von Egon W. Kreutzer

Heute werden sie wieder zusammenkommen, die Koalitionäre.
Die Notwendigkeit für dieses Treffen, lässt sich in leichter Abwandlung eines geflügelten Wortes so beschreiben:
„… denn sie wissen nicht, was sie tun – sollen.“
Dieses makabre Schauspiel liefert die so genannte Koalition nun seit einem Jahr praktisch unterbrechungsfrei auf der Berliner Bühne ab, und zeigt damit, dass es sich um eine Regierung handelt, deren Entscheidungen in Übungen erkämpft werden, die der Volksmund als „Tauziehen“, „Sackhüpfen“ oder „Eierlaufen“ bezeichnet und in entsprechender Feierlaune unter freiem Himmel mit Bier und Bratwurst goutiert. Von einer Regierung wird allerdings anderes erwartet.
Man fragt sich ernsthaft, warum sich Union und SPD überhaupt in dieser Koalition zusammengefunden haben, wo sie sich doch permanent gegenseitig als Opposition zum Koalitionspartner in Stellung bringen.
Es mag die euphorische Erwartung gewesen sein, in dieser Konstellation über Geld ohne Ende zu verfügen. So viel, dass sich damit alle Wünsche würden erfüllen lassen, ganz nach dem Motto: „Jedem das Seine, und mir das meiste“. Doch nachdem die Sondervermögen und die Bereichsausnahmen und der von der Schuldenbremse befreite Wehretat, samt der vermeintlich weiter sprudelnden Steuereinnahmen dann einmal sauber und bis auf einzelne Milliarden heruntergebrochen auf dem Tisch lagen, und sich die einzelnen Ressorts ihre Stücke davon in die Tasche stecken wollten, stellte sich heraus, dass auch der ganz große Hyper-Wumms, den man sich da ausgedacht hatte, nicht ausreichen würde.
Damit war die materielle Basis dieser Koalition zerbrochen. Jenes Fundament, auf dem beide Parteien ihre Luftschlösser errichten wollten, erwies sich als nicht tragfähig.
So, wie es nicht gutgehen kann, wenn man zwei Hunden einen einzigen Knochen hinwirft, so wie es nicht gutgehen kann, wenn sich eine Verschwenderin und ein Geizhals das Ja-Wort geben, kann es auch nicht gutgehen, wenn man eine Regierung aus Hardcore-Sozialutopisten und postkonservativen Pseudokapitalisten schmiedet. Die Annahme, es handle sich beim Ergebnis um das Idealbild der Sozialen Marktwirtschaft, erweist sich spätestens dann als fataler Irrtum, wenn der Markt durch Staatseingriffe zerstört ist, die Wirtschaft am Boden liegt, die Armutsgrenze und das Medianeinkommen den gleichen Wert annehmen und den Sozialisten das Geld der anderen Leute ausgegangen ist.
Die anhand objektiver Tatsachen erfolgte Feststellung des fatalen Irrtums bedeutet jedoch nicht, dass die subjektive Wahrnehmung der Verantwortlichen zur gleichen Einsicht führen muss; schon gar nicht, wenn das narzisstische Ego der Verantwortlichen sich den verfügbaren Sachverstand vollständig unterworfen hat.
Ein wesentlicher Anlass für den Koalitionsausschuss soll die so genannte „Entlastungsprämie“ sein.
Die Länderkammer, die dem hätte zustimmen müssen, hat sich verweigert. Die Begründung dieser Verweigerung sagt mehr über den Niedergang der Republik als alle Statistiken.
Das hatte man sich im Kabinett fein ausgedacht. Die Beschäftigten der Privatwirtschaft sollten ein „Zuckerl“ bekommen, um die von den Energiekosten getriebene Inflation etwas abzumildern. Weil man aber selbst kein Geld dafür im Bundeshaushalt finden konnte, sollte es den Unternehmen erlaubt werden, ihren Beschäftigten innerhalb eines begrenzten Zeitraums bis zu 1.000 Euro brutto für netto, also steuer- und sozialabgabenfrei, auszuzahlen.
