Kommt ein strenger Winter mit Blackout?

von Wolfgang Prabel (opposition24)

Zerohedge hat gestern einen Eintrag über das Energiegeschäft gepostet, den ich hier auszugsweise zitiere:

Die Erdgaspreise in Europa sind auf über 25 USD pro Million britischer Wärmeeinheiten gestiegen, mehr als 400 % höher als der Durchschnitt von 2010 bis 2020 und deutlich höher als in den USA, wo der Rohstoff bei rund 5 USD pro Million Btu gehandelt wird.

Hungerwinter 1947. Wegen der katastrophalen Ernährungslage legten am Montag, 31. März 1947, in Krefeld Tausende die Arbeit nieder und versammelten sich zu einer Protestkundgebung auf dem Karlsplatz.

In Asien hat Flüssigerdgas kürzlich mit rund 27 USD pro Million Btu den Besitzer gewechselt, ein saisonaler Rekordwert, da auch China von einer weit verbreiteten Energiekrise betroffen ist.

Laut Trafigura, einem der größten Rohstoffhandelshäuser der Welt, sieht sich die Welt in diesem Winter und darüber hinaus mit höheren Öl- und Gaspreisen konfrontiert, da das Angebot Schwierigkeiten hat, mit der schnell steigenden Nachfrage Schritt zu halten. „Wir werden höhere Ölpreise sehen“, sagte Ben Luckock, Co-Leiter des Ölhandels bei Trafigura, in einem Interview mit Bloomberg. Luckock sagte, der Markt bewerte Ölterminkontrakte für die nächsten Jahre falsch, weil die Händler noch nicht auf die Tatsache aufmerksam geworden seien, dass das Angebot-Nachfrage-Gleichgewicht noch einige Zeit angespannt bleiben wird. Übersetzung: Noch höhere Preise sind in Sicht, eine Lockerung ist nicht in Sicht. „Aufgeschatztes Rohöl, insbesondere für Dezember 2022 und 2023, ist billig“, sagte er. Brent-Rohöl zur Lieferung im Dezember 2022 wechselt derzeit den Besitzer bei rund 70 US-Dollar pro Barrel, aber Luckock sagte, er wäre nicht überrascht, wenn Brent bis dahin auf etwa 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen wäre. „Ich habe Mühe, in den nächsten zwei Jahren etwas anderes als höhere Preise zu sehen“, sagte er einen Tag, nachdem Goldman sein Preisziel angehoben hatte, und prognostizierte nun, daß Brent irgendwann im Dezember 90 USD erreichen würde Die Lieferung stieg bereits auf 80 US-Dollar pro Barrel und erreichte damit den höchsten Preis seit fast drei Jahren. Wenn er Recht hat, könnte das für Händler, die auf eine anhaltende Backwardation setzen, verheerend sein: Stand heute notiert die Vorderseite der Kurve über 79 USD pro Barrel, bei einem Backwardation-Markt liegt die Rückseite jedoch weit darunter. Dezember 2022 liegt bei 71 US-Dollar pro Barrel und Dezember 2023 bei 66 US-Dollar pro Barrel. Wenn Trafigura Recht hat, könnten wir auf Contango zusteuern, der den Energiemarkt noch mehr verwüsten würde.

Anmerkung: Backwardation beschreibt eine Preissituation bei Warentermingeschäften, wo der Terminkurs bei Fälligkeit (Liefertermin in der Zukunft) unter dem aktuellen Kurs liegt. Bei Contango liegt der Preis für Lieferung in der Zukunft über dem aktuellen Kurs, je später der Liefertermin ist, desto höher ist der Preis.

Bei Erdgas könnten die Preise in diesem Winter noch weiter in die Höhe schießen, wenn das kalte Wetter die Nachfrage in Europa und Asien erhöht. Die optimistischen Aussichten kommen, da sich die Ölnachfrage schnell auf das Niveau vor der Pandemie erholt, wobei die meisten Händler erwarten, dass der Verbrauch Anfang bis Mitte 2022 den des Jahres 2019 erreichen wird. Frackingunternehmen haben ihre Ausgaben für neue Bohrungen begrenzt und ziehen es vor, Dividenden an die Aktionäre auszuschütten. Wenn diese Förderer sehr zögernd auf höhere Preise reagieren konnte das Ölkartell OPEC+ die Kontrolle über den Markt behalten.

„Die USA Frackingindustrie zeigt eine sehr starke Disziplin. Die Ölpreise sind ungefähr doppelt so hoch wie vor einem Jahr und trotzdem sehen wir keinen großen Anstieg der Bohrungen “, sagte Luckock. Luckock sagte, es sei schwierig, in diesem Winter niedrigere Erdgaspreise in Europa zu sehen, obwohl der Rohstoffhandel bereits ein Rekordhoch erreicht hat: „Wenn ein kalter Winter in Europa oder Asien herrscht, haben wir ein großes Problem“, sagte er. „Wenn es kalt ist und obendrein nicht windig, dann haben wir ein viel größeres Problem. Wir werden mit Engpässen konfrontiert sein.“ Insbesondere sagte Luckock, sei er skeptisch, daß Russland, der größte Gaslieferant für Europa, den Markt absichtlich aus politischen Gründen strafft, was darauf hindeutet, daß Moskau bereits jetzt so viel Gas wie möglich pumpt. „Es ist leicht zu sagen, daß dies politisch motiviert ist, aber ich denke, es ist einfacher als das: Russland sieht sich mit Wartungen in vielen Gasfeldern, sehr geringen Inlandsvorräten, erheblich erhöhten Strömen nach der Türkei konfrontiert, und Gazprom hat Mühe, die Produktion zu steigern“, sagte er.

