Tageskommentar 15. April 2018

von Michael Winkler

Jetzt haben sie’s also doch getan: Drei innenpolitisch angeschlagene Volldemokraten bombardieren Syrien. Frankreichs unbeliebtester Präsident Macron, Britanniens Premierministerin auf Abruf May und der US-Präsident, dem mal wieder eine Amtsenthebung droht, Trump. Da ist es doch gut, wenn es ein „Tier“ gibt, dem man ein Bomben aufs Haupt werfen kann. Wobei dieser Bombeneinsatz irgendwelchen Zielen in der Pampa gegolten hat, und die syrische Luftabwehr mindestens 71 von 103 der „neuen und intelligenten“ amerikanischen Raketen vom Himmel geholt hat.

Die Beweise für den syrischen Giftgaseinsatz seien eindeutig, behauptet May. Der Weltgesundheitsorganisation (zweite Partei) lägen Berichte vor (von einer dritten Partei), daß Giftgas eingesetzt wurde. Mein Bruder kennt einen Schwager, dessen Onkel von seiner Nachbarin gehört haben will… Der britische Geheimdienst habe die Bombe identifiziert – und BILD sogar mit ihr gesprochen. Außerdem sei am 7. April über Duma ein Hubschrauber der syrischen Luftwaffe gesichtet worden. Israels Netanyahu hat immerhin eine Kinderzeichnung vorweisen können, um zu belegen, wie nahe der Iran einer Atombombe sei, und 2003 hatten die Amerikaner undeutliche Satellitenaufnahmen von Gegenden, in denen sie nach der Zerschlagung des Iraks keinerlei Waffen gefunden haben. May hat nicht mal das, sondern nur ein paar Behauptungen. Größerer Anstrengungen ist die Weltöffentlichkeit wohl nicht mehr wert.

Beim „March for Science“ sind am Samstag deutschlandweit mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen, um ein Zeichen für die Freiheit von Forschung und Lehre und gegen Populismus zu setzen. Die Wissenschaftler wollen sich damit gegen „alternative Fakten“ wehren. Das wäre durchaus ehrbar, würden die Wissenschaftler nicht selbst alternative Fakten produzieren. Der Wissenschaftsbetrieb ist zur Inzuchtanstalt verkommen, wo nur derjenige einen Platz an der Sonne bekommt, der sich mit dem Mainstream gutstellt. Anstatt elektrische Kräfte in den Galaxien wirken zu lassen, die sehr viele Phänomene eindrucksvoll erklären, bemüht man sich mit Hilfskonstruktionen wie dunkler Materie (nicht nachzuweisen, aber sie MUSS eben da sein) und dunkler Energie (noch weniger nachzuweisen, aber sie MUSS genauso vorhanden sein). Nicht die Messung oder das Experiment, sondern die Simulation dient dem Erkenntnisgewinn. Und die Säulenheiligen der Wissenschaft sind sowieso unantastbar.

Die Wissenschaft ist eine Form der Politik geworden, in der Meinungsabweichler unterdrückt und diffamiert werden. Der wissenschaftliche Assistent, der sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelt, hat keinerlei Möglichkeit, gegen seinen Professor aufzubegehren. Er muß den Chef bestätigen, immer wieder bestätigen, sonst ist er seinen Arbeitsplatz los. Forschungsgelder gibt es nur für die Etablierten und für jene, die konzerndienlich arbeiten. Die Wissenschaft hat sich selbst korrumpiert, redet sich ein, sie hätte ein größeres Verständnis der Welt erlangt als jemals zuvor. Was wir tatsächlich haben, ist ein Wust von Dogmen und Lehrmeinungen, denen nicht widersprochen werden darf. Die Freiheit der Forschung und Lehre hat längst aufgehört zu existieren, sie wurde von Forschung und Lehre vereinnahmt und weggesperrt.

Tageskommentar 15. April 2018
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