US-Militärhilfe für die Ukraine garantiert mehr Leid und Tod

Stephen Kinzer (antikrieg)

Anstatt Diplomaten zu entsenden, die sich dringend um einen Waffenstillstand und ein Ende des Blutvergießens bemühen, schüren die Vereinigten Staaten von Amerika einen bereits wütenden Flächenbrand.

Die Ukraine wurde in den letzten Wochen von zwei schrecklichen Ereignissen heimgesucht. Erstens die schreckliche russische Invasion, die einen blutigen Konflikt ausgelöst und einen Großteil der Welt empört hat. Der zweite Grund ist die Entscheidung der USA, dem leidgeprüften Land massive Mengen an hochmodernen Waffen zu liefern, was weiteres Leid und Tod garantiert.

Niemals zuvor haben die Vereinigten Staaten so schnell so viel High-Tech-Rüstung an ein fernes Land geliefert, das bereits in einen Krieg verwickelt ist. Anstatt Diplomaten zu entsenden, die sich dringend um einen Waffenstillstand und die Beendigung des Blutvergießens bemühen, schüren die Vereinigten Staaten einen bereits wütenden Flächenbrand.

Diese Woche kündigte Präsident Biden an, dass er der Ukraine „unsere modernsten Systeme“ im Wert von 800 Millionen Dollar schicken werde. Diese Großzügigkeit umfasst 800 Stinger-Raketen, bei denen es sich um handgehaltene Geschosse handelt, die einen Militärjet oder ein ziviles Verkehrsflugzeug zum Absturz bringen können, sowie 9.000 „Anti-Panzer“-Systeme, die Panzer oder Lastwagen in die Luft jagen können. Sie werden nicht nur eingesetzt, um Russen zu töten, sondern auch, um Russland zu provozieren, mit der Tötung weiterer Ukrainer zu antworten. Angesichts der vielen Söldner, die beide Seiten aus der ganzen Welt rekrutieren, werden einige dieser Waffen mit ziemlicher Sicherheit auf den weltweiten Schwarzmarkt gelangen. Es ist zu erwarten, dass sie in den Arsenalen von Terroristen auf der ganzen Welt auftauchen werden.

Diejenigen von uns, die den Krieg aus nächster Nähe erlebt haben, wissen, dass er das Schlimmste ist, was es auf der Welt gibt. Er zerstört unschuldige Leben und zerrüttet Familien und Gemeinschaften für immer, noch lange nachdem politische und militärische Konflikte beendet sind. Doch für fast alle in Washington und für eine große Zahl von Amerikanern ist der Krieg weit weg und antiseptisch, so etwas wie ein geopolitisches Videospiel mit einem zusätzlichen Feuerwerk. Das ist er aber nicht. Es geht um zerstörte Körper und um die Verwüstung ganzer Nationen. Die einzigen Gewinner sind die fröhlichen Waffenhersteller, für die dieser Krieg eine Bonanza des blutigen Profits ist.

Unsere Besessenheit von der Ukraine ist anders als alles andere seit Menschengedenken. Menschen, die vor einem Monat noch nie etwas von diesem Land gehört hatten und es heute nicht einmal auf einer Landkarte finden könnten, sind fast über Nacht zu der Überzeugung gelangt, dass sich dort die Zukunft der menschlichen Freiheit entscheidet. Sie boykottieren russischen Wodka und zeigen die Farben der ukrainischen Flagge, die die meisten noch nie gesehen haben. Dieser Tsunami des Deliriums wird ein gefundenes Fressen für künftige Psychologen sein, die sich mit Massenhypnose, Gruppenzwang und der Macht der Medien beschäftigen, die Bevölkerungen in selbstzerstörerische Raserei zu versetzen. Weniger lächerlich ist der Niagara der Aufrüstung, das in die Ukraine strömt. Wenn der russische Präsident Wladimir Putin noch eines Beweises für seine Überzeugung bedurfte, dass der Westen die Ukraine als Rammbock gegen Russland einsetzen will, dann liefern wir ihn jetzt.

