Trump hatte wohl selten so viel Spaß, wie letzte Woche in Davos

Was Trump sich letzte Woche gegenüber den Eliten der EU und ihrer Mitgliedsstaaten herausgenommen hat, war in der modernen Geschichte der internationalen Politik sicher einmalig. Das russische Fernsehen hat das in einem Kommentar zusammengefasst.

Quelle: anti-spiegelTrump hatte wohl selten so viel Spaß, wie letzte Woche in Davos

Die letzte Woche begann schon am Montag damit, dass Trump angefangen hat, die europäischen Staats- und Regierungschefs inklusive Kommissionschefin von der Leyen, in mit dem Bild zu erniedrigen, das ich als Titelbild für diesen Artikel ausgewählt habe. Und das war erst der Anfang, es folgte ein arroganter Brief an den norwegischen Regierungschef, die Rede in Davos, in der er die Europäer schlimmer abkanzelte, als es ihnen wohl je passiert ist, und so weiter. Trump dürfte die Woche in vollen Zügen genossen haben.

Aber natürlich hat all das einen ernsten Hintergrund, denn diese Woche hat auch den letzten Anhängern des Transatlantizismus vor Augen geführt, dass die Europäer nur Vasallen der USA sind. Und wie jede Kolonialmacht entscheiden auch die USA, wann sie aus „glücklichen Vasallen“ „unglückliche Sklaven“ macht. Diese Formulierung ist nicht von mir, sie ist vom belgischen Premierminister, der damit den heutigen Zustand der EU beschrieben hat.

Hier übersetze ich einen Kommentar des Moderators des wöchentlichen Nachrichtenrückblicks des russischen Fernsehens, in dem es um die traurige Lage der Europäer und Trumps offene Verachtung für sie geht.

Beginn der Übersetzung:

Davos war für Trump politisches Trolling

Während das Verständnis zwischen Russland und Amerika wächst, geraten die Beziehungen zwischen den USA und Europa ins Wanken. Eine bezeichnende Karikatur zeigt Trump, wie er verächtlich auf einen schlichten NATO-Grabstein uriniert, auf dem das Todesjahr 2026 vermerkt ist. Dasselbe Datum findet sich auch auf einem Bild, das eine Gedenktafel für das neue US-Territorium Grönland zeigt. Allen ist also klar, dass Trump Grönland der nordatlantischen Solidarität vorziehen würde, sollte Dänemark sich weigern und sollte der Block Grönland unterstützen.

Vor diesem Hintergrund flog der US-Präsident zum Treffen mit seinen Verbündeten nach Davos in die Schweiz. Er hatte nicht vor, irgendjemandem dort zuzuhören. Sein Ziel war ein anderes. Trump hatte die Umrisse des Szenarios im Vorfeld online veröffentlicht, was wie offenes Trolling wirkte. Er postete eine Karte Nordamerikas, das komplett in den Farben der amerikanischen Flagge gehalten war, die neben Grönland auch Kanada bedeckt und die Donald Trump einer Gruppe europäischer Kollegen erläutert. (Anm. d. Übers.: Das Bild ist das Titelbild dieses Artikels.)

Die britische Times spielte mit und veröffentlichte vor dem Treffen Davos eine Karikatur über das erwartete Ergebnis: Auf dem Bild schläft ein ungezogener kleiner Trump friedlich auf dem Sofa, während die Erwachsenen, am Rande der Verzweiflung, leblos dalagen. Der britische Premierminister Keir Starmer ist maßlos erschöpft, seine dänische Amtskollegin Mette Frederiksen ist ohne Schuhe und völlig verzweifelt, Emmanuel Macron sitzt zitternd hinter dem Sofa zusammengekauert und Georgia Meloni sitzt mit einer Flasche und gleich drei Zigaretten im Mund neben ihm. In der hintersten Ecke sitzen die Deutschen. Ursula von der Leyen lehnt sich an Friedrich Merz. Der Finne Alexander Stubb hat den Kopf im Stuhl zurückgeworfen, ringt nach Luft, und NATO-Generalsekretär Mark Rutte sitzt bewusstlos daneben mit dem Kopf auf dem Tisch. Der Boden ist übersät mit Kinderspielzeug.

Nach Davos zeigte der britische Economist auf dem Titelbild ein monumentales Bild von Trump, der auf einem Eisbären ritt.

Was ist in Davos also wirklich passiert?

