Finnland, Norwegen und Schweden haben große Mengen an Getreide aufgekauft. Finnland hat gerade die größte Zivilschutzübung seit 70 Jahren durchgeführt, und in Schweden sichern sich Bestatterverbände Flächen für die Erweiterung von Friedhöfen.
Quelle: transition-news
Schweden, Finnland und Norwegen bereiten sich schon seit geraumer Zeit sehr ernsthaft auf den Fall vor, dass plötzlich ein unvorhergesehenes Ereignis von großem Ausmaß eintritt. Wie das spanische Portal El Economista berichtet, haben die nordischen Länder einen Gedanken wieder aufgegriffen, den weite Teile Europas nach dem Ende des Kalten Krieges verworfen hatten: Eine hochentwickelte Gesellschaft muss darauf vorbereitet sein, auch dann zu funktionieren, wenn die Strukturen, die den Alltag tragen, vorübergehend ausfallen.
Es gehe dabei nicht zwangsläufig um Kriegsvorbereitungen oder Panikmache, sondern schlicht um Vorsorge, betont El Economista. Als mögliche Ereignisse führt das Portal großflächige Stromausfälle, Extremstürme, Cyberangriffe, Unterbrechungen der Wasserversorgung oder Logistikkrisen an.
Deshalb würden Finnland, Schweden und Norwegen ihre Widerstandsfähigkeit durch eine Strategie der «totalen Verteidigung» stärken, die Staat, Unternehmen und die Bürger selbst einbeziehe. Dazu gehören zum Beispiel Maßnahmen wie das Anlegen von Getreide- und Lebensmittelvorräten. So hat Norwegen kürzlich die öffentliche Getreidelagerung wieder eingeführt, die 2003 aufgegeben worden war. Und Schweden hat im Haushalt für 2026 Mittel in Höhe von 575 Millionen Kronen (etwa 51 Millionen Euro) für den Aufbau von Notreserven im Norden des Landes vorgesehen.
Der schwedische Minister für Zivilschutz, Carl-Oskar Bohlin, fasste das Vorhaben unter einem zentralen Aspekt zusammen: Jeder Haushalt sollte in der Lage sein, «auch in Krisenzeiten Essen auf den Tisch zu bringen». Durch die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen könnten nach Angaben der schwedischen Landwirtschaftsbehörde zwischen 90 und 95 % der Bevölkerung drei Monate lang – im Wesentlichen auf der Basis von Getreide – überleben, ohne Mangelerscheinungen zu erleiden.
Die größte Zivilschutzübung
Die zweite Säule der Krisenvorsorge besteht laut El Economista darin, zu lernen, wie man sich im Notfall verhält. Finnland hat deshalb in Kuopio eine Übung durchgeführt, die Euronews als «die größte Zivilschutzübung in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs» bezeichnete. Mehr als 2.000 Personen – darunter Freiwillige, Studierende und Militärangehörige – nahmen an einem äußerst komplexen Szenario teil. Dabei wurde eine Lage simuliert, in der Cyberangriffe kritische Infrastrukturen wie die Strom- und Wasserversorgung lahmgelegt hatten, während gleichzeitig die Bedrohung durch Raketenangriffe bestand.
Schweden bezieht in diese Planung noch ein anderes Szenarium ein: den Umgang mit einer Situation, in der Tausende von Menschen ums Leben kommen. Im Mai wurde deshalb das Manöver «Aurora 26» organisiert, bei dem Verfahren für den Umgang mit Todesopfern in einem groß angelegten Konflikt erprobt wurden. El Economista zufolge arbeiteten Mitarbeiter der lutherischen Kirche dabei mit Hunderten von Leichensäcken, sie registrierten Identitäten und übten die Abstimmung mit dem Standesamt, ausländischen Botschaften sowie – gegebenenfalls – dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz.
Obendrein wird in Schweden die Sicherung von Flächen speziell für Verstorbene vorangetrieben. Verbände der Bestattungsbranche setzen gemeinsam mit den schwedischen Behörden Empfehlungen um, die eine ausreichende Friedhofsfläche für eine außergewöhnliche Sterberate von 5 % der jeweiligen Gemeindebevölkerung vorsehen. In Göteborg wurden laut El Economista zusätzliche 40.000 Quadratmeter Land erworben, die Platz für rund 30.000 Bestattungen bieten sollen. Diese Fläche kommt zu den etwa 60.000 Quadratmetern hinzu, die für den normalen Bedarf benötigt werden. Gerechtfertigt wird diese Maßnahme mit dem Umstand, dass die Anlage neuer Friedhöfe aufgrund städtebaulicher und administrativer Erfordernisse viele Jahre in Anspruch nehmen kann.
Quelle:
Entdecke mehr von Krisenfrei
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar