„Seine Dienste werden nicht mehr benötigt“

Trump feuert Sicherheitsberater Bolton, was nun?

von Thomas Röper (anti-spiegel)

John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater des US-Präsidenten, ist seinen Job los. Ob er zurückgetreten ist oder entlassen wurde, ist nicht ganz klar. Wie kam es dazu und was kann es für die Zukunft bedeuten.

Es gab reichlich offene Konflikte zwischen Trump und seinem Sicherheitsberater, über die auch ich immer wieder berichtet habe. Bolton ist ein absoluter Falke, Trump hingegen ist trotz seiner Twitter-Rhetorik eher eine Taube. Im Gegensatz zu allen seinen Vorgängern im Amt des US-Präsidenten hat Trump bis heute noch keinen Krieg angefangen. Das sollte man bei all der negativen Berichterstattung über Trump und seine raue Rhetorik nie vergessen.

Ich habe nie verstanden, warum Trump Bolton den Posten gegeben hat. Bei so ziemlich allen außenpolitischen Themen waren ihre Postionen völlig unterschiedlich.

Trump hat im Wahlkampf und auch danach immer wieder gesagt, dass er die Beziehungen zu Russland normalisieren möchte. Das wurde schon im Wahlkampf durch das sogenannte Russiagate mit der angeblichen russischen Einmischung in die US-Wahlen konterkariert. Auch wenn da am Ende nichts dran war und Mueller in seinem Bericht nichts in der Sache vorlegen konnte, konnte Trump keinen Schritt in Richtung Russland machen, ohne dass die Medien ihn als Agenten des Kreml bezeichnet hätten. Im Ergebnis gab es keine Normalisierung der Beziehungen, sondern eine Welle anti-russischer Sanktionen nach der anderen.

Bolton war gegen jede Annäherung an Russland und hat schon seit über zehn Jahren dafür gekämpft, alle Abrüstungsverträge mit Russland zu kündigen, was ihm als Sicherheitsberater mit der Kündigung des INF-Vertrages auch gelungen ist.

Eine weitere Herzensangelegenheit ist für Trump die Entspannung auf der koreanischen Halbinsel. Warum ihm das so wichtig ist, weiß kein Mensch, aber es ist offensichtlich. Auch hier war Bolton gegen Trump und bekam dabei auch Unterstützung von Außenminister Pompeo. Nordkorea hatte zwischenzeitlich sogar Gespräche abgelehnt, wenn einer der beiden Herren mit am Tisch sitzen sollte.

Auch Venezuela ist ein solches Beispiel. Trump wollte keinen weiteren Krieg, er hat den US-Wählern vielmehr versprochen, die US-Soldaten nach Hause zu holen und sie nicht in weitere Kriege zu schicken. Aber trotzdem provozierte Bolton, in dem er demonstrativ vor der Presse mit einer Mappe stand, auf der für alle gut sichtbar zu lesen war, dass weitere US-Soldaten in Venezuelas Nachbarschaft geschickt werden sollten. Sicher, auch Trump hätte lieber eine andere Regierung in Venezuela, aber er will keinen Krieg, den Bolton wohl bereit gewesen wäre, zu führen.

Auch beim Thema Iran waren es Bolton und Pompeo, die versucht haben, Trump in einen Krieg zu treiben. Das ging so weit, dass Trump sogar kurzerhand erklärte, die USA hätten keine Interessen im Zusammenhang mit der Durchfahrt von Tankern durch die Straße von Hormus. Damals war es gerade zu Anschlägen auf Tanker gekommen und die Falken wollten sie dem Iran anhängen und sprachen von wichtigen US-Interessen, die zu schützen wären. Trump nahm dem mit seiner Aussage den Wind aus den Segeln, indem er darauf hingewiesen hat, dass die USA dank Fracking selbst genug Öl produzieren, weshalb dort kein US-Interesse sei. Darum sollten sich die EU, China und Japan kümmern, die von dort Öl erhielten.

Und wie durch ein Wunder gab es danach keine Probleme mehr mit Angriffen auf Tanker in der Region.

Oder die Ukraine. Die scheint Trump völlig egal zu sein, aber Bolton, als Geostratege der alten Schule, will die Ukraine weiter gegen Russland einsetzen. Um die Ukraine ist es aus Sicht der USA merkwürdig ruhig geworden. Sie scheint keinerlei Priorität zu haben, es gab sogar schon Stimmen aus Trumps Umfeld, die Waffenlieferungen an Kiew einzustellen, natürlich folgte dem sofort ein Proteststurm. Aber Trump scheint die Ukraine nicht einmal wichtig genug zu sein, um ein Ende der Waffenlieferungen durchzusetzen. Er spricht auch eigentlich nie über das Land. Obwohl die Ukraine für die Geostrategen in Washington sehr wichtig als Stachel im russischen Fleisch ist, interessiert sie Trump offensichtlich gar nicht.+

Wenn man das in Kombination setzt mit seinem Wunsch, sich mit Russland zu vertragen, dürften bei den US-Geostrategen alle roten Lampen angehen. Trump könnte die Ukraine in Verhandlungen mit Russland einsetzen, um woanders Zugeständnisse zu bekommen. Aber die Ukraine in die Freiheit zu entlassen und eine Aussöhnung zwischen Kiew und Moskau ist für transatlantische Geostrategen der Super-Gau.





