Sergej Karaganow: «Wir müssen Europa bestrafen – notfalls mit Atomwaffen und zuerst Deutschland»

Sergej Karaganow: «Wir müssen Europa bestrafen – notfalls mit Atomwaffen und zuerst Deutschland»
Sergej Karaganow im Oktober 2025 in Moskau bei einem Interview (Foto: Tilo Gräser)

Mit drastischen Aussagen warnt der russische Politologe Sergej Karaganow vor allem die europäischen Politiker. Diese müssten ihren feindlichen Kurs gegenüber Russland sowie den Ukraine-Krieg beenden, sagt er im Interview mit dem US-Journalisten Tucker Carlson.

Quelle: transition-news

«Dieser Krieg kann und sollte nur beendet werden, wenn Russland Europa vollständig besiegt hat, hoffentlich ohne Europa zu vernichten.» Das sagt der russische Historiker und Politikwissenschaftler Sergej Karaganow in einem kürzlich veröffentlichten Interview mit dem US-Journalisten Tucker Carlson zum Ukraine-Krieg. Er erklärt dabei:

«Wir kämpfen nicht gegen die Ukraine, nicht gegen Selenskyj und dergleichen. Wir kämpfen jetzt wieder gegen das Europa, das seit jeher die Quelle allen Übels ist.»

Europa sei «seit jeher die Quelle allen Übels» und die «Ursache des Bösen in der Geschichte der Menschheit», so Karaganow unter anderem mit Blick auf zwei Weltkriege. Die europäischen Eliten hätten «nach all ihren Niederlagen nichts daraus gelernt» und würden wieder auf einen großen Krieg drängen. Als Grund sieht der das «das totale Versagen der europäischen Eliten».

Der Ursprung des Krieges in der Ukraine sei «böse Europa», weshalb keine wirkliche Friedenslösung in Sicht sei. Karaganow betont gegenüber dem US-Journalisten, dass er «nicht von ganz Europa» spreche, woe es viele gute Menschen und «sogar gute Länder» gebe. Aber Europa kehre dorthin zurück, «wo es in den letzten 500 Jahren war – und das ist die Quelle allen Übels in der Historie der Menschheit».

Ein mögliches Friedensabkommen für die Ukraine kann aus Sicht des russischen Politologen nur «Stückwerk» sein. «Dieser Krieg wird nicht aufhören», befürchtet er mit Blick auf die europäische Politik. Doch die Gelegenheit, das Töten zu beenden, müsse genutzt werden, betont er.

Karaganow gilt aufgrund seiner Forderungen nach einer harten Linie gegenüber dem Westen inzwischen als «Hardliner» unter den russischen Politikwissenschaftlern und Regierungsberatern. Dabei war er selbst «vor 40 Jahren ein Europhiler», wie er Carlson gesteht. Doch er sei mit der Zeit «sehr skeptisch geworden».

Verzweifelte europäische Eliten

Die politischen Kräfte in Europa seien «in jeder Hinsicht völlig gescheitert, moralisch, politisch, wirtschaftlich usw.» Europa gehe unter und sei nicht mehr in der Lage, die Welt auszubeuten und ihr die Renten abzuziehen, die sie aufgrund ihrer militärischen Überlegenheit in den letzten 500 Jahren erhalten haben.

«Aber jetzt verstehen sie, dass dieses goldene Zeitalter vorbei ist und dass sie verzweifelt sind, und sie verstehen, dass sie nicht vom Geld anderer leben können. Außerdem beginnen sie zu verstehen, dass sie nicht mehr auf dem Polster des Schutzes der USA leben können.»

Die USA bräuchten Europa und dessen politischen Eliten nicht mehr, so der russische Politologe, der in Folge «völlige Verzweiflung in dieser Schicht der Globalisten, der sogenannten liberalen europäischen Eliten» ausmacht. Er beklagt zugleich ein «so niedriges Niveau an intellektuellen Fähigkeiten in der Führung der meisten europäischen Länder», wie es aus der Geschichte nicht bekannt sei.

