Vorsicht, Denkverbot!

Auf den Punkt gebracht!
Excellenter Kommentar …

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… von Manfred Gburek, 10. September 2010

Als ich am Freitag wieder einmal die Auslagen der Buchhandlung Hugendubel in der Frankfurter Innenstadt unter die Lupe nahm, stachen mir die riesigen Stapel des Sarrazin-Bestsellers „Deutschland schafft sich ab“ regelrecht ins Auge. Man kam einfach nicht an ihnen vorbei, überall lagen sie herum, sozusagen ein Spiegelbild zur Diskussion über den umstrittenen Autor. Warum das Buch so erfolgreich ist, hat drei Ursachen: eine kaufmännische (hervorragende Vermarktung), eine allseits diskutierte (Brechung von Tabus) und eine eher subtil empfundene, aber im Endeffekt besonders wichtige (Denkverbot, wenn jemand Ansichten vertritt, die der sog. Elite nicht passen).

Befasst man sich mit der zuletzt genannten Ursache, liegt die Überlegung nahe, alle Deutschen dürfen doch denken, was und wie sie wollen, niemand könne sie daran hindern. Stimmt, einerseits. Aber was und wie sie denken, lässt sich beeinflussen, andererseits – und schon denken nicht alle Deutschen, was und wie sie wollen. Wie das geht, ist ganze einfach: Man serviere den Menschen mithilfe des Massenmediums Fernsehen, erstes und zweites Programm (Staatsfernsehen), das, was sie sehen und hören sollen, was nur selten mit dem übereinstimmt, was sie sehen und hören wollen. Im Lauf der Zeit merken sie nicht mehr, dass sie manipuliert werden, zumal der Mensch, sprichwörtlich ausgedrückt, ein Gewohnheitstier ist.

Nun werden Sie zu Recht einwenden, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, können die Menschen doch auch Bücher lesen, in denen lauter schlaue Sachen stehen, sie können reisen, kommunizieren und diskutieren, um sich von fremden Gedanken anregen zu lassen. Stimmt mal wieder, einerseits, setzt aber die Flucht vor dem Fernsehen und viel Eigeninitiative voraus, andererseits. Dazu passt im Übrigen, dass besonders kritische Kabarettisten im Fernsehen Sendeplätze erst zur späten Abendstunde zugewiesen bekommen. Da man ihnen kein Denkverbot verpassen kann, tut es im Zweifel ein Sprechverbot. Nicht etwa derart, dass die Kabarettisten sich nicht mehr äußern dürfen, aber ebenso wirksam, indem man ihre Manuskripte zensiert.

Wie steht es um die Printmedien? Die meisten leben von Anzeigen. Ich habe früher selbst erlebt, wie ganze Anzeigenserien storniert wurden, nur weil in der einen oder anderen Zeitschrift, für die ich gearbeitet habe, ein kritischer Artikel erschienen war. Heute, da die meisten Blätter unter einem fast permanenten Anzeigen-Aderlass leiden und immer mehr Leser an das Internet verlieren, ist es um ihre Meinungsfreiheit noch viel schlimmer bestellt als früher. Wobei drei Machenschaften besonders übel sind:

  1. Der Schmu mit Sonderbeilagen, in denen Redakteure das Umfeld für Anzeigen schaffen müssen (ob sie wollen oder nicht),
  2. die Manipulation durch die mit den Sonderbeilagen verwandten Advertorials, die nichts anderes sind als Schleichwerbung im redaktionellen Gewand, und
  3. die Kumpanei von Verlagen mit nahezu allen Sparten der Finanzwirtschaft, wenn es darum geht, massenweise Awards (Auszeichnungen bzw. Preise) zu verteilen, die den Verlagen Lizenzgebühren in die Kassen spülen.

