Was steckt hinter dem aktuellen Börsen-Wahn?

Ernst Wolff (antikrieg)

Die Aktienmärkte scheinen zurzeit weltweit völlig außer Kontrolle. Nach dem gewaltigen Einbruch im März und der anschließenden Aufholjagd im April kennen sie seit zwei Monaten offensichtlich nur noch eine Richtung – nach oben.

Die Rallye wirkt wie ein Stück aus dem Tollhaus, denn die Weltwirtschaft hat durch die Kombination aus Rezession und globalem Lockdown irreparablen Schaden genommen und wird sich mit Sicherheit auch so bald nicht erholen. Das Jahr 2020 wird ohne jeden Zweifel als eines der schlimmsten in die Wirtschaftsgeschichte eingehen.

Selbst erfahrene Analysten sind angesichts der aktuellen Entwicklung an den Aktienbörsen vielfach sprachlos. Ein extremes Beispiel für die Absurdität der Ereignisse hat in den vergangenen Wochen der Trend der Hertz-Aktie geliefert. Nachdem das US-Mietwagen-Unternehmen am 24. Mai Insolvenz angemeldet hatte, war sein Aktienkurs zunächst erwartungsgemäß von 3 Dollar auf 56 Cent gefallen. Am Ende der Woche jedoch stieg der Kurs auf 5,53 Dollar, eine Wertsteigerung um 900 Prozent. Anschließend schaffte die Aktie noch den Sprung auf das Sechzehnfache ihres Tiefstwertes.

Etwas Ähnliches hat es in der gesamten Geschichte der Aktienmärkte noch nicht gegeben. Es zeigt zum einen, dass der Finanzsektor sich inzwischen vollständig von der Realwirtschaft gelöst hat und ein komplettes Eigenleben führt, zum anderen aber auch, dass offensichtlich neue Kräfte am Werk sind, die selbst Insider in Erstaunen versetzen.

Was also ist da los?

Des Rätsels Lösung sind Trading-Plattformen vor allem für Börsenneueinsteiger, die zurzeit wie Pilze aus der Erde schießen. Einige von ihnen haben bereits eine breite Anhängerschaft unter unerfahrenen jungen Leuten gefunden, die dem schnellen Geld hinterher jagen und dabei wegen ihres begrenzten Erfahrungshorizonts einer gewaltigen Illusion erliegen.

Sie alle haben seit dem Beinahe-Crash von 2007/08 einen 12jährigen künstlichen Boom an den Aktienmärkten erlebt und nach dem Einbruch im März 2020 eine sofortige Gegenbewegung gesehen, die sich jetzt offenbar endlos fortzusetzen scheint. Ihre ganz konkrete Erfahrung sagt ihnen also, dass Aktienmärkte im Grunde nur steigen können.

YouTube-Stars wie Dave Portnoy, die das Geldsystem nicht einmal in Ansätzen verstehen, nutzen diese Situation zum eigenen Vorteil aus und geben den Ahnungslosen zurzeit Ratschläge wie „Folgt der FED!“ und „Kauft dann, wenn die Kurse am tiefsten sind!“

Erleichtert wird den Interessenten der Einstieg in die Trading-Welt durch Gratis-Online-Broker wie das US-Start-Up-Unternehmen Robinhood, das eine leicht zu bedienende App fürs Handy liefert, kostenlose Trades und günstige Kredite anbietet und den Usern sofort das Gefühl gibt, Teil einer „Community“ zu sein.

Robinhood fördert dieses Gemeinschaftsgefühl durch eine Plattform namens Robintrack, die anzeigt, in welchem Bereich und in welchem Ausmaß die Community ihre Bestände zuletzt erhöht hat und die viele dazu verleitet, sich ohne jegliches Marktverständnis und ohne einen Hauch von Risikobewusstsein dem Trend anzuschließen und die eigenen Einsätze dabei auch noch durch Kreditaufnahme zu hebeln.

