Vom Lobgesang der Sonne zum „Danse macabre“

von Susanne Kablitz

Ach, Ben, welche Worte bleiben noch? Welche Hoffnungen und welche Illusionen? Alle Welt hing an Ihren Lippen, voller Erwartung, dass Sie uns normalem Fußvolk beweisen, welch göttliches Wesen Sie sind, welche Magie Sie auszulösen vermögen. Und dann? Nichts! Gar nichts! Alles bleibt so wie es ist! Oder nein, eigentlich bleibt es nicht so wie es ist – es wird noch viel schlimmer! Aber das „Schöne“ ist, dass Ihre Worte sich viel liebevoller und fürsorglicher anhören und viele Menschen immer noch fest daran glauben, dass diese Gelddruckorgien wirklich zu dem führen, was Sie nicht müde werden (dürfen), zu versprechen. Und leider gibt es eine Vielzahl von Fans der kruden Theorien, die Ihnen zur Verschreibung der tödlichen Medizin nur allzu gern den Rezeptblock reichen.

Seit Übernahme des englischen Zentralbanksystems und der Vollendung durch die Implementierung der amerikanischen Notenbank, die in diesem Jahr ihr einhundertjähriges Bestehen „feiert“, hat sich unser Geld zuverlässig in Richtung „Nullwert“ entwickelt. Es grenzt an ein Wunder, dass es überhaupt bis heute „durchgehalten“ hat. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass moralisch integre Menschen seit Jahren davon sprechen und schreiben, dass sie einen „Crash“ des Systems erwarten. Welcher Mensch, der noch einen einigermaßen gesunden Menschenverstand hat, konnte bis vor gar noch nicht so langer Zeit glauben, dass unsere Regierungen in ihrem Bestreben Ihre Haut zu retten derartig dreist vorgehen würden?

Wir haben geglaubt, wir leben in einer echten Demokratie und Demokratien sollen ja per se gut und gerecht sein. In unserer moralischen Überlegenheit waren wir davon überzeugt, dass wir zu intelligent sind, um uns von Diktatoren beherrschen zu lassen. Wir waren unendlich stolz darauf, dass wir in der „besseren“ Welt leben und haben uns so bequatschen und für blöd verkaufen lassen.

Dieser Glaube ließ uns blind werden und gnadenlos unvorsichtig; er hat zugelassen, dass nicht nur ein gigantisches Zentral- und Geschäftsbankenkartell mit Hilfe demokratisch legitimierter Volksvertreter entstehen konnte, welches schon seit Anbeginn gegen jegliche Rechtsprinzipien verstößt sondern auch ein EU-Moloch, das kein Maß und vor allem keine Moral kennt. Wir konnten und wollten jedoch auch gar nicht sehen, wohin uns der blinde Glaube an „Übermenschen“ führt – ging es uns doch schließlich gut!

Bei meinem Streifzug durch das Internet bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem  der Autor zunächst einmal betont, dass er Student vier verschiedener Universitäten war und daraus selbstverständlich folgend ein ganz toller Hecht ist, um dann als Beweis seiner enormen Intelligenz sinngemäß schreibt, dass die amerikanische Notenbank den „Fehler von 1937 zum Glück (noch) nicht wiederholt“!  Du liebe Güte, da möchte man dem Guten doch glatt wünschen, dass er um jegliche Universitäten besser einen großen Bogen gemacht hätte. Was auch immer man ihm da beigebracht hat, die selbstständige Ergründung der Realität wäre sinnvoller und besser gewesen und hätte seinen Lesern wenigstens das Hirn nicht vernebelt.

Ben Bernanke behält sein 85-Milliarden-DollarproMonat-ich-bin-Gott-Programm bei; soll er! Es spielt fast keine Rolle mehr; nach normalen Maßstäben waren die westlichen Staaten schon vor Jahren bankrott. Nur, weil ich meinen Dispo erhöhe, werde ich nicht reicher! Mehr Geld ohne dahinter steckende sinnvolle Investitionen nutzen gar nichts, sinnloser Konsum nutzt gar nichts, da kann der gute Ben und seine Helfeshelfer, die ihm Schmiere stehen bei dem Ausverkauf menschlicher Seelen, noch so viel reden.