Als er auf dem Weg dorthin war, erwartete Trump, auf eine Reihe demoralisierter und uneiniger europäischer Staats- und Regierungschefs zu treffen. Zur Vorbereitung sandte Donald Trump am Montag einen spöttischen Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre, in dem er schrieb: „Lieber Jonas, da Ihr Land beschlossen hat, mir den Friedensnobelpreis für die Beendigung von mehr als acht Kriegen nicht zu verleihen, sehe ich mich nicht länger verpflichtet, ausschließlich an den Frieden zu denken. Die Welt wird nicht sicher sein, solange wir nicht die vollständige Kontrolle über Grönland erlangen.“

Zuerst plusterte sich der französische Präsident Macron auf und erklärte: „Wir haben beschlossen, Grönland zu unterstützen. Einfach, um einem Verbündeten, einem anderen europäischen Land, Dänemark, beizustehen.“,

Doch dann begann er plötzlich von „effektivem Multilateralismus“ zu sprechen: „Unser Ziel als Land, das den G7-Vorsitz inne hat, ist es, einen Kooperationsrahmen zu schaffen, eine effektivere multilaterale Zusammenarbeit wiederherzustellen und Brücken zu bauen, insbesondere zu den Staaten der BRICS und der G20.“

Offenbar war er auch bereit, Russland zu einem erweiterten G7-Treffen einzuladen.

Ich weiß nicht, ob es an Macrons verspiegelter Brille liegt, aber er scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben, wenn auch etwas spät. War es etwa nicht schon vorher klar, dass kein globales Problem ohne Russland gelöst werden kann? Ein Blick auf die Karte hätte genügt, um das zu erkennen. Russland ist eine Atommacht mit einem riesigen Territorium, einer bedeutenden Bevölkerung und gewaltigen Ressourcen.

Früher hat Macron mal Details eines vertraulichen Gesprächs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin preisgegeben. Nun revanchierte sich Trump, indem er einen persönlichen Brief Macrons veröffentlichte, in dem dieser ihn zu einem Abendessen in Paris einlud und schrieb: „Mein Freund, ich verstehe nicht, was du mit Grönland tust. Ich kann nach Davos am Donnerstagnachmittag ein G7-Treffen in Paris organisieren. Ich kann die Ukrainer, Dänen, Syrer und Russen einladen. Lass uns am Donnerstag in Paris zusammen essen, bevor du in die USA zurückfährst.“

Der US-Präsident lehnte das Abendessen mit Macron ab und erklärte, der sei, wie man so schön sagt, aus dem Spiel.

US-Finanzminister Scott Bessent reiste im Vorfeld nach Davos, um die verwirrten Europäer auf das Treffen mit Trump vorzubereiten. Zunächst verkündete er, dass die NATO-Staaten bei den USA 22 Billionen Dollar Schulden angehäuft hätten, und hielt anschließend eine Art Psychotherapiesitzung ab, als er erklärte: „Machen Sie es sich gemütlich, atmen Sie tief durch und lassen Sie die Dinge ihren Lauf nehmen. Das Schlimmste, was Länder tun können, ist, einen Konflikt mit den USA zu verschärfen.“

Zum Moment der Wahrheit wurde in Davos das Eingeständnis des kanadischen Premierministers Carney, dass bis dahin alle in einer Scheinwelt gelebt haben – und dass das in stillschweigender Einigkeit die Spielregeln gewesen seien. Bei Carney klang das so: „Wir wussten, dass die Geschichte der regelbasierten Ordnung teilweise falsch war. Dass sich die Großmächte von ihren Verpflichtungen befreiten, wenn es ihnen passte. Dass Regeln im Handel asymmetrisch angewendet wurden. Und wir wussten, dass das Völkerrecht je nachdem, wer Angeklagter oder Opfer war, unterschiedlich streng angewendet wurde.“

Der Arme. Und wie geht es nun weiter?

Trump antwortete prompt. Er verweigerte Carney ein persönliches Treffen und er warf Kanada aus dem „Friedensrat“. Aus Trumps Sicht gibt es dafür Gründe.

Carney sagte in seiner Rede: „Das ist keine Souveränität. Das ist eine Imitation von Souveränität, die gleichzeitig Unterordnung anerkennt.“

Der belgische Premierminister Bart de Wever teilte die kanadische Ansicht, und wenn er sich früher als „glücklicher Vasall“ gefühlt habe, sei die Rolle der europäischen Länder nun die „unglücklicher Sklaven“. Und beachten Sie, das habe nicht ich gesagt.

