Vertrauen im Eimer

Gehen wir davon aus, daß Demokratie ohne Vertrauen zwischen der Regierung und dem Volk nicht funktionieren kann, wird offensichtlich, wie miserabel es um unsere sogenannte demokratische Ordnung bestellt ist.

Wenn die verantwortlichen Politiker lügen, um ihre Absichten zu verschleiern, um uns die Wirklichkeit nicht erkennen zu lassen, um die Interessen bestimmter Staaten und einzelner Marktteilnehmer zu schützen, dann untergräbt die Regierung das Vertrauen ihrer Wähler, und Politik mutiert zu Willkür und Diktatur. Wenn zusätzlich die Medien die Wahrheit gegen Geld opfern, funktioniert der Vertrauensbruch sogar eine geraume Weile.

Es gibt allerdings Grenzen.

Auch die trainiertesten Lügenbeine kommen irgendwann ins Stolpern.

Wo fangen wir an?

Bei Helmut Kohl, der uns für den Euro den Frieden in Europa versprach, oder bei Wolfgang Schäuble, von dem wir ungezählte Male hörten, die Krise sei überwunden?

Wer erinnert sich noch an die unsinnigen Behauptungen eines Herrn Trichet vom stabilen Euro, an die haltlosen Beteuerungen des Herrn Draghi und der Frau Lagarde. Wir wollen nicht daran denken, wie oft uns Griechen, Spanier, Italiener, Portugiesen und Franzosen versuchten, ein X für ein U vorzumachen. Bleiben wir im Lande und resümieren, wie oft uns Frau Merkel in der Vergangenheit hinters Licht geführt hat. Wie vielen falschen Versprechen sind die Menschen inzwischen aufgesessen?!

Und noch ist die Mehrheit der Bevölkerung zufrieden, wenn sie noch einen Job hat oder die Rente am Ersten auf dem Konto ist. Wer will schon die Stimmen aus Griechenland bis Portugal und Frankreich hören, die die Deutschen zum Buhmann stempeln, der die Schuld am wirtschaftlichen Niedergang der Eurozone trägt, der verantwortlich sein soll, wenn in den Südländern jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit ist.

Wir werden vorbereitet, zur Verantwortung gezogen zu werden.

Noch schlägt der Unmut erst gegen Frau Merkel, die der Welt das Bild vom deutschen Krisen-Wirtschaftswunder vorgegaukelt hat, weil man meint, die von den Deutschen aufgezwungene Sparpolitik trage die Schuld an der Misere. Niemand zeigt mit dem Finger auf den IWF. Wie toll, daß man die tumben Deutschen zur Verantwortung ziehen kann (steht sogar in der Washington Post).

Man wird auf jeden einzelnen Deutschen nicht nur mit dem Finger zeigen.

Frau Merkel könnte laut protestieren. Nein, sie wird die Wahrheit nicht hinausrufen. Es ist klar, daß sie dem Volk nicht vertraut. Berlin strebt versteckte Ziele an und verfolgt diese, indem man die Deutschen hinters Licht führt. Beim Freihandelsabkommen TTIP ist es wieder einmal deutlich. Nicht einmal die Parlamentarier werden umfassend darüber informiert, was in dem Abkommen drinsteht.

Großartig: das wichtigste Gesetz der letzten Jahre wird als Geheimnis behandelt – ganz so wie die wirklichen Absichten mit Deutschland als Geheimnis behandelt werden.

Bis wir endlich aufwachen!

Traurig das Argument, Politik funktioniere nicht anders, weil sonst keine Zustimmung zustande käme. Deutlicher läßt sich die selbstherrliche Ignoranz gegenüber den Wählern nicht mehr ausdrücken.

Leider ist es mehr als nur Selbstherrlichkeit.

Sobald die Menschen aufwachen, den Zusammenbruch sämtlicher Lügengebäude erkennen, könnte unbeschreibliche Wut aufbrechen. Sie wird aufbrechen, aber nicht gegen die Lügenbarone und -baronessen. Dem hat man vorgebaut: die Wut wird sich gegen ISIS-Terroristen wenden, gegen Asylanten, die uns Ebola anschleppen, gegen Russen, die Krieg anzetteln, gegen Spekulanten, die Aktienmärkte crashen lassen.

Und keine Angst: die Lügenpyramiden werden langsam wanken und scheibchenweise bröckeln, damit wir Stück für Stück ausgenommen werden können: mit Vermögensabgaben, Gebühren- und Steuererhöhungen, Einschränkungen öffentlicher Leistungen und spürbarer Inflation. Erst wenn das letzte Hemd gestohlen ist, folgt der totale Kollaps.

Wie schnell die Kaskaden des Raubes ablaufen, hängt vom Vertrauen der Masse in die Mächtigen ab und von der Einschätzung der Mächtigen, wie schnell sich der Vertrauensrest in Luft auflösen könnte.

Zu retten ist nichts mehr. Man kann sich nur noch schützen.

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Sorgen kommen nicht vereinzelt, sondern in Bataillonen! (Shakespeare)

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