Seit etwa zwei Monaten erlebt Robinhood einen rasanten Zustrom von Einsteigern. Und tatsächlich – wenn die sogenannten Robinhooder massenweise auf Aktien wie die des Autoherstellers Ford setzen, dann geht der Kurs selbst dann durch die Decke, wenn weltweit der Absatz an Autos dramatisch sinkt, die wirtschaftlichen Fundamentaldaten also in genau die entgegengesetzte Richtung zeigen.

Doch kann so etwas auf Dauer gutgehen? Die Antwort lautet: Nein. Was wir hier erleben, ist ein Rausch, der ohne reale Wertschöpfung keinen Boden hat und irgendwann in sich zusammenbrechen muss. Wann, das entscheidet mit großer Wahrscheinlichkeit niemand anderes als die Gemeinschaft der Wall-Street-Profis.





Die institutionellen Investoren halten sich zurzeit nämlich weitgehend zurück und haben sich vereinzelt sogar ganz aus den Märkten zurückgezogen, um diese den Robinhoodern zu überlassen. Zu erkennen ist das an den relativ geringen Umsätzen an den Börsen, die es den Anfängern möglich machen, die Kurse auch mit weniger Geld zu bewegen.

Zu diesen Profis im Hintergrund zählen zum Beispiel die Fondsmanager von BlackRock, dem mit Abstand größten Vermögensverwalter der Welt, der mit dem Computersystem „Aladdin“ über ein in 32 Jahren gewachsenes Datenreservoir verfügt, das ihm mehr Einblick in die Märkte verschafft als irgendeinem Konkurrenten.

Niemand sollte glauben, dass BlackRock und Co. diesem Treiben hilflos ausgeliefert sind oder ihm auf Dauer tatenlos zusehen werden, ohne daraus Profit zu schlagen. Vermutlich werden sie noch eine Weile warten, bis noch mehr junge Menschen sich im Geldrausch noch höher verschulden und die Kurse noch extremer in die Höhe treiben, um das Kartenhaus dann eiskalt mit der eigenen Marktmacht zum Einsturz zu bringen – natürlich nicht, ohne vorher milliardenschwere Wetten auf fallende Kurse abzuschließen und am Ende als Sieger dazustehen.

Was wir zurzeit im Bereich der Trading-Plattformen wie Robinhood erleben, ist nichts als das Endspiel des gegenwärtigen Systems, in dem ahnungslose Opfer in Massen in einen Raubtierkäfig gelockt werden, über dem bereits die Geier kreisen.

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„… das entscheidet mit großer Wahrscheinlichkeit niemand anderes als die Gemeinschaft der Wall-Street-Profis“

Genau so wird es sein, weil dort das große Geld liegt, mit dem man die Märkte in die Richtung manipuliert, die mit Hilfe unterschiedlicher Finanzderivate den größten Profit abwirft. Corona-Fake lässt grüßen.

Das Ganze erinnert mich an die dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Start ups schossen wie Pilze aus dem Boden und jeder wollte dabei sein. Dann kam die 9/11 Lüge. Es gab einen massiven Einbruch an den Finanzmärkten, der allerdings nicht lange anhielt. Die Finanzmärkte blähten sich weiter auf – bis 2008. Nun waren die Banken dran, die mit Steuergeld und Schulden gerettet wurden. Ganz im Sinne der Hochfinanz. Und heute? Heute verschuldet sich der Staat, um Big-Player, Zombie-Unternehmen und die von der Politik selbst erzeugten Arbeitslosen vorübergehend zu retten? Alles nur Alibi-Rettungspakete, die das tiefgreifende Problem – die Anhäufung von Geld und somit Macht – nicht beseitigt. 

Derzeit würde ich nicht einen einzigen Cent in Aktien investieren. Die Gier nach Geld und Macht ist grenzenlos. Vor zehn Jahren haben Matthias Engel und ich zu diesem Thema einen Artikel geschrieben. Hier die PDF-Version, die Sie gerne weiter verbreiten dürfen.

