Sie schämen sich kein bisschen

Tageskommentar 29. 08. 2013: fortunato,
Sie schämen sich kein bisschen


von fortunato (fortunanetz)

Vielleicht erinnern sie sich noch an die berühmte PowerPoint-Präsentation des ehemaligen US-Außenministers Colin Powell? Damals ging es darum, dass Kreise in den USA behaupteten, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen habe und mit Al-Qaida verbündet sei. Deshalb sei er gefährlich für die ganze Welt. Selbst der deutsche CDU-Abgeordnete Friedbert Pflüger kam damals mit Schweißperlen auf der Stirn aus einem sehr geheimen Bundestags-Untersuchungsausschuss und behauptete im Fernsehen: Ich kann nichts genaues sagen, aber ich habe erfahren, alles ist sehr gefährlich gerade. Damit suggerierte er: Selbst Deutschland ist akut in Gefahr, denn Saddam Hussein hat Massenvernichtungswaffen. Heerscharen von sogenannten Journalisten tauchten im deutschen Qualitätsfernsehen auf, vornehmlich aus den USA, und behaupteten ebenfalls, Saddam sei gefährlich und hat Massenvernichtungswaffen. Ich erinnere mich z. B. noch gut an Jeffrey Gedmin, der damals schon nicht mehr Chorleiter, sondern Direktor des Aspen Instituts in Berlin war… Auch er trat in deutschen Gesprächsrunden damals recht häufig auf um die allseits bekannte Position von G. W. Bush zu vertreten. Und Colin Powell produzierte dann den absoluten Höhepunkt mit der besagten und weltberühmten PowerPoint-Präsentation…

Vor der UN und zwar vor der versammelten Völkergemeinschaft breitete Powell die unglaubliche Hypothese aus, dass man Saddams Massenvernichtungswaffen deshalb nicht per Satellit orten und zerstören könne, weil diese auf fahrenden Chemielabors produziert und gelagert werden, die ununterbrochen und völlig unerkannt durch die arabische Wüste fahren. Wenn man also das Fahrzeug jetzt gerade sieht und dann dort nachschauen will, ist es schon weg! Schließlich fährt es ja herum!

Diese brillante Präsentation war letztlich DIE Begründung dafür, ein Land in Schutt und Asche zu bomben sowie einen Diktator zu entmachten und hinrichten zu lassen. Zu unser aller Überraschung fand man keine Chemiewaffen und auch keine fahrenden Labore. Schon damals behaupteten dieselben ‚Kreise‘ dann, man habe die Waffen nicht gefunden, weil Saddam sie noch schnell vor dem Ende ins Ausland, zum Beispiel nach Syrien schaffte. Also eine Ausrede findet sich ja immer. Aber es gab auch den Versuch der US-Politik zu behaupten, die falschen Informationen kämen vom deutschen BND oder von einem der zahlreichen britischen Geheimdienste. Die Idee, es den deutschen Verbündeten anzuhängen, wurde dann nicht weiter verfolgt, schließlich hatte sich Deutschland damals – Schröder sei Dank – nicht aktiv an diesem Krieg beteiligt. Doch beim britischen Geheimdienst wurde man fündig. Dieser hatte tatsächlich wesentliche Informationen zu Colin Powells Präsentation geliefert. Deshalb gab es im britischen Parlament eine Untersuchung, woher der eigene Geheimdienst diese Informationen hatte. Am Ende stellte sich heraus, dass ein britischer Agent die besagten Informationen angeblich von einem Taxifahrer in Bagdad hatte… Und das war der Beginn von Colin Powells Präsentation!

Nennen wir das Kind beim Namen: Die Intervention im Irak war ein simpler Angriffskrieg. Schaut man bei Afghanistan, liegt dort der Fall nicht viel anders. Es wird behauptet dass Osama bin Laden mit den Taliban unter einer Decke steckte. Welchen sicheren Beleg gibt es dafür? Dass Osama bin Laden in Afghanistan war darf angenommen werden. Doch schauen wir uns an, wie lange er sich in Pakistan unerkannt aufhalten konnte. Und wer behauptet nun, die pakistanische Regierung steckte mit Osama bin Laden unter einer Decke? Und warum hat unser Friedensnobelpreisträger damals als er Osama bin Laden erschießen ließ, nicht gleich auch noch eine Bombe auf Islamabad geworfen, damit die Terroristenbrut dort auch ‚ausgeräuchert‘ wird? Na weil in diesen Ländern der Aufenthalt einer Person nicht unbedingt ein Beleg dafür ist, dass er mit der Regierung zusammen arbeitet…. Es ist und bleibt eine unbelegte Behauptung, dass die Taliban mit verantwortlich sind für den 11. September 2001. Es gibt kein neutrales Gericht das diese Behauptung durch Beweise unterfüttert.

Irak und Afghanistan waren Angriffskriege mit gefälschten Begründungen. Im Libyen-Krieg erfolgte der Angriffskrieg noch offensichtlicher. Damals gab es eine UN-Resolution, dass mit Hilfe einer Flugverbotszone die Bevölkerung vor den Angriffen der Regierung geschützt werden soll. Und wie ist es heute? Oberst Gaddafi ist tot, seine Regierung abgesetzt, das Land ist zerfallen in Einfluss-Zonen, Milizen und Privatarmeen haben in den jeweiligen Regionen die Macht – und wer schützt nun die Bevölkerung vor diesen mafiösen Vereinigungen?…


Und nun haben wir wieder eine vergleichbare Situation wie bei den drei vorangegangenen Angriffskriegen auf Afghanistan, Irak und Libyen. Es werden sogar erneut dieselben tollen Argumente geliefert: Massenvernichtungswaffen, wir müssen die Bevölkerung schützen, wir müssen die Demokratie bringen, und, und, und. Es sind fast dieselben Argumente wie 2002. Es hat sich nichts geändert.

