Und doch nur Schachfiguren

Ein Notenbankchef und ein Geheimdienstchef begegnen sich in der Lounge des Internationalen Strafgerichtshofs. Der Geheimdienstchef lächelt, als er den Notenbankchef erkennt: „Schön Sie hier zu sehen!“

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Notenbankchef: „Sie sind doch auch nicht zum Whiskytrinken hier, stimmt´s?“
Geheimdienstchef: „Nehmen Sie irgendeinen beliebigen Grund, zum Beispiel Falschgeld.“
Notenbankchef (lacht): „Mein Gott! Wenn wir deswegen nach Den Haag müßten…“
Geheimdienstchef: „Dann wären Sie Stammgast hier, klar. Aber weswegen darf ein Notenbankchef seinen Whisky in diesen heiligen Hallen trinken?“
N.Chef: „Hätte mich besser an´s Drehbuch gehalten.“
G.Chef: „Hilft nur, solange die Regie das Drehbuch nicht ändert. Sollte jeder wissen, der oben angekommen ist.“
N.Chef: „Leider zu spät spitz gekriegt.“
G.Chef: „Und plötzlich ist man kalt gestellt, nicht wahr?“
N.Chef: „Sie auch???“
G.Chef: „Kann jedem passieren. Egal, ob man Regierungen gestürzt, Hochhäuser weggebombt, Beweise gefälscht, Aufstände angezettelt hat… nichts zählt mehr, wenn man abserviert werden soll.“
N.Chef: „Wer kennt schon die geheimen Anweisungen im Drehbuch?“
G.Chef: „Richtig. Nicht einmal wir.“
N.Chef: „Wissen wir überhaupt, welche Rolle wir zu spielen haben?“
G.Chef: „Das weiß nur der Oberspielleiter.“
N.Chef: „Sehen Sie, so hat man auch die Agenda für mich plötzlich umgekrempelt. Und jetzt soll ich vor dieser ehrenwerten Institution hier rechtfertigen, weshalb ich die Finanzkrise hinausschieben wollte.“
G.Chef: „Und ich sollte Sie abschalten, weil Sie die Blase zu weit aufgebläht haben!“
N.Chef: „Abschalten. Sie? Mich? Auf welche Art und Weise denn?“
G.Chef: „Na, ein kleines Geheimnbis sollten Sie mir doch bitteschön gönnen.“
N.Chef: „Okay“, hebt sein Glas: „auf die ungewisse gemeinsame Zukunft!“
G.Chef (mehrdeutig): „In diesem Leben scheint vieles ungewiss.“
N.Chef (verzieht den Mund): „Habe schon mal besseren Whisky getrunken“ – da fällt er wie ein Stein zu Boden.
G.Chef (leert sein Glas in einem Zug): „Mit besten Grüßen vom Oberspielleiter!“

Die den Sturm ernten

Michael Lüders

Die Hintergründe des Krieges in Syrien

Wo liegen die Wurzeln der syrischen Katastrophe? Das gängige Bild sieht die Schuld einseitig bei Assad und seinen Verbündeten, insbesondere Russland. Dass auch der Westen einen erheblichen Anteil an Mitschuld trägt, ist kaum zu hören oder zu lesen. Michael Lüders erzählt den fehlenden Teil der Geschichte, der alles in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Anhand von freigegebenen Geheimdienstdokumenten und geleakten Emails von Entscheidungsträgern zeigt er, wie und warum die USA und ihre Verbündeten seit Beginn der Revolte ausgerechnet Dschihadisten mit Waffen beliefern – in einem Umfang wie seit dem Ende des Vietnamkrieges nicht mehr. Dadurch haben sie die innersyrische Gewalt ebenso befeuert wie auch den Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland.

Eindringlich beschreibt Lüders, wie insbesondere Washington schon seit Langem nur auf eine günstige Gelegenheit wartete, das Assad-Regime zu stürzen. Dabei behandelt er auch frühere amerikanische Putschversuche in Syrien in den 1940er und 1950er Jahren, die fehlschlugen und erklären, warum sich Damaskus der Sowjetunion zuwandte.

Die Kehrseite dieser Politik des Regimewechsels erlebt gegenwärtig vor allem Europa: mit der Flüchtlingskrise und einer erhöhten Terrorgefahr durch radikale Islamisten.

Und doch nur Schachfiguren
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