Politik ist Gestaltung der Zukunft

Klaus Madersbacher (antikrieg)

Wenn die deutsche Lügenpresse ihr Unwesen treibt, dann fällt das im südlichen Nachbarland gar nicht auf, weil die österreichischen Medien unter Führung des staatlichen Kultursenders die gleiche Lügenpropaganda im Dienst der terroristischen Supermacht und ihrer Helfershelfer vorort betreiben.

Wenn sich die deutschen Medien über uns Österreicher aufregen / über uns „herfallen,“ dann fällt das in eine ganz andere Kategorie. Es spielt dann keine Rolle, ob sie lügen oder nicht – sie haben natürlich zumindest teilweise recht, wie wir ganz genau wissen – sondern es wird reflexartig in den Abwehrmodus geschaltet. Das berühmt-berüchtigte „Wir-Gefühl“ – „mir san mir und lassen uns von die Deitschen nix dreinreden“ wird von denen hochgefahren und eingepeitscht, die selbst den meisten Dreck am Stecken und somit die größte Angst haben, nach Einsetzen der allgemeinen Ernüchterung nackert dazustehen.

Das hängt nicht zuletzt mit unserer besonders verdrängten Geschichte zusammen. Während die sogenannte nationalsozialistische Wiederbetätigung wie auch im ehemaligen Kernland dieses historischen GAU strengstens verboten ist und strafrechtlich verfolgt wird, haben wir hier einen Führer, einen faschistischen Diktator, sozusagen einen katholischen Erdogan, dessen Konterfei den Parlamentsklub der christlichen Österreichischen Volkspartei ziert. Unter dem „Millimetternich“ – er war auch physisch ein Kleinformat – wurden straflos Arbeiter ermordet, ihre Organisationen und sogar die sozialistische Partei verboten, obwohl diese schon damals vor der Reaktion auf den Knien lag. Weil er von Nazis im Lauf eines Putschversuchs erschossen wurde, wird er von besagter Partei als Märtyrer verehrt und im Parlament aufgehängt. Die christlich-reaktionären Schwarzen haben es bis heute nicht geschafft, sich von einem Arbeitermörder zu distanzieren, der zudem die parlamentarische Demokratie abgeschafft hat, der sie sich angeblich verpflichtet fühlen.

Unter anderem wurde von der austrofaschistischen Diktatur das Haus Habsburg rehabilitiert, das nach dem Ersten Weltkrieg enteignet und zusammen mit dem Adel abgeschafft wurde. Nebst Kaiserjägern, Kaiserschützen und ähnlichen Fossilien wird die monarchistische Tradition von der katholischen Kirche hochgehalten, zum Beispiel bei Begräbnissen, Hochzeiten etc. Nicht uninteressant die Szene, wo die kaiserliche Hoheiten und Anhänger lauthals die Kaiserhymne singen, während die „roten“ Spitzenpolitiker not amused dreinschauen – „betropfezt,“ so der inneralpine Terminus – was haben sie auch bei diesem Klamauk zu suchen? (> LINK)

Was es für einen Sinn macht, in diesen Sümpfen der Vergangenheit herumzuwühlen? Herumwühlen allein macht keinen Sinn, es macht aber Sinn, die Dinge beim Namen zu nennen und herauszufinden, auf welcher Stufe der historischen Vergangenheit sich die diversen politischen Akteure befinden. Warum soll etwa die ominöse „Stahlhelmfraktion“ der ÖVP ihre reaktionären Positionen durchsetzen können, nur weil sie die eigene Partei unter der Knute hat? Warum sollen zum Beispiel Schulreform und ähnlich wichtige politische Aufgaben ständig von einer ignoranten reaktionären Clique torpediert werden können, die immer noch ihrem Idealbild des autoritären Ständestaats der 1930er Jahre verhaftet ist? Mit Ewiggestrigen geht kein Weg in eine konstruktive Zukunft, das sollte mittlerweile bekannt sein.

Kaum registriert wird, dass der selbsternannte Kultursender und Propagandafunk Ö1 in seinen Journalen – diese „berichten“ immerhin über zwei Stunden am Tag – kaum vergisst, bei Politikern die Parteizugehörigkeit zu erwähnen. Es wäre interessant zu wissen, auf wessen Mist das gewachsen ist. Dadurch wird zumindest im Unterbewusstsein der Eindruck erweckt / aufrechterhalten, dass man es in erster Linie mit Parteileuten zu tun hat. Jedes politische Problem wird auf diese Weise zu einem Spielball im Parteiengezänk, das man sich ungefähr wie eine ewige Sportveranstaltung/Schlammschlacht vorstellen sollte, mit dem jeweiligen ORF-Moderator als Möchtegern-Schiedsrichter, in Wirklichkeit aber nur zu oft als Zündler und Aufhetzer, was vielleicht als Gaudi gedacht ist, in Wirklichkeit aber das politische Klima im Land vergiftet.