Die Möglichkeit einer Niederlage Russlands, von der zahlreiche europäische Politiker wiederholt sprachen, sei «eine Art fantastische Illusion» – «aber einige Leute sprechen aufgrund ihrer intellektuellen Unfähigkeit immer noch davon». Eine russische Niederlage würde bedeuten, dass Russland Atomwaffen einsetzen würde und Europa physisch zerstört wäre, warnt Karaganow.

Er bezeichnet es als «einfach unmöglich, darüber nachzudenken», aber die europäischen Politiker würden davon sprechen. Das geschehe, «weil sie einen Krieg brauchen, um ihren Machterhalt zu rechtfertigen, um ihre Existenz zu rechtfertigen». Es gehe darum, die scheiternde Europäische Union, die scheiternde Wirtschaft und die schwindende Position Europas in der Welt aufrechtzuerhalten.

«Die ganze Welt lacht jetzt über Europa, das übrigens früher eines der Kernzentren der Weltmacht war. Jetzt ist es ein Witz.»

Es gebe in der politischen Klasse Europas nur noch wenige ernstzunehmende Persönlichkeiten, mit denen er sich aber nicht mehr austauschen könne. Der russische Historiker sieht den Beginn des intellektuellen Niedergangs in der «Revolution» von 1968.

Vernunft mit Atomwaffen erzwingen

Im westlichen Europa werde ein «strategischer Parasitismus» gepflegt, erklärt er: «Sie haben den Krieg vergessen, und das ist schrecklich, denn sie waren die Ursache für die meisten Kriege in der Geschichte der Menschheit, aber jetzt haben sie keine Angst mehr.»

«Nun ist es also eine der Aufgaben Russlands, sie zur Vernunft zu bringen, hoffentlich ohne den Einsatz von Atomwaffen, sondern nur mit der Androhung ihres Einsatzes.»

Karaganow sagt, dass er die russische Regierung dafür kritisiere, zu vorsichtig und zu geduldig» mit den westlichen Politikern zu sein. Und er fügt hinzu: «Aber früher oder später, wenn sie diesen Krieg weiterhin unterstützen und Millionen Ukrainer und andere opfern, wird die angebliche Beharrlichkeit Russlands nachlassen und wir werden sie hart bestrafen müssen.»

Er warnt im Gespräch mit Carlson die europäischen Politiker, insbesondere die Deutschlands, dass, wenn diese so weitermachen wie bisher, es zu einem großen Krieg kommen werde und Millionen Menschen sterben. Doch in Europa werde diese Warnung nicht ernst genommen, bedauert der russische Historiker, der die meisten Politiker Europas als «gefährliche Idioten oder moralische Idioten» ansieht.

Europa habe «seinen moralischen, politischen, spirituellen Kern» verloren, auch die Furcht und das «Vertrauen in Gott». Er beklagt den Verlust des Respekts vor traditionellen Werten und zugleich, dass es verboten wurde, mit ihm und anderen aus Russland zu sprechen.

Die europäischen Eliten würden die Menschen auf einen Krieg vorbereiten, «zumindest moralisch, obwohl dieselben Eliten nicht begreifen können, dass es kein Europa mehr geben wird, wenn in Europa ein wirklich großer Krieg ausbricht und dieser Krieg in der Ukraine, den wir mit den Europäern führen, früher oder später eskaliert». «Gott sei Dank haben wir unsere Nukleardoktrin geändert, fügt der russische Politologe hinzu und erinnert an eine der jüngsten Aussagen von Präsident Wladimir Putin, dass es in Europa niemanden mehr geben werde, mit dem man reden kann, wenn es zu einem Krieg komme.

«Aber ich hoffe und ich flehe und ich bete so, dass er oder wir diese Entscheidung nicht treffen müssen.»

Karaganow bemängelt an Putin, dass er «zu vorsichtig ist». Vorstellungen im Westen und in der Ukraine, den russischen Präsidenten zu töten, seien aus «Hass von Menschen, die ihren Verstand verloren haben», geboren. Als er Historiker finde er, dass «selbst in Hitlers Deutschland das Ausmaß der antirussischen Propaganda, der Russophobie, vielleicht schwächer oder zumindest gleichwertig mit dem war, was derzeit in Europa geschieht».