Wever sagte auf der Bühne in Davos: „Jetzt befinden wir uns in einer sehr schwierigen Lage. Wir sind von den USA abhängig, deshalb ziehen wir Nachsicht vor. Aber es werden so viele rote Linien überschritten, dass wir nun vor der Frage der Selbstachtung stehen. Ein glücklicher Vasall zu sein ist das eine, ein unglücklicher Sklave ist etwas ganz anderes.“

Nun, da wären wir.

Putin sprach schon 2023 von Vasallen, als er sagte: „Die Amerikaner handeln sehr pragmatisch, und alles dient ausschließlich ihren eigenen Interessen – die Interessen ihrer Verbündeten sind ihnen völlig wurscht. Sie haben keine Verbündeten, nur Vasallen. Und die Vasallen haben begonnen zu verstehen, welche Rolle ihnen zugedacht ist.“

Und tatsächlich verstanden sie es schon damals. Der belgische Premierminister Bart de Wever sagt ja genau das. Und Putin äußerte sich vor einem Jahr noch deutlicher zu demselben Thema, als er kurz nach Trumps Amtsantritt sagte: „Es gibt jetzt irgendeinen Streit zwischen den europäischen politischen Eliten und dem neu gewählten US-Präsidenten Trump. Aber ich versichere Ihnen: Trump wird dort mit seinem Charakter und seiner Hartnäckigkeit recht schnell wieder aufräumen, und Sie werden sehen, das wird schnell gehen, und bald werden sie alle ihrem Herrn zu Füßen liegen und freudig mit dem Schwanz wedeln.“

Und genau dass sehen wir heute. Trump verbirgt seine Verachtung für die gegenwärtige europäische Elite für das, was sie ihren Ländern angetan hat, indem ihren nationalen Interessen zuwiderhandelt, nicht länger, wie Trump in seiner Rede in Davos sagte: „Ehrlich gesagt, manche europäische Länder sind nicht wiederzuerkennen. Sie haben sich bis zur Unkenntlichkeit verändert, und ehrlich gesagt, darüber braucht man nicht zu streiten. Freunde aus aller Welt kommen und – ich möchte niemanden beleidigen – sagen: ‚Die sind nicht wiederzuerkennen.‘ Und das ist alles andere als ein Kompliment, ​​im Gegenteil.“

Und nun, ihr Schwächlinge, gebt Grönland her, und zwar sofort!

Das klang bei Trump so: „Diese riesige, ungeschützte Insel ist in Wirklichkeit Teil Nordamerikas am nördlichen Rand der westlichen Hemisphäre. Sie ist unser Territorium. Daher ist sie von grundlegendem Interesse für die nationale Sicherheit der USA und ganz Amerikas.“

Trump hat sich bereits entschieden. Wenn man so will, hat er alle Brücken hinter sich abgebrochen. Für ihn geht es nicht nur darum, in die Geschichte einzugehen, sondern das spektakuläre und eindrucksvoll zu tun. Und er wird in die Geschichte eingehen. Bis zum 250. Jahrestag der USA, der am 4. Juli dieses Jahres gefeiert wird, wird das Staatsgebiet der USA unter Präsident Trump voraussichtlich um über zwei Millionen Quadratkilometer wachsen. Und egal, was die in der NATO und der EU munkeln, daran besteht kein Zweifel.

In Moskau sieht man die Grönland-Frage als „innere Angelegenheit der NATO“, und was Trumps Eingehen in die Geschichte angeht, stimmt man auch im Kreml zu, was Putins Pressesprecher Peskow so formulierte: „Es gibt internationale Experten, die meinen, dass Trump mit der Lösung der Frage der Einverleibung Grönlands zweifellos in die Geschichte eingehen wird. Und zwar nicht nur in die Geschichte der USA, sondern auch in die Weltgeschichte. Und ich wiederhole nochmal: Das mag gut oder schlecht sein, aber die Experten können das kaum bestreiten.“

Und Trump verfolgt weiterhin seinen Kurs und lässt nicht nach, wie er Journalisten erklärte: „Ich muss überhaupt nichts bezahlen. Wir erhalten vollen Zugang zu Grönland. Wir erhalten alle notwendigen militärischen Zugangsrechte. Wir können dort alles stationieren, was wir für notwendig halten, denn es geht um Sicherheit, die nationale und internationale. Wir müssen also nichts bezahlen, außer wenn wir den Golden Dome bauen. Und der Golden Dome wird etwas wirklich Außergewöhnliches.“

Nun ja, der Golden Dome ist schon wieder ein ganz anderes Thema und eher eine Frage der ungewissen Zukunft.

Ende der Übersetzung

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