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3 Kommentare

  1. Am vergangenen Freitag hat mir ein Bekannter, der mir ab und zu bei  den Obstbäumen hilft und der tatsächlich ein toller Brunnenbohrer ist, noch gesagt:  Am Dienstag geht seine Kurzarbeit zu Ende.  Heute nachmittag erkundigte ich mich nach seiner Arbeit.  Seine Antwort:  Der ganze Betrieb von 9 Leuten wurde zum 15. August komplett gekündigt.  Es handelt sich um das Zweigunternehmen eines amerikanischen Unternehmens, das schon in den USA fast allen Mitarbeitern gekündigt hat und sich jetzt ganz auf Kansas konzentriert.
     
    Ich habe befürchtet, daß mit dem Ende der Kurzarbeit für viele Arbeitnehmer die Stunde der Wahrheit schlägt.  Denn die Unternehmen dürften überlegt haben, – Kurzarbeit hin oder her – wieviel Mitarbeiter sie auf Dauer überhaupt noch brauchen.  

    Da man vom Rundfunk nicht die mindeste Wahrhaftigkeit erwarten kann, und er sich jetzt liebend gerne mit rassistischen Fata Morganas bei der KSK abgibt, um eine schlagkräftige anti-nationale Truppe zur Verfügung zu haben, sollte man selbst überprüfen, inwieweit die Anzahl der Arbeitslosen jetzt zunimmt.  Vermutlich wird jetzt die Anzahl der Arbeitslosen gewaltig zunehmen, und da die Regierung wußte, daß ihre Politik gerade dies hervorruft, versteht man auch, daß durch die Vereinzelung der Menschen durch Fake-Corona einer Revolte vorgebeugt werden sollte.

    •  Ich fürchte, da werden noch so manchen ein paar Stallaternen aufgehen müssen, wenn sie dieses Schicksal trifft? Derzeit (laut DLF) haben wir bereits 14 Millionen Kurzarbeiter … ohne jene, die bereits Einkommenslos unterwegs sind oder waren.

       Hauptsache, wir kämpfen Gendergerecht gegen Rächts! Guten Morgen liebe Sorgen …

      https://www.youtube.com/watch?v=fZYr5IIPJtE

  2. "Heute verschuldet sich der Staat, um Big-Player, Zombie-Unternehmen und die von der Politik selbst erzeugten Arbeitslosen vorübergehend zu retten?"

    Ich vermute, die staatlichen – letztendlich – Billionensummen für die Großindustrie dienen nur den Banken;  denn die Großindustrie ist bei der Banken verschuldet und wenn sie falliert, fallieren die Banken sofort mit.  Die Banken dürfen jedoch erst als allerletzte fallieren.  Zuvor müssen sie noch die Immobilien der Kleinen verschluckt haben.

    Wenn ich nachts lese, welches Potpourri GOOGLE an Informationen für mich bereithält, bin ich erstaunt, welche totsichere Aktien-Tipps gegeben werden.  Die Infos von GOOGLE sind absolut kontraproduktiv, weil sie uns nicht helfen, sondern uns nur auf schlüpfrige Wege verführen sollen a la Robinhood.

    Die Aktien dürften hauptsächlich steigen in Antizipation des Wertverlustes des Zentralbankgeldes, denn da unser Geld von Staats wegen zerstört werden soll, müssen alle Sachwerte steigen, also auch Aktien.

    Ich rechne jedoch vor dem Beginn der kräftigen Inflation zunächst mit einer Deflation der Immobilienmärkte. Denn die Immobilien sind in der letzten Jahren stark gestiegen wegen der niedrigen Zinsen.  Durch die zunehmende Arbeitslosigkeit können jedoch die Tilgungen nicht mehr geleistet werden, so daß eine Welle von Zwangsversteigerungen auf uns zukommt, was die Immobilienwerte drücken wird..

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