Von Greyerz Analyse: Das Silber-Endspiel – Fast schon zu offensichtlich

Von Greyerz Analyse: Das Silber-Endspiel – Fast schon zu offensichtlichWie viele Amerikaner, bin ich mit viel Baseball aufgewachsen. Dazu gehörte auch, dass ich versuchte, einen kleinen runden Ball mit so etwas wie einem modifizierten Holzschläger zu treffen. Ähnlich, wie Kurswerte und Marktkräfte konnte dieser kleine weiße Ball, den ein Pitcher aus einer Entfernung von 18 Metern warf, auf verwirrende und oft peinliche Weise absinken, eine Kurve beschreiben oder an einem vorbeirauschen. 

Quelle: legitim

Manchmal jedoch wurden wir Schlagmänner mit einem sogenannten „Fat Pitch“ gesegnet – also einem Ball, der so angenehm gerade, klar und gut zu verfolgen geworfen wurde, dass es praktisch unmöglich war, ihn zu verfehlen.

Im Folgenden werde ich zeigen, warum die Situation, die wir derzeit auf dem globalen Silbermarkt beobachten, genau das ist: Ein Fat Pitch.

 

Frühere „Curve Balls“ beim Silberpreis

Natürlich haben auch die Silbermärkte, ähnlich wie Baseballspieler, schon viele „Curve Balls“ und verrückte Schwankungen erlebt. Aktuelle Beispiele dafür sahen wir im Dezember 2025, als die Preisbildner der COMEX mit ein wenig Hilfe der Chicago Mercantile Exchange (CME) die Margen erhöhten, um einen massiven Ausverkauf (d. h. einen Preisverfall) des Metalls zu erzwingen.

Als dieser Versuch scheiterte, warf die COMEX Ende Januar 2026 einen weiteren, weitaus wirksameren Margin-Anstieg (oder „Curveball“) ins Spiel, um offen den schlimmsten Silberpreis-Crash seit 44 Jahren zu inszenieren.

Die Gründe für diese kniffligen Manöver an der COMEX lagen auf der Hand. Die großen Akteure (d.h. die Banken), die Netto-Short-Positionen in Silber eingegangen waren, gingen buchstäblich unter der Last der steigenden Silberpreise zugrunde. Es war kein Zufall, dass die CME/COMEX daraufhin eine weitere, noch wirksamere Margenerhöhung veranlasste und damit die Insider-Banken aus dem Short-Squeeze aller Short-Squeezes rettete.

Es gab keine Preisfindung, sondern eine eklatante Preismanipulation, so manipuliert wie die World Series von 1919. (Ironischerweise stammten sowohl die CME, als auch die betrügerischen White Sox von 1919 aus Chicago …)

Aber wie ich bereits im Januar argumentierte, war ein solches manipuliertes Spiel nichts Neues. Die COMEX spielt dieses Spiel schon seit Jahrzehnten, angefangen bei der Vereitelung des Silberkaufs der Hunt-Brüder in den 1980er Jahren (mit einem „Nur-Verkauf“-Trick) bis hin zur Zerschlagung des Versuchs der „Reddit-Mob“, im Jahr 2021 eine ehrliche Nachfrage (und Preisbildung) für Silber zu schaffen.

Kurz gesagt: Die COMEX und die Banken, die sie faktisch selbst regulieren, warfen eine Menge unerwarteter Bälle, die schwer zu schlagen waren. Doch zu Beginn des makroökonomischen Jahres 2026 ist es die COMEX selbst, die kurz davor steht, den ersten Schlag zu landen, und das ist ein äußerst gutes Zeichen für Silber.

Und zwar aus folgendem Grund.

 

Silber: Kurz vor dem großen Durchbruch

Die Ausgangslage für Silber ist derzeit geradezu außergewöhnlich. Tatsächlich ist sie beispiellos. Aus der Vogelperspektive betrachtet bleibt das Gesamtbild unverändert. Das heißt: Während Währungen abgewertet werden, um untragbare Staatsschulden zu finanzieren, stellen Edelmetalle, wie Silber die im Niedergang begriffenen Papierwährungen in den Schatten. So einfach ist das.

Die differenzierteren und oft missverstandenen Rückenwinde für Silber sind jedoch etwas komplizierter, wenn auch völlig klar, sobald man weiß, worauf man achten muss.

Und der erste Ort, an dem man hinschauen sollte, ist die COMEX selbst, wo Silber (genau wie Gold) seit Jahrzehnten nach unten manipuliert wird. Wir haben die Motive, Mittel und Anzeichen dieser Preisabsprache an der COMEX an anderer Stelle bereits ausführlicher behandelt. Was hier jedoch erwähnenswert ist, ist von entscheidender Bedeutung. Sobald nämlich das physische Silber die COMEX verlässt, endet die Farce der künstlichen Preisabsprache, und der Silberpreis schießt auf natürliche Weise in die Höhe.

 

Wertpapierforderungen vs. physische Nachfrage

Traditionell führten beispielsweise Wertpapierforderungen auf Silber (und Gold) nie zu einer tatsächlichen Lieferung aus der COMEX. Stattdessen wurden die Kontrakte einfach verlängert oder bar abgerechnet.

Doch diese Zeiten gehen zu Ende.

Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels gibt es an der COMEX-Silberbörse mehr Papierforderungen („Open Interest“) als tatsächlich „registrierte“ Silberunzen, um die Lieferungen zu decken. Tatsächlich stehen nur etwa 80 Millionen Unzen zur Verfügung, um eine Liefernachfrage von über 570 Millionen Unzen zu decken.

Das entspricht einem Hebeleffekt von 7:1 an der COMEX.

