Nach der Pandemie droht der Hunger

Christa Dettwiler (infosperber)

Das Welternährungsprogramm rechnet damit, dass sich die Zahl hungernder Menschen bis Ende des Jahres fast verdoppeln könnte.

Die Corona-Krise trifft, einmal mehr, die Ärmsten am härtesten. Nach der Angst vor Ansteckung droht nun der Hunger. Im grössten Slum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gab es bei einem Ansturm auf Mehl und Speiseöl viele Verletzte und zwei Tote, berichtet die «New York Times». In Indien stellen sich tagtäglich Tausende Menschen für Brot und gebratenes Gemüse an. Und in Kolumbien hängen Haushalte rote Kleider oder Flaggen in ihre Fenster, um anzuzeigen, dass sie hungern.

Geschlossene Läden, unterbrochene Lieferketten, Ausgangssperren und Verlust von Arbeitsplätzen und Einkommen haben das Problem massiv verschärft. «Man nannte das Corona-Virus den grossen Gleichmacher, weil er arm und reich befällt. Aber das stimmt nicht», sagte Asha Jaffer zur «New York Times», eine Freiwillige, die im Elendsviertel Kibera in Nairobi Essen verteilt. «Es ist vielmehr der grosse Aufdecker, der den Klassenunterschied in unserem Land blossstellt.»

Und Arif Husain, Chefökonom des Welternährungsprogramms der Uno, doppelt nach: Schon vor der Krise hätten 135 Millionen Menschen an Nahrungsmangel gelitten, nun könnten weitere 130 Millionen dazukommen. Insgesamt könnten bis Ende des Jahres 265 Millionen an den Rand des Hungertodes gedrängt werden.

Die aktuellen Hungerkrise wird von Faktoren verschärft, die alle mit der Pandemie zu tun haben:

  • Einkommensverlust für Millionen Menschen, die von der Hand in den Mund leben;
  • der Zerfall des Ölpreises in Staaten, die von Ölexporten abhängig sind;
  • der Mangel an harter Währung, weil der Tourismus eingebrochen ist;
  • Angehörige in Übersee, die kein Einkommen mehr nach Hause schicken können;
  • geschlossene Schulen für mehr als 368 Millionen Kinder und damit auch keine Schulmahlzeiten.

Auch in Venezuela sieht die Lage düster aus. Der wirtschaftliche Kollaps, der das Land schon vor der Corona-Krise durchschüttelte, verschärft sich zusehends. Die von der Regierung bereitgestellten Rationen sind längst verteilt. Auch in Indien ist für Tagelöhner der Hunger die grössere Bedrohung als das Virus.

Am schlimmsten aber trifft es Flüchtlinge und Menschen in Konfliktgebieten. Ausgangssperren und eingeschränkte Bewegungsfreiheit vernichten die mageren Einkommen von Vertriebenen in Uganda und Äthiopien. Die Auslieferung von Saatgut und Landwirtschaftsgeräten im Süd-Sudan und die Verteilung von Nahrungsmitteln in der Zentralafrikanischen Republik sind unterbrochen. Eindämmungsmassnahmen in Niger, wo gegen 60’000 Flüchtlinge aus Mali leben, haben zu Kostenexplosionen bei Nahrungsmitteln geführt. Die Pandemie verlangsamt auch die Anstrengungen, die historische Heuschreckenplage im Osten und am Horn von Afrika zu bekämpfen. Weil Flughäfen geschlossen und Lieferketten unterbrochen sind, gelangen keine Pestizide mehr ins Land, um die Weiden und Nahrungspflanzen zu schützen.

Der zunehmende Hunger, so die Befürchtung von UN-Experten, könnte die sozialen Unruhen in armen Ländern noch verschärfen. Bereits haben in Kolumbien Menschen Strassen blockiert, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. In Südafrika wurden Lebensmittelläden überfallen. Selbst Hilfsmassnahmen sind zu einer Gefahr geworden: Wenn, wie in Nairobis Elendsviertel Kibera, grosse Gedränge bei der Nahrungsmittelverteilung entstehen, steigt die Gefahr einer Ansteckung mit dem Sars-Cov-2.

(Visited 305 times, 1 visits today)
Nach der Pandemie droht der Hunger
2 Stimmen, 5.00 durchschnittliche Bewertung (98% Ergebnis)

3 Kommentare

  1. Gerade auf einem Video von Böhringer gehört.

    In der derzeitigen Lage , können Asylbewerber ihren Antrag per Internet, aus ihrem Heimatland stellen! Es wird jetzt immer besser und der Deutsche Michel muss bald nicht nur nicht hungern, sondern verhungern!

    • "der Deutsche Michel muss bald nicht nur nicht hungern, sondern verhungern" 

      Das hat man von einer ideologiebesessenen Kanzlerin, der die Ideologie wichtiger ist als ihr Amtseid!  Zu Boehringer.  Wenn die AfD-Leute sprechen, gehen alle anderen raus, weil sie partout nicht wissen wollen, was das Volk denkt!  Schäbiger Bundestag!

      https://www.youtube.com/watch?v=edhV3pP0WB0&feature=youtu.be

      "In der Tat spricht MdB Boehringer in min. 2:41 von "über (!) 15 Mio. Kurzarbeitern in der `B.R.D.`" – das ist krass.

      Die sog.BArg.für Arbeit will die genaue Zahl der gegenwärtig in KZA befindlichen AN "nicht kennen"

      https://www.lohn-info.de/kurzarbeitergeld_statistik.html

      (Zitat)

      "Für wie viele Personen insgesamt die Betriebe Kurzarbeit angemeldet haben, lässt sich anhand der Daten derzeit nicht ermitteln. Die BA geht aber davon aus, dass die Zahl der Kurzarbeiter deutlich über dem Niveau der Wirtschafts- und Finanzkrise liegen wird […]"

      Vielleicht kommt auch ein dritter trockener Sommer auf uns zu.  Hier in Frankfurt und Umgebung hat es seit mindestens 5 Wochen nicht mehr regnet – und auch heute kamen zwar Wolken, bei mir aber kein Regen.  Das hat man vom nicht-menschengemachten Klimawandel, den man mit CO2-Steuern ändern will!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*