Forderung nach «radikaler Eskalation»

Ein Angriff auf Russlands Präsident würde bedeuten, «dass Europa von der Landkarte der Menschheit verschwinden würde», warnt er. Er hoffe, es würde nicht auf physische Weise bestraft werden, komme aber langsam zu der Überzeugung, «dass diese Idioten nichts außer physischem Schmerz verstehen».

Er fordert von der russischen Führung eine «radikale Eskalation», wenn sie diesen «sinnlosen Krieg in der Ukraine nicht beenden». Dabei nennt er drastische Vorschläge:

«Jetzt müssten wir anfangen, Europa mit konventionellen Waffen anzugreifen, und dann als nächsten Schritt mit Wellen von Atomschlägen.»

Karaganow fügt gegenüber Carlson hinzu, er hoffe, dass dieser Punkt nicht erreicht werde, «denn der Einsatz von Atomwaffen, jeder Waffe, ist eine Sünde, aber der Einsatz von Atomwaffen ist eine doppelte Sünde». Er möchte nicht, «dass Russland ein so großer Sünder ist», fügt aber hinzu, «wenn es nötig ist, müssen wir die europäische Bedrohung für die Menschheit beseitigen».

Aus seiner Sicht bleiben noch ein bis zwei Jahre, bevor es zum Ausbruch eines Atomkrieges kommt, wenn sich die westliche Politik nicht ändert. Er habe Moskau aufgefordert, früher zu eskalieren, aber «Präsident Putin ist sehr religiös und vorsichtig». Die Eskalationsstufe sei durch die Änderung der russischen Nukleardoktrin erhöht worden und dadurch die nukleare Schwelle gesenkt worden.

Auch das russische Nuklear-Potenzial in Europa und anderswo sei ausgebaut worden, «aber in der Hoffnung, dass wir sie aufhalten können, bevor sie die Schwelle überschreiten». Der Atomwaffeneinsatz sei zwar «eine Sünde», aber könne «notwendig sein, um die Menschheit zu retten».

«Deshalb habe ich einen begrenzten Einsatz von Atomwaffen gegen Europa gefordert. Denn sonst würde die Welt in einen dritten Weltkrieg abdriften, zu dem uns die Europäer drängen. Ich meine, sie haben das in der Geschichte bereits zweimal getan und die Vereinigten Staaten mit hineingezogen.»

Karaganow meint, wie im Zweiten Weltkrieg müsse Russland die Europäer «entweder bestrafen oder ihnen helfen, ihre Meinung zu ändern». Die europäischen Eliten müssen sich aus seiner Sicht ändern. Käme es zu einem russischen Angriff auf die europäischen Nato-Staaten, würden die USA diesen nicht helfen, ist er sich sicher.

Deutschland als vorrangiges Ziel

Als vorrangige Ziele für einen russischen Atomwaffeneinsatz nennt er Deutschland und Großbritannien. «Deutschland sollte an erster Stelle stehen, denn Deutschland ist die Quelle des Schlimmsten in der Geschichte Europas» fügt er hinzu und hofft, dass es nicht soweit kommt – «ich habe viele deutsche Freunde»

Auf die Frage von Carlson zur Ausrichtung Russlands auf den Osten und die Partnerschaft mit China, sagt der russische Historiker «Wir retten unsere Seele». Russland sei ein «asiatisches Reich mit einem sehr starken europäischen kulturellen Einfluss, den wir lieben und verehren».

«Unsere europäische Reise war eine, die Peter der Große aus bestimmten Gründen begonnen hat, weil wir technologisch rückständig waren. Sie ist vorbei, sie hätte vor 150 Jahren vorbei sein sollen.»

Aber jetzt sei Russland im Aufbruch, so Karaganow, der «die Merkmale des europäischen Kulturerbes, das wir mit Ihnen teilen, in unseren Herzen und unseren Köpfen» behalten möchte. Die westlichen Sanktionen hätten Russland geholfen, zu sich selbst zu finden, sagt er und wünscht sich, dass sie grundsätzlich bestehen bleiben. Sie hätten geholfen, die «Komprador-Eliten» und «die fünfte Kolonne ohne Repressionen» zu beseitigen.

