von Jochen Mitschka (tkp)
Wieder einmal haben die USA ein deutlich schwächeres Land militärisch angegriffen, weil es nicht den US-Befehlen folgen wollte. Diesmal ist Venezuela das Opfer der US-Kriegsmaschinerie.
Seit den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 wurden mindestens sieben Explosionen in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gemeldet, begleitet von tief fliegenden Flugzeugen. Die venezolanische Regierung unter Präsident Nicolás Maduro beschuldigt die USA, zivile und militärische Einrichtungen in mehreren Bundesstaaten angegriffen zu haben. Weitere Berichte sprechen von massiven Explosionen in der Nähe des El Libertador Air Base in Maracay (Hauptquartier der venezolanischen Luftwaffe) und am Higuerote Airport. In Sozialen Medien wird berichtet, dass Teile der Stadt ohne Strom seien, und Zivilisten in einigen Vierteln durch die USA angegriffen wurden. Es erinnert Vieles an die Geschichten aus dem Buch „Dirty Wars“ von Jeremy Scahill.
Der Angriff
Die USA werden von Venezuela direkt für die Angriffe verantwortlich gemacht. Es gibt Hinweise auf US-Luftangriffe und Drohnenoperationen, die als „großangelegte militärische Operationen“ beschrieben werden. Fast alle US-Luftwaffenflugzeuge haben ihre Flugverfolgungstransponder deaktiviert, was auf erhöhte Geheimhaltung hindeutet. Noch unbestätigte Berichte sprechen sogar von einer möglichen Bodeninvasion durch US-Truppen, was jedoch noch nicht verifiziert ist.
Maduro hat zuletzt noch betont, dass Venezuela nicht erobert werden könne, und auf Unterstützung von Verbündeten wie Kolumbien oder den VAE hingewiesen. Es gibt Hinweise darauf, dass die USA eine „chirurgische Operation“ durchführen, um Maduro zu ermorden und die Regierung zu stürzen.
Die Medien
Al Jazeera berichtet, dass dies Teil einer Serie von US-Angriffen auf mutmaßliche Drogenboote sein könnte, mit mindestens fünf Toten in den letzten Tagen – die Gesamtzahl der Bootsangriffe liegt bei 33. Obwohl es in den USA keine Todesstrafe gegen Drogenschmuggel gibt, hat Donald Trump sie offensichtlich verhängt, und sich zum Ankläger, Richter und Henker gleichzeitig erklärt, natürlich ohne dem Beschuldigten irgendein Recht zuzubilligen. Um es diplomatisch auszudrücken: Kritiker sehen darin einen Verstoß gegen internationales Recht, da keine unmittelbare Bedrohung durch Venezuela für die USA vorliege.
Konsequenzen
Es ist unerheblich, ob es „nur“ um die Ermordung von Drogenschmugglern oder den Präsidenten von Venezuela handelt. Es ist und bleibt ein illegaler Angriffskrieg gegen das souveräne Land Venezuela. Und wie wir seid den Nürnberger Prozessen wissen, sind Angriffskriege das höchste aller Kriegsverbrechen.
Chinas und Indiens Reaktionen
Historisch verfolgt China eine Politik der absoluten Nichteinmischung. Aber schon vor dem heutigen Angriff hatte sich das Land deutlich positioniert und die US-Aktionen scharf kritisiert. Zu dem heutigen Kriegsbeginn gibt es noch keine Stellungnahme, aber außer der üblichen Diplomatie ist nicht zu erwarten, dass China aktiv wird. Russland bemüht sich offensichtlich um Entspannung, und glaubt, Kreise in den USA stärken zu können, welche eine friedliche Beziehung mit Russland anstreben. Und so bittet Putin höflichst, doch die Verfolgung eines Tankers zu unterlassen, und übergibt dem US-Militärattaché Beweise aus den Drohnen, welche angeblich auf Putins Residenz gezielt hatten. Vielleicht ringt der Kreml auch noch intern darum, wie geantwortet werden sollte, obwohl solche Pläne eigentlich fertig in der Schublade liegen müssten.
Indien hat bisher keine offizielle Stellungnahme zu den Explosionen in Venezuela abgegeben. Die indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi konzentriert sich in ihren Äußerungen auf innenpolitische Themen wie Wetterwarnungen und wirtschaftliche Updates, ohne die Venezuela-Situation direkt anzusprechen. Allerdings berichten indische Medien ausführlich, und der öffentliche Druck auf die Regierung wächst.
