Kabul ist gefallen – aber geben Sie nicht Biden die Schuld

Ron Paul (antikrieg)

An diesem Wochenende erlebten die USA einen weiteren „Saigon-Moment“, dieses Mal in Afghanistan. Nach einem 20-jährigen Krieg, der den Amerikanern Billionen aus der Tasche gezogen hat, ist die Hauptstadt Afghanistans kampflos gefallen. Das korrupte Potemkinsche Regime, das die USA zwei Jahrzehnte lang gestützt hatten, und das afghanische Militär, für dessen Ausbildung wir Milliarden ausgegeben hatten, schmolzen einfach dahin.

Jetzt wird eifrig nach einem Schuldigen für das Chaos in Afghanistan gesucht. Viele der „Experten“, die mit dem Finger auf andere zeigen, sind selbst am meisten schuld. Politiker und Experten, die diesen Krieg zwei Jahrzehnte lang befürwortet haben, beeilen sich nun, Präsident Biden dafür verantwortlich zu machen, dass die USA endlich abziehen. Wo waren sie, als die nachfolgenden Präsidenten die Truppen aufstockten und die Mission in Afghanistan ausweiteten?

Der Krieg der USA gegen Afghanistan wurde nicht gestern in Kabul verloren. Er war in dem Moment verloren, als er sich von einer begrenzten Mission zur Ergreifung derjenigen, die die Anschläge vom 11. September 2001 geplant hatten, zu einer Übung in Regimewechsel und Nationenbildung entwickelte.

Unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September schlug ich vor, dass wir Haftbefehle und Repressalien ausstellen sollten, um die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Aber eine solche begrenzte und gezielte Reaktion auf den Angriff wurde damals belächelt. Wie könnten die US-Kriegsmaschinerie und all ihre verbündeten Profiteure ihre Milliarden verdienen, wenn wir nicht einen massiven Krieg anzetteln würden?

Wer ist also schuld an den Szenen, die sich an diesem Wochenende in Afghanistan abgespielt haben? Da gibt es eine Menge zu erzählen.

Der Kongress hat 20 Jahre lang den Teufel an die Wand gemalt und den Afghanistankrieg weiter finanziert, lange nachdem selbst er begriffen hatte, dass die US-Besetzung sinnlos war. Es gab einige Bemühungen einiger Abgeordneter, den Krieg zu beenden, aber die meisten haben auf parteiübergreifender Basis nur mitgemacht, um selbst weiterzukommen.

Die Generäle und andere hochrangige Militäroffiziere haben ihren Oberbefehlshaber und das amerikanische Volk jahrelang über die Fortschritte in Afghanistan belogen. Das Gleiche gilt für die US-Geheimdienste. Wenn es nicht zu einer umfassenden Säuberung derjenigen kommt, die gelogen und getäuscht haben, können wir damit rechnen, dass diese Katastrophen weitergehen, bis sich der letzte US-Dollar in Rauch auflöst.

Der militärisch-industrielle Komplex ist mit dem Afghanistan-Krieg 20 Jahre lang auf der Erfolgswelle mitgeschwommen. Sie bauten Raketen, sie bauten Panzer, sie bauten Flugzeuge und Hubschrauber. Sie heuerten Heerscharen von Lobbyisten und Think-Tank-Autoren an, um die Lüge aufrechtzuerhalten, die sie reich gemacht hat. Sie wickelten ihre Bestechung in die amerikanische Flagge ein, aber sie sind das Gegenteil von Patrioten.

Die Mainstream-Medien haben unkritisch die Propaganda der militärischen und politischen Führer über Afghanistan, Irak, Syrien und all die anderen sinnlosen US-Interventionen wiederholt. Viele dieser Medien sind im Besitz von Unternehmen, die mit der Rüstungsindustrie verbunden sind. Die Korruption ist tiefgreifend.

Auch die amerikanischen Bürger tragen eine Mitschuld. Solange sich nicht mehr Amerikaner erheben und eine pro-amerikanische, nicht-interventionistische Außenpolitik fordern, werden sie weiterhin von Kriegsgewinnlern geschröpft werden.