So sollte mit dem Geld der anderen Leute Stimmung für die Politik der Koalition gemacht werden, auch in der Hoffnung, auf diese Weise vielleicht dem einen oder anderen AfD-Sympathisanten die Rückkehr ins Lager unserer Demokraten zu erleichtern.
Natürlich stand dieses Ansinnen im Ruch der Erpressung. Arbeitgeber, die sich diese Entlastungsprämie nicht leisten können, hätten mit einer nicht geringen Unruhe unter der Belegschaft rechnen müssen, vielleicht noch angestachelt von den Gewerkschaften, so dass eine Verweigerung, trotz schlechter Geschäftszahlen, eigentlich nur noch möglich gewesen wäre, wenn der Insolvenzantrag bereits gestellt ist.
Es ist unklar, mit welchen Zahlen gerechnet wurde. Ich gehe davon aus, dass man meinte, etwa 20 Millionen Beschäftigte würden diese 1000 Euro erhalten, so dass rund 20 Milliarden Kaufkraft in die Wirtschaft gelangen, was fast wie ein kleines Konjunkturprogramm wirken würde, dabei aber keinen Cent kostet, denn Steuern und Sozialabgaben wären ja ohne die Prämie auch nicht geflossen. Außerdem rechnete man wahrscheinlich damit, dass überdies über die Mehrwert- und andere Konsumsteuern etwa vier Milliarden extra in die Staatskasse fließen.
Genial. Aber nicht zu Ende gedacht.
(Und da sitzen immerhin ein Kanzler und 17 Minister beisammen – keinem ist es aufgefallen.)
Wenn nämlich ein Unternehmen der Privatwirtschaft eine Prämie an seine Mitarbeiter zahlt, schmälert das den Unternehmensgewinn. Der Unternehmensgewinn ist aber Bemessungsgrundlage für Einkommens- und Körperschaftssteuer. Das Steueraufkommen aus diesen Steuerarten würde sinken. Über den dicken Daumen könnte das etwa fünf bis sieben Milliarden Euro ausmachen. Da die Steuern von Einkommen und Ertrag zwischen Bund (~40%), Ländern und Gemeinden (~60%) aufgeteilt werden, würden dem Bund etwa zwei bis drei Milliarden entgehen, den Ländern etwa 3 bis 4 Milliarden. Auch die Mehrwertsteuer ist eine Gemeinschaftssteuer, hier hat der Bund aber einen Anteil von etwas mehr als 50%, so dass sich beim Bund aus der Aktion ein Plus von einer bis zu zwei Milliarden ergäbe, bei den Ländern und Gemeinden aber ein Minus in ungefähr der gleichen Höhe.
Das haben die Länder abgelehnt. Das Geld fehlt sowieso schon allerorten. Nicht auch noch diesen Verlust.
Am Ende wäre die Entlastungsprämie meines Erachtens auch noch verfassungswidrig gewesen, weil nämlich die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei der miserablen Kassenlage nichts erhalten hätten. Aber das nur am Rande.
Mit diesem Rohrkrepierer am Bein soll der Koaltionsausschuss heute auch noch über die Steuerreform diskutieren.
Es besteht Einigkeit darüber, dass Grundsicherungsbezieher nicht, Geringverdiener nicht oder nur marginal entlastet werden sollen. Dies gelingt mühelos, weil beide Gruppen Lohn-/Einkommensteuer nicht oder nur in marginalem Umfang bezahlen.
So weit wäre die Steuerreform schon einmal in trockenen Tüchern.
Es besteht vom Ansatz her Einigkeit darüber, dass Bezieher mittlerer Einkommen spürbar entlastet werden sollen. Da geht es also nur noch darum, wer unter „spürbar“ was zu verstehen beliebt.
Das ist zwar noch ein gutes Stück weit von den trockenen Tüchern entfernt, böte aber eine Chance für eine Einigung, wäre da nicht das Problem mit den höheren Einkommen.
Da ist man sich überhaupt nicht einig. Die SPD will die gesamte Steuererleichterung für die mittleren Einkommen gegenfinanzieren, indem die Besteuerung der höheren Einkommen entsprechend angehoben wird. Die Union ist überzeugt, Steuererhöhungen seien Gift für die Wirtschaft und will diese Gegenfinanzierung nicht mittragen, sondern, ganz im Gegenteil, auch die hohen Einkommen an der Entlastung teilhaben lassen.
