Lithium für Batterien – die Achillesferse der Elektroautos

Christa Dettwiler (infosperber)

Die USA machen zwar Milliarden locker für den Abbau von Lithium. Doch niemand will die Umweltbelastung in seiner Gegend.

Auf einem erloschenen Vulkan im Norden Nevadas bereiten Arbeiter Sprengungen und massive Aushubarbeiten vor, um eine grosse Lithium-Mine in Betrieb zu nehmen. Es ist die Erste seit mehr als zehn Jahren. Dort soll der Stoff abgebaut werden, der Elektrobatterien antreibt und für erneuerbare Energiesysteme benötigt wird. Die Mine soll die fast totale Abhängigkeit der USA von ausländischen Lieferanten durchbrechen.

Viel Wasser und ein gigantischer Abfallberg

Das Projekt, bekannt als Lithium Americas, stösst allerdings auf Widerstand. Ureinwohner, Landwirte und Umweltorganisationen erheben Einspruch, weil die Mine voraussichtlich Milliarden Liter des wertvollen Grundwassers verbraucht und Teile davon für 300 Jahre verseuchen könnte. Zudem hinterlässt die Mine einen gigantischen Abfallberg. Es ist ein Kampf David gegen Goliath. Und es ist nicht der einzige. Weltweit brechen um den Abbau von Rohstoffen für vermeintlich grüne Energien Konflikte aus.

Statt Erdöl und Gold jetzt Lithium, Kobalt und Nickel

Der Abbau von Lithium, Kobalt und Nickel richtet massive Schäden an, die im Rennen zwischen den USA, China, Europa und anderen Staaten gerne übersehen werden. Der aktuelle Kampf um die Mineralien, die ihren Ländern in den nächsten Jahrzehnten zu wirtschaftlicher und ökonomischer Dominanz verhelfen können, ist vergleichbar mit den historischen Auseinandersetzungen um Gold oder Öl.

Das Nevada-Projekt etwa, das in den letzten Tagen der Trump-Präsidentschaft grünes Licht erhalten hatte, soll den Vereinigten Staaten die Führung in der Produktion dieser Rohmaterialien sichern, zumal sich Präsident Joe Biden dem Klimaschutz verschrieben hat. So sind bereits weitere Lithium-Minen in Kalifornien, Oregon, Tennessee, Arkansas und North Carolina geplant.

Aimée Boulanger ist Direktorin der Initiative für Responsible Mining Assurance, eine Organisation, eine Organisation, die Minenprojekte von BMW, Ford und anderen überwacht. Sie sagte gegenüber der New York Times: «Obwohl die Absichten gut sind, kann unser Bedarf an sauberen Energien grossen Schaden anrichten. Das darf nicht passieren.»





Im ersten Quartal 2021 haben Lithium-Minenbetreiber in den USA an der Wall Street gegen 3,5 Milliarden US-Dollar beschafft, siebenmal soviel wie in den drei Jahren zuvor. Fachleute gehen davon aus, dass sich der Bedarf an Lithium noch vor Ende dieses Jahrzehnt verzehnfachen wird, schliesslich haben Tesla, VW, General Motors und andere Dutzende neue Elektromodelle in der Pipeline. Obwohl die USA auf riesigen Reserven sitzen, ist bislang nur eine einzige grosse Lithium-Mine – Silver Peak in Nevada – in Betrieb. Seit den 1960er Jahren produziert sie etwa 5’000 Tonnen pro Jahr, weniger als zwei Prozent der weltweiten Produktion. Der grösste Teil stammt aus Lateinamerika oder Australien und wird mehrheitlich in China und anderen asiatischen Ländern in Batterien verbaut.

Jetzt wollen US-Minengesellschaften die Produktion von Lithium massiv ankurbeln und wünschen von der US-Regierung im Rahmen des geplanten Infrastruktur-Programms 10 Milliarden Dollar Subventionen. Es gehe um die nationale Sicherheit, argumentieren sie. Sollte China die Lieferungen an die USA einstellen, drohten schwere Konsequenzen, warnt ein Lobbyist für Piedmont Lithium.

«Saubere» Energien» führen zu gigantischer Umweltbelastung

Umweltaktivisten, lokale Gruppen und indigene Stämme dagegen warnen vor massiven Schäden durch den Lithium-Abbau. In der Nähe der Ranch von Edward Bartell in Nevada könnte bald die Mine von Lithium Americas ausgehoben werden. Sie wird etwa eine Tiefe von 112 Metern erreichen. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Mine pro Minute mehr als 12’000 Liter Wasser verbrauchen wird, was den Wasserspiegel auf Barells Land um 3,5 Meter absenken würde. Die Produktion der 66’000 Tonnen Lithium-Karbonat könnte gemäss Regierungsdokumenten das Grundwasser durch arsen- und antimonhaltige Metalle vergiften. Um Lithium zu gewinnen, wird der abgebaute Ton mit täglich bis zu 5’800 Tonnen Schwefelsäure vermischt. In den Dokumenten zur Betriebsbewilligung steht, dass dieser Prozess 270 Millionen Kubikmeter schwefelsäurehaltige Abfälle verursachen wird, die auch schwach radioaktives Uran enthalten können. Zudem werden riesige Flächen Weideland von Antilopen und Brutgebiete von Moorhühnern beeinträchtigt.

Trotz allem hofft Lithium Americas, ihre Mine nächstes Jahr in Betrieb nehmen und damit um die vier Milliarden Dollar verdienen zu können. Der Hauptaktionär des Unternehmens ist ausgerechnet das chinesische Unternehmen Ganfeng Lithium.

Autohersteller geben sich alle Mühe, sich von solchen Vorhaben abzugrenzen. So sagte Sue Slaughter, Direktorin für die Nachhaltigkeit von Lieferketten, gegenüber der New York Times: «Ureinwohner werden vertrieben, ihr Wasser wird vergiftet… Da wollen wir nicht mitmachen. Wir wollen die Unternehmen, von denen wir Material einkaufen, dazu bringen, verantwortlich zu produzieren. Als Grossabnehmer haben wir die Macht, die Situation zu beeinflussen, und das werden wir auch tun.»

Umweltorganisationen werden am Ball bleiben.

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3 Kommentare

  1. Nevada ist seit Jahren unter demokratischer Verwaltung. "Die Regierung unter Trump hat zugestimmt" ist irreführend, weil jeder US-Staat im Grunde selbstständig machen kann was er will. Funktioniert ähnlich wie im Kaiserreich mit seinen 26 Ländern: Jedes hat seine eigene Verfassung. Der Kaiser hat nur vermittelt; nach Außen einen Verbund vertreten. Wenn man sieht welche Firmen beteiligt sind, weiß man allerdings wer hier das wirkliche Sagen hat.

  2. regierung proklamiert erneuerbare:

    man will das weltklima retten – verursacht hier wie nun überall in europa riesige naturschäden – flora und fauna werden nachhaltig zerstört. am beispiel uckermark – vor den toren berlins – tausende windkraftanlagen bis zum horizont – beständiges brummen tag und nacht – folter . nun rotblinkende hügellandschaften bis zum horizont – der ehemaligen wunderschönen endmoräne – kein freier hügel mehr unsere dörfer und landschaften nun industriegebiet – leben kann man hier nicht mehr. was für eine welt hinterlassen wir unseren kindern – politik völlig verantwortungslos.

    was für ein wahnsinn !

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