Die politische Kontrolle in Afghanistan ist zu den Menschen zurückgekehrt, die gegen die Besatzer und für ihr Heimatland gekämpft haben. Das ist die eigentliche Lektion, aber erwarten Sie nicht, dass sie in Washington verstanden wird. Der Krieg ist zu profitabel und die politischen Führer sind zu feige, um gegen den Strom zu schwimmen. Aber die Lektion ist für jeden, der sie sehen will, klar: das globale Militärimperium der USA ist eine ernste Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Zukunft.

(Visited 281 times, 1 visits today)
Kabul ist gefallen – aber geben Sie nicht Biden die Schuld
6 Stimmen, 4.83 durchschnittliche Bewertung (96% Ergebnis)

15 Kommentare

  1.  Tja, wie betrachtet "der Taliban" die vielen kleinen Helferlein der Besatzer?  Als Kollaborateure!  Wie darf man dann, diesbezüglich, eine ausgesprochene Generalamnestie einordnen?  Der "steinzeitliche Krieger" zeigt hier also eine Größe, die fast schon einem Wort Jesu gleichkommt!

     Soviel zu den "westlichen Werten", die, allgemein als "christlich"-jüdisch geprägt dargestellt und jegliches Gutmenschentum einschließend, uns als non plus ultra verkauft werden!  Aber "der Taliban" tut, was sonst keiner kann oder je wollte? 

     Wer muß da eigentlich vor was "gerettet werden"?

    • In der letzten Zeit habe ich das Gefühl, die Russen haben sich heimlich wieder mit den Amis verbündet.  Roosevelt konnte sich auch mit Stalin zunächst nut heimlich verbünden, nachdem dieser fast alle Marschälle der Sowjetunion durch Schauprozessse hatte hinrichten lassen.  Später kam Stalin dann wie Phönix aus der Asche zur gemeinsamen Zerstörung des Deutschen Reichs!  Später wurde die Judenunterdrückung als Hauptargument für den Kriegsgrund.

      Die Amis haben wohl erkannt, daß der Angelpunkt ihrer Politik der Zweite Weltkrieg ist und ihre verbrecherische Rolle dabei könnten nur die Russen beweiskräftig offenlegen.  Also verzichten sie auf die Rohstoffe Sibiriens.

  2. "Die Generäle und andere hochrangige Militäroffiziere haben ihren Oberbefehlshaber und das amerikanische Volk jahrelang über die Fortschritte in Afghanistan belogen."

    Stimmt, "aber immer unverrückbar wie der Nordstern" (nach Shakespeare ist das Julius Caesar) ist die tagtägliche Anschuldigung des ÖRR gegenüber den bösen "Nazis" im Vergleich zu ihren unschuldigen engelsgleichen Gegenspielern: Roosevelt, Churchill und Stalin. Was ein Glück, daß in der Weltgeschichte immer das Gute siegt: wie jetzt in Kabul!  Und damit wir das nicht vergessen, bringt heute Abend ab 18:45 Uhr  zu unserer Erinnerung ZDFInfo ununterbrochen was über den Zweiten Weltkrieg, zum 100.000sten Mal!!!

    War Kabul heimlich geplant mit dem "Westen" oder doch ein spontaner Erfolg der Taliban?  Schwer zu sagen.  Der Fall von Kabul könnte jedoch eine Zäsur einleiten, zu der sich der Kaiser Augustus entschied, als er über einen in Cremona gebürtigen General sagte:  "Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!"

    (Es freut mich, daß Stahlfront wieder da ist, aber bitte keine lieben Grüße, die lauernde Denunzianten erfreuen!)

    •  Es wundert mich doch schon etwas, daß uns so gar keine Schreckensbilder der Untaten der Taliban erreichen?  Wo sie doch sonst immer ihre, dem Koran entsprechenden, Heldentaten dokumentieren und verbreiten?  Aber dennoch so ein Hype um "gefährliche Missionen" zur Rettung von … gemacht wird?  Das stinkt doch zum Himmel!

