USA: Größter Gewalttäter der Welt

Ich bin, weil du bist

Robert C. Koehler

 Ihre Trauer ist zu tiefgehend und zu öffentlich. Ihre Worte müssen ernst genommen werden – müssen einfließen dürfen in die Politik und das Eigeninteresse und die Angst, diese allgemeinen Trivialisierer der nationalen Unterhaltung.

„Das versprechen wir unseren über alles geliebten Kindern. Weil jedes Kind, jedes menschliche Leben voller Versprechen ist, und obwohl wir weiterhin an unerträglichem Schmerz leiden werden, wählen wir Liebe, Glauben und Hoffnung an Stelle von Wut.“

Die Website trägt den Namen Sandy Hook Promise. Sie dient keinem besonderen Programm außer … den Wert des Lebens zu verkünden.

Und indem sie das tun, betonen die Betreiber der Website – Bewohner von Newtown, Connecticut, die von der Tragödie verwundet worden sind –, dass das von Bedeutung ist, nicht nur abstrakt, sondern politisch. Und weil das von Bedeutung ist, und weil es da eine Fehlerstelle gibt im Zentrum unseres Lebens, die angefüllt ist mit Gewalt, muss sich etwas ändern, und eine andere Art des Gesprächs muss beginnen, welche Gewalt und nationale Identität und Änderung zum Thema macht – was als nächstes getan werden soll und was danach – ganzheitlich.

Sie wissen schon, ohne Eigeninteresse, ohne die Art von Gewissheit, die wir am, sagen wir 13. Dezember 2012, einen Tag vor den Schüssen noch hatten. Was ist uns am meisten wert? Lassen wir ein Gespräch und letztendlich einen Aktionsplan mit dieser Frage beginnen.

„Das ist ein Versprechen …“

„ … Gespräche über ALLE diese Themen zu führen. Gespräche, bei denen Zuhören genauso wichtig ist wie Reden. Gespräche, bei denen sogar diejenigen mit den widersprüchlichsten Ansichten mit gutem Willen mitreden können.“

Das ist etwas, wonach Menschen, die nach Frieden und nach einer Änderung des gegebenen militärisch-industriellen Konsenses in unserem Land streben, mein ganzes Leben lang gesucht haben, und ohne Zweifel schon lange davor. Könnte jetzt wirklich die Zeit gekommen sein, um damit zu beginnen? Ich fühle, dass die Trauer zu tief geht und der Schock zu groß ist – auch noch einen Monat danach – als dass es nicht Zeit dafür wäre. Welches Ausmaß wird das Gespräch annehmen?

In demütiger Erwartung eines Gesprächs, das meine Vorstellungen weit übertrifft, biete ich als einen Einstiegspunkt ein Wort an, das ich selbst erst vor einem Jahr kennen gelernt habe. Es kommt aus den Sprachen der Zulu und Xhosa in Südafrika: „ubuntu.“ Eine Übersetzung davon ist: „Ich bin, weil du bist.“

Das ist ein Wort, das ein Konzept verkörpert, das mir den Atem raubt. Es erschütter die Isolation, die uns umgibt, ein Nebenprodukt des Hyper-Individualismus, den die westliche Gesellschaft so rechtschaffen im Zeitalter der Industrie aufgebaut hat, und es unterbricht den leichten Aufbau von Feindbildern. Man kann nicht gleichzeitig dieses Wort anerkennen und einen anderen Menschen entmenschlichen, schon gar nicht eine ganze Nation, Religion oder Minderheit.

„Das ist das Wesen des Menschseins,“ schrieb Erzbischof Desmond Tutu. „Es besagt, dass mein Menschsein untrennbar verbunden ist mit deinem. Ich bin Mensch, weil ich dazu gehöre. Es spricht über Ganzheit, es spricht über Mitleid. Ein Mensch mit Ubuntu ist einladend, gastfreundlich, warm und großzügig, bereit zu teilen. … Die Qualität des Ubuntu verleiht Menschen Widerstandsfähigkeit und befähigt sie, zu überleben und Mensch zu bleiben trotz aller Bemühungen, sie zu entmenschlichen …

„Es ist nicht leicht Ubuntu zu beschreiben, weil es kein Äquivalent dafür in einer der Sprachen des Westens gibt. … Das vereinzelte Individuum ist nach unserem Verständnis ein Widerspruch in sich. Du bist eine Person durch andere Personen.“

Und so beginnt das Gespräch. Und nachdem es darum geht, die Gewalt ganzheitlich anzugehen, denke ich an die toten Kinder, um die wir noch zu trauern haben, weil wir sie selbst getötet haben.

Eine Reihe von Kommentatoren wies zum Beispiel kurz nach den Morden in Sandy Hook darauf hin, dass die Vereinigten Staaten von Amerika 178 Kinder in Pakistan, Afghanistan und Jemen getötet haben in ihrem Drohnenkrieg im vergangenen Jahrzehnt, laut dem Bureau of Investigative Journalism. Wir haben als Land diese Kinder nicht einmal bemerkt – oder die vielen Tausenden mehr, die durch Bomben, Kugeln und die giftigen Rückstände des Kriegs gegen den Terror getötet wurden – von Trauern um sie kann keine Rede sein.  

„Es ist leicht, Zorn über die Schüsse von Newtown auszudrücken, weil so wenige von uns in irgendeiner Weise dafür verantwortlich sind,“ schrieb Glenn Greenwald letzten Monat in The Guardian. „ … Wut ist einfach, weil wir uns so leicht einreden, dass der Täter … so wenig mit uns und unseren Handlungen zu tun hat.“ 

„Genau das Gegenteil trifft zu auf die Gewalt, die fortwährend Kinder und andere unschuldige Menschen in der muslimischen Welt tötet.“

Und das Gespräch wird schnell ungemütlich, während wir sitzen und zuhören im Bewusstsein, dass mehr in diesem Thema steckt als wütende Tiraden gegen „sie“ – die Ungeheuer und die Verrückten. Eine kollektive Verantwortlichkeit beginnt sich abzuzeichnen. Ich bin, weil du bist. Diese Ansicht hält nicht an der Landesgrenze. In der Tat sind die Vereinigten Staaten von Amerika der größte Gewalttäter der Welt. Sogar wenn wir kein Interesse daran haben, unsere Kriege oder den Krieg überhaupt zu beenden, müssen wir beginnen zu fragen, ob die Gewalt, der wir unsere entmenschlichten Feinde aussetzen, irgendwie nachhause kommt.

Das ist erst der Beginn der Auseinandersetzung, und es geht ebenso um Lösungen wie um Schuldzuschreibung. Es geht um gewaltfreie Konfliktlösung und den Aufbau von wirklichem Frieden. Es geht auch um den Klimawechsel und darum, wie eine weltweit nachhaltige Zivilisation geschaffen werden kann. Wenn wir unsere Kinder lieben, lieben wir auch die Zukunft – und übernehmen die Verantwortung für sie.

Quelle: antikrieg

 

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