Und zuletzt Afghanistan. Trump hatte schon im Wahlkampf versprochen, die US-Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Bolton war davon alles andere als begeistert. Es gab seit langem Verhandlungen mit den Taliban. Diese hat Trump nun für gescheitert erklärt. Damit ist seine Idee, aus Afghanistan abzuziehen, geplatzt. Die interessante Frage ist, was in dieser Sache hinter den Kulissen geschehen ist und ob das Scheitern Afghanistan-Verhandlungen vielleicht der Tropfen war, der das Fass zwischen den beiden zum Überlaufen gebracht hat.

Es gab also eigentlich bei allen Themen Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und Bolton. Ein Sicherheitsberater muss aber per Definition ein loyaler Mitarbeiter seines Chefs sein. Daher habe ich nie verstanden, warum Trump ihm den Posten gegeben hat.

Am Dienstagabend hat Trump über Twitter mitgeteilt, er habe Bolton gebeten, seinen Rücktritt einzureichen, was Bolton am Morgen auch getan habe. „Das Weiße Haus braucht seine Dienste nicht mehr“ hieß es knapp bei Trump. Und weiter bestätigte er das, was Beobachter wie ich seit Monaten schreiben, nämlich dass es starke Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen gegeben habe. Trump teilte weiter mit, er werde einen Nachfolger nächste Woche ernennen.

Bolton sieht die Sache anders und schreibt ebenfalls auf Twitter, er hätte seinen Rücktritt angeboten und Trump hätte das am nächsten Tag besprechen wollen.

Was auch immer wahr ist, Fakt ist Bolton ist weg und die Frage ist, wie geht es weiter?

Das werden wir in den nächsten Tagen sehen, jedenfalls ist es spannend, dass der Machtkampf zwischen der „alten Garde“ der Falken und Trump nun anscheinend offen ausgebrochen ist. Ob dieser Machtkampf eskaliert und ob diese Geschichte auch Pompeo das Amt kosten, oder seine Position stärken wird? Wer weiß.

Wer in dem Machtkampf hinter den Kulissen in Washington Oberwasser hat, werden wir vielleicht erraten können, wenn Trump Boltons Nachfolger präsentiert. Wird es wieder ein Falke oder jemand, der Trumps außenpolitische Ziele teilt?

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„Seine Dienste werden nicht mehr benötigt“
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9 Kommentare

  1. Warum setzte er einen Kriegstreiber an seine Seite? Ganz ehrlich, ich würde das in Trumps Situation auch tunenlightened.
    Trump hat das Oberkommando und ohne ihn läuft kriegsmäßig gar nichts. Bis jetzt hat er bewiesen, dass er keine neuen Kriege will. Bolten hat allerdings ständig mit den Säbeln gerasselt und Trump hat ihn rasseln lassen. Er hat sich auch angesehen, dass Bolton gegen den Iran vorgehen wollte und gegen Nordkorea. Damit hat Bolton eigentlich ständig seine Vergangenheit bestätigt. Trump wußte das vorher.
    Um glaubwürdig daher zu kommen, für das, was er in den Wahlen versprochen hat, konnte er durch den Rausschmiss Boltons dem Rest der Welt zeigen, dass er seine Versprechen hält und verläßlich ist. Trump wird keinen Krieg mehr mit Waffen anfangen, sehr zum Ärger des Tiefen Staates, welchem Bolton angehört, was man seinem Werdegang entnehmen kann. Das war ein deutliches Zeichen von Trump.
    Über seine "Deals" und "Handelskriege" kann man streiten. Aber solange wir da nicht den richtigen Durchblick und die wahren Hintergründe wissen, sollten wir von Vorverurteilungen absehen und einfach abwarten, was dabei heraus kommt. So richtig gibt sich Trump noch nicht zu erkennen, weshalb man über ihn z.Zt. nur spekulieren kann. Ich denke, niemand kann ihn im Moment richtig einordnen.
    Bleiben wir also gespannt. Hautpsache er zettelt keine Kriege mehr an, da wäre der Welt schon ziemlich geholfen.
     

    • Des Angsthasen letzte Hoffnung: Trump!  😉

       Im Prinzip, gehe ich mit Dir! Aber, eine Amtszeit wird nicht reichen, um den ganzen Stall da auszumisten! Und wenn ich höre, was Netanjahu, im Falle eines erneuten Wahlsieges ankündigt …

       Interessant sind auch die drei Hauptfiguren des Hongkonger "Widerstandes", Joshua, Nathan und Agnes. Klingt so gar nicht chinesisch, wenn man von den Familiennamen mal absieht?

       Hongkong war britische Kronkolonie und immer so chinesisch, wie die Krim auch immer russisch war!

       Ob ein Trump das alleine stemmen kann? Wer steht hinter ihm? Wer hilft ihm?

