Mit Gold und noch viel mehr auf Nummer sicher

von Manfred Gburek

Am Freitagabend überflog ich routinemäßig wie gewohnt ein gutes Dutzend auf Edelmetalle spezialisierte Internetseiten, unter anderen kitco.com. Dort war wieder einmal zu lesen, die im Tagesverlauf hektischen Ausschläge des Goldpreises seien auf bargain hunting und safe-haven buying zurückzuführen gewesen, frei übersetzt also auf Gelegenheits- und Sicherheitskäufe. Dieses Mal stimmte die Interpretation. Denn potenzielle Käufer, die seit Monaten auf die Absicherung ihres Vermögens aus sind, freuen sich jetzt ebenso über jeden Goldpreisrückgang unter 1700 Dollar, um massiv zuzugreifen, wie sie sich gefreut und zugegriffen haben, als der Goldpreis im Lauf dieses Jahres unter 1600 Dollar fiel. Beim nächsten Mal werden womöglich Preise um 1800 Dollar eine Auffanglinie bilden – falls sie dann nicht schon durch die Decke gehen. Dies zur Beruhigung solcher Leser, die zuletzt wegen der Preisschwankungen nervös geworden sind.

Aber warum kaufen Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, jetzt noch Gold? Ich wurde mit dieser Frage am Donnerstagabend von einigen auf Immobilien spezialisierten Journalistenkollegen konfrontiert, als wir den Abend im Berliner Szenelokal Tucholsky ausklingen ließen. Ihr Argument, das auch in anderen Kreisen weit verbreitet ist: Gold bringt keine Zinsen, dagegen werfen Immobilien Mieterträge ab. Ich beschränkte mich auf Gegenargumente wie: ungehemmte Staatsverschuldung, negative Realzinsen, massive Goldkäufe durch Fonds und zunehmend auch durch Zentralbanken sowie durch eine ganze Reihe asiatischer Länder, angeführt von China und Indien.

Dennoch konnte ich die Zweifel meiner Kollegen nicht ganz ausräumen. Wenigstens gelang es mir, sie mit dem Hinweis auf staatliche Eingriffe in den Immobilienmarkt nachdenklich zu stimmen, wie früher Zwangshypotheken und Lastenausgleich, heute Mietobergrenzen und in Zukunft wahrscheinlich Vermögensabgaben und/oder Steuererhöhungen.

Seltsamerweise ist der aktuelle Boom der Wohnimmobilien (außer in weniger attraktiven Städten und Regionen) auf das Sicherheitsbedürfnis der Menschen zurückzuführen. Das ergeben jedenfalls Umfragen bei deutschen Käufern. Zu denen mischen sich jetzt immer mehr Ausländer. Sie haben unterschiedliche, zum Teil abartige Motive. Die einen wollen nur ihr Vermögen diversifizieren, andere sehen Deutschland als Hort der Stabilität, wieder andere gehen mit hohem Fremdkapital spekulativ ins Risiko, träumen von hohen Mietsteigerungen oder investieren in Berlin, weil hier die Preise nur einen Bruchteil von London und Paris ausmachen.

Obwohl beim Goldkauf das Sicherheitsbedürfnis ebenso im Vordergrund steht wie beim Erwerb von Immobilien, unterscheiden sich die beiden Käufergruppen doch gewaltig: Während die einen sicher anlegen möchten, obendrein liquide bleiben wollen und im Extremfall den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems einschließlich Währungsreform erwarten, streben die anderen – sofern sie Vermieter sind – möglichst stabile Renditen an oder – als Selbstnutzer – Werterhalt und Unabhängigkeit von steigenden Mieten. Die beste Kombination ist ohne Zweifel Gold plus selbst genutzte Wohnimmobilie.

Dem Thema Sicherheit habe ich im diesjährigen Magazin zur Edelmetall- und Rohstoffmesse einen längeren Beitrag gewidmet, sodass Sie dort alle wesentlichen Aspekte finden. Auf zwei möchte ich allerdings hier noch einmal besonders hinweisen: Familie einschließlich Freundschaften und Vorsorge für den Notfall. In beiden Fällen handelt es sich um komplexe Zusammenhänge.

Die Familie sollte mindestens zwei Generationen einbeziehen, wobei die jüngste im Zweifel noch Vater und Mutter auf der Tasche liegen dürfte, was im Budget einkalkuliert sein muss. Wichtig ist, dass mindestens ein Familienmitglied über die wesentlichen Geldanlagen, Versicherungen und das ganze Drumherum Bescheid weiß. Hier empfiehlt sich der Gedankenaustausch mit Freunden, die ähnlich ticken. Falls sie Banker sind, müssen sie unbedingt zu hundert Prozent vertrauenswürdig sein und dürfen auf keinen Fall eigene Interessen oder die der Bank verfolgen.

Das Einbeziehen von mindestens zwei Generationen ist wichtig, weil Vermögenserhalt oder im Idealfall Vermögensmehrung erfahrungsgemäß selten in nur einer Generation gelingt. Außerdem müssen Schenkungen und Erbschaften rechtzeitig geplant werden. Die Solidarität unter Freunden kann so weit gehen, dass man sich gegenseitig mit allerlei Diensten aushilft und, falls genug Wohnraum zur Verfügung steht, sogar unter einem Dach wohnt.

Der Vorsorge für den Notfall wurden schon ganze Bücher gewidmet. Deshalb konzentriere ich mich hier auf das Wesentliche, und das ist die ausreichende Vorbereitung auf einen Stromausfall, der ja spätestens nach der Energiewende nicht mehr ins Reich der Spinnerei gehört. Dazu gehören an erster Stelle: ein möglichst umfangreicher Wasservorrat, alle notwendigen Medikamente und genug Bargeld. Darüber hinaus empfehlen sich: Decken, Pullover, Konserven, haltbare Lebensmittel, ein Campingkocher mit umfangreichem Zubehör, Streichhölzer, Kerzen und ein batteriebetriebenes Radio zum Abhören von Nachrichten, weil im Fall eines Stromausfalls über kurz oder lang alle elektronischen Geräte ihren Geist aufgeben.

Auch in so einem Fall kann die Solidarität unter Familienmitgliedern und Freunden schon eine Rolle spielen, erst recht jedoch, wenn es in der – dann eher armen – Bevölkerung zu gären beginnt. Wir sollten nicht so naiv sein, zu glauben, die zuletzt besonders in Griechenland und Spanien ausgebrochenen Unruhen könnten Deutschland kaum erfassen. Im Ernstfall wird es wichtig sein, dass Familie und Freunde ein möglichst effektives Bollwerk gegen die Gewalt von außen bilden. Dazu gehören dann auch Sicherheitsvorkehrungen wie zusätzliche Türschlösser und Alarmanlagen.

Sobald es zu Unruhen kommt, durch die Politiker sich zu Gegenmaßnahmen gezwungen sehen, wird nicht lange gefackelt, sondern mindestens der letzte Armutsbericht als Beleg dafür herangezogen, dass Einkommen und Vermögen umverteilt werden müssen. Ob das Ganze dann Soli 2 heißt oder als Notstandsgesetz durch den Bundestag gewunken wird, spielt keine Rolle. Jedenfalls dürften in diesem Fall all die Anleger glimpflich davonkommen, die sich auf ihre selbst genutzte Wohnimmobilie beschränkt haben, statt Vermieter zu werden – und die genug Gold gekauft haben, mit dem sie der dann einsetzenden massiven Geldentwertung davonkommen.

Quelle: gburek

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