Nachbarländer
In Brasilien gibt es zu den Explosionen vom 3. Januar 2026 noch keine neue offizielle Erklärung, aber die Vorwarnungen implizieren eine Verurteilung jeder einseitigen US-Aktion. Als Nachbarland und Mercosur-Mitglied hat Brasilien ein starkes Interesse an Stabilität in der Region, und Lula hat Maduro kürzlich kontaktiert, um die Beziehungen zu stärken. Aber mehr ist nicht zu erwarten.
Kolumbien hat sich klar gegen die gemeldeten US-Angriffe auf Venezuela positioniert und fordert eine internationale Deeskalation. Präsident Gustavo Petro hat die Explosionen in Caracas als „Bombardement“ bezeichnet und die Weltöffentlichkeit gewarnt, dass Venezuela angegriffen werde. Petro hat zu einem Notfalltreffen des UN-Sicherheitsrats und der OAS (Organisation Amerikanischer Staaten) aufgerufen, um die Situation zu besprechen. Die US-Botschaft in Bogotá, die für venezolanische Angelegenheiten zuständig ist, hat US-Bürger gewarnt, nicht nach Venezuela zu reisen, und diejenigen vor Ort aufgefordert, in Deckung zu gehen und das Land zu verlassen. Es gibt Spekulationen, dass Kolumbien als Nachbarland und potenzielles nächstes Ziel (z. B. aufgrund von Ressourcen oder politischen Spannungen) selbst bedroht sein könnte, was von Beobachtern wie Eva Golinger betont wird.
Zu Widerstandsbewegungen wie der ELN (Ejército de Liberación Nacional) oder FARC-Dissidenten, die enge Beziehungen zu venezolanischen Sicherheitsdiensten pflegen, gibt es bisher keine direkten Stellungnahmen zu den Explosionen vom 3. Januar 2026. Diese Gruppen operieren grenzüberschreitend und haben Allianzen mit venezolanischen Streitkräften, einschließlich Schutz und Kooperation in Grenzregionen wie Catatumbo. Allerdings hatte die ELN im Dezember 2025 Zivilisten in kontrollierten Gebieten angewiesen, drei Tage zu Hause zu bleiben, während sie militärische Übungen durchführte – explizit als Reaktion auf „imperialistische Bedrohungen“ durch eine mögliche US-Intervention unter Trump. Dies deutet auf Vorbereitungen für einen Konflikt hin, in dem sie Venezuela unterstützen könnten. FARC-Dissidenten sind in Kämpfe mit anderen Gruppen verwickelt und nutzen venezolanisches Territorium als Rückzugsraum, wo sie mit lokalen Sicherheitskräften zusammenarbeiten.
Maduro „verhaftet“
Donald Trump behauptete zuletzt, den Präsidenten Venezuelas „verhaftet“ zu haben und außer Landes gebracht zu haben. Das Kidnappen eines Staatsoberhauptes ist zwar ein ungeheurer Vorgang, aber er wird nicht Venezuela automatisch in die Knie zwingen. Der Widerstand gegen die US-Erpressungen wird dadurch nicht beendet werden.
In Venezuela gibt es eine größere Opposition als in Afghanistan, und möglicherweise wird sie mit den USA kooperieren. Aber das Land ist groß, und ähnlich wie in anderen Ländern gibt es einen großen Unterschied zwischen Land und Stadt.
Es bleibt abzuwarten, ob im Fall eines Regierungssturzes ein Bürgerkrieg ausbricht. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Insbesondere die kolumbianisch ELN könnte gemeinsam mit Teilen der Sicherheitskräfte, die sich nicht einer Besatzung unterordnen wollen, einen langen und blutigen Bürgerkrieg auslösen, und sich dabei auf einen Teil der Landbebevölkerung stützen, und auf die Armenviertel in den Großstädten.
Entdecke mehr von Krisenfrei
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
„Johann Wolfgang von Goethe erlebte die Kanonade von Valmy am 20. September 1792 als Begleiter des Herzogs von Weimar in der preußisch-österreichischen Armee. In seiner Schrift „Kampagne in Frankreich 1792″ beschrieb er den Wendepunkt treffend mit: „Von diesem Ort und von diesem Tag an beginnt eine neue Ära in der Weltgeschichte, und ihr alle könnt sagen, dass ihr dabei gewesen seid“.“