        • Ja komisch, von Schüssen hat man nichts gehört. Was ist das für ein Schauspiel? Hat Trump da seine Finger im Spiel? Er hat doch, als er noch offiziell im Amt war, mit den Taliban ein Abkommen ausgehandelt, soweit ich mich erinnere? Wie die ursprünglichen Taliban, die man uns immer vorgeführt hat, haben die irgendwie nichts zu tun? Merkwürdig das alles.

          •  Trump hatte einen "Friedensvertrag" mit den Taliban ausgehandelt, der, was immer er beinhalten mag, von Biden nicht mal zeitlich eingehalten wurde! 

             Und jetzt haben diese "bösen Krieger" eine Generalamnestie verkündet!  Und, man kann es selbst auf den MSM nachlesen, recht moderate Vorstellungen, wie das Kalifat zu gestalten sei … 

             Du hast völlig recht, es ist ein Schauspiel!  Und immer wenn Schauspiel angesagt ist, werden ganz andere Weichen gestellt!

            • Ich glaube, es ist jetzt sehr wichtig, auf die Berichterstattung von dort genau zu achten, was man uns auftischen will. Der russische Botschafter oben im Video ist interessant. Wenn es wirklich so ruhig zugeht und die russische Botschaft keinerlei Anzeichen von Evakuierung gemacht hat, mußten sie wissen, was vor sich geht. Putin ist wohl eingeweiht. Uns zeigt man natürlich wieder Bilder von flüchtenden Menschen und Chaos. Jetzt wäre ein Reitschuster dort wünschenswert für eine echte Berichterstattung. Auf jeden Fall schaue ich jetzt dort mal genauer hin, was vor sich geht. Denn wir wissen ja mittlerweile, dass nicht alle Bilder, die man in den MSM zu sehen bekommen, der Wirklichkeit entsprechen. Schaun mer mal, was sich da entwickelt.

  3. "Er war in dem Moment verloren, als er sich von einer begrenzten Mission zur Ergreifung derjenigen, die die Anschläge vom 11. September 2001 geplant hatten, zu einer Übung in Regimewechsel und Nationenbildung entwickelte."

    Bis dorthin habe ich den Artikel gelesen …. was soll eigentlich dieser Unsinn, da hätte man die Neokons mit den zwei Pässen hängen müssen, oder soll uns hier immer noch die Mär von Osama und seine Teppichmesserräubern verklickert werden ???

    Afghanistan hat mit dem 11. September so viel zu tun, wie eine Kuh mit dem Rückenschwimmen.

    Solche Kommentare zu lesen ist reine Zeitverschwendung, für mich jedenfalls.

      • Bin jetzt 54 Jahre, also im Mittelalter, … viel oder wenig ???

        Naja, wenn man 54 Haare in einer Suppe hat, ist das schon sehr viel, wenn man sie auf dem Kopf hat, ist es auch recht überschaubar, klar viele werden nicht mal so "alt", bin zufrieden, und wenn ich mal lange Weile habe, dann schaue ich natürlich nach den scharfsinnigen bzw. tiefgründigen (nicht ironisch gemeint) Kommentatoren von Krisenfrei.

        Ja, wollte eigentlich nicht mehr schreiben, aber der letzte Artikel "US-Faustrecht geht vor Völkerrecht" war so klasse, daß ich einfach meinen Senf dazugeben mußte, gerade bei diesem Beitrag würde mich auch deine Meinung sehr interessieren.

        • "Hast du mehr Haare in den Ohren als auf dem Kopf?
          Ist das Einzige, was dir hinterherpfeift, dein Teekessel?
          Denken kleine Kinder, dass du tot bist, wenn du auf dem Sofa schläfst?

          Wenn du mindestens eine dieser Fragen mit Ja beantworten musst, bist du zweifelsohne ein echter Oldie. Du genießt die wahren Vorzüge dieses goldenen Alters und kennst die guten alten Zeiten, von denen die jungen Leute nur träumen können. Auch wenn die Stones noch weiterrocken, du hast deinen Beitrag geleistet. Lass dich also nicht unterkriegen."

          Grüße Jürgen (der vier Jahre Vorsprung hat!)

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*