      • Nein Jürgen, es ist nicht meine letzte Hoffnung Trump. Denn auch ich kann ihn nicht einschätzen. Ich denke, er wird eine zweite Amtszeit bekommen, es sei denn er wird vorher beseitigt. Meine Hoffnung ist allerdings, dass es durch ihn auf der Welt friedlicher bleibt.

        Wer steht hinter ihm? Wer hilft ihm? Das ist eine gute Frage, die ich Dir nicht beantworten kann.

        Was hat Bibi denn angekündigt, falls Trump nochmal gewählt wird?

        • Bibi? Annektierung des Jordantals … Das hast DU nicht mitbekommen?

           Die Beseitigung Trumps, in welcher Form auch immer, steht natürlich immer im Raum …

           Daß Trump keine Kriege anzettelt, hat natürlich einen Grund. Und ich bin davon überzeugt, daß er, in dieser Hinsicht, auch nur Ausführender ist! Und das nicht nur unter dem Aspekt, daß er die alten Eliten entsorgen soll!

          • Man kann ja nicht alles wissen.

            Und natürlich ist Trump auch nur Ausführender. Aber für wen?

            Die alte Elite wird er nicht entsorgen können. Die sind zu mächtig, zu viele und viel zu vernetzt. Lahmlegen vielleicht. Aber dazu brauchts wirklich eine sehr mächtige Hintergrundorganisation. Wer könnte das sein? Ich weiß es nicht. Man liest so viel im Netz, aber man muß das auch hinterfragen und nicht einfach so hinnehmen. Ich wünschte auch, dass da mehr Klarheit zu sehen wäre.

            Und inwieweit das uns betreffen wird, weiß ich auch nicht. Das Zertrümmern Deutschlands geht ja munter weiter.

            • "wird er nicht entsorgen können"

               Ja was ist dann mit den ganzen Briefumschlägen bei der Beerdigung vom alten Bush und den "versiegelten" Anklagen(?)?  Ich denke schon, daß die alten Landeseliten "entsorgt" werden müssen! Wie anders sollte es eine Veränderung geben?

               Ist es vorstellbar, daß Trump auf Geheiß derer seine Politik macht, die schon immer das Sagen hatten? Halt unter, für uns, neuen Vorzeichen?

               

              • Ja, die Landeseliten wie Obama, Clinton, Bush usw. könnte sein. Aber die wirklichen Strippenzieher wird er nicht schaffen, weil es zu viele weltweit sind. Ich habe keine Ahnung, was er wirklich mit Sumpf trockenlegen meinte.

  2. Bolton hat immer wieder versucht, Trump in einen Krieg zu verwickeln.  Trump kann sich jedoch keine einzige Niederlage leisten, weil er innenpolitisch von den Geheimlogen ununterbrochen angegriffen wird, auch in unserem Rundfunk.  Rachel Maddow wird deswegen jetzt wegen Lügerei mit 10 Millionen Dollar verklagt:

    https://www.cbsnews.com/news/rachel-maddow-sued-by-one-america-news-for-10-million-in-defamation-case/

    Bolton aktivierte die völlig veraltete Monroe-Doktrin im Falle Venezuela, derzufolge niemand außer den USA  in der westlichen Hemisphäre was zu suchen hat.  Diese Monroe-Doktrin ist jedoch von den USA selbst gebrochen werden, als sie in den Ersten Weltkrieg gegen uns eintraten.

    Hitler versuchte am 15. Juni 1940 vergeblich den Eintritt der USA in den Krieg zu verhindern, indem er sie beim Portepee faßte und sie auf die Monroe-Doktrin hinwies:

    http://gruenguertel.kremser.info/wp-content/uploads/HitlerReden_1940_1941.pdf

    „Deutschland hat territoriale oder politische Interessen auf dem amerikanischen Kontinent weder früher gehabt, noch besitzt es solche heute. Wer das Gegenteil behauptet, lügt aus irgendwelchen Gründen vorsätzlich. Wie sich der amerikanische Kontinent daher sein Leben gestaltet“, so betonte der Führer, „interessiert uns nicht. Dies gilt nicht nur für Nordamerika, sondern ebenso für Südamerika.“

    Zu der Monroedoktrin bemerkte der Führer:

    „Ich glaube nicht, daß eine Doktrin, wie sie Monroe proklamiert hat, als eine einseitige lnanspruchnahme der Nichteinmischung aufgefaßt werden konnte oder kann; denn der Zweck der Monroedoktrin bestand nicht darin, zu verhindern, daß europäische Staaten sich in amerikanische Dinge einmischen – was übrigens England, das selbst, ungeheure territoriale und politische Interessen in Amerika besitzt, fortgesetzt tut -, sondern daß ebenso Amerika sich nicht in europäische Angelegenheiten einmengt. Die Tatsache, daß George Washington selbst eine derartige Warnung an das amerikanische Volk ergehen ließ, bestätigt die Logik und Vernünftigkeit dieser Auslegung. Ich sage daher: Amerika den Amerikanern. Europa den Europäern!“

    Die Amis sagten jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg:  Europa gehört uns – und so ist es leider bis auf den heutigen Tag geblieben!!!

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