Rundfunk-Krise geht weiter: NDR-Chefs handeln laut Bericht wie „Pressesprecher von Ministerien“

Die jüngst bekannt gewordenen Verhältnisse beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) sind offenbar nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Die Krise von ARD und ZDF betrifft nicht nur die Ausgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern auch die redaktionelle Arbeit der Sender.

Rundfunk-Krise geht weiter: NDR-Chefs handeln laut Bericht wie "Pressesprecher von Ministerien"
Quelle: www.globallookpress.com © Axel Heimken/dpa Der Eingang des NDR-Landesfunkhauses Schleswig-Holstein in Kiel, 25. August 2022

Quelle: rtdeutsch

Enthüllungen des Nachrichtenportals Business Insider hatten dazu geführt, dass nicht nur seit Wochen über die Missstände beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) diskutiert wird und dessen Intendantin ihre Posten räumen musste. Nun hat das Portal nachgelegt: Es geht inzwischen nicht mehr nur um den rbb, sondern grundsätzlich um die Arbeitsweise von ARD und ZDF.

 

Journalistische Standards

Bei ihren nachfolgenden Rundfunk-Recherchen konnten die Rechercheure des Business Insider auf vertrauliche Unterlagen des NDR zugreifen. Internen Untersuchungspapieren zufolge haben sich in der Vergangenheit neun Journalisten des NDR-Landesfunkhauses Kiel über Missstände bei ihrem Sender beschwert.

Die internen Berichte haben es in sich. Denn die NDR-Journalisten prangern darin weniger die Verschwendung und das ausschweifende Leben der Senderleitung an, sondern üben harsche Kritik an der journalistischen Praxis und nicht eingehaltenen, bisweilen sogar unterlaufenen professionellen Standards.

So laufen die Aussagen der Zeugen, die anonym bleiben wollten, letztlich auf massive politische Zensur und persönliche Einschüchterung in der Redaktion hinaus. Teilweise werde Berichterstattung verhindert, kritische Informationen würden heruntergespielt.

 

„Pressesprecher der Ministerien“

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, habe der Sender gegenüber dem Nachrichtenportal zunächst abgewiegelt und erklärt, NDR-Intendant Joachim Knuth sei über die entsprechenden Vorgänge informiert gewesen. Doch alle Abgrenzungsversuche gegenüber dem rbb scheinen dem Intendanten wenig genutzt zu haben. Denn die Enthüllungen legen nahe, dass von systematischer politischer und inhaltlicher Einflussnahme auf die Arbeit der Redakteure gesprochen werden muss. Der Business Insider zitiert aus den Berichten und schreibt:

„‚Autoren würden abgezogen und Beiträge in den Abnahmen massiv verändert.‘ Die Vorwürfe der Redakteure mündeten gar in der Behauptung, es gebe beim NDR in Kiel einen ‚politischen Filter‘, Führungskräfte würden wie ‚Pressesprecher der Ministerien‘ agieren, die kritischen Themen frühzeitig die Relevanz absprechen.“

Konfrontiert mit diesen Vorwürfen, habe der NDR die erwähnte frühere Stellungnahme korrigiert.

 

Verhinderte Aufklärung eines Rücktritts

Ins Rollen gekommen sei die Debatte um journalistische Standards beim NDR im Zuge der Recherchen über die Affäre um den früheren CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote, in die auch der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Daniel Günther (ebenfalls CDU), verwickelt sein soll. Ein Journalist des Senders, der Licht in die Ungereimtheiten um den 2020 erfolgten Rücktritt von Grote bringen und dazu ein Interview mit dem Ex-Minister führen wollte, wurde in seinen Recherchen erheblich ausgebremst. Obwohl er unter Kollegen als „exzellenter Journalist“ gelte, wurden die Texte des Reporters teilweise sinnentstellend umgeschrieben oder gar nicht erst abgenommen. Zum politischen Klima in der NDR-Redaktion heißt es in den internen Berichten, die Mitarbeiter würden vom Ministerpräsidenten des Landes und seinem Stellvertreter nur per Vornamen gesprochen, also von „Daniel“ (Günther) und „Heiner“ (Garg).

Wenige Stunden nach Veröffentlichung des Artikels des Business Insider habe „der langjährige Direktor des Landesfunkhauses Schleswig-Holstein, Volker Thormählen, […] eine Nachricht an die Mitarbeiter“ geschrieben und sie zu einem „Open Talk“ eingeladen. Noch am späten Abend des 24. August 2022 folgte eine ausführliche Stellungnahme des Senders.

Mehr zum Thema – rbb-Affäre: Ex-Intendantin Schlesinger fristlos entlassen

 

 

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2 Kommentare

  1. Wir hatten gerade erst den Skandal beim RBB.
    Und da muss noch sehr viel, nicht nur Strafrechtliches, sondern vor allem politisches aufgearbeitet werden!

    Und jetzt der NDR mit seinem, sicher Links – Grünen politischen Filter…

    Siehe zum RBB

    https://medforth.org/die-arroganz-der-selbstbediener

    Und inzwischen liesst man im Netz schon etwas über den ÖRR in Bayern BR und auch vom MDR in Sachsen…

    Wahrscheinlich die nächsten Skandale!

    Die vielen halb – staatlichen Zwangs – Rundfunk „Medienanstalten“, bzw. Propagandaanstalten in Deutschland gehören längst auf den Müllhaufen der Geschichte.

    Die AFD hat als einzige Partei ein gutes Konzept zur GEZ Reform in ihrem Parteiprogramm!

  2. Seitdem ich mich berühmen kann, wegen GEZ als Märtyrer im Schuldnerverzeichnis zu sein, kommen immer mehr Mißbrauchsfälle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ans Licht:

    https://www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=U2eaVIJ5-HU&feature=emb_title

    Haben diese Leute schon einmal daran gedacht, wie sehr sie sich ökonomisch schaden, wenn sie immer mehr Menschen wegen ÖRR aus dem System rausschmeißen? Denn ich muß damit rechnen, daß die eigentlich nur für Behörden zuständige Vollstreckungsstelle der Stadt Frankfurt mein Konto überwacht, so daß ich jeden Geldeingang sofort bar abhebe. Ich muß auch auf die Kreditkarte verzichten, weil ich ein Pfändungsschutzkonto wegen GEZ habe, kann also an der Digitalisierung nicht mitmachen.

    Barzahlungen ohne Kreditkarte sind doch ganz gegen ihre Agenda!

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