Volly Tanner zeigt dem „Gauck“ler die rote Karte

Mein Schreiben an den Bundespräsidenten Gauck – als Reaktion auf seine Einladung zu einem Empfang

von vollytanner

Liebe Freunde.

Ich wurde vom Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland zu einem Empfang eingeladen. Nach reiflicher Überlegung, wie ich persönlich – als Mensch und Schriftsteller – damit umgehen soll, entschied ich mich, diese Einladung auszuschlagen.

Die Gründe dafür habe ich dem Bundespräsidenten Joachim Gauck per Old-School-Post und per Email an sein Amt zur Kenntnis gebracht.

Euch möchte ich nun auch informieren.

Diese Welt ist ein Garten. Euer Volly Tanner

…………………………………………………….

Bundespräsidialamt/ Bundespräsident Gauck
Spreeweg 01
10557 Berlin
Volly Tanner; … ; 04177 Leipzig

An den Bundespräsidenten Herrn Gauck.

Sie, Herr Bundespräsident, haben mich für den 03.10.2014 – im Anschluss an den Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Hannover – zu einem Empfang eingeladen.
Ich werde diese, von Ihnen bestimmt als „Ehrung“ gemeinte Veranstaltung jedoch nicht besuchen.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Der Hauptgrund jedoch ist, dass ich es eben nicht als Ehre empfinde Ihnen die Hand zu schütteln.
Ich bin Schriftsteller und ehrenamtliches Vorstandsmitglied in einigen Verbänden, welche sich mit der Literaturförderung und der Kinder- und Jugendleseförderung befassen. Dabei (und auch bei meinen anderen gesellschaftlichen Aktivitäten) stoßen wir immer wieder an Grenzen, die eben auch Sie zu verantworten haben.
Durch Ihre Statements, mit denen Sie als Meinungsbildner fungieren – schließlich beeinflussen aus höchster Ebene auf die Menschen niederprasselnde Sätze den hiesigen Mainstream in nicht zu vernachlässigender Weise – stellen Sie sich allzu oft gegen ein in meinen Augen notwendiges Miteinander. Sie selber – und da komme ich einfach einmal von einer entpersönlichten Systemkritik (Systeme werden jedoch immer von Einzelindividuen erhalten.) zur Kritik an Ihnen als Bundespräsidenten – haben sich oft zu mich auch persönlich betreffenden Themen geäußert, wobei Sie ausgrenzend, abwertend und Konflikte schürend agierten. Die Welt die ich mir wünsche, für meine Freunde und Kinder, für alle Menschen auf diesem Planeten – ja selbst für Sie – ist eine Welt ohne Nationalgrenzen, ohne Kriege, ohne neoliberale Werte und ohne Angst vor dem jeweiligen Anderen. Sie jedoch schüren gerade diese Konflikte, sie reden im Falle Snowden von Verrat, sie lachen über Menschen, die sich gegen eine Diktatur der Finanzmärkte auflehnen, sie reden einer Kriegsmaschinerie das Wort. All dies widerstrebt meinem Wertekontext zutiefst.

Ich könnte mir am nächsten Morgen nicht mehr im Spiegel in die Augen schauen, wenn ich vor Ihnen – als herausragenden Protagonisten einer derzeit destruktiven Entwicklung unserer Gesellschaft – das Haupt neige und Ihnen die Hand reichen würde. All meine Veranstaltungen und all mein Schreiben wären Staffage, wenn ich Ihrer Einladung folgen würde. All meine Kritik an den Mächtigen – die zuerst immer auf der Verantwortungslosigkeit der Eliten in den Machtetagen beruht – wären hohles Palaver.

Deshalb schlage ich diese Einladung aus.

Diese Gesellschaft wird sich weiterentwickeln. Wir werden – früher oder später – gemeinsam und human miteinander leben. Oder wir werden untergehen. Der Neoliberalismus wird überwunden werden und genauso wie andere inhumane Konzepte in den Lokus der Geschichte wandern. Ja, selbst der Kapitalismus ist nicht alternativlos.

Sie, Herr Gauck, sind nicht „mein Bundespräsident“. Ich fühle mich nicht irgendeinem irrationalen WIR unterworfen. Ich bin Schriftsteller. Und Humanist. Und Mensch.

In der Hoffnung auf eine Zukunft.
Volly Tanner – Leipzig, 10.09.2014

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