Tanzt von der Leyen nach US- oder polnischer Geige?

«Vor 75 Jahren haben die Allierten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit» © EU

«Vor 75 Jahren haben die Allierten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit»

Christian Müller (infosperber)

Dass das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Truppen der Roten Armee befreit wurde, darf einfach nicht mehr wahr sein.

Historische Ignoranz kann es nicht sein. Zu viel wurde in den Tagen vor dem 23. Januar 2020 über die Befreiung von Auschwitz-Birkenau vor 75 Jahren geschrieben. Aber Ursula von der Leyen schreibt in einer «Gemeinsamen Erklärung der Präsidentin Ursula von der Leyen sowie der Präsidenten Charles Michel und David Sassoli im Vorfeld des 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz-Birkenau» (siehe Bild oben) wörtlich: «Vor 75 Jahren haben die Allierten das Konzentrations- und Vernichtungslager befreit. Damit beendeten sie das schrecklichste Verbrechen in der europäischen Geschichte, die geplante Vernichtung der Juden in Europa. Sechs Millionen jüdische Kinder, Frauen und Männer wurden ermordet, und mit ihnen Millionen anderer unschuldiger Menschen, darunter Hunderttausende Roma, die sich aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit der Verfolgung ausgesetzt haben. Der Preis war unsagbar hoch, aber kaum ein Triumph über die Nazis könnte grösser und symbolträchtiger sein, als diesen 75. Jahrestag der Befreiung in Israel zu feiern.»

Aha: Der «Preis war unsagbar hoch», wer ihn aber bezahlt hat, diesen «unsagbar hohen Preis», wird verschwiegen – nein, wird bewusst falsch angegeben.

Es waren, mit Verlaub, nicht «die Allierten», die Auschwitz-Birkenau befreit haben, sondern die Soldaten der Roten Armee – und die Opfer, der «unsagbar hohe Preis», waren die Soldaten der Roten Armee. Churchill hatte Stalin noch im Januar 1945 ausdrücklich und schriftlich darum gebeten, im Kampf gegen die Hitler-Truppen nicht nachzulassen, weil seine eigenen Truppen zweifelten, gegen die Hitler-Truppen an der Westfront erfolgreich vorrücken zu können, wenn Hitler Truppen von der Ostfront an die Westfront hätte verlagern können.

Aber von der Leyen ist nicht allein. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gestand an der Gedenkfeier am 23. Januar in Jerusalem zwar die deutsche Schuld am Holocaust uneingeschränkt ein, aber selbst an der Gedenkfeier zur Befreiung von Auschwitz-Birkenau brachte er es nicht fertig, die Soldaten der Roten Armee zu erwähnen, die es geschafft hatten.

Der US-amerikanische Vize-Präsident Mike Pence ging sogar noch weiter. Er erwähnte zwar «die Soldaten», die das Vernichtungslager befreiten – «when soldiers opened the gates» – , ohne aber zu erwähnen, welche Soldaten es waren. Später in seiner Rede aber waren es «die amerikanischen Soldaten» – «including more than 2 million American soldiers» – die im Kampf gegen die Hitler-Truppen gelitten haben. (Nach offiziellen Angaben verzeichneten die USA im Zweiten Weltkrieg 407’316 Tote, und zwar ausschliesslich Militärs, während die Sowjetunion geschätzt 27 Millionen Tote zu beklagen hatte, mehr als die Hälfte davon Zivilpersonen.)





Und wie berichtete die NZZ?

Auch die NZZ hat sich in diesem Zusammenhang einen wahrhaften Gag geleistet. Die langjährige bewährte Nahost-Korrespondentin Inga Rogg schrieb aus Jerusalem, wo sie jetzt als Nachfolgerin von Ulrich Schmid neue Korrespondentin ist, einen ausführlichen Bericht zum 5. «World Holocaust Forum». Dieser ihr Bericht stand am 24. Januar sogar auf der Frontseite der NZZ. Darin standen die folgenden Sätze: «Viel Raum finden in der russischen Darstellung dagegen die Vorwürfe an die Adresse Warschaus, mit den Nazis kollaboriert zu haben. Von dieser dunklen Seite seiner Geschichte will das offizielle Polen wiederum wenig wissen. Vor zwei Jahren versuchte Warschau Kollaborationsvorwürfe gar unter Strafe zu stellen.» Der Bericht von Inga Rogg war dann auch unter NZZ-online nachzulesen. Dort allerdings war diese Passage geändert: «Viel Raum finden in der russischen Darstellung dagegen Vorwürfe gegen zahlreiche Polen, mit den Nazis kollaboriert zu haben. Von der dunklen Seite seiner Geschichte, dass sich damals tatsächlich auch einige Polen an der Verfolgung von Juden beteiligten, will das offizielle Polen wiederum wenig wissen. Die Regierung in Warschau stellt Polen und seine Bevölkerung ausschliesslich als heldenhafte Widerstandskämpfer oder Opfer dar – die polnischen Täter sind ein Tabuthema. Vor zwei Jahren versuchte Warschau sogar, unbegründete Kollaborationsvorwürfe unter Strafe zu stellen.»

Zu dieser Änderung vermerkte die Redaktion: «Eine frühere Version dieses Textes enthielt eine Formulierung, die den Eindruck entstehen lassen konnte, dass Warschau mit den Nazis kollaboriert habe. Das ist falsch. Es gab aber auch Polen, die Juden an die deutschen Besatzer auslieferten – sei es aus Angst, Geldnot oder Antisemitismus.»

Schade, dass die NZZ-Redaktion nicht erwähnte, wer diese Umformulierung auf «einige Polen» verlangt hat. Hat vielleicht sogar «Warschau» reagiert?

Man merke:
Es darf nicht wahr sein, dass das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von Soldaten der Roten Armee befreit wurde.

Die Historiker reiben sich die Augen.

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3 Kommentare

    •  Nach wessen Geige die werte Dame tanzt, dürfte eigentlich klar sein? Und wenn man es auch nicht auf Namen reduzieren kann, so ist es doch eine dominierende Gesinnung, die alles bestimmt!

       Ach ja, Dieter kann das! Mit Hingabe! 🙂

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