Die Chancen für eine Einigung zur Gegenfinanzierung sind dünn gesät, und zwar grundsätzlich außerhalb der Einkommensteuertabelle. Die SPD wird von der Gegenfinanzierung nicht abrücken, also muss die Union zustimmen, dass der Finanzminister eine oder mehrere andere Steuern erhöht oder eine gänzlich neue Steuer erfindet. Auf eine Erhöhung der Mehrwertsteuer warte ich ja schon lange. 21 Prozent könnten wirklich helfen das Problem zu lösen, und Klingbeils Haushaltslöcher gleich mit zu schließen. Am Ende werden die tatsächlich Entlasteten mehr Geld in der Tasche haben, aber auch mehr ausgeben müssen, um sich den gewohnten Lebensstandard weiter leisten zu können.
Lassen wir uns also überraschen.
Morgen wissen wir mehr.
Entdecke mehr von Krisenfrei
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Über unsere Regierung kann man sich nur noch wundern. Unser Brücken müßten fast alle erneuert werden, wie auch in dem Link von Alexander Raue erwähnt wird. Statt dessen wird das Geld für Waffen an die Ukraine ausgegeben!
Die Rahmedetalbrücke auf der A45 bei Lüdenscheid war unendlich lange gesperrt, monatelang sind zwei Brücken auf der A6 nach Heilbronn nur einspurig befahrbar, weil sie sonst mit zwei LKWs offensichtlich zusammenfallen würden. Man hatte wohl auf eine Mautgebühr der Ausländer gehofft, und weil daraus nichts wurde, aber Andreas Scheuer vorab Verträge abschloß, mußte der Bund 243 Millionen Euro an die Betreiberkonsortien zahlen. Scheuer wurde wiederum nicht zum Ersatz verurteilt, weil er einer der Amigos ist, und die Rechtsanwaltskosten des Bundes bei der Streitsumme vermutlich sein Privatvermögen überschritten hätten. Immwerhin sieht man daran, wie leichtsinnig die Beamten und Politiker mit Staatsgeld umgehen. Die Bundesbank verzichtet darauf unser Gold aus den USA heimzuholen, weil es ohnehin verloren ist, und die staatliche Förderbank KfW hat am 15. September 2008 – dem Tag der Insolvenzanmeldung von Lehman Brothers – rund 300 bis 350 Millionen Euro an die bereits bankrotte US-Investmentbank überwiesen, das dann unter die Insolvenzmasse fiel, also verloren war.
So geht es halt bei uns, doch „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.“
Das neue Heizunggesetz beweist wieder einmal, daß die Politiker nie in einer Vermieterhaut gesteckt haben. Die Vermieter dürfen jetzt wieder Öl- und Gasheizungen einbauen, werden jedoch trotzdem betraft, weil sie die Hälfte von der Heizung der Mieter bezahlen sollen. Wer macht denn so was? Dieser Quatsch wird sicher wieder verworfen, zeigt jedoch wie blödsinnig bzw. hirnrissig diese beiden vortragenden Damen sind. Frau Reiche war bei der Schilderung dieses Unsinns so verlegen, daß sie ununterbrochen mit den Augen zuckte. Nicht verlegen war die SPD-Tante und redete frisch von der Leber, weil sie ernsthaft meinte, irgendeinen Vermieter würde ihren Scheiß-Klimaquatsch überzeugen, um die Mieter zu subventionieren.
Der Oberguru des Systems namens Tenhagen, der sich schon einmal für die Riester-Rente stark gemacht haben soll, und der von dem schlichten Verstand der Claudia Schick bei HR-Mex immer als „deus ex machina“ angehimmelt wird, sagt durch dieses Gesetz sei die Gasheizung wohl erlaubt, aber nicht günstig, was die Verfasser dieses Machwerks sicher auch wußten. Also empfahl Tenhagen als treuer Systemverfechter der Altparteien die Wärmepumpe für Vermieter, fand aber gleichzeitig, daß diese bei uns trotz Subvention viel teurer als in Nachbarländern wie Polen sei. Also soll ich als deutscher Vermieter eine Wärmepumpe nehmen, um irgendeiner Klima-Ideologie nachzukommen, weil sie in Polen billiger ist???