Ökonomische Gesetze lassen sich nicht außer Kraft  setzen, auch nicht von sich selbst überschätzenden Phantasten. Wieder einmal hört man an fast jeder Ecke, dass die Immobilienbranche uns aus dem Sumpf der Schande ziehen wird. Dabei basiert nahezu jedes Bauvorhaben und jede Investition in Beton auf Kredit, also auf Schulden. Ob das wohl ein besonders probates Mittel ist, um eine Schuldenkrise irgendwann zu lösen? Wachstum auf Kredit zur Lösung unseres Überschuldungsproblems?

Die Politik brüllt nach staatlichen Eingriffen zur Eindämmung der von ihr selbst in Auftrag gegebenen Katastrophen. Aus deren Sicht kann ich dieses Gebrüll ja durchaus verstehen, denn wie sonst sollte es gerechtfertigt sein, dass wir angeblich immer mehr Abgeordnete brauchen, die gleichzeitig fordern, dass deren Aufgaben nach Brüssel abgegeben werden? Dass niemand von diesen Herrschaften an dem Ast sägt auf dem er sitzt, ist nachvollziehbar. Aber warum machen wir das mit? Gerade die Landesbanken, die unter staatlicher Kontrolle stehen, haben sich nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert – später war nur noch die Frage offen, wer am dämlichsten gewesen ist.

Die Vorstellung der Staat könnte durch Gesetze, Verordnungen und Regulierungen allgemeingültige ökonomische Gesetze außer Kraft setzen, ist ein fundamentaler Irrtum. Diese Quacksalberei führt zu Verwerfungen, Konflikten und immer wieder entstehenden Wirtschaftskrisen, trotzdem ist er ein Grundbestandteil der herrschenden Staats- und Volkswirtschaftslehre.

Besonders Ludwig von Mises hat schon vor nahezu einhundert Jahren bewiesen, dass in einer Wirtschaftskrise nicht „der Markt“ versagt. Er setzt sich eben einfach gegen Verzerrungen, den Resultaten massiver Manipulationen und drastischer Interventionen durch. Nicht „das System“ versagt im eigentlichen Sinne, es bringt lediglich das hervor, was darin an Verwerfungen angelegt ist.

Der unserem Geldsystem (fälschlicherweise als Kapitalismus bezeichnet) zugrundeliegende permanente Verstoß von Rechtsprinzipien, die im römischen Recht durchaus noch zu finden waren, ist uns schon längst auf die Füße gefallen. Würde der ständige Rechtsbruch nicht inzwischen zum guten Ton gehören, hätten wir den Offenbarungseid schon lange leisten müssen. Aber wir haben uns von einem Wohlstandsstaat, der zu einem großen Teil auf Schulden basiert, blenden lassen.

Ich weiß, dass jetzt einige entrüstet entgegnen werden, dass wir uns unseren Wohlstand erarbeitet haben. Dies mag bis in die Siebziger Jahre hinein auch in gewissen Teilen stimmen, danach verfällt das sorgfältig zusammengezimmerte Gebäude allerdings in seine traurigen Bestandteile. So langsam wird offenbar, mit welchen Mitteln auf Treibsand gebaut wurde und die Drehungen des Totentanzes werden immer schneller.

Der demokratische Staat war und blieb die „grosse Fiktion, dass jedermann auf Kosten von jedermann“ leben könnte (Frédéric Bastiat). Das Prinzip des freien Marktes, das so gnadenlos gescholten wird, wurde hier noch zu keinem Zeitpunkt verwirklicht. Den konsequent freien Markt und ein im optimalen Fall ebenso freies Marktgeld haben vor allem die zu fürchten, die es sich in diesem „Polit-Finanz-Großkonzern-Geklüngel“, das aus Privilegien, Lobbyinteressen, Protektionismus und Korruption besteht, gemütlich eingerichtet haben. Sie werden alles tun, um es zu verteidigen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Falschgelddruckerei, munter weitergehen wird. Aus diesem Dilemma kommt keine Notenbank mehr heraus. Wenn die Zinsen auch nur minimal steigen, dann Gnade uns Gott. Ein 2 %iger Zinsanstieg bedeutet für die US-Regierung, dass sie zusätzliche Zinskosten von rund 340 Milliarden US-Dollar aufbringen muss. Steigen die Zinsen auf Vorkrisenniveau, werden hieraus hübsche 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr. Das wird ja ein Fest!

Morgen wird in Deutschland ein neuer (alter?) Bundestag gewählt! Und ich bin sehr gespannt!

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