehlt, er würde zum Tier!

              • Was ist schon Glück, primär oder nicht? Mit zunehmendem Alter, wandelt es sich nicht eher in eine Form der Zufriedenheit? Gleicht es nicht fast schon einem Rückblick! 😉

                Das ursprünglich eigene Glücklichsein, transformiert es sich nicht, über die Zeit, auf das Wohlergehen Nachfolgender und wird so zum eigenen?

                Von was, will mich Jürgen II überzeugen? Daß er daran nicht mehr Anteil nehmen wollte? 🙂

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