Italien, der nächste Black Swan?

Der Brexit und Trumps Sieg werden nicht die einzigen Überraschungsereignisse in diesem Jahr bleiben.

Die arbeitenden Menschen in England und in den Vereinigten Staaten hatten die Nase voll. Sie fühlen sich vom System der abgekarteten Spiele verraten.

Deshalb haben die Menschen beider Länder für einen radikalen Wandel gestimmt. Auch Präsident Obama räumt ein, daß er die Stimmung erkannt hat, wie Bloomberg berichtete:

Natürlich habe ich erkannt, dass es Wut und Frustration in der amerikanischen Bevölkerung gab.

In Europa hat wohl keiner die Stimmung auf der Straße richtig eingeschätzt, oder anders ausgedrückt: Niemand wollte den Zorn der Leute sehen. Die wilden Ausfälle  hier zu Lande erst gegenüber den Brexit-Befürwortern und jetzt gegen Trump sind ein beredtes Zeichen, wie sehr man die Stimmung in der eigenen Bevölkerung unter dem Deckel zu halten sucht, denn die Briten und Amerikaner sind nicht die Einzigen, die nach einem radikalen Wandel hungern.

Schon in drei Wochen dürfte sich die revolutionäre Stimmung in Italien entladen.

Italien wird am 4. Dezember ein Verfassungsreferendum abhalten.

Dann wird sich zeigen wie stark Beppo Grillos Fünf-Sterne-Bewegung (M5S = „movimento 5 stelle“) tatsächlich ist.


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Beppo Grillo von M5S hat versprochen, den Enttäuschten eine Stimme zu geben, um den Euro zu verlassen und Italiens alte Währung, die Lira, wieder einzusetzen, sobald er an der Macht ist. Und das könnte sehr bald sein.

Jede „Ja“-Stimme bedeutet eine Zustimmung für die Regierung von Matteo Renzi.

Mit jeder „Nein“-Stimme zeigt der durchschnittliche Italiener den EU-Bürokraten in Brüssel den Finger.

Kaum noch jemand will die Show länger bezahlen. Nach den jüngsten Umfragen wollen die meisten Italiener mit „Nein“ stimmen. Wird das der Fall, will Italiens derzeitiger Ministerpräsident, zurücktreten. Es wäre der schnellste Weg für M5S, die Macht zu übernehmen.

Doch selbst wenn Matteo Renzi sein Versprechen bricht, könnte Italien immer noch ernste Probleme kriegen.

Eine Niederlage für Matteo Renzi würde längerer politischer Instabilität führen. Renzi könnte zwar bis zu einer neuen Koalition übergangsweise weiter regieren, aber bis zu den regulären Wahlen 2018 wäre seine Niederlage der Beweis, dass Rom reformunfähig ist. Kaum jemand würde noch an der Fähigkeit Italiens glauben, seine Schuldenlast von 135% des Bruttoinlandsprodukts auf eine nachhaltige Basis zu stellen.

Das wiederum würde einen spekullativen politischen Spielraum schaffen, als dessen Folge die tief euroskeptische 5 Sterne Bewegung dann 2018 zur Macht kommen könnte.

Das italienische Referendum (oder „Quitaly“, wie manche es nennen) könnte damit weit mehr Schaden anrichten als der Brexit.

Die Financial Times warnte kürzlich:

Ein italienischer Ausstieg aus der einheitlichen Währung würde den Gesamtkollaps der Eurozone innerhalb kürzester Zeit auslösen. Es würde wahrscheinlich zum heftigsten wirtschaftlichen Schock in der Geschichte führen, neben dem der Lehman Brothers Konkurs im Jahr 2008 und der 1929er Wall Street Absturz noch harmlos waren.

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