Die Minister, so wird suggeriert, dienen also nicht der Republik oder gar dem Wohl der Allgemeinheit, wozu sie verpflichtet sind und wofür sie auch gut bezahlt werden, sondern ihrer Partei. Oft genug hat man auch den Eindruck, dass die jeweiligen „Experten“ nach Parteibuch/„Gesinnung“ ausgesucht werden und entsprechende Dinge von sich geben. Stahlhelmsprech etwa, wenn es um Flüchtlinge und dergleichen geht …

Wie auch immer – seit wenigen Tagen herrscht in Östereich Aufbruchsstimmung.

Nachdem anlässlich der Wahl des Bundespräsidenten das Wahlvolk demonstriert hat, dass es von den Kandidaten der beiden herrschenden Parteien nichts wissen will, war Feuer am Dach. Glücklicherweise stand der Kanzlerpartei SPÖ ein Mann zur Verfügung, der Gutes für die Zukunft erhoffen ließ.

Christian Kern, der es geschafft hat, aus den Österreichischen Bundesbahnen, die vom SB-Regime besonders arg zerzaust worden waren, wieder ein ordentliches Unternehmen zu machen, war der Mann der Stunde, der Retter aus der Not, eine Art Obama des Alpenlandes, wie man den vom Propagandafunk missionierten Obamagläubigen zu suggerieren versuchte.

Obama, der Hochschulprofessor, wusste natürlich, dass er keines von den Versprechen, mit denen er so großzügig um sich warf, einhalten konnte. Aber was soll´s – Hauptsache, er wurde zum Präsidenten gewählt, der ohne wesentliche Beeinträchtigung durch Kriegsgegner die verbrecherische terroristische Politik der Vereinigten Staaten von Amerika fortsetzen konnte. (Auf dieser Website werden Sie keinen einzigen Artikel finden, aus dem nicht eindeutig hervorgeht, dass die verbrecherische Kriegspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika unter Obama nicht nur fortgesetzt, sondern weiter eskaliert worden ist.)

Ich gehe davon aus, dass Christian Kern mit Obama nichts gemein hat. Ich denke, dass einer, der einen von einem Gaunerregime total verbockten Sauhaufen wieder zu einem zukunftsträchtigen Unternehmen machen konnte, über Fähigkeiten verfügt, die über das übliche Ausmaß hinausgehen.

Vielleicht hat Christian Kern auch mit den Bereichen nichts am Hut, aus dem zum Beispiel der Propagandafunk seine Experten holt, die den dummen – oder vielleicht doch nicht so dummen??? – Ösis die Welt erklären. Es ist schlimm genug, wenn angesichts der ständigen Verstöße gegen Internationales Recht aus dem Bereich der Rechtswissenschaft nichts zu hören ist, wenn Politikwissenschaftler die Vorgaben aus dem Weißen Haus oder Pentagon einfach nachbeten, wenn die Verbrechen der Finanzwelt einfach vertuscht werden, wenn die Behandlung innenpolitischer Themen immer wieder als Eiertanz aufgeführt wird.

Der neue Bundeskanzler ist seit langem der erste, der die Zukunft als entscheidenden politischen Faktor ins Spiel gebracht hat. In der Tat ist Politik nichts anderes als Gestaltung der Zukunft – wie wollen wir die Zukunft haben und was müssen wir tun, damit sie so wird?

Im Gegensatz zum bisherigen Dogma „Wer Visionen hat, braucht einen Arzt“ empfahl er folgerichtig denen, die keine Visionen – sprich Vorstellungen und Ideen für die Zukunft – haben, einen Arzt aufzusuchen.

Allein die Ansage, dass die Zukunft etwas ist, was wir nicht einfach über uns ergehen lassen müssen, sondern dass wir selbst dafür sorgen können/müssen, wie wir unsere Zukunft gestalten, klingt geradezu revolutionär. Dass eine Aufbruchsstimmung aufgekommen ist und wie ein frischer Wind durch das Land weht, spricht nicht nur für Christian Kern und sein Team, sondern auch für die Österreicher.

Alle Versuche und Tendenzen, mit autoritären/faschistischen Methoden der ehemaligen Führer brauner (verboten) oder schwarzer (von erzreaktionären Kreisen offen verehrt) Couleur zu liebäugeln oder gar vorzugehen, sind heute wie damals zum Scheitern verurteilt. Das sollte endlich eindeutig und offen zur Sprache kommen. Dieses Thema als eine Art sportlichen Wettbewerb mit unbekannten Kriterien abzuhandeln – wie anlässlich der jetzigen Wahl des Bundespräsidenten – kann nur als grob fahrlässig, wenn nicht als viel schlimmer bezeichnet werden. Der makabre Zirkus, den die Medien im Verbund mit ihren sogenannten Wissenschaftlern und Experten geboten haben, wird der neuen Führung und den Österreichern, die eine gute Zukunft für sich und ihre Nachkommen haben wollen, hoffentlich zu denken geben.

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