Das neue Wärmegestez ist also genauso unausgegoren wie das alte und wird bestimmt erneut verworfen werden, weil nicht alle privaten Vermieter eine Wärmepumpe haben wollen. Das unausgegorene Heizungsgesetz ist deswegen so deprimierend, weil man tatsächlich den Eindruck gewinnen kann, in der Regierung gibt es nur noch Schwachköpfe und diese Schwachköpfe uns tatschlich mit ihrem beschränkten Verstand uns auch noch in einen Krieg mit Rußland treiben wollen.
„Historisch: Neue Umfragewerte sind der Hammer + Hans-Georg Maasen will AfD-Minister werden!“
„Kostenhammer Heizung: Dieses Gesetz trifft jetzt Millionen Vermieter hart | Vertraulich-Clips“
Ich kann mir nicht vorstellen, daß die AfD irgendeine Chance hat, in der Einheitstsregierung beteiligt zu werden, solange sie sich nicht vom Paulus zu Saulus zurückgewandelt hat. Sie wird vermutlich dieselbe erstaunliche Kehrtwendung wie die Grünen nehmen, die ursprünglich einen zu lobenden und von der Bevölkerung erwünschten Schutz der Umwelt propagierten, um dann urplötzlich – unter dem Einfluß des Geldes – zu ausgewiesenen Rußlandhassern zu mutieren.
Dieselbe Vorgehensweise kann man in den USA beobachten. Ungefähr 85 % der Bevölkerung lehnt Trumps Iran-Krieg ab, doch die US-Politiker schaffen es nicht Trump zu einer Kriegserklärung gegen den Iran zu zwingen, den er weiter führt, weil er von einer unsinnig behaupteten Notlage (emergency) als Commander in chief (Oberbefehlshaber) dazu gezwungen wurde.
Inzwischen ist schon die siebte Abstimmung im Senat gescheitert, nachdem inzwischen schon drei republikanische Abgeordnete gegen Trumps Notverordnung stimmten: Lisa Murkowski, Susan Collins und Rand Paul, was ihnen bestimmt schwer fiel gegen ihre Parteimehrheit zu stimmen. Doch der jüdische Senator John Fetterman – ein Israel-Vertreter im Senat, ließ mit 50-49 Stimmen die Kriegsbeschränkung Trumps platzen. Der Senat hat sich dadurch schon zum siebten Mal ad absurdum geführt, weil nach der Verfassung nur er allein Krieg erklären darf und er den nur behaupteten unsinnigen Überraschungsangriff des Iran auf Israel mit Atomwaffen deckt.
So ist es immer. Der Wechsel tritt NIE ein, weil immer geheimnisvollerweise ein Politiker die Seiten wechselt, was die AfD bestimmt auch erleben wird, und was man mit Jörg Meuthen gesehen hat. Die Verfassungsschutz-Agenten in der AfD warten sicher schon darauf die Seiten zu wechseln!
Aufgrund der unglaublich rücksichtslosen Grausamkeiten der Israelis im Nahostkrieg geriet Starmer, Premierminster des in Symbiose mit dem Judentum lebenden Großbitannien, in Bedrängnis und wurde bei den Kommunalwahlen abgestraft, weil er den Spagat nicht gut hinbekam, einerseits Israel intensivst mit Waffen zu versorgen, andererseits sich von Israel zu distanzieren. Deswegen will ihn ca. 80 seiner Labourabgeordneten weg haben, was jedoch in der Sache gar nichts ändern wird! Es lebe die volksverdummende Medien-Demokratie!
https://www.aljazeera.com/news/2026/5/13/three-republicans-break-ranks-but-senate-fails-to-curb-trumps-war-powers
|
US-Israel war on Iran
Republicans break ranks, but Senate fails to curb Trump’s Iran war powers
The bill falls short, but vote shows cracks are starting to appear in Republican support for the US-Israel war on Iran.