Die dritte Variante umfasst alles, was gerade geht, ganz egal, ob von Banken, Versicherern usw. gelenkt oder von Anlegern vor lauter Angst, etwas zu verpassen, begierig aufgenommen. Die Finanzprodukte, um die es dabei geht, variieren zwischen Fonds, Zertifikaten, Riester-Renten, Versicherungspolicen, CFDs, ETFs und wie sie sonst noch heißen mögen. Ihnen gemeinsam ist die komplizierte Konstruktion, die es den Anbietern ermöglicht, Anlegern mittels mehr oder weniger verschleierter Kosten tief in die Tasche zu greifen.

Was lässt sich dagegen tun? Von offizieller Seite nichts, man muss halt selber auf der Hut sein, auch wenn das nicht immer einfach ist. Das Verbraucherschutz-Ministerium ist völlig überfordert, dasselbe gilt für die Verbraucherzentralen, und Anlegerschutz ist in Deutschland – außer man leistet sich einen kompetenten, meistens leider teuren Anwalt – zum Scheitern verurteilt, weil Anlegerschutz sich nicht lohnt. So seltsam es Ihnen in Anbetracht Tausender von Büchern zu der Materie vorkommen mag: Wirtschafts- und speziell Geldanlagewissen bleibt etwas für Autodidakten, die Umsetzung dieses Wissens in eine vernünftige Anlage erst recht.

Zur Autodidaktik gehört natürlich auch die Lektüre des einen oder anderen Buchs, und sei es das von Thilo Sarrazin, weil es immerhin aufrüttelt. Neulich bekam ich von einem mir wohl gesonnenen Bekannten ein anderes Buch geschenkt („Beyond Repair: Deutschland im Systemwandel“), das zwar zum größten Teil die Kolumnen von Erwin Grandinger (dem Autor) aus der „Welt“ seit Anfang 2000 enthält, aber auf gut 40 Seiten davor trotz des einen oder anderen Schönheitsfehlers neue Erkenntnisse vermittelt, von denen ich hier nur kleine Auszüge wiedergebe:

„Das Pendel der Deregulierung wird jetzt für viele Jahre hin zur Überregulierung schwingen, bis der Staat das wirtschaftliche Handeln des einzelnen Bürgers ‚außerhalb‘ der Staatswirtschaft endgültig stranguliert hat……..Genau genommen ruht die Demokratie des Wohlfahrtsstaates auf einem schuldenfinanzierten Ponzi-Trick. Wenn die Demographie kippt und der Zinseszins zuschlägt, ist die letzte Runde für das System eingeläutet……..Man hat dem heutigen und zukünftigen Steuerzahler die Last auferlegt, für die Sünden anderer (Banker, Politiker, Ministerialbürokratie) zu bezahlen. Jetzt begeht man den Weg der Blase im Markt der Staatsanleihen. Dies ist gewöhnlich die letzte Blase vor dem Untergang.“

Alles übertrieben? Glaube ich nicht. Lassen Sie mich ausnahmsweise sinngemäß Alan Greenspan zitieren, den früheren Chef der US-Notenbank Fed, der am besten wusste, was eine Blase ist, weil er sie selbst erzeugt hatte: Sein Zynismus ging so weit, dass er behauptete, man könne erst dann wissen, ob es sich um eine Blase handelt, wenn sie geplatzt sei. Um dieses Bild auf die heutigen deutschen Verhältnisse zu übertragen: Man könne die von Grandinger erwähnte Blase erst dann erkennen, wenn der deutsche Staat pleite sei. Glaube ich auch nicht, und zwar aus einem einfachen Grund: Weil niemand mir meine Beobachtungen und Gedanken zur Blase verbieten kann.

Die Moral von der Geschicht‘: Wer denkt, lässt sich weder von Bankern noch von Politikern oder sonst wem bezirzen. Oder bezogen auf die eigenen Finanzen: Autodidaktisch vorgehen und das Gegenteil von dem tun, was die Masse der Bevölkerung macht, also auch das Geld anders anlegen. Und weil die Masse überwiegend in kollektive Anlagen (Fonds, Riester-Rente, Zertifikate usw.) gelenkt wird, legen Sie Ihr Geld einfach individuell an. Dazu gehören – Sie ahnen es schon – zu einem erheblichen Teil Gold und Silber in physischer Form, also Münzen und Barren.

http://gburek.eu/

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