Nimmt man so manche Diskussion im Internet unter die Lupe, so findet man genügend Hinweise darauf, dass der Vorwurf, die Regierung Assad hätte Sarin oder ein anderes Giftgas eingesetzt bei einer näheren Untersuchung nicht bewiesen werden kann. Im Gegenteil: Es gibt schon jetzt genügend Indizien dafür, dass zum Beispiel die Youtube-Videos, die den Giftgasangriff dokumentieren, nicht die ganze Faktenlage wieder geben. So wird offen diskutiert dass diese Videos einen Tag vor dem Anschlag hochgeladen wurden…. Alles riecht wieder, wie schon in fast allen anderen Fällen zuvor nach Manipulation, nach Angriffskrieg, nach false-flag Operationen.

Es zeigen sich schon jetzt Indizien dafür, dass die Argumentation der USA und Großbritanniens nicht stimmen kann, aber es wird unverdrossen weiter behauptet, Assad hätte die eigene Bevölkerung mitten im Bürgerkrieg mit Sarin oder einem anderen Giftgas getötet. Gerade wird von der Zeitung ‚Locus‘ behauptet, Assad hätte auch Napalm gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt… Andere Quellen behaupten, es wäre nicht Assad gewesen, sondern sein im Rollstuhl sitzender Bruder… Es schießen alle möglichen Behauptungen ins Kraut und diese werden fröhlich in den Qualitätsmedien ventiliert und nachher natürlich nicht berichtigt und zurück genommen.

Und wenn man dann erfährt, dass John (Ketchup) Kerry, Skulls&Bones Mitglied, Vietnamkriegsteilnehmer und derzeit amerikanischer Außenminister ‚auf den Weg nach Hause‘ sich die besagten Videos ‚anschaute‘ und dann sagte, er sei sich nun sicher, dass Assad der Schuldige ist, wundert man sich schon, wie genau er die Videos angesehen hat und was er da nun untersucht hat. Oder hat er es gesehen wie man einen TV Film anschaut ohne groß Fragen zu stellen? Wir werden nie erfahren, was John Kerry da genau sah und was er genau untersuchte, aber sicher ist, er will mit seinen Äußerungen keinen Ketchup verspritzen!

Überhaupt gewinnt man den Eindruck, dass wieder dieselben ‚Kreise‘ wie schon im Fall Afghanistan, Irak und Libyen einen Angriffskrieg unbedingt herbei reden wollen, noch bevor die Fakten durch die UN Inspektoren oder eine andere neutrale Stelle untersucht wurden. Und es geht gerade darum, dass es nicht mehr untersucht wird, denn ist der Konflikt erst einmal im Gange, dann schauen alle wie gebannt auf ‚die große Show‘ wie damals im Irak-Krieg oder in Libyen und keiner fragt mehr. Vor allem wird es gerne als illoyal gewertet, nicht hinter der Armee zu stehen, wenn diese kämpft. Wer dann Fragen stellt, verhindert oder erschwert den Sieg. So ist die Logik… Und wenn erst mal ‚zurückgeschossen‘ wird, wird erst nach dem Krieg nach den Ursachen gefragt und das ist dann ungleich schwerer als gerade jetzt.

Gerade Kerry als Teilnehmer am Vietnamkrieg muss dies wissen. Der angebliche Vorfall im Golf von Tonkin ist ein gutes Beispiel dafür, wie man durch Lügen einen Krieg beginnt. Damals behaupteten die USA im Kongress, die Nordvietnamesen hätten ein Schiff der US Navy in internationalen Gewässern angegriffen. Heute wissen wir, dass dieser Darstellung wesentliche Fakten fehlten. Wären diese Fakten und auch die Fälschungen der NSA damals offen gelegt worden, wäre der Kriegsgrund entfallen. Aber wer fragt schon nach dem Krieg danach, was vor dem Krieg war? Bis heute gibt es zu diesem ‚fake‘ der USA keinerlei Konsequenzen, aber die Vietnamesen die in diesem Krieg fielen, bleiben tot.

Und mit dieser ‚Masche‘ versucht es der Ketchup Produzent und sein Wanzen- und Drohnenkönig wieder. Und auch der britische Premier Cameron macht mit. Und keiner der Beteiligten schämt sich auch nur ein bisschen… Und Kanzlerin Merkel schämt sich ebenfalls nicht, weder in Bezug auf ‚ihre‘ Verbündeten, noch in Bezug darauf, dass auch sie sich in der Vorverurteilung des Assad Regimes übt. Dies jedenfalls kann man den Äußerungen ihres Regierungssprechers entnehmen.

Erst eine saubere und begründete Anklage auf der Grundlage einer UN-Resolution berechtigt zu derartigen Anklagen und eventuell dann zu einer militärischen Intervention. Es darf keinen Angriffskrieg geben mit dem Ziel, politische Gegner mit Waffengewalt aus dem Weg zu räumen,

meint
fortunato

 

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