Anmerkung: Es ist meine sehr persönliche Antwort auf die verfahrene Situation: Ich werde meine Benzinkanister für den Winter füllen, um Notstrom produzieren zu können. Um die Kostensteigerungen für die Heizung zu stemmen habe ich Gazprom, Conoco, Exxon, MOL, PKN, Shell, BP und Total gekauft. Die liegen im Moment alle sehr im Plus. Morgen fange ich an Kaminholz ins Lager zu fahren.

Nun beginnen die Koalitionsverhandlungen. Als Antwort auf die Energiekrise sollte die Abschaltung der Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke auf Eis gelegt werden, bis ein tragfähiges Konzept für die Energieversorgung vorliegt. Wir wissen nicht was der Winter vorhat. Sollte er hart und streng wie 2020/21 werden, dann raucht die Luft. Gegen die Auswirkungen eines Zusammenbruchs der Stromversorgung war Kórona ein lächerlicher Vorfall.


Erstveröffentlichung: Prabelsblog

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-B0527-0001-753 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

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Kommt ein strenger Winter mit Blackout?
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7 Kommentare

  1. Für über 80% der Deutschen ist doch Alles tuti!
    Die Wahlergebnisse zeigen doch eindeutig, weiter so , wir sind mit euch zufrieden!
    Also, es kann nur noch viel schlimmer werden und der Michel wir schreien, wir wollen mehr von dem Mist!

  2. Ich frage ich manchmal, ob diese Blackout-Geschichte, die als nächste Sau durchs Dorf getrieben wird, wieder so ein Angstporno-Szenario ist, um die Menschen gefügig zu halten. Da wir mittlerweile alle stromabhängig sind, sind die Öl- und Gaspreise zweitrangig. Ohne Strom läuft keine Heizung mehr, egal, wie teuer das Öl in den Tanks, oder das Gas aus den Leitungen war/ist. Wenn ein großflächiger Blackout kommt, aus welchen Gründen auch immer, sind die Herrschaften doch ebenfalls betroffen, weil dann auch infrastrukturmäßig alles zusammenbricht. Oder haben die alle Notstromaggregate im Keller stehen? Was würde sein, wenn alles dunkel ist, aber z.B. bei Jensi und Angela zuhause das Licht brennt?

    Allerdings muß man anders herum fragen, wie man auf die Idee kommt, Kraftwerke stillzulegen, ohne ausreichend Ersatz zu haben? Und dazu noch die Elektromobilität und Photovoltaikanlagen forcieren möchte, wenn man jetzt schon vor einem Blackout warnt? Man muß das nicht verstehen, oder?

    Entweder sind die alle vollkommen enthirnt, oder sie haben unendlichen Spaß daran, die Menschen zu tyrannisieren, indem sie uns in die Steinzeit zurück katapultieren. Dann sind sie aber ebenfalls davon betroffen, sofern sie nicht in irgendwelchen Bunkern oder unterirdischen Städten verschwinden.

    • Sehr gut beobachtet… Es sind Urängste, dass wir plötzlich im Winter ohne Schutz vor Kälte darstehen könnten.

      Das Angstszenario dient vielleicht auch im Sinne des Great Resets dazu, den Leuten einen sehr geringen Energieverbrauch aufzuzwingen.

      In den USA ist das in den meisten Staaten nicht durchsetzbar, weil die an niedrige Treibstoffpreise und Stromkosten gewöhnt sind und völlig auf die Barrikaden gehen würden, wenn sie im Autoland USA nicht mehr kostengünstig fahren könnten. Da gibt es ja keine Alternativen zum Auto.

      Ich hatte mich mal mit dem Geet-Motor beschäftigt. Und der stellt zwar keine Energie aus dem Nichts her und bei Einsatz der alternativen Treibstoffe sinkt wohl auch der Wirkungsgrad der Motoren.

      Aber man kann damit offenbar tatsächlich alles Verbrennen, was irgendwie Kohlenstoff (z.B. Zucker) enthält (Abfälle). Und wenn man so einen Stromgenerator umrüstet, verbraucht der zwar auch Energie aber im Ideallfall nur solche, die nicht von den Energiesteuern verfasst wird und entsprechend wenig kostet.

      Sowas zu bauen steht relativ weit oben auf meiner Liste… Allerdings habe ich bisher davor zurück geschreckt, weil die Generatoren zu laut für eine Wohnung sind.

      Und nochmal zurück zu den Ängsten: Ich habe mir einen Miltärwinterschlafsack bis minus 40 Grad hingelegt und den damals in meiner unbeheizten Gartenlaube im tiefesten Winter ausprobiert: Ergebnis: Es war viel zu warm. Mit so nem Ding kann man wahrscheinlich direkt auf dem kalten Boden ohne Zelt schlafen, wenn man den irgendwie einpackt, dass er nicht nass wird. Auf jeden Fall aber in einem Zelt.

      Und so tief werden die Temperaturen in unbeheizten Häusern meistens nicht fallen… Ich hatte mal im Berliner Altbau ohne Heizen immer noch 13 Grad. Und moderene Häuser dürften da viel besser aussehen.

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