«Wir kehren zu unserer russischen Kultur, unserer russischen Seele zurück. Wir werden zu Russen. Vielen Dank. Das einzige Problem mit diesen Sanktionen und diesem Krieg ist, dass wir dafür mit dem Leben unserer besten Männer bezahlen müssen.»

Das bedrohte Russland sei «wieder eine kriegführende Nation», «eine Nation von Kriegern», so der russische Historiker. «Und wenn wir angegriffen werden, sei es indirekt oder direkt, dann zeigen wir uns von unserer besten Seite», erklärt er seinem US-amerikanischen Gesprächspartner.

Gefragt nach seiner Sicht auf die Rolle der USA sagt er, dass diese «sehr entscheidend für den Beginn dieses Krieges» gewesen seien. Die US-Führung habe in den frühen 2000er Jahren begonnen, die europäische Frage hochzuspielen, «weil sie Angst vor der Möglichkeit hatten, dass Russland und Deutschland ein kontinentales Geschäft aufbauen könnten»

Zweifel an US-amerikanischer Politik

Ihm gefalle das Angebot von US-Präsident Donald Trump für eine Friedenslösung in der Ukraine nicht, gesteht Karaganow. Es löse das eigentliche Problem nicht, die Feindseligkeit und Aggression Europas gegenüber Russland. Dennoch müsse die Möglichkeit genutzt werden, den Krieg zu beenden.

Er äußert aber Zweifel, ob Trump sich gegen die inneren und äußeren Widerstände durchsetzen kann. Selbst wenn der Ukraine-Krieg vorerst beendet werden könne, bestehe die Gefahr, dass er wieder aufflamme. Dann «müssen wir die Ursache dieses Krieges beseitigen, nämlich die Feindseligkeit der europäischen Eliten und ihre Bereitschaft, den Krieg auf dem europäischen Subkontinent anzuheizen».

Trump habe aber eine Chance verdient, erklärt Karaganow, der zugleich jüngsten US-Aktionen wie die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und das Kapern eines Öltankers unter russischer Flagge klar kritisiert. «Wenn das so weitergeht, müssen wir wieder zu harten Verhaltensweisen zurückkehren», betont er. Russland sei aber an guten Beziehungen zu den USA interessiert, ebenso wie zu China und Indien.

In Russland werde gehofft, dass Trump aufrichtig ist, «aber wir vertrauen der US-amerikanischen Politik nicht». Bis zu einem gewissen Grad würden Trumps Vorschläge «wie eine Honigfalle» aussehen. Denn der Krieg gehe weiter und es werde nicht über Frieden gesprochen. Der Kiewer Machthaber Wolodymyr Selenskyj und europäische Politiker würden das blockieren.

Es scheine, «dass dieser Krieg weitergeht und dass die Vereinigten Staaten ihn vielleicht letztendlich gar nicht beenden wollen», so Karaganow, der Russland in der Pflicht sieht, das zu tun. Am Ende des Gesprächs mit Carlson wiederholt er seine drastische Warnung:

«Oder wir kehren zu der Lösung zurück, die ich bereits mehrfach erwähnt habe, nämlich damit zu beginnen, unsere europäischen Feinde zu bestrafen, in der Hoffnung, dass die Vereinigten Staaten dies tun würden, und in dem Wissen, dass sie sich zurückhalten würden und sich nicht an einem Atomkrieg in Europa beteiligen.»

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Quelle:

Russia in Global Affairs: Russia Will Nuke Germany and the UK if the War in Ukraine Continues – 16. Januar 2026


«Deutschland sollte an erster Stelle stehen, denn Deutschland ist die Quelle des Schlimmsten in der Geschichte Europas» fügt er hinzu…

Herrn Sergej Karaganow muss ich da leider widersprechen, wenn man z.B. die letzten tausend Jahre der Geschichte betrachtet.

„Mit der Revolution von 1848 entstand erstmals ein deutscher Nationalstaat. Zuvor zeichnete sich der deutschsprachige Raum durch Vielstaatlichkeit und föderative Staatenbünde aus.“

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