Nahezu jeder in Washington ist unserer neuen nationalen Hysterie erlegen. Eine Ausnahme ist Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts, die warnte, dass eine Eskalation dieses Krieges „der Ukraine nicht hilft, dem Volk der Vereinigten Staaten nicht hilft und die Welt nicht sicherer macht.“ Eine noch schärfere Ablehnung kam vom anderen Ende des politischen Spektrums. „Was ist die eine Sache, die Republikaner und Demokraten zusammenbringt?“ fragte Senator Rand Paul. „Krieg! Sie lieben ihn. Je mehr, desto besser.“

Es ist schon schlimm genug, dass die Vereinigten Staaten und die NATO sich Putin in einer verrückten Eskalation angeschlossen haben, die rücksichtslos den Krieg anheizt und keine ernsthaften Bemühungen um einen Frieden unternimmt. Noch schlimmer ist, dass die Friedensformel für alle klar ersichtlich ist. Sie ist verblüffend einfach: eine bündnisfreie Ukraine ohne ausländische Truppen oder Waffen. Nennen wir es den Henry-Kissinger-Plan, denn vor 10 Jahren schrieb er: „Wenn die Ukraine überleben und gedeihen soll, darf sie nicht der Vorposten der einen Seite gegen die andere sein – sie sollte als Brücke zwischen ihnen fungieren.“ Nach heutigen Maßstäben macht das Kissinger zu einem „Handlanger des Kremls“, der „Putins Argumente nachplappert“.

Unsere Eskalation in der Ukraine wird zur Gegeneskalation führen. Das verschärft eine Konfrontation zwischen zwei atomar bewaffneten Mächten. Jede russische Waffe, die in die Ukraine geschickt wird, bedeutet Schrecken. Das gilt auch für jede amerikanische Waffe. Unser testosterongesteuertes Kriegsfieber lädt zur Katastrophe für die Ukraine, Russland, Europa und die Welt ein. Eine friedliche Lösung ist in greifbarer Nähe. Wir sollten sie ergreifen.

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2 Kommentare

  1. «Diese Woche kündigte Präsident Biden an, dass er der Ukraine „unsere modernsten Systeme“ im Wert von 800 Millionen Dollar schicken werde.»

    Das war schon immer die Masche der US-Regierung. Dort wo sie die Menschen zu dezimieren beabsichtigte und gleichzeitig strategische Positionen zu ihrem Vorteil aufbauen wie auch die Bodenressourcen vereinnahmen wollte, dort zettelt sie Krieg an und schickt den Staaten – im Geldleihsystem – Waffengerät jeglicher Couleur. Die Menschen sollen sich nur gegenseitig abschlachten, dann hat die US-Regierung ein Leichtes, deren Territorium und Ressourcen einzunehmen und noch dazu den Retter bzw. den Sieger zu spielen. Das Land nehmen sie als Besatzungsmacht ein und errichten Militärstützpunkte. Der verschuldete Staat steht durch die „angebliche Kriegshilfe“ bei ihnen derart in der Kreide, dass er alles machen muss, was die US-Regierung anweist. Der Vasallenstaat ist geboren!

    Nur eines bedenkt die US-Regierung nicht: Wer gezwungen wird, Freund zu sein, ist kein Helfer in der Not. Diese Retourkutsche wird die USA erbarmungslos auf dem Rückweg überrollen.

    • Hallo und guten Tag Elisa,

      mit dem was du da inhaltlich geschrieben hast bist du ja korrekt richtig, allerdings (aber Bitte; ohne das ich zu folgendem gleich als Erbsen zählender „Besserwisser“ abgestempelt werde) zu Zitat:
      >>> Das war schon immer die Masche der US-Regierung <<>> Das war schon immer die Masche der Globalistischen Zion’s sämtlicher US-Regierungen..<<>> wir sollten halt stets bemüht (zumindest dessen bewusst)sein auch möglichst alle mitzunehmen. Danke.
      #-#
      Mit freundlichen Grüßen

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