Betrachtet man nun den Silbermarkt insgesamt, einschließlich Silber-ETFs, Derivatepositionen, Terminkontrakte usw., so geben viele Analysten im Rohstoffbereich das Verhältnis zwischen dem Volumen an Papier-Silberpositionen und den tatsächlichen Silberunzen mit 350:1 an.

Lesen Sie diesen letzten Satz noch einmal.

 

Keine Plätze mehr frei

Wenn man sich den Papier-Silbermarkt als eine Art „Reise nach Jerusalem“ vorstellt, bei dem die „Musik“ die tatsächlich verfügbare Menge an physischem Silber darstellt und die „Stühle“ die Anzahl der Papieransprüche darauf, dann machen die oben genannten Angebots- und Nachfragekennzahlen mathematisch deutlich: Sobald die Musik aufhört, wird es kaum noch Stühle geben, auf denen noch Silber steht.

Oder einfacher ausgedrückt: Die steigende Nachfrage nach physischem Silber steht kurz vor einem Angebotsschock, was bedeutet, dass der Silberpreis in die Höhe schnellen wird. Und wenn man sich die Silberströme an der COMEX ansieht, wird schnell klar, dass die Musik langsamer wird.

So beliefen sich beispielsweise die Anträge auf Silberlieferungen an der COMEX im Januar auf 40 Millionen Unzen, was dem 40-Fachen der normalen Lieferrate entspricht. Eine kürzlich erfolgte Lieferung hat die COMEX-Bestände innerhalb einer Woche um 20% reduziert. (Ich habe zwar keine Beweise, vermute aber, dass der Käufer hier JP Morgan war…)

 

Drohender Lieferausfall

Bei diesem Ausstiegstempo ist es zumindest denkbar, dass es an der COMEX innerhalb von 90 Tagen zu einem regelrechten Ausfall der physischen Lieferung kommen könnte. In einem solchen Fall würde der Silberhandel an der COMEX auf einen reinen Kassahandel reduziert werden – eine Möglichkeit, vor der ich bereits im Januar gewarnt habe. (Vgl. youtube.com)

Dies würde natürlich nur eintreten, wenn man davon ausgeht, dass die COMEX in der Zwischenzeit keinen Notstand ausruft, wovon wir jedoch fast sicher sein können, dass sie dies tun wird … Dennoch zieht sich die Schlinge um diese New Yorker Börse derzeit unbestreitbar enger, und zwar in einer Weise, wie wir sie noch nie zuvor erlebt haben.

Dieses klassische Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Silbermarkt ist beispiellos, und ob es den Preisbestimmern in New York gefällt oder nicht: Die Kräfte von Angebot und Nachfrage spielen nach wie vor eine Rolle, und sie können sehr mächtig sein …

 

Angebotsengpässe treffen auf steigende Nachfrage

Wie die meisten Silberanleger wissen, verzeichnete dieses Metall beispielsweise fünf Jahre in Folge Angebotsengpässe in Höhe von 200 Millionen Unzen pro Jahr, was mittlerweile zu einem Defizit von fast 1 Milliarde Unzen geführt hat. Chinas jüngste Exportbeschränkungen für Silber tragen zudem nicht gerade zur Verbesserung der Versorgungslage bei.

Unterdessen beobachten wir am Silber-Terminmarkt eine Backwardation – ein ausgefallener Begriff dafür, dass die aktuellen Preise höher sind als die zukünftigen Preise – was ein deutliches Signal dafür ist, dass hohe Nachfrage auf geringes Angebot trifft. Genau diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass der Leasingzinssatz für Silber derzeit bei 8% liegt – ein Niveau, das in meiner gesamten Anlagekarriere bislang undenkbar war und nie über 1% hinausging.

Kombiniert man diese Anzeichen eines Angebotsschocks mit der steigenden industriellen Nachfrage nach Silber (60% der Silbernachfrage entfallen auf die Industrie) – von Solarpanels bis hin zu den Raketen, die derzeit den Himmel über dem Nahen Osten durchziehen – so sehen wir alle Voraussetzungen für einen historischen Preisanstieg bei diesem Metall.

Schließlich lässt sich das Silberangebot nicht einfach per Knopfdruck auf magische Weise erhöhen. 70% der Silberproduktion entstehen als Nebenprodukt anderer Bergbauaktivitäten. Das bedeutet, dass kein Wunder in Bezug auf das Silberangebot in Sicht ist.

 

Und dann ist da noch der Krieg …

Was unseren Horizont jedoch tatsächlich verdunkelt, ist der Nebel des Krieges und damit der Ölnebel. Versorgungsschocks spielen für Öl eine ebenso große Rolle, wie für jeden anderen Vermögenswert, einschließlich Silber.

Wenn der Rohölpreis aufgrund der sich verengenden Lieferwege in der Straße von Hormus steigt, steigt auch die Inflation, und für jeden Anstieg des Ölpreises um 10,00 $ sehen wir einen Anstieg von 0,1% selbst auf unserer ansonsten offen gefälschten Inflationsskala.

Und wenn die Inflation steigt, was sie tun wird, erhält das monetäre Profil von Silber als „Anti-Fiat-Metall“ weiteren Rückenwind.

 

Zurück zum Baseball

Das bringt mich wieder zu meinem ursprünglichen Punkt und meiner Metapher zurück. Wenn man das monetäre Profil von Silber mit der steigenden industriellen Nachfrage vor dem Hintergrund historischer Versorgungsengpässe, Lieferausfällen an der COMEX, steigender Leasingpreise, einer Backwardation am Terminmarkt und all dem, was angesichts von Krieg und steigenden Ölpreisen von Natur aus rückläufig ist, kombiniert, gelangen wir zu nichts anderem als einem beispiellosen „Fat Pitch“ für Silber.

Also, an den Schlag!

Quelle: Von Greyerz

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